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Xinjiang




Dieser Artikel behandelt das Uigurische Autonome Gebiet Xinjiang der VR China; zu anderen Bedeutungen dieses Begriffes siehe Xinjiang (Begriffsklärung).
新疆维吾尔自治区
Xīnjiāng Wéiwú’ěr Zìzhìqū
(Pinyin)

شىنجاڭ ئۇيغۇر ئاپتونوم رايونى
Xinjang Uyƣur Aptonom Rayoni
(Uigurisch)
Abkürzung: (Pinyin: Xīn)
Hauptstadt Ürümqi
Fläche

 – Gesamt
 – Anteil an der
VR China

Rang 1 von 33

1.640.320[1] km²
17,3 %
 

Bevölkerung

 – Gesamt 2015
 – Dichte

Rang 26 von 33

23.600.000 Einwohner
14,4 Einwohner/km²

Verwaltungstyp Autonomes Gebiet
Gouverneur Xɵⱨrət Zakir
ISO-3166-2-Code CN-XJ
Bezirksebene 5 Regierungsbezirke,
5 Autonome Bezirke,
4 Städte
Kreisebene 62 Kreise,
24 Städte,
13 Stadtbezirke,
6 Autonome Kreise
Gemeindeebene 559 Gemeinden,
262 Großgemeinden,
162 Straßenviertel,
42 Nationalitätengemeinden,
1 Amtsgebietsstelle

Xinjiang (chinesisch 新疆, Pinyin Xīnjiāng, W.-G. Hsin-chiang; uigurisch شینجاڭ, veraltet nach Post Sinkiang) ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die autonome Region der Uigurischen Nationalität der Volksrepublik China. Die amtliche Bezeichnung lautet Uigurisches Autonomes Gebiet Xinjiang (新疆維吾爾自治區 / 新疆维吾尔自治区, Xīnjiāng Wéiwú’ěr zìzhìqū, englisch Xinjiang Uyghur Autonomous Region; uigurisch شىنجاڭ ئۇيغۇر ئاپتونوم رايونى / Xinjang Uyƣur Aptonom Rayoni). Die Region ist ein überwiegend von Uiguren und Han aber auch Mongolen besiedeltes Autonomes Gebiet im äußersten Westen der Volksrepublik China. Der nördliche Teil des Gebiets wird auch Dsungarei genannt.

Die Hauptstadt des Autonomen Gebietes ist Ürümqi, eine relativ junge Stadt, verglichen mit den historisch geschichtsträchtigen Städten wie Kaxgar, Shache (Kreis Yarkant), Gulja oder Gaochang. Andere bedeutende Orte sind die moderne Stadt Shihezi, der Vorort Changji (Autonomer Bezirk Changji) von Ürümqi, die Erdöl-Stadt Karamay, die kasachische Stadt Altay am Fuße der gleichnamigen Gebirgskette, Korla, Yizhou (vormals Kumul), Manas (Kreis Manas), Aksu und Hotan (Regierungsbezirk Hotan), eine alte Stadt im Süden des Tarimbeckens.

Inhaltsverzeichnis

Geographie


Lage

Nachbarstaaten sind Indien, Pakistan, Afghanistan, Tadschikistan, Kirgisistan, Kasachstan, Russland und die Mongolei. Die Grenze zu Indien und Pakistan liegt in der umstrittenen Region Kaschmir. Die Grenzlinie des autonomen Gebietes von 5.600 km entspricht einem Viertel der gesamten chinesischen Grenzlinie.

Innerhalb Chinas grenzt Xinjiang an die Provinzen Gansu und Qinghai sowie an das Autonome Gebiet Tibet.

Topographie

Der Norden wird durch die Dsungarei gebildet, während der Großteil der Region durch das Tarimbecken mit der darin liegenden Taklamakan-Wüste beherrscht wird. Eine weitere Beckenlandschaft ist die Turfansenke, deren tiefster Punkt 155 m unter dem Meeresspiegel liegt. Dadurch ist das Klima dort besonders warm, was im Zusammenspiel mit dem Bewässerungssystem von Turpan, dazu führt, dass Turfan bekannt für seine Weintrauben ist. Gebirge sind der Altun und der Kunlun im Süden, der Tianshan und die Altaikette im Norden. Die Region hat im Südwesten auch Anteile an den Gebirgsmassiven Himalaya, Karakorum und Pamir.

Das größte stehende Gewässer des Gebiets war einst der Lop Nor, bevor er durch Übernutzung des Tarims und des Konqi austrocknete. Die größten Flüsse des Gebiets sind bzw. waren der Tarim, der Hädik-gol mit seinen Unterläufen Konqi und Kum-darya sowie der Qarqan, die einst alle im Lop Nor aufgingen, heute jedoch vollkommen übernutzt und chemisch belastet sind. Heute ist der Bosten-See das größte stehende Gewässer.

Die Region gilt als erdbebengefährdetes Gebiet. Im Februar 2003 wurde das Gebiet von heftigen Erdbeben bis Stärke 6,8 auf der Richterskala erschüttert. Mindestens 261 Menschen verloren ihr Leben, etwa 10.000 Häuser hielten den Kräften nicht stand. Aufgrund der Abgelegenheit der Region gelangen aber nur wenige Informationen über solche Katastrophen nach außen.

Administrative Gliederung

Xinjiang ist in vier bezirksfreie Städte, fünf Regierungsbezirke und fünf Autonome Bezirke untergliedert. Außerdem unterstehen neun der insgesamt 23 kreisfreien Städte direkt der Regierung des Autonomen Gebiets und werden von ihr in Kooperation mit dem Produktions- und Aufbaukorps Xinjiang (Bingtuan) verwaltet.

Name[2] Uigurisch (Ⱪona Yeziⱪ) Lateinisch '(Yengi Yeziⱪ)[3] Chinesisch (Kurz.) Pinyin Anmerkungen
Bezirksfreie Städte
Ürümqi ئۈرۈمچى شەھرى Ürümqi Xəⱨiri 乌鲁木齐市 Wūlǔmùqí Shì
Karamay قاراماي شەھرى Ⱪarimay Xəⱨiri 克拉玛依市 Kèlāmǎyī Shì
Turpan تۇرپان شەھرى Turpan Xəⱨiri 吐鲁番市 Tǔlǔfān Shì
Kumul قۇمۇل شەھىرى Ⱪumul Xəⱨiri 哈密市 Hāmì Shì
direkt unterstellte Kreisfreie Städte
Aral ئارال شەھرى Aral Xəⱨiri 阿拉尔市 Ālā’ěr Shì von der Regierung des Autonomen Gebiets und dem Produktions- und Aufbaukorps Xinjiang gemeinsam verwaltet
Beitun بەيتۈن شەھىرى Beitun Xəⱨiri 北屯市 Běitún Shì
Shihezi شىخەنزە شەھرى Xihənzə[4] Xəⱨiri 石河子市 Shíhézǐ Shì
Shuanghe قوشئۆگۈز شەھىرى Ⱪoxɵgüz Xəⱨiri 双河市 Shuānghé Shì
Tiemenguan باشئەگىم شەھىرى Baxəgim Xəⱨiri 铁门关市 Tiěménguān Shì
Tumxuk تۇمشۇق شەھرى Tumxuⱪ Xəⱨiri 图木舒克市 Túmùshūkè Shì
Wujiaqu ۋۇجياچۈ شەھىرى Wujyaqü Xəⱨiri 五家渠市 Wǔjiāqú Shì
Kokdala كۆكدالا شەھىرى Kɵkdala Xəⱨiri 可克达拉市 Kěkèdálā Shì
Kunyu قۇرۇمقاش شەھىرى Ⱪurumⱪax Xəⱨiri 昆玉市 Kūnyù Shì
Regierungsbezirke
Hotan خوتەن ۋىلايىتى Hotən wilayiti 和田地区 Hétián Dìqū
Aksu ئاقسۇ ۋىلايىتى Aⱪsu wilayiti 阿克苏地区 Ākèsū Dìqū
Kaxgar قەشقەر ۋىلايىتى Ⱪəxⱪər wilayiti 喀什地区 Kāshí Dìqū
Tacheng تارباغاتاي ۋىلايىتى Tarbaƣatay wilayiti 塔城地区 Tǎchéng Dìqū Ili unterstellt
Altay ئالتاي ۋىلايىتى Altay wilayiti 阿勒泰地区 Ālètài Dìqū
Autonome Bezirke
Kirgisischer Autonomer Bezirk Kizilsu قىزىلسۇ قىرغىز ئاپتونوم ئوبلاستى Ⱪizilsu Ⱪirƣiz aptonom oblasti 克孜勒苏柯尔克孜自治州 Kèzīlèsū Kē’ěrkèzī Zìzhìzhōu
Mongolischer Autonomer Bezirk Bayingolin بايىنغولىن موڭغۇل ئاپتونوم ئوبلاستى Bayinƣolin Mongƣul aptonom oblasti 巴音郭楞蒙古自治州 Bāyīnguōlèng Měnggǔ Zìzhìzhōu
Autonomer Bezirk Changji der Hui سانجى خۇيزۇ ئاپتونوم ئوبلاستى Sanji Huyzu aptonom oblasti 昌吉回族自治州 Chāngjí Huízú Zìzhìzhōu
Mongolischer Autonomer Bezirk Bortala بۆرتالا موڭغۇل ئاپتونوم ئوبلاستى Bɵrtala Mongƣul aptonom oblasti 博尔塔拉蒙古自治州 Bó’ěrtǎlā Měnggǔ Zìzhìzhōu
Kasachischer Autonomer Bezirk Ili ئىلى قازاق ئاپتونوم ئوبلاستى Ili Ⱪazaⱪ aptonom oblasti 伊犁哈萨克自治州 Yīlí Hāsàkè Zìzhìzhōu

Geschichte


Altertum

Im 1. Jahrtausend v. Chr. wurde Xinjiang von zahlreichen sowohl nomadisierenden als auch sesshaften Ethnien bevölkert. Die Bewohner waren im Altertum oft indogermanische Ethnien, wie Tocharer und Saken, vom Westen und Süden kamen wahrscheinlich vorübergehend auch kulturell hellenisierte Bewohner des Graeco-Baktrischen Reiches, die Handelsverbindungen nach Fergana und ins Industal herstellten. Später kamen mongolisch- oder turksprachige Stammesverbände hinzu, es gab aber auch sinotibetische Völker (Tibeter, Han-Chinesen und Qiang), die von Südosten her Xinjiang und das Tarimbecken besiedelten.[6]

Unter dem chinesischen Kaiser Han Wudi (141–87 v. Chr.), der das Tarimbecken erstmals für China eroberte, wurden die chinesischen Fernhandelsstraßen mit dem Netz der altpersischen und graeco-baktrischen Handelsstraßen verbunden, womit das Fernhandelsnetz der Seidenstraße eröffnet wurde. Dadurch wurden die Städte in Xinjiang und im Tarimbecken zu Handelszentren, in denen auch sogdische, chinesische, persische, syrisch-aramäische, jüdische u. a. Kaufleute lebten, deren Schriften im trockenen Klima der Taklamakan ebenso konserviert wurden, wie Schriften in regionalen Sprachen und Religionssprachen.

Im 2. bis 3. Jahrhundert v. Chr. geriet dieses Gebiet unter die Herrschaft der Xiongnu, wurde aber 104 v. Chr. während der Han-Dynastie vom Kaiserreich China erobert, das ein strategisches Interesse an der Seidenstraße besaß. Im Jahre 25 wurden die Chinesen von den Xiongnu besiegt und konnten ihre Herrschaft erst 73 wieder aufbauen.

Nach dem Untergang der Han-Dynastie kontrollierten die Stämme der Xianbei und Ruanruan dieses Territorium. In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts konnte sich in der Dsungarei kurz das Osttürkische Kaganat etablieren, doch während der Tang-Dynastie eroberte China seine verlorenen Gebiete zurück (645–763) und weitete kurzzeitig seinen Einfluss bis ins westliche Zentralasien aus.[7]

745 entstand in Nachfolge des zweiten Türk-Kaganats das Uigurische Kaganat, das ungefähr 840 von den Kirgisen zerstört wurde.[8]

Mittelalter

Nachdem ihr Großreich in der Mongolei von den Kirgisen vernichtet worden war, siedelte im 9. Jahrhundert der größte Teil der nomadisierenden Stämme der Uiguren vom Baikal nach Xinjiang über. Hier bauten sie im Turfanbecken ihren eigenen Staat auf, der im 12. Jahrhundert ein Vasall der Kara-Kitan wurde. Später wurde das Gebiet vollständig von den Mongolen unterworfen und ins Tschagatai-Khanat eingegliedert. Uigurisch (damals „Tschagataisch“ genannt) entwickelte sich über das Mittelalter zur angesehensten und dominierenden Sprache in Xinjiang und im Tarimbecken, das die meisten älteren Sprachen allmählich verdrängte und ihre Sprecher sprachlich assimilierte. Nach 1250 nahmen die Uiguren den Islam an. Nach dem endgültigen Untergang dieser Reiche gründeten 1640 die westmongolischen Stämme der Oiraten das Dsungarische Khanat.

Neuzeit

Um 1757 wurde das Gebiet vom Qing-Reich unter Kaiser Qianlong endgültig unterworfen. Während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sorgten die in Zentralasien ansässigen Khane von Kokand ständig für Unruhen in den Gebieten um Yarkant und Kaxgar. Nach der Zerschlagung des islamischen Emirats, das unter der Führung von Jakub Bek (1864–77) eine vorübergehende Unabhängigkeit im Tarimbecken erreicht hatte, vereinigte die Qing-Dynastie die Dsungarei und das Tarimbecken zur Provinz Xinjiang (chin. „Neue Grenze“). 1876 wurde Kokand vom russischen General Skobelew eingenommen. Der Zar löste das Khanat Kokand auf und schlug das Gebiet dem russischen Turkestan zu, 1871 bis 1881 war auch das Ili-Gebiet ein Teil des Russischen Reiches. Bis zur Xinhai-Revolution 1911 galt Xinjiang als Einflusszone des Russischen Reiches, spätestens ab 1928 – bis zur Gründung der Volksrepublik China 1949 – übte die Sowjetunion starken Einfluss in Xinjiang aus. Die UdSSR unterhielt eine Militärbasis in Xinjiang, dominierte die Wirtschaft und führte sogar militärische Expeditionen im Ili-Gebiet durch.[9]

Moderne

Mit Unterstützung des ersten chinesischen Präsidenten Yuan Shikai richtete Gouverneur Yang Zengxin eine Militärdiktatur in Xinjiang ein. Nach seiner Ermordung 1928 und dem kurzen Intermezzo der Herrschaft von Jing Shuren kam in Ürümqi 1933 Sheng Shicai an die Macht. Er akzeptierte den Einfluss der Sowjetunion und baute mit ihrer Hilfe die Wirtschaft von Xinjiang auf. Seine schwache Stellung und der Konflikt zwischen der Sowjetunion und Großbritannien in Xinjiang führte häufig zu Unruhen, wie auch zur Gründung der kurzlebigen Islamischen Republik Ostturkestan. Auf der Suche nach Verbündeten wandte sich Sheng in den 1940er Jahren an die Guomindang und wurde nun zum extremen Antikommunisten. Am 5. Januar 1945 wurde seine Herrschaft infolge der „Drei-Regionen-Revolution“ (benannt nach Altay, Gulja und Qoqek) gestürzt. Die Revolutionäre proklamierten eine kommunistische Republik Ost-Turkestan, deren Territorium circa 10 % des heutigen Xinjiang ausmachte, die aber von keinem Staat der Welt anerkannt wurde. Ein Jahr später erreichten nationalistische und revolutionär-demokratische Kräfte in Xinjiang eine Übereinkunft, es wurde eine Koalitionsregierung gebildet, die weitgehend sozialistisch eingestellt war.

Im Jahre 1949 erreichten die chinesischen Kommunisten eine friedliche Eingliederung Xinjiangs in die Volksrepublik China. Im September 1955 wurde das „Uigurische Autonome Gebiet Xinjiang“ geschaffen. Während der Kulturrevolution (1966–76) musste Xinjiang, wie ganz China, den Roten Terror über sich ergehen lassen, der viele Menschenleben kostete und nachhaltige Folgen hinterließ. Viele Kulturgüter wurden zerstört. Seit der Ära Deng Xiaopings ist Xinjiang im großen Maße vom „Chinesischen Wirtschaftswunder“ betroffen, jedoch profitieren hauptsächlich angesiedelte Han-Chinesen davon.

Aktuelle Lage

Xinjiang war lange Zeit sehr dünn besiedelt. Nach der Proklamation der Volksrepublik wurden als Teil der geplanten Sinisierung Han-Chinesen aus anderen Teilen Chinas in Xinjiang angesiedelt. Außerdem führten die verbesserten Lebensbedingungen und der traditionelle Kinderreichtum der Einheimischen zu einem starken Bevölkerungswachstum. Während der Qing-Dynastie waren etwa 30 % der Bevölkerung Han-Chinesen. Danach sank der Anteil auf unter 4 %. Von 1949 bis 1973 nahm der Anteil der Han-Chinesen von 3,7 % wieder auf 38 % zu.[10] Pantürkistische Nationalisten erheben Vorwürfe, die chinesische Regierung strebe eine Sinisierung der einheimischen Bevölkerung an.[11] In den 1950er Jahren wurde das lateinische Alphabet für die uigurische Sprache eingeführt, was in den 1990er Jahren wieder rückgängig gemacht wurde; heute gilt das arabisch-persische Alphabet. Von 1964 bis 1996 führte die Volksrepublik China insgesamt 45 (davon 23 oberirdische) Kernwaffentests auf dem Kernwaffentestgelände Lop Nor in Xinjiang östlich des Bosten-Sees in dem Gebirge Kuruk Tag durch. Heute liegt der Anteil der Han Chinesen bei etwas mehr als 40 %, während Uiguren etwa 46 % der gesamten Bevölkerung ausmachen.[12]

Innenpolitisch ließ der starke Zuzug von Han-Chinesen ethnisch-religiöse Spannungen entstehen, auf die der Staat mit Repressionen antwortete (→ Xinjiang-Konflikt). Internationale Beobachter berichteten von Umerziehungslagern, die Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch sprach diesbezüglich von massiven Menschenrechtsverletzungen.[13] Bis zu eine Million Menschen sollen nach UN-Schätzungen „willkürlich in Internierungslagern festgehalten und dort politisch und kulturell indoktriniert werden.[14] Das Bestehen derartiger Lager wurde im Oktober 2018 von der Regierung offiziell bestätigt, zugleich jedoch die Vorwürfe von Misshandlungen bestritten.[15]

Bevölkerung


Einwohnerstruktur und -zahlen

Volksgruppen in Xinjiang, Zensus 2000
Ethnie Bevölkerung Prozent­anteil1
Uiguren 8.345.622 45,21
Han 7.489.919 40,58
Kasachen 1.245.023 6,74
Hui 839.837 4,55
Kirgisen 158.775 0,86
Mongolen 149.857 0,81
Dongxiang 55.841 0,30
Tadschiken 39.493 0,21
Xibe 34.566 0,19
Mandschu 19.493 0,11
Tujia 15.787 0,086
Usbeken 12.096 0,066
Russen 8.935 0,048
Miao 7.006 0,038
Tibeter 6.153 0,033
Zhuang 5.642 0,031
Daur 5.541 0,030
Tataren 4.501 0,024
Salar 3.762 0,020
Quelle: 2000 Population Census of China, Band 1, 2[16]
Einwohnerzahlen von Xinjiang
Jahr Einwohnerzahl
1954 4.873.608
1964 7.270.067
1982 13.081.681
1990 15.155.778
2000 18.459.511
2010 21.813.334
2016 23.980.000 1
Anmerkung: 1 Schätzung
Quelle: Citypopulation.de[17]

Xinjiang wird überwiegend von Turkvölkern bewohnt, von denen die größte Gruppe die Uiguren sind. Den nördlichen Teil der Region bevölkern größtenteils Kasachen, Mongolen, sowie einige Tuwiner. Im Westen gibt es zahlreiche Minderheiten, darunter Kirgisen, Mongolen (Oriaten) und Tadschiken. Schon seit dem Altertum war Xinjiang, durch das der größte Teil der östlichen Seidenstraße führt, Gegenstand zahlreicher Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Völkern und Stämmen.

Xinjiang hat laut dem Gebietszensus 2015 rund 23,6 Millionen Einwohner.[18] Das Bevölkerungswachstum betrug bis 2002 1,09 % pro Jahr. Seit 1953 hat sich die Zahl der Uiguren zwar mehr als verdoppelt, die Bevölkerung der Region hatte sich aber vor allem durch Zuwanderung bis 2000 fast vervierfacht (1953 kaum 4,9 Mio.). Der Anteil der Uiguren ist deshalb faktisch von 75 % (über 3,6 Mio.) im Jahr 1953 auf 45 % (über 8,3 Mio.) im Jahr 2000 gesunken, der Anteil der Han hingegen von 6 % (1953 kaum 300.000, davon über 100.000 Soldaten der Volksbefreiungsarmee) auf 41 % (2000 fast 7,6 Mio.) gestiegen.[19] Mit großem Abstand folgen Kasachen (7 %) und Hui (5 %). Alle anderen Volksgruppen (darunter Kirgisen, Tadschiken und Mongolen) kommen auf einen Bevölkerungsanteil von unter 1 %.

Zusammen bilden Uiguren und die ihnen verwandten Turkvölker (Kasachen und Kirgisen) zunächst weiterhin eine absolute muslimische Mehrheit im autonomen Gebiet. Auch Hui, Tadschiken, Salar und manche Dongxiang sind Muslime. Der mit dem Wirtschaftswachstum einhergehende relative Wohlstand verläuft jedoch entlang ethnischer und kultureller Grenzen, von der Entwicklung profitieren weitgehend nur jene 2,5 Mio. Han-Chinesen, die zum „Bingtuan-Korps“ gehören (etwa jeder siebte Einwohner der Region).[20]

Religion

Die Hauptreligion in Xinjiang ist unter den Uiguren und den Hui-Chinesen der Islam, während viele der Han-Chinesen die chinesischen Volksreligionen, den Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus praktizieren oder areligiös sind. Muslime bilden 58 % der Bevölkerung (Stand 2010).[21] Dem Christentum zugehörig sind 1 % der Einwohner.

Wirtschaft


Im Jahr 2015 erwirtschaftete das Autonome Gebiet Xinjiang ein BIP in Höhe von 932 Milliarden Yuan (150 Milliarden US-Dollar) und belegte damit landesweit Rang 26 unter den Provinzen und Autonomen Gebieten auf Provinzebene. Das BIP pro Kopf betrug 40.427 Yuan (6.087 US-Dollar/ KKP: 11.640 US-Dollar) pro Jahr (Rang 22 landesweit unter den Provinzen und Autonomen Gebieten auf Provinzebene). Das Wohlstandsniveau im Autonomen Gebiet Xinjiang betrug 75 % des chinesischen Durchschnitts.[22]

Landwirtschaft

Xinjiang ist bekannt für seine Früchte, es werden u. a. Weintrauben, Melonen und Birnen angebaut. Besonders berühmt sind die Hami-Melonen und die Turpan-Rosinen. Auch Tomaten werden angebaut und in Form von Tomatenmark exportiert. Die Zuckerindustrie ist mit zwölf Rübenzuckerfabriken vertreten. Die größte Fabrik der Region befindet sich im Kasachischen Autonomen Bezirk Ili. 2016 wurden außerdem 15 Millionen Tonnen Getreide angebaut.

Die wichtigsten Viehbestände der Region sind traditionell Schafe. Ein Großteil des Weidelandes der Region liegt im nördlichen Teil, wo mehr Niederschlag vorhanden ist, Bergwiesen gibt es in der ganzen Region.

Aufgrund des fehlenden Zugangs zum Ozean und der begrenzten Menge an Binnengewässer sind die Fischressourcen von Xinjiang begrenzt. Trotzdem wird in den Seen Ulungur und Bosten sowie im Fluss Irtysh viel gefischt. Seit den 1970er Jahren wurde eine große Anzahl von Fischteichen gebaut, deren Gesamtfläche in den 1990er Jahren über 10.000 Hektar lag. Im Jahr 2000 wurden insgesamt 58.800 Tonnen Fisch in Xinjiang produziert, davon 85 % aus Aquakultur.[23]

In der Vergangenheit war der Lop-See bekannt für seine Fischerei, er ist aber durch das Abzweigen des Wassers inzwischen ausgetrocknet.

Bodenschätze

Ende des 19. Jahrhunderts war die Region bekannt für die Produktion von Salz, Soda, Borax, Gold, Jade und Kohle.[24]

In den letzten Jahren sind große Erdöl- und Gasvorkommen besonders inmitten der Taklamakan-Wüste und in ihren Randbereichen gefunden worden, die nunmehr erschlossen und ausgebeutet werden. Vor allem Karamay und Aksu sind stark vom Ölabbau geprägt. Von hier aus verläuft die West-Ost Gaspipeline nach Shanghai.

Der Öl- und Gassektor trägt im Jahr 2005 zu 60 % zur Wirtschaftskraft von Xinjiang bei.[25] Xinjiang verfügt außerdem über große Kohlevorkommen. Die zunehmend für die Energiegewinnung benötigten Kohlevorkommen sind durch Kohlebrände gefährdet. Die meisten der chinesischen Kohlebrände schwelen in Xinjiang.[26]

Insgesamt befindet sich ein Fünftel der Kohle-, Gas- und Erdölvorkommen Chinas in Xinjiang, was die Region zu der mit der höchsten Konzentration von fossilen Energievorräten Chinas macht.[27] Die Jahresförderung in Xinjiang liegt bei 240 Millionen Tonnen Kohle, 24 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 27,3 Millionen Tonnen Erdöl. Die Rohstoffreserven sind gewaltig, sie betragen 2,2 Billionen Tonnen Kohle, 10,3 Billionen Kubikmeter Erdgas und 20,9 Milliarden Tonnen Erdöl.[28]

Industrie

Öl- und Zuckerraffinerien, Stahlwerke und Chemiefabriken zählen zu den wichtigsten Industrien der Region. Auch Zement und Textilien werden hergestellt.

Xinjiangs Wirtschaft erreichte in den letzten zehn Jahren, gekoppelt an das chinesische Wirtschaftssystem, zweistellige Wachstumsraten. Der Lebensstandard stieg spürbar und im Jahre 2015 erreichte das Pro-Kopf-Einkommen 6000 US-Dollar. Somit ist Xinjiang reicher als viele Provinzen Chinas. Allerdings müssen immer noch viele Menschen auf dem Land mit weniger als 20 US-Dollar im Monat auskommen.

Die chinesische Regierung baut derzeit im pakistanischen Gwadar einen Hafen für den Export der Produkte Xinjiangs, um die wirtschaftliche Entwicklung von Xinjiang zu beschleunigen.

Energie

Die Regierung des Regierungsbezirks Turpan unterzeichnete Ende 2013 mit Trina Solar einen Rahmenvertrag zur Errichtung eines Photovoltaikkraftwerks mit einer Leistung von einem Gigawatt.[29]

Literatur


Weblinks


Commons: 新疆 - شینجاڭ  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Xinjiang – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikimedia-Atlas: Xinjiang – geographische und historische Karten

Einzelnachweise


  1. Chai, Huixia, et al. "Digital regionalization of geomorphology in Xinjiang." Journal of Geographical Sciences 19.5 (2009): 600–614. (researchgate.net PDF).
  2. Zhōngguó dìmínglù 中国地名录 (Beijing, Zhōngguó dìtú chūbǎnshè 中国地图出版社 1997); ISBN 7-5031-1718-4.
  3. Hənzuqə-Uyƣurqə luƣət (sinaⱪ nus’hisi). Xinjiang həlk̡ nəxriyati, Ürümqi 1974, S. 1170–1172.
  4. Uyƣurqə–Hənzuqə luƣət. Xinjiang həlk̡ nəxriyati, Ürümqi 1982, S. 770.
  5. Lucas Christopoulos: Hellenes and Romans in Ancient China (240 BC–1398 AD) in: Sino-Platonic Papers 230/ August 2012, S. 25,27.
  6. Lucas Christopoulos: Hellenes and Romans in Ancient China (240 BC–1398 AD) in: Sino-Platonic Papers 230/ August 2012, S. 1–31.
  7. Whitfield, Susan (2004), The Silk Road: Trade, Travel, War and Faith, Chicago: Serindia, ISBN 978-1-932476-13-2
  8. Linska, Handl, Rasuly-Paleczek: Einführung in die Ethnologie Zentralasiens, S. 60
  9. Mark Dickens: The Soviets in Xinjiang. Oxus Communications, 1990.
  10. Toops, Stanley (May 2004). "Demographics and Development in Xinjiang after 1949" (PDF). East-West Center Washington Working Papers. East–West Center (1): PDF-Download (frei) , S. 1.
  11. So zum Beispiel Rebiya Kadeer in: Dieselbe und Alexandra Cavelius: Die Himmelsstürmerin. Chinas Staatsfeindin Nr. 1 erzählt aus ihrem Leben. Heyne, München 2007, S. 229, ISBN 978-3-453-12082-2.
  12. 新疆公布第六次人口普查数据:全区常住人口2181万 – 新疆天山网 Archived February 5, 2012, at the Wayback Machine. Tianshannet.com (May 6, 2011). (http://www.tianshannet.com/news/content/2011-05/06/content_5792193.htm)
  13. Axel Dorloff: Wie China Muslime kontrolliert. In: DeutschlandfunkKultur.de. 17. September 2018, abgerufen am 17. Oktober 2018.
  14. China meldet Verhaftung von 13.000 "Terroristen" in Provinz Xinjiang. In: Zeit Online. 18. März 2019, abgerufen am 18. März 2019.
  15. Axel Dorloff: China inhaftiert Muslime: Umerziehungslager jetzt offiziell. In: tagesschau.de. 11. Oktober 2018, abgerufen am 16. Januar 2019.
  16. Daten aus 2000-nián rénkǒu pǔchá Zhōngguó mínzú rénkǒu zīliào, shàng-xià cè 2000年人口普查中国民族人口资料,上下册 / Tabulation on Nationalities of 2000 Population Census of China, Band 1, 2 (Beijing, Mínzú chūbǎnshè 民族出版社 (Nationalitätenverlag) 2003); ISBN 7-105-05425-5 [zweisprachig: chinesisch-englisch].
  17. China: Provinzen und größere Städte - Einwohnerzahlen, Karten, Grafiken, Wetter und Web-Informationen. Abgerufen am 18. März 2018.
  18. 2-6 Population at Year-end by Region , aus China Statistical Yearbook 2016, abgerufen am 4. November 2017
  19. Far Eastern Economic Review (FEER), Hongkong, Dezember 2007, S. 28.
  20. Far Eastern Economic Review (FEER), Hongkong, Dezember 2007, S. 27–30.
  21. Min Junqing The Present Situation and Characteristics of Contemporary Islam in China 2010 Islam by province, Seite 29
  22. : data.stats.gov.cn
  23. Guo Yan: Fisheries development in xinjiang, china
  24. Mesny (1899), S. 386.
  25. David Lammie: China Business Handbook. Alain Charles, 2005, ISBN 0-9512512-8-7.
  26. Brennende Kohleflöze: Feuer unter der Erde. sueddeutsche.de, 17. Januar 2008.
  27. The Energy Industry in Xinjiang, China: Potential, Problems, and Solutions Powermag.com
  28. Khan, W. A. (2015). The Uyghur Insurgency in Xinjiang: The Success Potential. US Army Command and General Staff College Fort Leavenworth United States. (dtic.mil PDF).
  29. iwr.de




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