Zensur (Informationskontrolle) - de.LinkFang.org

Zensur (Informationskontrolle)




Zensur (lateinisch censura) ist der Versuch der Kontrolle der Information. Durch restriktive Verfahren – in der Regel durch staatliche Stellen – sollen Massenmedien oder persönlicher Informationsverkehr kontrolliert werden, um die Verbreitung unerwünschter oder ungesetzlicher Inhalte zu unterdrücken oder zu verhindern.[1][2] Nicht nur totalitäre Staaten können Zensur durchführen.[2]

Inhaltsverzeichnis

Etymologie


Der Begriff „Zensur“ ist abgeleitet vom lateinischen Wort censura, das eine strenge Prüfung bzw. Beurteilung und zugleich das Amt eines Sittenrichters (Censors) im römischen Staat bezeichnete.[3]

Mit dem Wort Zins ist der Begriff Zensur (mit der auch die Bewertung von Schülern bezeichnet wird) ebenfalls verwandt, und zwar über die gemeinsame lateinische Wurzel censere, die eigentlich „schätzen“ bedeutet. Zum Verb censere wurde das Substantiv censura gebildet, das „Prüfung, Begutachtung, Kritik“ bedeutet und im 15. oder 16. Jahrhundert ins Deutsche übernommen wurde.[4]

Ziele und Begründungen von Zensur


Vor allem Nachrichten, künstlerische Äußerungen und Meinungsäußerungen sind Gegenstände der Zensur. Die Zensur dient dem Ziel, das Geistesleben in religiöser, sittlicher oder politischer Hinsicht zu kontrollieren. Diese Kontrolle wird damit begründet, man wolle oder müsse schutzbedürftige Gesellschaftsgruppen vor der schädlichen Wirkung solcher Inhalte bewahren.

Von Seiten der von Zensur Betroffenen und auch in wissenschaftlichen Untersuchungen wurde und wird der Vorwurf erhoben, der wahre Beweggrund der Zensur seien der Schutz und der Machterhalt der sie ausübenden Eliten.[5]

Maßnahmen zur Kontrolle


Zur Kontrolle werden, je nach Staat und Gesetzeslage, folgende Maßnahmen angewendet:[6][7]

Die Pressezensur umfasst das Verbot der Verbreitung (Ausstrahlung, Vertrieb) oder die inhaltliche Veränderung bzw. Kürzung. Bei Filmen werden beispielsweise zensurwürdige Szenen herausgeschnitten, Objekte verdeckt oder Ausdrücke mit einem Piepston (engl. Bleep) überlagert, letzteres auch bei der Wiedergabe von Tonaufnahmen.

Unterscheidungen


Häufig wird – wie etwa im Grundgesetz – unter Zensur die Kontrolle von Presseerzeugnissen vor ihrer Veröffentlichung verstanden. Zensur in diesem Sinne, die sogenannte Vorzensur, ist ein Verbot mit Erlaubnisvorbehalt, das in Art. 5 Abs. 2 GG festgelegt ist. Davon unterscheidet man die Nachzensur, bei der erst nach der Veröffentlichung in die freie Meinungsäußerung eingegriffen wird:[8]

Bei der Vorzensur müssen Medien (Filme, Bücher, Zeitschriften usw.) vor Veröffentlichung entsprechenden Institutionen zur Prüfung vorgelegt werden, die dann gegebenenfalls Abänderungen fordern oder das Werk indizieren.

Die Nachzensur ist Bestandteil auch jener Rechtssysteme, in denen Vorzensur laut Verfassung verboten ist. Jeder darf seine Meinung zum Ausdruck bringen, kann aber nachträglich zur Verantwortung gezogen werden, wenn er dabei gegen Gesetze verstößt. Die Konsequenzen können Einziehung und Indizierung des betreffenden Werkes oder Bestrafung der Person sein. Ein Beispiel aus der deutschen Nachkriegsgeschichte ist die Kontroverse um die sog. Lex Soraya.

Da Grundrechte traditionell als Abwehrrechte Privater gegenüber dem Staat zu verstehen sind (Art. 1 Abs. 3 GG), ist in Deutschland eine verbotene Zensur im Sinne von Art. 5 Abs. 1, S. 3 Grundgesetz nur die Zensur durch den Staat oder dem Staat zurechenbare Stellen. Eine Vorauswahl privater Stellen, ob Beiträge veröffentlicht werden oder nicht (z. B. einer Zeitungsredaktion vor der Veröffentlichung von Leserbriefen oder eines Forenmoderators vor oder nach der Veröffentlichung von Beiträgen in Online-Foren), ist daher keine Zensur im Sinne des Grundgesetzes und verfassungsrechtlich unbedenklich. Allenfalls im Zuge der sogenannten mittelbaren Drittwirkung von Grundrechten kommt je nach Sachverhalt der Stellenwert von Art. 5 Grundgesetz auch zwischen Privaten indirekt zum Tragen. Dabei handelt es sich dann allerdings um ein Auslegungsinstrument für andere Gesetze, nicht um eine direkte Anwendung des Zensurverbotes aus dem Grundgesetz.[9]

Literatur über Zensur


Eine als klassisch geltende Stellungnahme gegen die Vorzensur ist die 1644 erschienene Rede „Areopagitica“ von John Milton, ähnlich wie die 1859 von John Stuart Mill veröffentlichte Schrift On Liberty.[10] Die klassische soziologische Studie zur Zensur stammt aus dem Jahr 1911 und ist von Vilfredo Pareto: Le mythe vertuiste et la littérature immorale (dt. Der Tugendmythos und die unmoralische Literatur, 1968).

Kunstwerke über Zensur


Das Objekt „Die Zensur“ besteht aus einem Globus aus Kunststoff, einem Gürtel aus den USA, einem Schlitten aus Davos, einer Segelleine aus Lindau und einem leeren Geigenkasten. Es wurde am 3. Oktober 2019 zum Tag der Deutschen Einheit vom deutschen Künstler Roland Eugen Beiküfner am Bodensee hergestellt.

Siehe auch


Zensur in einzelnen Ländern

Weblinks


Commons: Zensur  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Zensur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Zensur – Zitate
Wikisource: Zensur – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise


  1. Duden | Zensur . Duden. Abgerufen am 23. Oktober 2011.
  2. a b Klaus Schubert, Martina Klein: Das Politiklexikon, 4. Auflage . Dietz, Bonn. 2006. Abgerufen am 23. Oktober 2011.
  3. Zensur . In: ruhr-uni-bochum.de. Archiviert vom Original am 18. Dezember 2013. (Archiv)
  4. wissen.de: Wortherkunft Zensur (Memento vom 19. Mai 2013 im Internet Archive)
  5. Ulla Otto: Die Zensur als Problem der Soziologie der Politik. 1969, S. 107–114, 130–146; Vilfredo Pareto: Der Tugendmythos und die unmoralische Literatur (entnommen aus Otto).
  6. Heinz Pürer, Johannes Raabe: Presse in Deutschland. 3. Auflage. UVK, Konstanz 2007, ISBN 978-3-8252-8334-6, S. 59 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Michael Schaffrath: Zeitung. In: Werner Faulstich (Hrsg.): Grundwissen Medien. 5. Auflage. UVK, Konstanz 2004, ISBN 3-8252-8169-8, S. 491 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Melanie Bär: Präventive Aufsichtsmaßnahmen im Bereich des privaten Fernsehens. Inaugural-Dissertation. Tübingen 2003 (PDF; 1,4 MB), S. 81 f.
  9. BVerfGE 7, 198 – Lüth.
  10. Ulla Otto: Die literarische Zensur als Problem der Soziologie der Politik. 1969, S. 41.








Kategorien: Zensur | Medienrecht | Literaturgeschichte








Stand der Informationen: 03.07.2020 06:18:21 CEST

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