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Scheeßel

(Weitergeleitet von Wittkopsbostel)

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Scheeßel
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Scheeßel hervorgehoben

Koordinaten: 53° 10′ N, 9° 29′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Rotenburg (Wümme)
Höhe: 30 m ü. NHN
Fläche: 149,74 km2
Einwohner: 13.014 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 87 Einwohner je km2
Postleitzahl: 27383
Vorwahl: 04263
Kfz-Kennzeichen: ROW, BRV
Gemeindeschlüssel: 03 3 57 041
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Untervogtplatz 1
27383 Scheeßel
Website: www.scheessel.de
Bürgermeisterin: Käthe Dittmer-Scheele (CDU)
Lage der Gemeinde Scheeßel im Landkreis Rotenburg (Wümme)

Scheeßel ist eine Einheitsgemeinde im Landkreis Rotenburg (Wümme) in Niedersachsen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie


Geografische Lage

Scheeßel liegt in der Stader Geest unweit der Nordheide in einer Höhe von etwa 30,36 m ü. NN. Durch den Ort fließen die Wümme und die Beeke. Die Umgebung wird geprägt durch Wälder, Wiesen und Moore (Geestlandschaft).

Der im Ortsteil Westerholz gelegene Bullerberg stellt mit seinen 53 Metern eine der höchsten Erhebungen im Kreisgebiet dar.

Die Kreisstadt Rotenburg (Wümme) ist etwa neun Kilometer entfernt. Die nächsten größeren Städte sind das rund 40 Kilometer entfernte Bremen sowie das rund 50 Kilometer entfernte Hamburg.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Scheeßel besteht aus den folgenden Ortschaften:[2]

Hinweis: Die Zahlen hinter den Namen der Ortsteile geben die Zahl der Einwohner mit Hauptwohnsitz an. (Stand: 30. September 2009)

Nachbarstädte

Zeven, Bremervörde
22 km, 46 km
Sittensen, Stade
13 km, 54 km
Tostedt
20 km
Tarmstedt, Bremen
35 km, 52 km
Nachbargemeinden Bispingen
42 km
Rotenburg (Wümme)
8 km
Visselhövede, Walsrode, Hannover
28 km, 42 km, 102 km
Schneverdingen
25 km

Geschichte


Steinzeitliche Gräber in der Gemeinde zeugen von einer Besiedlung in der Ur- und Frühgeschichte. Urkundlich wurde ein Ort Schesla zusammen mit Bardowick, Magdeburg und Erfurt 805 im Diedenhofener Kapitular von Karl dem Großen erwähnt. Unklar ist, ob es sich dabei um das heutige Scheeßel handelt. Diese Schesla könnte im Raum Hitzacker/Dannenberg gelegen haben, da hier der Fluss Jeetzel zur Namensgebung beigetragen haben könnte. Scheeßeler Heimatkundler verwiesen auf eine Verdener Bischofsurkunde von 1205, in der von Scheeßel als scesle die Rede ist. Heute besteht kein Zweifel mehr daran, dass es sich bei dem Ort Schesla nicht um das heutige Scheeßel gehandelt hat.

Scheeßel wurde 1205 als Archidiakonat und im 13. Jahrhundert als Gografschaft des Bistums Verden genannt.
Nach 1567, unter Bischof Eberhard von Holle, setzte sich die Reformation in der Region durch; Scheeßel ist bis heute fast rein protestantisch. 1626 brannten Kirche, Pfarrhaus, Mühle und einige Häuser ab.

Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 gingen die Herzogtümer Bremen und Verden und damit Scheeßel an Schweden, bis sie nach dem Nordischen Krieg, nach einer kurzen dänischen Herrschaft, 1719 an das Kurfürstentum Hannover fielen.

Stärker als der 30-jährige zog der Siebenjährige Krieg die Region in Mitleidenschaft. Marodierende französische Truppen waren dafür verantwortlich. Der Rotenburger Amtmann von Haerlem fasst die Folgen 1757 für die Bevölkerung so zusammen: „Es sind die hiesigen Amtsuntertanen auf viele Jahre totaliter ruinieret.“ 1755 wurde eine romanische Kirche abgebrochen und die barocke St.-Lucas-Kirche entstand bis 1758.

In der Franzosenzeit gehörte Scheeßel als Teil Frankreichs von 1810 bis 1813 zum Kanton Tostedt im Departement Elbemündung (Bouches de l'Elbe). Eine Straße (heute B 75) wurde in dieser Zeit angelegt.[3]

Nach dem Wiener Kongress von 1814/15 gehörte Scheeßel zum Königreich Hannover. Umfangreiche soziale und wirtschaftliche Veränderungen vollzogen sich in den nächsten Jahrzehnten wie u. a. Gewerbefreiheit, Gemeinheitsteilungen, Verkoppelungen und die endgültige Ablösung grundherrlicher Pflichten.

1866 wurde das Königreich Hannover zur preußischen Provinz Hannover. 1874 wurde der Ort an die Bahnstrecke Hamburg-Bremen angeschlossen und der Bahnhof Scheeßel entstand. 1876 gründeten Scheeßeler Bürger eine bis heute bestehende Sparkasse. Am Ende des Jahrhunderts schlossen sich die Bauern zu einer Molkereigenossenschaft zusammen. Trachtenfeste (1904) und Heimatverein (1905) entstanden zur Traditionspflege.

In der Weimarer Republik wurde in den Juliwahlen 1932 die NSDAP im Kirchspiel Scheeßel die mit Abstand stärkste Partei. Die Machtergreifung der Nazis vollzog sich problemlos, das politische Leben in Scheeßel wurde gleichgeschaltet.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Scheeßel weitestgehend verschont; nur in Wohlsdorf gab es im April 1945 heftige Kämpfe. Danach verdoppelte sich durch die Flüchtlinge die Bevölkerungszahl.

Eingemeindungen

Am 1. März 1974 wurden die selbständigen Gemeinden Abbendorf, Bartelsdorf, Hetzwege, Jeersdorf, Ostervesede, Sothel, Westeresch, Westerholz, Westervesede, Wittkopsbostel und Wohlsdorf in die Einheitsgemeinde Scheeßel eingegliedert.[4]

Politik


Gemeinderat

Der Gemeinderat der Gemeinde Scheeßel besteht aus 30 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 12.001 und 15.000 Einwohnern.[5] Die 30 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.

Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem die hauptamtliche Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU).

Die letzte Kommunalwahl am 11. September 2016 führte zu folgendem Ergebnis (mit Angabe der Differenzen zur Wahl 2011):[6]

Partei / Liste Stimmenanteil +/− %p Sitze +/−
CDU 46,40 % + 4,54 14 + 2
SPD 29,19 % − 2,88 9 − 1
Grüne 7,28 % − 8,33 2 − 3
FDP 4,02 % + 1,02 1 ± 0
ALFA 2,34 % + 2,34 1 + 1
WFB* 3,61 % - 0,15 1 ± 0
UGS 4,88 % + 4,88 2 + 2

* Wählergemeinschaft Freier Bürger

Bürgermeister

Seit 2001 ist Käthe Dittmer-Scheele (CDU) hauptamtliche Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde Scheeßel. Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 wurde sie als Amtsinhaberin mit 63,5 % der Stimmen wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,5 %.[7] Dittmer-Scheele trat ihre weitere Amtszeit am 1. November 2014 an.

Wappen

Das Wappen der Gemeinde zeigt sechs grüne Eichenblätter (3 und 3) auf goldenem Grund mit grüner Umrandung.[8] Die Eichenblätter sollen symbolisch die sechs ersten Höfe darstellen, aus denen der Ort hervorgegangen ist.

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten


Museen

Das Heimatmuseum Scheeßel zeigt auf zwei in sich geschlossenen Hofanlagen mit insgesamt 13 historischen Fachwerkbauten die Wohn- und Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts. Bereits 1913 wurde das sogenannte „Heimathaus“ an seinem ursprünglichen Standort abgetragen und als Museumsgebäude wieder aufgebaut. Seit den 1970er Jahren wurde die Anlage kontinuierlich erweitert. Auf dem Heimathausgelände wird heute das Wohnen und Wirtschaften der Menschen auf einer Hofanlage mit niederdeutschem Hallenhaus dargestellt. Auf dem Gelände des historischen Meyerhofs werden textile Handwerke (Spinnen, Weben, Blaudruck, Occhi) lebendig gehalten.

Trachtengruppen

Scheeßel ist bekannt für seine regionalen Trachtengruppen. Die wohl bekanntesten sind die Tanz- und Trachtengruppe De Beekscheepers Scheeßel e. V. und die Original Scheeßeler Trachtengruppe. Beide Gruppen haben sich der Aufgabe verschrieben, norddeutsches Kulturgut national und international bekannt zu machen und zu pflegen. Jedes Jahr findet daher in Scheeßel ein großes Trachtenfest statt, das weit über die Grenzen Scheeßels hinaus bekannt ist. Dieses wird im Wechsel von den Beekscheepers und der Original Scheeßeler Trachtengruppe ausgerichtet und wartet jedes Mal mit vielen Trachtengruppen aus dem In- und Ausland auf. Vom 19. bis 21. Juli 2013 fand das von den Beekscheepers veranstaltete Internationale Beeke-Festival, früher als Beeke-Trachtenfest bekannt, zum 20. Mal statt.[9]

Musik

1973 und 1977 fanden auf dem Eichenring in Scheeßel große Open-Air-Festivals statt mit Musikern und Gruppen wie Chicago, Chuck Berry und Golden Earring. Seit Ende der 1990er Jahre ist Scheeßel Heimat eines großen Open-Air-Festivals: 1997 wurde auf dem Eichenring erstmals das Hurricane Festival ausgerichtet. Diese Musikveranstaltung findet jährlich im Juni statt (2008: rund 75.000 Besucher).

Seit 2014, jährlich im Mai, gibt es das Heimat-Festival als Musikfestival.

Bauwerke

Regelmäßige Veranstaltungen

Sport

Der in der Fußball-Kreisliga Rotenburg (achte Liga) spielende SV Rot-Weiß Scheeßel ist ein Partnerverein des HSV.[10]

Wirtschaft und Infrastruktur


In Scheeßel und den umliegenden Ortschaften haben sich zahlreiche kleine und vor allem mittelständische Unternehmen angesiedelt, da der Ort verkehrsgünstig zwischen den Ballungszentren Hamburg, Bremen und Hannover liegt. Scheeßel ist zudem einer der Schwerpunkte des Fremdenverkehrs der Wümmeniederung.

Ansässige Unternehmen

Bildung

Von der Krippe bis zum Gymnasium: mehrere Kitas, zum Teil als Ganztagskindergarten bzw. Krippe, Grundschule, Oberschule „BeekeSchule“, Gymnasium Eichenschule Scheeßel.

Soziale Einrichtungen und Gesundheitsversorgung

Der Zentralort Scheeßel ist Standort mehrerer Hausarztpraxen, einer Kinderarztpraxis, einer Augenarztpraxis und mehrerer Pflegeheime. Ein Pflegeheim befindet sich in der Ortschaft Ostervesede. Außerdem befinden sich hier mehrere Zahnarztpraxen.

Verkehr

Straße

Durch die Gemeinde verläuft die Bundesstraße 75 und in der Nähe verläuft die Bundesautobahn 1 (etwa 15 km bis zur Anschlussstelle in Sittensen). Durch diese Lage ist man mit dem Auto in etwa einer Stunde in Hamburg, Bremen oder Hannover und auch die Urlaubsregionen der Nord- und Ostsee sowie der Harz sind mit dem PKW in höchstens zwei Stunden zu erreichen. Wann die Ortsumgehung der B 75 realisiert werden kann, ist offen. Mehrfach wurde das Bauvorhaben auf Vorhabenlisten gesetzt und wieder entfernt.[11][12][13][14][15]

Eisenbahn

Östlich des Ortes verläuft die Hauptbahn Hamburg–Bremen (–Ruhrgebiet). Aus dieser soll in der Nähe von Scheeßel die geplante Y-Trasse abzweigen. Scheeßel verfügt über einen Bahnhof an der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg, an dem im Rahmen des Hanse-Netzes verkehrende Züge der Metronom Eisenbahngesellschaft auf der Verbindung Hamburg-Bremen halten. Mit dem Zug kommt man in knapp 40 Minuten nach Bremen und in knapp 50 Minuten nach Hamburg.

Flugverkehr

Der nächste Verkehrslandeplatz liegt in Rotenburg (Wümme). Die nächsten internationalen Flughäfen sind die Flughäfen Hamburg, Bremen und Hannover-Langenhagen.

Persönlichkeiten


Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Gemeinde

Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde verbunden sind

Weblinks


 Commons: Scheeßel  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2018  (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Scheeßel – Ortschaften , abgerufen am 26. November 2014
  3. Aufzeichnungen Pastor Ungewitters.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 245.
  5. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten , abgerufen am 26. November 2014
  6. kdo – Gemeindewahl Scheesel 2016 , abgerufen am 14. August 2018
  7. Einzelergebnisse der Direktwahlen am 25. Mai 2014 in Niedersachsen , abgerufen am 22. November 2014
  8. Hauptsatzung der Gemeinde Scheeßel , abgerufen am 26. November 2014
  9. Scheeßel wird ganz bunt. In: Weser-Kurier. 19. Juli 2013 (Online [abgerufen am 8. August 2013]).
  10. Liste der Partnervereine auf der Website des Hamburger SV
  11. „Planung für Großprojekt läuft“ Rotenburger Kreiszeitung vom 14. August 2009
  12. Scheeßel auf Vorhabenliste, Ortsumgehung bestätigt / „Bahnstreckenausbau geplant“ Rotenburger Rundschau vom 21. März 2012
  13. „Straße für Geduldige“ Rotenburger Rundschau vom 24. November 2012
  14. „Scheeßel ist dabei“ Rotenburger Rundschau vom 29. Dezember 2012
  15. „Planfortschreibung steht auf der Kippe“ Rotenburger Rundschau vom 6. März 2013
  16. Rotenburger Rundschau



Kategorien: Scheeßel | Gemeinde in Niedersachsen | Ort im Landkreis Rotenburg (Wümme) | Ort in der Stader Geest | Ersterwähnung 1205


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