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Wunderblutkirche (Bad Wilsnack)



Die Wunderblutkirche St. Nikolai ist eine evangelische Kirche in Bad Wilsnack in der brandenburgischen Prignitz und Wahrzeichen des Kurortes. Die Kirche war vom Ende des 14. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts ein Wallfahrtsziel von europäischem Rang, nachdem sich der Glaube an ein Hostienwunder im Jahr 1383 verbreitet hatte. Nach der Reformation zerstörte der erste evangelische Pfarrer von Wilsnack, Joachim Ellefeld, die angeblichen Wunderhostien, indem er sie 1552 vor Zeugen verbrannte. Damit entfiel der Grund für die Wallfahrten.

Als Offene Kirche ist die Wunderblutkirche heute täglich geöffnet. Ein Förderverein setzt sich für den Erhalt der Kirche als kultur- und kirchengeschichtliches Denkmal ein und organisiert unter anderem Wanderungen auf dem alten Pilgerweg Berlin–Wilsnack. In der Hansestadt Lübeck erinnert das Kleverschusskreuz, ein Wegekreuz aus dem Jahr 1436, an die Pilger, die sich von dort auf den Weg nach Wilsnack machten. Ein weiteres Wegekreuz ist in Havelberg erhalten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Die Ereignisse um das Hostienwunder, die zum Entstehen des Wallfahrtsortes Wilsnack führten, sind aus zeitgenössischen Quellen überliefert. Ein erster Bericht stammt von einem Havelberger Propst, der 1383 Bischof Thiderikus II. (Dietrich) nach Wilsnack begleitete. Weitere Berichte aus dem Jahr 1447 und Drucke aus der Zeit zwischen 1509 und 1520/21 berufen sich auf diesen Propst. 1586 stellte der protestantische Domdechant Matthäus Ludecus Fakten zu dem vermeintlichen Wunder zusammen.[1] Eine weitere Zusammenfassung der Quellen und Ereignisse legte 1881 der Oberpfarrer Ernst Breest aus Wilsnack vor.[2]

Entstehung der Legende

Am 16. August 1383 nutzte Ritter Heinrich von Bülow die Abwesenheit großer Teile der Wilsnacker Gemeinde, die sich zum jährlichen Domweihfest in Havelberg aufhielt. Er überfiel Wilsnack nebst zehn weiteren Dörfern und ließ sie niederbrennen. Seit längerem hatte Ritter von Bülow Anspruch über diese Dörfer erhoben, weswegen er mit deren Herren Henning, Klaus und Gericke von Möllendorf[3] und dem Bistum Havelberg im Zwist lag.

Der Legende nach suchte der heimgekehrte Priester Johannes Calbutz die Ruine der niedergebrannten Kirche ab und barg geschmolzenes Glockenerz aus den Trümmern. An der Stelle des Altars lag die verkohlte Eichenbohle der Altarplatte, in der ein kleines Fach eingearbeitet war, in dem drei Hostien verwahrt wurden. In der Meinung, hier nichts weiter bergen zu können, untersuchte er die Bohle nicht weiter und kehrte ins benachbarte Lüben zurück, wo die Gemeinde übernachtete, da Wilsnack unbewohnbar war. In der folgenden Nacht vernahm der Pfarrer im Traum mehrfach eine kindliche Stimme, die ihn aufforderte, zur Kirche zurückzukehren und dort eine Messe zu lesen. Als er mit der Gemeinde am 24. August zur Kirche zurückkehrte, fanden sie die verkohlte Altarplatte mit einem Tuch bedeckt, worauf die drei vom Feuer nahezu unversehrten Hostien lagen; jede trug einen roten Blutstropfen. Nach der Messe nahm Calbutz die Hostien zur Verwahrung mit nach Lüben.

In der Folge kam es im Umkreis zu weiteren wundersamen Ereignissen. So brannten in der Lübener Kirche fünf Kerzen, von denen zwei während der Messe plötzlich erloschen. Die drei brennenden Kerzen wurden anschließend feierlich nach Wilsnack getragen, wobei sie weder niederbrannten noch trotz Windes erloschen. Bischof Dietrich II. von Havelberg erfuhr von den Ereignissen und reiste nach Wilsnack, um sich persönlich davon unterrichten zu lassen. In der Kirche las er eine Messe, in der er eine vierte Hostie zu den drei Bluthostien legte, woraufhin sich die Blutflecken der drei Hostien vergrößerten. Diese Begebenheit wurden von weiteren anwesenden Klerikern bezeugt, worauf der Bischof ein Hostienwunder bescheinigte.

Im Zusammenhang mit dem Hostienwunder ereigneten sich auch im ferneren Umkreis wundersame Begebenheiten. So verspottete Ritter Dietrich Wenkstern die Hostien, worauf er augenblicklich erblindete und sein Augenlicht erst wieder erlangte, nachdem er Gott und die heilige Kraft der Hostien anbetete und einen jährlichen Bußgang nach Wilsnack gelobte. 1388 soll der westfälische Adlige Geismar Berthold von Hansen von Ritter Conrad Spiegel überfallen und gehenkt worden sein. Von Hansen erflehte die Hilfe der Wunderbluthostien und wurde, nachdem er nach einem halben Tag noch immer lebend am Galgen hing, von Ritter Conrad befreit und um Verzeihung gebeten; der Gerettete pilgerte nach Wilsnack.[4][5]

Hochphase der Wallfahrten

Am 20. Februar 1384 stellte Papst Urban VI. Wilsnack einen Ablassbrief zum Wiederaufbau des Ziegelbaus als Wallfahrtskirche aus.[5] In der Folge verbreitete sich der Ruf des Blutwunders europaweit, und Wilsnack entwickelte sich zu einem der zentralen Wallfahrtsorte in Nordeuropa. Im Laufe des 15. Jahrhunderts stieg der Ort zu dem fünftbedeutendsten Wallfahrtsziel des christlichen Abendlandes auf, wodurch der Ort wirtschaftlich aufblühte. Im Jahr 1396 kamen in Havelberg gegossene Pilgerzeichen[6] in Wilsnack auf den Markt. Wilsnack war vor allem bei Böhmischen Pilgern als Wallfahrtsziel beliebt, worauf sich Jan Hus 1403 vehement gegen die Verehrung des Wunderblutes aussprach. Zu den Pilgern hatte 1433 auch die englische Mystikerin Margery Kempe gehört, die ihre Pilgerreise in ihrer autobiografischen Schrift The Book of Margery Kempe beschrieb. Das Mitglied der Magdeburger Synode, der Theologe Heinrich Tocke, begutachtete 1443 die Bluthostien. Er stellte fest, dass nur noch ein Gemisch von Krümeln und Spinnweben vorhanden war. Der Havelberger Bischof Konrad von Lintorff setzte sich aber gemeinsam mit Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg, der den Franziskanertheologen Matthias Döring mit einer Stellungnahme beauftragte,[7] und mit Unterstützung des Papstes gegen das aus Magdeburg angestrebte Verbot durch.

Papst Eugen IV. nahm 1447 in zwei Bullen positiv Stellung zum Wilsnacker Hostienkult. Ein niederländischer Adliger stiftete 1461 das Fenster im Nordquerschiff. Der Wunderblutschrein, das Fresko Christophorus, die farbigen Fenster, Altäre und Skulpturen stammen aus der Zeit nach 1460. Bei der Schauwand (Altarretabel) des Altars handelt es sich um ein Kompositretabel, dessen drei Bestandteile aus dem späten 14. bis frühen 16. Jahrhundert stammen.

Die Wallfahrtskirche diente den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Eisenzahn und Albrecht Achilles auch als würdiger Rahmen für wichtige Staatsgeschäfte. Dort fand 1440 eine Fürstenversammlung zur Stiftung des Schwanenordens statt, 1472 ein Treffen mit Christian I., dem König von Dänemark, und 1476 und 1479 Treffen mit norddeutschen Fürsten.[8]

Die Zahl der Wallfahrer nahm ab 1517 mit der Reformation ab. Der Verlag des Lübeckers Steffen Arndes verbreitete 1520 Drucke der Wilsnacker Legende (Historia inventionis et ostensionis vivifici Sacramenti), ebenso ein Jahr später Ludwig Dietz in Rostock.[9]

Ende Wunderblutlegende

Nach der Einführung der Reformation in der Mark Brandenburg 1539 fanden im Anschluss an evangelische auch katholische Gottesdienste statt. Der evangelische Pfarrer von Wilsnack, Joachim Ellefeld, war jedoch mit der Hostienverehrung nicht einverstanden. Entgegen der Anordnung des Stadtrats, sich nicht in katholische Belange einzumischen, drang Ellefeld mit zwei Helfern am Samstag, dem 5. Juni 1552, in die Sakristei ein, zerschlug die Monstranz und verbrannte die darin aufbewahrten Bluthostien.[5] Er wurde zunächst durch das Havelberger Domkapitel auf der Plattenburg inhaftiert, dann aber auf Anordnung des Kurfürsten Joachim II. freigelassen und des Landes verwiesen. Während der mehr als 170 Jahre andauernden Wallfahrten reisten hunderttausende Pilger nach Wilsnack. Infolge der Hostienzerstörung ebbten die Pilgerströme im Laufe des 16. Jahrhunderts allmählich ab und bewirkten einen wirtschaftlichen Niedergang der Stadt.

Jüngere Geschichte

200 Jahre später (1782) erteilte Friedrich Christoph von Saldern dem Orgelbaumeister Adam Heinrich Rietz aus Magdeburg den Auftrag zum Bau einer Orgel. Im Krieg mit Frankreich diente die Kirche 1806 französischen Truppen als Lazarett. Im Jahr 1825 wurde in der Kirche der kleine Altar eingebaut, weil der große im Chor von der Gemeinde zu weit entfernt war. Auf Anordnung von Kronprinz Friedrich wurden 1881 die Buntglasfenster restauriert; ihre Inschriften verweisen auf die Königliche Glashütte zu Berlin. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche von einer Bombe getroffen, die aber wohl nicht explodierte; die Einschlagstelle ist westlich des Querschiffes am Dach durch eine unterschiedliche Färbung der Dachziegel erkennbar.

Die Kirche war in der Endphase der DDR Schauplatz politischer Aktionen. Ab Oktober 1989 versammelten sich montags jeweils etwa tausend Menschen zu Friedensgebet und anschließendem Kerzenumzug, entsprechend den Montagsdemonstrationen in anderen Städten der DDR. Der erste Nachwende-Bürgermeister, Dietrich Gappa, wurde im Mai 1990 in der Kirche gewählt.[10]

Architektur


Die Baugeschichte ist nicht abschließend geklärt. Die Gründung der 1383 niedergebrannten Kirche geht auf die Zeit um 1286 bis 1300 zurück.[11] Der Wiederufbau begann schon 1384, beschleunigt durch das Hostienwunder, und war um 1400 beendet. Erbaut wurde die Kirche als wuchtige, dreischiffige, kreuzförmige Hallenkirche im Stil der norddeutschen Backsteingotik. Der erhalten gebliebene rechteckige Turm der abgebrannten Kirche wurde dabei nicht sichtbar in die Westfassade der Kirche einbezogen, die nachträglich ein Sandsteinportal erhielt. Der Westgiebel ist ein Ziegelbau aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das kurze, unvollendete Langhaus von drei Jochen schließt im ersten Joch den Turm ein und zeigt selbst nur einen Dachreiter. Das Querschiff steht mittig zwischen Langhaus und Chor mit östlich dahinter liegenden Kapellen. Die Wunderblutkapelle befindet sich am südlichen Teil des Querschiffs. Der Chor hat einen polygonalen Schluss aus fünf Seiten eines Zehnecks. Erhalten sind Glasmalereien aus dem späten Mittelalter. Der Hochaltar besteht aus drei verschiedenen und übereinander geschichteten Retabeln. Auffällig sind die Querhausemporen, die über Treppentürme am Querhaus und einen brückenartigen, segmentbogigen Zugang von einer ehemaligen Bischofskurie auf der Nordseite erschlossen werden. Insgesamt ist eine Verwandtschaft zur Lüneburger Michaeliskirche und zum Stendaler Dom zu erkennen.[12]

Glocke


Im Jahre 1471 hatte die Kirche eine große Glocke erhalten.[13] Sie war 3500 kg schwer und hatte einen Durchmesser von zwei Metern. Einige Jahre nach der Einführung der Reformation in Brandenburg, im Jahr der Hostienzerstörung, ließ Kurfürst Joachim II. sie zusammen mit anderen dorthin überführten Glocken in einem seiner Berliner Hofkirche eigens dafür angefügten Turm aufhängen. Von dort wanderte sie in die Nachfolgebauten des Doms. Im Juni 1921 wurde sie wegen eines Sprunges nach dem ungewöhnlich langen Totengeläut für die im Doorner Exil verstorbene Kaiserin Auguste Viktoria unbrauchbar. Trotz erfolgreicher Reparatur zersprang sie 1929 erneut. Zum Einschmelzen für einen Neuguss nach Lauchhammer gebracht, konnte sie 1930 in letzter Stunde per Telegramm durch das Berliner Märkische Museum gerettet werden. Für den Berliner Dom wurde in Lauchhammer die Neue Wilsnacker Glocke gegossen.[14] Die Glocke befand sich ab 1935 in der Kirchenhalle des Museums. Sie hatte dort den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden, als sie 1956 zu DDR-Zeiten erneut umgeschmolzen werden sollte, diesmal zugunsten eines Glockenspiels für das Museum. Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung für die Verstärkung des Glockenstuhls verzögerten die Umsetzung des Beschlusses. Als 1957 der neu eingesetzte Museumsdirektor Cay-Hugo von Brockdorff das „von wissenschaftlicher Verantwortung unberührte Verhalten“ seines Amtsvorgängers kritisierte, machte er auch das Einschmelzungsvorhaben rückgängig und die Glocke war gerettet.

Wunderblutschrein


Das bedeutendste Kunstwerk der St. Nikolaikirche von Bad Wilsnack ist der Wunderblutschrein aus der Mitte des 15. Jahrhunderts in der Wunderblutkapelle. Der Schrein ist in einer spitzbogenförmigen Wandnische eingebaut. Die Türen des hölzernen Schreins sind beidseitig bemalt. Das Giebelfeld des Schreins wird von zwei Engeln geziert, die die Monstranz mit dem Heiligen Blut empor halten. Die Außenflügel der Türen zeigen die Gregorsmesse mit der Vision von Papst Gregor I. (590–604) beim Feiern der Messe. Darüber in lateinischer Schrift: „Dies ist die Anbetung des Heils … wunderbar für meine Augen“. Unter der Szene ist ein Feld mit floralen Mustern und aufgemalter Ziegelmauer. Auf der Innenseite der linken Tür ist die Trinität (Vater, Sohn und Heiliger Geist) in Form eines Gnadenstuhls dargestellt, als Zeichen der Verehrungswürdigkeit des Wunderbluts. Darunter in Latein: „Oh anzubetende Dreieinigkeit, oh zu bestätigende Einigkeit, erbarme Dich unser.“ Die Innenseite des rechten Türflügels trägt Innen die Verspottung Jesu, der mit Dornenkrone, Nimbus, rotem Mantel und Lendenschurz vor seinen Peinigern steht. Darüber ebenfalls ein Schriftband mit lateinischem Text. Unterhalb des von den Flügeltüren verschlossenen Faches befinden sich weitere Fächer, die von vier unverzierten Türen verschlossen sind. Alle Türen können durch aufwändige eiserne Schlösser verriegelt werden.

Die Wunderblutkapelle diente vermutlich nach der Reformation ab 1560 als Familiengruft der protestantischen Patronatsfamilie von Saldern. Die Grabstätten wurden ab 1952 in die Chorgrüfte und in andere Bereiche der Kirche verlegt. Die Kapelle wurde renoviert und wieder zugänglich gemacht. Im jahr 1992 wurde die Kapelle saniert und mit einer Fußbodenheizung versehen.[15]

Ausstattung


Der Hochaltar der Kirche, gestiftet vom brandenburgischen Kurfürsten Friedrich II., ist dreiteilig. Der mittlere Teil stammt aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts und zeigt Maria, die von den zwölf Aposteln umgeben ist. Der obere Teil, ein Dreifigurenschrein, stellt die Mutter Jesu mit den Vierzehn Nothelfern dar. Im Zentrum des fünfteiligen Retabels steht eine Mondsichelmadonna, die links von zwei Frauenbüsten und rechts von einem Mönch sowie einer Bischofsfigur flankiert wird. Der Gemeindealtar stammt aus dem Jahr 1960.

Die Kanzel ist ein Werk des späten 17. Jahrhunderts. Sie wurde von Jakob Friedrich von Saldern nach dem Tod seiner Frau Elisabeth von Bismarck (1659–1695) gestiftet. Geschmückt ist die Kanzel mit dem Saldernschen Wappen, einer Rose, sowie dem Bismarck-Wappen, einem dreiblättrigen Kleeblatt.

Der Osterleuchter erinnert an die Wallfahrer, die aus Ungarn zur Wallfahrtskirche pilgerten. Er befindet sich im Chorraum links in Höhe des Gemeindealtars.

Die Kirche weist eine Reihe von Skulpturen auf, darunter aus dem späten 14. Jahrhundert die farbig gefasste Sandsteinfigur von Bischof Johann Wöpelitz an einem Pfeiler im nördlichen Langhaus. Sie steht den Werken aus dem Umkreis der Prager Parlerwerkstatt am Lettner im Havelberger Dom nahe. Möglicherweise handelt es sich um eine Figur des Kirchenpatrons St. Nikolaus, die nachträglich als Darstellung des Bischofs Wöpelitz umgedeutet wurde.[16] Wöpelitz war von 1385 bis 1401 Bischof in Havelberg. Aus dem 15. Jahrhundert stammt eine gut einen Meter große Marienfigur mit dem Jesusknaben. Die Sandsteinskulptur befindet sich im Chor an einem Vierungspfeiler.

Die Tauffünte aus Sandstein ist mit acht Wappenschilden versehen, von denen vier ausgestaltet sind. Sie zeigen mit dem Tatzenkreuz das Wappen des Bistums Havelberg, das Wappen von Johann Wöpelitz als Bischof von Havelberg, das Wappen des Bistums Lebus und das Wappen des Bistums Brandenburg.

Rechts und links neben der Orgel sind zwei Epitaphe angebracht. Das rechte ist Matthias Friedrich von Saldern (* 22. April 1650; † 3. Juni 1680) gewidmet. Das ovale Porträt, in Öl auf Holz gemalt, hat an beiden Seiten je eine Putte. Darunter befindet sich ein Relief mit der Darstellung von Saldern in Kriegsausrüstung mit Waffen. Das Epitaph links der Orgel erinnert an den preußischen Hof- und Kammergerichtsrat Friedrich August von Saldern (* 28. Juni 1694; † 20. Februar 1720) und seine Frau Elisabeth Charlotta von Saldern (* 17. Dezember 1688; ohne Sterbedatum) sowie weitere Mitglieder der Familie.

Direkten Bezug zum Blutwunder hat ein Gedenkstein im Nordquerschiff, der ins Mauerwerk eingelassen ist. Der Wunderblut-Stein zeigt an dessen Ostseite zwei kniende Figuren, die gemeinsam ein Sakramentshaus halten. Sie stellen den Dominus Johannes Bielefelt und den Dominus Johannes Cabbues dar. Johannes Cabbues (vermutlich Cabues, † 1412) war Priester in Legde, Bielefelt um 1415 in Wilsnack.

Im Nordquerschiff befinden sich zwei in die Kirchenwand eingelassene Grabplatten aus dem 16. Jahrhundert. Eine gehörte zum Grab Burchard von Salderns, der zusammen mit seinem Bruder Jakob Wilsnack und die Plattenburg geerbt hatte. Der zweite Grabstein ist der des Rektors Johann Tettendorf. Er war bis 1571 Geistlicher in Wilsnack und starb 1572.

Veranstaltungen


Literatur


Architektur und Baugeschichte

Wunderblutlegende und Pilgerwesen (Primärquellen)

Rezente Literatur

Weblinks


Commons: Wunderblutkirche Bad Wilsnack  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen


  1. Matthäus Ludecus: Historia Von der erfindung / Wunderwercken und zerstörung des vermeinten heiligen Blutes zu Wilssnagk. Clemens Schleich, Wittenberg 1586 (books.google.de ).
  2. Ernst Breest: Das Wunderblut von Wilsnack (1383–1552). In: Märkische Forschungen. Nr. 16. Berlin 1881, S. 131–320.
  3. Möglicherweise aus dem Adelsgeschlecht der Moellendorff
  4. Rita Buchholz, Klaus-Dieter Gralow: De hystorie und erfindighe des hilligen Sacraments tho der wilsnagk (Die Geschichte von der Erfindung des heiligen Sakraments zu Wilsnack) (= Kleine Schriftenreihe zur Geschichte von Bad Wilsnack. Nr. 1). Bad Wilsnack 1992.
  5. a b c Paul Heinz (Hrsg.): Das Wunderblut zu Wilsnack – Niederdeutscher Einblattdruck mit 15 Holzschnitten aus dem Zeit von 1510–1520 (= Drucke und Holzschnitte des XV. und XVI. Jahrhunderts in getreuer Nachbildung. Nr. 10). Heitz & Mündel, Straßburg 1904 (archive.org ).
  6. Abbildung eins Wilsnacker Pilgerzeichens auf pilgerzeichendatenbank.de.
  7. Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 167.
  8. Renate Veigel: Die Kirchen- und Rathausglocken im Stadtmuseum Berlin. In: Reiner Güntzer (Hrsg.): Jahrbuch Stiftung Stadtmuseum Berlin. Band VI 2000, Henschel-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-89487-375-2, S. 93.
  9. Hartmut Kühne: „Ich ging durch Feuer und Wasser…“ Bemerkungen zur Wilsnacker Heilig Blut-Legende. Halle 1999, Digitalisat (Memento vom 6. Mai 2010 im Internet Archive)
  10. Ev. Kirche St. Nikolai Bad Wilsnack, Schnell-Kunstführer Nr. 2125. Schnell & Steiner, Regensburg 1994, S. 37.
  11. Eintrag Objekt-Dok-Nr. 09161186 Denkmalliste AIDAweb des BLDAM Brandenburg.
  12. Hans Josef Böker: Die mittelalterliche Backsteinarchitektur Norddeutschlands. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988, ISBN 3-534-02510-5, S. 215–217.
  13. Zur Geschichte der Glocke der Wunderblutkirche siehe Renate Veigel: Die Kirchen- und Rathausglocken im Stadtmuseum Berlin. In: Reiner Güntzer (Hrsg.): Jahrbuch Stiftung Stadtmuseum Berlin. Band VI 2000, Henschel-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-89487-375-2, S. 93–101; dort auch, wenn nicht anders angegeben, das Folgende, Brockdorff-Zitat (unten) S. 101.
  14. Walter Stengel: Chronik des Märkischen Museums der Stadt Berlin. In: Eckart Hennig, Werner Vogel (Hrsg.): Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte. 30. Band: Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg e. V. (gegr. 1884). Berlin 1979, S. 7–51, hier S. 31.
  15. Ev. Kirche St. Nikolai Bad Wilsnack, Schnell-Kunstführer Nr. 2125. Schnell & Steiner, Regensburg 1994, S. 12–15.
  16. Ernst Badstübner: Brandenburg. DuMont Kunstreiseführer. DuMont Reiseverlag, Köln 2010, S. 166.




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