Zitationsanalyse - de.LinkFang.org

Zitationsanalyse




Die Zitationsanalyse ist ein Gebiet der Bibliometrie, das sich mit dem Studium von Zitationen, das heißt den Beziehungen zwischen zitierten und zitierenden Arbeiten, und ihrer Anwendung als bibliometrische Untersuchungsmethode beschäftigt.

Als bibliometrische Parameter kommen verschiedene Indikatoren zum Einsatz, die meistens mit Hilfe von statistischen Methoden errechnet werden, wobei bestimmte Annahmen bezüglich des Zitierverhaltens von Autoren gemacht werden:

Weil der Aufbau wissenschaftlicher Publikationen weitgehend standardisiert ist und neben Referenzen andere Daten wie Abstracts, Volltext, Deskriptoren und Anschriften der Autoren enthalten, kommt die Zitationsanalyse immer häufiger zum Einsatz. Zur Recherche und Analyse von Zitationen gibt es Zitationsdatenbanken, die erforderliche Informationen im offenen Format bereitstellen. Da sich die Ergebnisse von Zitationsanalysen oft nicht in einfachen Zahlen ausdrücken lassen, werden auch Methoden der Informationsvisualisierung eingesetzt, um die komplexen Zitationsbeziehungen abzubilden.

Ziele der Zitationsanalyse sind

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


1927 begann das Geschwisterpaar Gross Zitate als bibliometrische Datenquelle zu benutzen. Anhand von Fussnoten wurde die Nennung der chemischen Fachzeitschriften ermittelt. Je häufiger eine Zeitschrift genannt wurde, um so höher wurde die Relevanz gewertet. Dabei fielen Gross & Gross eine ungleiche Verteilung auf. Diese besagt, dass einige wenige Zeitschriften vielfach mehr als Quelle angegeben worden sind, als andere Veröffentlichungen.[2]

Eugene Garfiel schlug 1955 in seinem Artikel „Citation indexes for science“ 1955 vor, Zitationen wissenschaftlicher Veröffentlichungen systematisch zu erfassen und damit Zitationszusammenhänge deutlich zu machen.[3] 1963 erschien der erste gedruckte Science Citation Index, der 562 Fachzeitschriften des Jahres 1961 analysierte und 2 Millionen Zitate veröffentlichte. In Zusammenarbeit mit Irving H. Sher entstand daraus der „Journal Impact Factor“. Dieser ermittelt im Rückblick auf die 2 vorherigen Jahre, wie oft die Artikel einer Fachzeitschrift in einer anderen Zeitschrift zitiert wurden. Die Gesamtanzahl der veröffentlichten Artikel wird durch die errechnete Zahl geteilt und ergibt den entsprechenden Faktor.

Karl Erik Rosengren entwickelte 1966 die Co-citation-Relation. Wenn im Verlauf einer Debatte ein Autor mehrfach zitiert wird, erhöht sich sein Zitationszähler. Bei der gemeinsamen Nennung zweiter Autoren, wird die Relation der beiden verstärkt. Dieser Wert gibt Auskunft darüber, dass beide Autoren offensichtlich auf einem gemeinsamen Arbeitsgebiet forschen. Dieses Verfahren kann auch auf Dokumente und Begriffe angewandt werden.

Robert K. Merton veröffentlichte 1968 den Matthäus-Effekt. Dieser beschreibt, dass bekannte Autoren häufiger zitiert werden als unbekannte. Merton beobachte dabei, dass mit zunehmender Bekanntheit der zitierten Stelle, die Quelle bei weiteren Verwendungen nicht mehr oder nur noch der Autor genannt wird.

Alan Pritchard prägte 1969 den Begriff der Bibliometrie zur quantitativen Messung von wissenschaftlichen Publikationen. Dabei werden Bücher, Aufsätze und Zeitschriften anhand mathematischer und statistischer Methoden vermessen. So wird zum Beispiel ermittelt, wie oft ein Wissenschaftler Artikel in Zeitschriften veröffentlicht. Auch kommen die bisher vorgestellten Verfahren in der Bibliometrie zur Anwendung. Die Bibliometrie ist ein Teildisziplin der Szientometrie.[4]

1973 wurde der erstmals Social Sciences Citation Index veröffentlicht. Dies ist eine vom Institute for Scientific Information entwickelte interdisziplinäre, kostenpflichtige Zitationsdatenbank, die mehr als 3.100 meist englischsprachige Fachzeitschriften aus mehr als 50 sozialwissenschaftlichen Disziplinen betrachtet.

Henry Small und Irina Marshakova entwickelten 1973 die Zitationsanalyse.[5]

1976 wurde das Journal Citation Reports vom Institute for Scientific Information veröffentlicht. Mit dieser Anwendung ist die Recherche in verschiedenen Literatur- und Zitationsdatenbanken nach relevanter wissenschaftlicher Literatur möglich. Dieser Dienst existiert heute unter dem Namen „Web of Science“ und wird von Clarivate Analytics als kostenpflichtiges Webangebot betrieben.

Der Begriff „Szientometrie“ (engl. „Scientometrics“) stammt aus dem von Wassili Nalimow 1969 veröffentlichten gleichnamigen Buch. Derek de Solla Price begründete mit Eugene Garfield 1978 dieses Verfahren. Neben der Bibliometrie können auch weitere Informationen wie zum Beispiel die Anzahl der Universitätsabsolventen vermessen werden. Die Szientometrie wird der Infometrie und häufig auch den Wissenschaftswissenschaften zugerechnet.

Im gleichen Jahr entstand der Arts and Humanities Citation Index, der als kostenpflichtige Zitierdatenbank mehr als 1.100 Fachzeitschriften aus den Bereichen Kunst und Geisteswissenschaft listet.[6]

1985 veröffentlicht Terrence A. Brooks ein Buch, in dem er die verschiedenen Zitiermöglichkeiten und die Motivation, Zitierungen anzuwenden, vorstellt.[7]

China stellt 1988 die chinesischen Datenbank für wissenschaftliche und technische Veröffentlichungen (CSTPC) zur Verfügung, die die in chinesischen wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichten Berichte auflistet.[8]

Zitationsgraphen


Eine Menge von Zitationen und dazugehörigen Publikationen lassen sich mathematisch als Graph beschreiben, der dann als Zitationsgraph (auch Citespace) bezeichnet wird. Zur Analyse kommen unter anderem Methoden der Netzwerkanalyse zum Einsatz. In den Zitationsgraphen bilden Publikationen (in der Regel wissenschaftliche Fachartikel) Knoten, zwischen denen Zitationen die Kanten aufspannen. Alternativ lassen sich auch alle Artikel einer Fachzeitschrift zu einem Knoten zusammenfassen, um verschiedene Zeitschriften zu vergleichen. Weitere Möglichkeiten zur Konstruktion von Graphen aus Zitierungsdaten sind Informationen zur Koautorschaft und Kozitation. Die wichtigsten auf Zitation beruhenden Beziehungen zwischen zwei Publikationen A und B sind:

Aus Untersuchungen von Zitationsgraphen lassen sich verschiedene Regelmäßigkeiten und Strukturen über das Publikationsverhalten von Autoren ablesen. Es zeigt sich, dass Zitationsgraphen skalenfreie und Kleine-Welt-Netzwerke bilden. Durch Clusteranalyse und anderen Techniken der Netzwerkanalyse können Communities von sich oft gegenseitig zitierenden Forschern gefunden werden.

In der Webometrie werden analog zum Zitationsgraphen Verlinkungsgraphen von Webseiten und Hyperlinks (Sitationen) untersucht.

Fehlerquellen


Die Ergebnisse der Zitationsanalyse können durch verfälschte Indikatoren wie zum Beispiel die Publikationsrate von Autoren verzerrt werden. So werden Autoren mit großer Anzahl an Publikation zwar öfter zitiert, was sich in der Statistik niederschlägt, dies muss aber nicht bedeuten, dass sie oder ihre Beiträge bedeutender sind als andere. Manche Autoren veröffentlichen das gleiche wissenschaftliche Ergebnis mehrmals unter anderen Titeln oder in verschiedenen Sprachen.

Statistische Artefakte entstehen dadurch, dass bei Publikationen mit mehreren Verfassern nicht alle Autoren berücksichtigt werden. Auch die Gewichtung der einzelnen Autoren nach Arbeitsanteil kann in der Analyse kaum verwertet werden, da die Autorennamen oft aus technischen Gründen alphabetisch gespeichert werden. Auch Tipp- und Transkriptionsfehler, die bei der Erfassung von Namen in heterogenen Zeichensatzsystemen entstehen, fallen in diese Kategorie.

Unvergleichbare Vergleiche entstehen dann, falls zum Beispiel Rangordnungen bei Zeitschriften erstellt werden, die vorhandene Informationen wie Verlagszyklen, Publikationsrate vernachlässigen. Auch Zitate von Review-Artikeln, die lediglich einen Überblick bieten, können ohne inhaltliche Auswertung durch statistische Automatismen kaum gefiltert werden.

Unzulässige Verwendung mathematischer oder statistischer Verfahren, deren Voraussetzungen nicht erfüllt oder verletzt werden, ohne entsprechende Korrekturen vorzunehmen, führt zu Ineffizienzen. Diese können eine zu geringe Anzahl an Dokumenten sein wie im Falle der Multidimensionaler Skalierung oder das Fehlen einer Normalverteilung bzw. eine unzulässige Datenunabhängigkeit bei Regressionsanalyse.

Zitieren von eigenen Werken bzw. aus Gefälligkeitsgründen gilt zwar als unseriös, ob allerdings sachliche oder eher strategische Gründe vorliegen, lässt sich oft nur schwer feststellen.

Nicht berücksichtigte Unterschiede in der Art des Referenzierens bei verschiedenen Disziplinen.

Problematik


Da davon ausgegangen wird, dass gute Arbeiten häufiger zitiert werden, wird die Anzahl der Zitationen, die ein wissenschaftlicher Beitrag erfährt, oft als Maß für seine Qualität verwendet. Diese gängige Praxis ist jedoch nicht unproblematisch, da manchmal die inhaltliche Bewertung vernachlässigt zu werden droht und rein statistische Kriterien den Ausschlag geben. Die Tatsache, dass ein bestimmter Autor oft zitiert wird, kann unterschiedlichste Gründe haben und erlaubt nicht in jedem Fall eine Aussage über die Güte seines Beitrags. Auch kann es zur Bildung so genannter Zitierzirkel kommen („Zitierst du mich, zitier’ ich dich“), die das Ergebnis verfälschen (auch: Zitierkarussell, boshafter: Zitierkartell).

Konkrete Kritikpunkte von Zitationsanalysen

Der Science Impact Index (SII) versucht, zu einem objektiven Maß für die Forschungsqualität von Wissenschaftlern zu kommen, indem er viele dieser Aspekte durch Gewichtung berücksicht.

Siehe auch


Literatur


Monographien

Einzeldarstellungen

Weblinks


Quellen


  1. O. Nacke: Zitatenanalyse und verwandte Verfahren. 1980.
  2. Dirk Tunger: Bibliometrische Verfahren und Methoden als Beitrag zu Trendbeobachtung und -erkennung in den Naturwissenschaften. (PDF) Forschungszentrum Jülich, 2007, S. 33, abgerufen am 10. November 2018.
  3. Eugene Garfield: Citation indexes for science. In: Science. Band 122, Nr. 3159, 1955, S. 108–111.
  4. Frank Havemann: Einführung in die Bibliometrie. (PDF) Gesellschaft für Wissenschaftsforschung Berlin, 2009, S. 9, abgerufen am 10. November 2018.
  5. Frank Havemann: Einführung in die Bibliometrie. Kozitationsanalyse. (PDF) Gesellschaft für Wissenschaftsforschung Berlin, 2009, S. 32–33, abgerufen am 10. November 2018.
  6. Databases - Clarivate. In: Clarivate. (clarivate.com [abgerufen am 10. November 2018]).
  7. Terrence A. Brooks: Private acts and public objects: An investigation of citer motivations. In: Journal of the American Society for Information Science. Band 36, Nr. 4, Juli 1985, ISSN 0002-8231 , S. 223–229, doi:10.1002/asi.4630360402 (wiley.com [PDF; abgerufen am 10. November 2018]).
  8. Yishan Wu, Yuntao Pan, Yuhua Zhang, Zheng Ma, Jingan Pang: China Scientific and Technical Papers and Citations (CSTPC): History, impact and outlook. In: Scientometrics. Band 60, Nr. 3, 2004, ISSN 0138-9130 , S. 385–397, doi:10.1023/b:scie.0000034381.64865.2b (springer.com [abgerufen am 10. November 2018]).
  9. Mikhail V. Simkin, Vwani P. Roychowdhury: Read before you cite! In: Complex Systems. Bd. 14, Nr. 3, 2003, ISSN 0891-2513 , S. 269–274, arxiv:cond-mat/0212043 .



Kategorien: Zitationsanalyse | Wissenschaftliche Methode



Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Zitationsanalyse (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0


Veränderungen: Alle Bilder und die meisten Designelemente, die mit ihnen in Verbindung stehen, wurden entfernt. Icons wurden teilweise durch FontAwesome-Icons ersetzt. Einige Vorlagen wurden entfernt (wie „Lesenswerter Artikel“, „Exzellenter Artikel“) oder umgeschrieben. CSS-Klassen wurden zum Großteil entfernt oder vereinheitlicht.
Wikipedia spezifische Links, die nicht zu Artikeln oder Kategorien führen (wie „Redlink“, „Bearbeiten-Links“, „Portal-Links“) wurden entfernt. Alle externen Links haben ein zusätzliches FontAwesome Icon erhalten. Neben weiteren kleinen Designanpassungen wurden Media-Container, Karten, Navigationsboxen, gesprochene Versionen & Geo-Mikroformate entfernt.


Stand der Informationen: 06.05.2020 08:09:03 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
Beachten Sie auch : Impressum & Datenschutzerklärung.