Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen - de.LinkFang.org

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen




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Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen
(WBGU)
Gründung 1992
Sitz Berlin, Deutschland
Website www.wbgu.de

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) wurde 1992 im Umfeld der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung, UNCED („Erdgipfel von Rio de Janeiro“) von der deutschen Bundesregierung als unabhängiges wissenschaftliches Beratungsgremium eingerichtet.

Die Hauptaufgaben des WBGU sind:

Der WBGU nimmt auch zu aktuellen Anlässen Stellung, wie beispielsweise den UN-Klimakonferenzen (etwa in Paris 2015), der Konferenz der Vereinten Nationen über Nachhaltige Entwicklung 2012 (Rio+20), der Verabschiedung der Sustainable Development Goals 2015,[1] der dritten Konferenz der Vereinten Nationen zu Wohnungsfragen und nachhaltiger Stadtentwicklung (HABITAT III[2]) sowie der G20 Präsidentschaft Deutschland 2017.[3] Die Generalsekretärin Maja Göpel vertritt den WBGU im Fachausschuss Wissenschaft der Deutschen UNESCO-Kommission.[4][5]

Inhaltsverzeichnis

Gutachten


Hauptgutachten

Unsere gemeinsame digitale Zukunft (2019)

Laut diesem Gutachten wird der digitale Wandel den Ressourcen- und Energieverbrauch sowie die Schädigung von Umwelt und Klima weiter beschleunigen, wenn keine aktive politische Gestaltung erfolgt. Daher ist es eine vordringliche politische Aufgabe Bedingungen dafür zu schaffen, die Digitalisierung in den Dienst nachhaltiger Entwicklung zu stellen, so eine der zentralen Botschaften des Gutachtens "Unsere gemeinsame digitale Zukunft"[6]. Kurzfristig geht es darum, die Digitalisierung mit den im Jahr 2015 vereinbarten globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs, Agenda 2030) sowie den Zielen des Pariser Klimaübereinkommens in Einklang zu bringen. Neue Technologien sollten gezielt und umfassend genutzt werden, um Menschen Zugang zu Basisdienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, Bildung, Energie und (Umwelt-)Informationen zu verschaffen und zugleich Umweltzerstörung zu verhindern. Beispiele sind die Förderung der Energiewende durch Einsatz intelligenter Energienetze, die Senkung des Fahrzeugaufkommens in Städten durch geteilte Mobilität, die den Besitz eines PKW überflüssig macht und die Nutzung digitaler Technologien für die Kreislaufwirtschaft. Zudem müssen bereits jetzt Vorkehrungen getroffen werden, um mit tiefen gesellschaftlichen Umbrüchen umzugehen, die mittelfristig mit der Digitalisierung einhergehen: Beispiele sind der absehbare radikale Strukturwandel auf den Arbeitsmärkten, der Ersatz realweltlicher Erfahrungen in virtuellen Räumen, die vielfältigen Wirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Bildung, Wissenschaft, Demokratie oder auch die Herausforderung, die Überwachungspotenziale der neuen Technologien demokratisch einzuhegen. Alle digitalen Veränderungen, so der WBGU in seinem neuen Gutachten, sollten auf das Gemeinwohl und die Steigerung der Lebensqualität der Menschen hin ausgerichtet werden. Schließlich geht es auch darum, sich auf langfristig mögliche Umbrüche vorzubereiten. So sind z. B. bei der Mensch-Maschine-Interaktion bereits heute Risiken für die menschliche Integrität erkennbar. Dies betrifft etwa sensible Neurodaten oder Neuroprothesen, bei denen ethische Aspekte bislang unzureichend berücksichtigt werden. Im Zeitalter der Digitalisierung gilt es, unser Verständnis von “menschlicher Entwicklung” neu zu bestimmen.[7]

Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte (2016)

Die Wucht der derzeitigen Urbanisierungsdynamik und ihre Auswirkungen sind so groß, dass sich weltweit Städte, Stadtgesellschaften, Regierungen und Internationale Organisationen diesem Trend stellen müssen. Ein „Weiter so wie bisher“, würde ohne gestaltende Urbanisierungspolitik zu einer nicht-nachhaltigen Welt-Städte-Gesellschaft führen. Nur wenn Städte und Stadtgesellschaften ausreichend handlungsfähig werden, können sie ihre Kraft für eine nachhaltige Entwicklung entfalten: In den Städten wird sich entscheiden, ob die Große Transformation zur Nachhaltigkeit gelingt. In diesem Buch werden die Erfolgsbedingungen dafür diskutiert.[8] Das Hauptgutachten des Jahres 2016 Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte wurde im Vorfeld der UN-Weltkonferenz HABITAT III veröffentlicht.

Welt im Wandel – Menschheitserbe Meer (2013)

Trotz zahlreicher völkerrechtlicher Abkommen und freiwilliger Verpflichtungen werden die Meere immer noch massiv überfischt, verschmutzt und zunehmend als letzte große Ressourcenquelle der Erde ausgebeutet. Den schlechten Zustand der Meere nimmt der WBGU jetzt zum Anlass, eine langfristige Vision für einen nachhaltigen Umgang mit dem blauen Kontinent zu entwickeln: Alle Meereszonen mit Ausnahme des Küstenmeeres sollten zum gemeinsamen Erbe der Menschheit erklärt werden. Um diesem Fernziel für die Meeres-Governance näher zu kommen stellt der WBGU zusätzlich Handlungsempfehlungen vor, die an laufende Politikprozesse anschließen. Dafür betrachtet er beispielhaft die beiden Schwerpunkte Nahrung – nachhaltige Fischerei und Aquakultur – sowie Energie aus dem Meer. Das Gutachten zeigt, dass ein nachhaltiger Umgang mit den Meeren dringend notwendig ist, dass eine Transformation zur klimaverträglichen, nachhaltigen Gesellschaft auch mit den Meeren möglich ist und dass sie weltweit erhebliche Vorteile für eine nachhaltige Energieversorgung sowie für die Ernährungssicherheit bringen kann.[9]

Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation (2011)

Das 2011 als Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation vorgestellte Hauptgutachten für die Rio+20-Konferenz im Juni 2012 sieht die dringende Notwendigkeit einer post-fossilen Wirtschaftsweise. Um die entsprechende Transformation durchzuführen, müsse ein Gesellschaftsvertrag zur Innovation durch einen neuartigen Diskurs zwischen Regierungen und Bürgern innerhalb und außerhalb der Grenzen des Nationalstaats geschlossen werden.[10]

Der Historiker Wolfgang Wippermann kritisierte das in diesem Gutachten vorgeschlagene Vorgehen als undemokratische Dystopie, mit dem das Gremium seine Kompetenzen weit überschreite.[11] Dagegen schreibt die Tageszeitung (taz) über das Gutachten Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation: „Der Wissenschaftliche Beirat brütet schon lange über dem Gutachten, aber mit der Atomkatastrophe in Japan hat das Ganze die nötige Brisanz gewonnen. Täglich führen die Notmaßnahmen an der Pazifikküste vor Augen, dass die Energiewende kein nettes Ökoträumchen ist, sondern bare Notwendigkeit. (...) Nun das Wichtige: Es gibt Feinde einer solchen Energierevolution. (...) Diese Feinde des Energieumbaus muss man entweder als Befürworter gewinnen oder entmachten. Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass sie nur mit klaren Gesetzen zum Handeln bewegt werden können. Sie erkennen dann ihre Chancen oder steigen aus. Wir können nicht noch ein halbes Dutzend Gutachten, Naturkatastrophen und Ölkriege abwarten. Das würde dann doch zu teuer.“[12]

Ebenfalls in der tageszeitung (taz) schrieb Bernhard Pötter im Juni 2011: „Aber nun greifen sie zum großen Knüppel. `Ökodiktatur´ lautet der Vorwurf von RWE-Chef Großmann an die Bundesregierung, das Gleiche kommt von der übrigen Atomlobby, der Tagesspiegel wähnt den WBGU auf dem Weg zur „jakobinischen Ökodiktatur“ und Springers Welt macht gleich eine ganze Debattenreihe dazu. Sie alle bezeichnen damit nicht etwa Normen, die gegen die Verfassung verstoßen, sondern Gesetze und Verordnungen, die öffentlich diskutiert und parlamentarisch abgestimmt werden und gegen die vor deutschen Gerichten geklagt werden kann. (…) Diese Kritiker greifen zu einem beliebten Trick, um ökologischen Fortschritt zu diffamieren. Denn die Ökodiktatur wurde von ihren Gegnern schon mehrfach proklamiert: Bei der Bekanntgabe der EU-Klimaziele ebenso wie bei der Einführung der Energiesparbirne oder beim Dosenpfand. Immer stand natürlich die Existenz unserer Demokratie auf dem Spiel, immer hat sie trotzdem irgendwie überlebt. Kein Wunder: Schließlich ist die Ökodiktatur nur ein Popanz der Anti-Ökos ohne Substanz, Theorie oder Verankerung. Niemand will sie, nur für ihre Gegner ist sie sehr praktisch. (…) Der alten Machtelite des fossil-konservativen Komplexes schwimmen die Felle weg, weil sie auf die drängenden Fragen der Zukunft keine besseren Antworten haben als die Ökos sie schon seit Jahrzehnten formulieren. (…) Der Vorrang für das Überleben hat nichts mit Diktatur zu tun, sondern ist eine rationale Güterabwägung. Daraus folgen aber neue Definitionen. „Freiheit“ etwa ist mehr als ökonomischer Liberalismus, sie kann auch im Verzicht liegen: Freiheit von Verkehrsstau und vom Billigschnitzel, Freiheit von der Angst vor dem atomaren GAU. Die Entkopplung von Freiheit und Wirtschaften ist noch wichtiger als die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch. „Fahrverzicht für freie Bürger“ wäre ein Slogan, der diese neue Form von Freiheit auf den Punkt brächte.“[13]

Claus Leggewie, Professor für Politikwissenschaft und ehemaliges WBGU-Mitglied, stuft die Warnungen vor einer „Ökodiktatur“ als Verschwörungstheorie ein. Entgegen der Behauptungen der Kritiker ziele das WBGU-Gutachten auf eine Stärkung der Demokratie ab. Der Staat müsse sich für die Herausforderungen der Zukunft Legitimation durch mehr Bürgerbeteiligung verschaffen. Die vom WBGU vorgeschlagene Zukunftskammer solle beratende Funktion haben und stelle in keinerlei Weise eine Einschränkung demokratischer Prinzipien dar.[14]

Welt im Wandel – Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung (2008)

Angesichts der großen Chancen und Risiken sowie der Komplexität ist Bioenergie in kurzer Zeit zu einer anspruchsvollen politischen Regulierungs- und Gestaltungsaufgabe geworden, die nur durch weltweite Kooperation und internationale Rahmensetzung gelöst werden kann. Die zentrale Botschaft des WBGU lautet, dass die weltweit vorhandenen nachhaltigen Potenziale der Bioenergie genutzt werden sollten, solange Gefährdungen der Nachhaltigkeit ausgeschlossen werden können, insbesondere der Ernährungssicherheit sowie der Ziele von Natur- und Klimaschutz.[15]

Welt im Wandel – Sicherheitsrisiko Klimawandel (2007)

Der Klimawandel wird ohne entschiedenes Gegensteuern bereits in den kommenden Jahrzehnten die Anpassungsfähigkeiten vieler Gesellschaften überfordern. Daraus könnten Gewalt und Destabilisierung erwachsen, die die nationale und internationale Sicherheit in einem bisher unbekannten Ausmaß bedrohen. Der Klimawandel könnte die Staatengemeinschaft aber auch zusammenführen, wenn sie ihn als Menschheitsbedrohung versteht und in den kommenden Jahren durch eine energische und weltweit abgestimmte Klimapolitik die Weichen für die Vermeidung eines gefährlichen anthropogenen Klimawandels stellt. Gelingt dies nicht, wird der Klimawandel zunehmend Spaltungs- und Konfliktlinien in der internationalen Politik hervorrufen, weil er vielfältige Verteilungskonflikte in und zwischen Ländern auslöst: Um Wasser, um Land, um die Bewältigung von Flüchtlingsbewegungen oder um Kompensationszahlungen zwischen den wesentlichen Verursachern des Klimawandels und den Ländern, die vor allem von dessen destruktiven Wirkungen betroffen sein werden. Vor diesem Hintergrund fasst der WBGU mit dem vorliegenden Hauptgutachten den derzeitigen Stand des Wissens zum Zukunftsthema „Sicherheitsrisiko Klimawandel“ zusammen. Grundlage hierfür sind die Erkenntnisse der Umweltkonflikt- und Kriegsursachenforschung sowie der Klimafolgenforschung. Es wurden einerseits Erfahrungen der Vergangenheit aufgearbeitet, zugleich aber ein Blick weit in die Zukunft gewagt, um die sich anbahnenden Wirkungen des Klimawandels auf nationale Gesellschaften, Weltregionen und das internationale System abzuschätzen.[16]

Welt im Wandel – Armutsbekämpfung durch Umweltpolitik (2004)

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts zählen Armutsbekämpfung und Umweltschutz zu den größten Herausforderungen der Weltgemeinschaft. Umweltveränderungen werden künftig in noch größerem Umfang existenzbedrohende Auswirkungen haben, von denen besonders die Armen betroffen sein werden. Um diese Herausforderungen bewältigen zu können, muss die Partnerschaft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern mit neuem Leben gefüllt werden. Armutsbekämpfung und Umweltschutz müssen von der lokalen bis zur globalen Ebene zu einer kohärenten Politik verknüpft werden. Der WBGU zeigt in diesem Gutachten, dass globale Armutsbekämpfung globale Umweltpolitik voraussetzt. Er analysiert die relevanten Politikprozesse und gibt konkrete Empfehlungen zur Problembewältigung.[17]

Welt im Wandel – Energiewende zur Nachhaltigkeit (2003)

Das Recht der Entwicklungsländer auf Entwicklung und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen sind die wesentlichen Herausforderungen bei einer Energiewende zur Nachhaltigkeit und der Ausgangspunkt dieses Gutachtens. Wenn die Politik entschieden handelt, ist die Transformation der globalen Energiesysteme ohne gravierende Einschränkungen möglich und finanzierbar: Die Energieeffizienz muss gesteigert, der Anteil fossiler Energieträger deutlich verringert und die erneuerbaren Energien massiv gefördert werden. Für den Einstieg in das Solarzeitalter hat der WBGU einen Fahrplan mit konkreten Zielen und Maßnahmen entwickelt.[18]

Welt im Wandel – Neue Strukturen globaler Umweltpolitik (2000)

Heute sind über 900 bi- oder multilaterale Umweltverträge in Kraft, dennoch bleiben die drängendsten Probleme des Globalen Wandels ungelöst bzw. verschärfen sich weiter. Das internationale Institutionen- und Organisationengefüge erweist sich als zu schwach, um diesen Herausforderungen effektiv und effizient zu begegnen. Daher entwickelt der WBGU eine Vision für eine Reform der Vereinten Nationen im Umweltbereich (Earth Alliance). Die Earth Alliance umfasst drei miteinander kooperierende Bereiche. Als Autorität bei der Bewertung von Umweltproblemen wird erstens die Einrichtung einer unabhängigen Instanz vorgeschlagen, die auf besonders risikoreiche Entwicklungen des Globalen Wandels (früh-)warnend hinweisen soll (Earth Assessment). Zweitens werden Änderungen des organisatorischen Kerns der internationalen Umweltpolitik empfohlen (Earth Organization). Im Zentrum steht dabei die stufenweise Einrichtung einer Internationalen Umweltorganisation, als deren Nukleus das bestehende Umweltprogramm der Vereinten Nationen dienen soll. Drittens werden neue Wege zur Finanzierung globaler Umweltpolitik aufgezeigt (Earth Funding).[19]

Welt im Wandel – Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Biosphäre (1999)

Ausgehend von einer Analyse der Krise der globalen Biosphäre und ihrer Bedeutung für eine nachhaltige Entwicklung leitet der WBGU Prinzipien für eine erfolgreiche internationale "Biosphärenpolitik" ab. Der Beirat geht von dem Ansatz aus, dass die Beziehung zwischen Mensch und Natur gestört sei. Sie habe sich im Laufe der Kulturgeschichte vom harmonischen Einssein der „Ökosystem-Menschen“ (die der Rat auch in den heute noch existierenden sogenannten „Naturvölkern“ sieht) zur Rolle des „Biosphären-Menschen“ der globalen Industriegesellschaften gewandelt, der vor allem zerstörerisch mit der Natur (nunmehr als Gegenbegriff zur Kultur) umgeht. Vor diesem Hintergrund räumt der Rat den Erkenntnissen und Anleitungen zur Gestaltung von Schutz und Nutzung von Natur und Umwelt höchste Priorität ein, um die Biosphäre nachhaltig intakt zu erhalten.[20][21] Es wird Politikberatung zu einer breiten Palette von Themen geboten: von der Bioprospektierung bis zu einer nachhaltigen Landnutzung, vom bioregionalen Management bis zum Naturschutz, von der Bekämpfung des Raubbaus an Naturressourcen bis zur Erdsystemanalyse. Besonderes Gewicht liegt auf Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Biodiversitätskonvention, zur internationalen wissenschaftlichen Politikberatung, zur Biosphärenforschung und zu finanziellen Rahmenbedingungen für Biosphärenpolitik.[22]

Welt im Wandel – Strategien zur Bewältigung globaler Umweltrisiken (1998)

Globale Risikopotentiale und ihre Wechselwirkungen mit ökonomischen, sozialen und ökologischen Wandlungsprozessen sind zu einer Herausforderung für die internationale Gemeinschaft geworden. Niemals zuvor haben die Eingriffe des Menschen in die Natur eine globale Reichweite erreicht. Dazu haben auf der einen Seite u. a. die Zunahme der Weltbevölkerung, vor allem in den Entwicklungsländern, und auf der anderen Seite die Erhöhung des Anspruchsniveaus der Menschen in Verbindung mit einer bestimmten Wirtschafts- und Produktionsweise, vor allem in den Industrieländern, beigetragen. Mit diesem Gutachten will der Beirat einen konstruktiven Beitrag zu einem effektiven, effizienten und sachlichen Umgang mit Risiken des Globalen Wandels leisten. Dabei werden die global relevanten Risiken typisiert und diesen Typen bewährte, aber auch innovative Strategien zur Risikobewertung und Instrumente für das Risikomanagement zugeordnet, so dass Managementprioritäten festgelegt werden können. Gleichzeitig ist es aber unmöglich, sich gegen alle globalen Risiken abzusichern, zumal mit Risiken auch Chancen verbunden sind. Um die Risiken des Globalen Wandels für die Völkergemeinschaft so gering wie möglich zu halten, empfiehlt der WBGU übergreifende Maßnahmen für die internationale Politik, wie eine weltweite Angleichung des Haftungsrechts, die Schaffung von Umwelthaftungsfonds, die Einrichtung eines "UN Risk Assessment Panel" und Strategien zur Minderung der Risikoanfälligkeit. Außerdem plädiert der WBGU für eine verbesserte Forschungsförderung und die Sicherstellung einer unabhängigen Grundlagenforschung.[23]

Welt im Wandel – Wege zu einem nachhaltigen Umgang mit Süßwasser (1997)

Die globale Süßwasserkrise wird sich zukünftig weiter verschärfen. Neueste Analysen des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen zeigen nicht nur die heutigen Brennpunkte, sondern auch die zukünftig für Wasserkrisen besonders anfälligen Weltregionen auf. Zusätzlich werden drei eng mit der globalen Süßwasserkrise in Verbindung stehende "Krankheitsbilder der Erde" untersucht. Aus dieser Zusammenschau leiten die Wissenschaftler in ihrem Bericht Handlungsempfehlungen für die Politik ab. Übergreifend schlägt das Expertengremium vor, eine "Weltwassercharta" zu initiieren, die die internationale Gemeinschaft auf gemeinsame Prinzipien zu einem "Guten Umgang mit Wasser" verpflichtet. Hierauf aufbauend sollte ein "Globales Aktionsprogramm" zur detaillierten Ausgestaltung und Umsetzung der vereinbarten Prinzipien entwickelt werden. Ein solches Aktionsprogramm ist nach den Vorstellungen der Wissenschaftler international nur mit Hilfe einer durchsetzungsfähigen Organisation umsetzbar. Daher fordert der WBGU, im Rahmen der Vereinten Nationen die vorhandenen Umwelt- und Entwicklungsinstitutionen und -programme in einer gestärkten "Organisation für nachhaltige Entwicklung" zu konsolidieren.[24]

Welt im Wandel – Herausforderung für die deutsche Wissenschaft (1996)

Die Menschheit hat zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Punkt erreicht, an dem Entwicklungs- und Umweltprobleme zu einer ernsthaften globalen Überlebenskrise geführt haben. Die Wissenschaft hat darauf bislang keine oder nur unzureichende Antworten geliefert. Die vorliegenden einzelwissenschaftlichen Analysen erweisen sich aufgrund der Komplexität und Vernetztheit der Probleme als unbefriedigend. Der WBGU bemängelt in diesem Bericht außerdem, dass die deutsche Forschung zum Globalen Wandel zu wenig international ausgerichtet, zu stark an Einzeldisziplinen orientiert und in der politikrelevanten Aufbereitung zu schwach entwickelt ist. Als Alternative werden neue Möglichkeiten zu Strukturveränderungen in der Forschungslandschaft aufgezeigt. Dazu hat das Expertengremium einen neuen Ansatz zur Erforschung des Globalen Wandels vorgelegt: den Syndromansatz. Hiermit können die "Erkrankungen" des Planeten Erde systematisch beschrieben und analysiert werden, mit dem Ziel, Lösungsansätze zu entwickeln. Die 16 wichtigsten Syndrome oder Krankheitsbilder der Erde wurden identifiziert.[25]

Welt im Wandel – Wege zur Lösung globaler Umweltprobleme (1995)

Der WBGU beschreibt in diesem Gutachten Wege zur Lösung globaler Umweltprobleme. Zwar sind in vielen Bereichen endgültige Lösungen nicht erkennbar, noch aber scheinen bei entsprechendem Willen und Handeln der Beteiligten irreversible katastrophale Schäden der globalen Umwelt im Prinzip vermeidbar. Ob diese Wege auch wirklich beschritten werden, muss die Zukunft zeigen, denn dazu sind große Anstrengungen und erhebliche Umorientierungen im lokalen, nationalen und globalen Maßstab notwendig. Zwei Wege sind parallel zu verfolgen: Zum einen sollten die gesellschaftlichen Voraussetzungen zur Lösung globaler Umweltprobleme verbessert werden. Diese Maßnahmen auf individueller und institutioneller Ebene fordern Staat und Gesellschaft, wobei auch die Nichtregierungsorganisationen eine bedeutende Rolle spielen können. Zum anderen sollten für verschiedene Bereiche globaler Umweltprobleme in einem demokratischen Abstimmungsprozess internationale Vereinbarungen formuliert bzw. verschärft und mit geeigneten Maßnahmen durchgesetzt werden.[26]

Welt im Wandel – Die Gefährdung der Böden (1994)

Die Böden bilden eine essentielle, bisher zu wenig beachtete Lebensgrundlage der Menschheit. In sehr unterschiedlicher Ausprägung führen menschliche Aktivitäten an vielen Stellen der Erde zu einer Degradation der Böden, die in graduellen Abstufungen von abnehmender Fruchtbarkeit bis zur unumkehrbaren Zerstörung reicht. Viele lokale Prozesse summieren sich zu einem globalen Umwelttrend, dem dringend mit politischen Maßnahmen begegnet werden muss. Die langsame, für die menschlichen Sinne nur schwer wahrnehmbare Zerstörung der Böden hat bisher zu einer eher randständigen Behandlung dieses Themas in der Umweltdiskussion geführt. Die Bedrohung der Böden sollte aber auf der umweltpolitischen Agenda eine deutlich höhere Bedeutung erhalten: für das Schutzgut Boden sollten national wie international bessere rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Der Beirat empfiehlt der Bundesregierung zu prüfen, ob eine differenzierte "Boden-Erklärung" ausreicht oder ob eine globale "Boden-Konvention" angestrebt werden sollte. Für beide liefert das Gutachten relevante Argumente. Mit einem solchen Instrument soll dem globalen Bodenschutz ein ähnlicher internationaler Stellenwert erkämpft werden, wie dies für den Klimaschutz schon weitgehend gelungen ist.[27]

Welt im Wandel – Grundstruktur globaler Mensch-Umwelt-Beziehungen (1993)

In seinem ersten Gutachten 1993 beschreibt der WBGU die enge globale Vernetzung von Mensch und Natur, Gesellschaft und Umwelt. Globale Umweltziele und die weitere wirtschaftliche Entwicklung sollten besser aufeinander abgestimmt werden: Die Umweltpolitik sollte, bei uns wie bei den Entwicklungsländern, die globalen Umweltwirkungen weit stärker als bisher in die Rahmendaten des Wirtschaftens einbeziehen. Der Beirat gibt mit Blick auf die Haupttrends Zunahme der Weltbevölkerung, langfristig veränderte Zusammensetzung der Atmosphäre, Verlust an biologischer Vielfalt und Schädigung und Verlust von Boden einige übergreifende Empfehlungen:

Sondergutachten

Entwicklung und Gerechtigkeit durch Transformation: Die vier großen I (2016)

Im Jahr 2015 gelang ein historischer Doppelerfolg für die Nachhaltigkeits- und Klimapolitik. Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit ihren Sustainable Development Goals (SDGs) und das Übereinkommen von Paris zum Klimaschutz definieren ein ehrgeiziges globales Zielsystem. Die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) sollte jetzt die Umsetzung beider Abkommen entschlossen vorantreiben und die Große Transformation zur Nachhaltigkeit als einzigartiges Modernisierungsprojekt wahrnehmen, das erhebliche ökonomische Entwicklungschancen bietet. So ist etwa die zur Vermeidung der größten Klimarisiken erforderliche vollständige Dekarbonisierung der Weltwirtschaft nur mit einem tiefgreifenden Wandel der Energiesysteme und anderer emissionsintensiver Infrastrukturen umsetzbar. Die Transformation inspiriert Innovationen und lenkt Investitionen in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz, u. a. in die auf- und auszubauenden nachhaltigen Infrastrukturen. Gleichzeitig kann die Transformation genutzt werden, um Ungleichheit zu bekämpfen, also die Inklusion innerhalb der Gesellschaften wie auch global voranzubringen, und so zum Gerechtigkeitsprojekt werden.[29]

Klimaschutz als Weltbürgerbewegung (2014)

Der 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) macht unmissverständlich klar: Inakzeptable Klimafolgen, die sich jenseits der 2  °C-Leitplanke häufen dürften, können nur vermieden werden, wenn der weitere Anstieg der Treibhausgaskonzentration so bald wie möglich gestoppt wird. Der WBGU empfiehlt daher, die CO2-Emissionen aus fossilen Energieträgern bis spätestens 2070 auf Null zu senken. Dies ist ein ebenso ehrgeiziges wie prägnantes Politikziel, denn jedes Land, jede Kommune, jedes Unternehmen und jeder Bürger müssen „die Null schaffen“, wenn die Welt als Ganzes klimaneutral werden soll. Die 2  °C-Linie kann allerdings nur gehalten werden, wenn zahlreiche Akteure – insbesondere die OECD-Staaten – schon deutlich früher ihre Emissionen herunterfahren. Der Weltgesellschaft als Ganzes steht ein eng begrenztes Kohlenstoffbudget zur Verfügung, so dass der Scheitelpunkt der Emissionen möglichst bis 2020, auf alle Fälle aber in der dritten Dekade erreicht werden sollte. Der WBGU umreißt in diesem Gutachten eine Doppelstrategie für den globalen Klimaschutz, die auf das Zusammenspiel von Multilateralismus und Zivilgesellschaft setzt. Dafür sollte zum einen das für Ende 2015 angestrebte Pariser Klimaabkommen bestimmte Merkmale aufweisen, die der Beirat benennt. Insbesondere sollte ein Prozess vereinbart werden, der die Einhaltung der 2  °C-Leitplanke sicherstellt. Zum anderen sollten alle gesellschaftlichen Akteure ihre spezifischen Beiträge zur Dekarbonisierung leisten. So kann eine verschränkte Verantwortungsarchitektur für die Zukunft unseres Planeten entstehen, in der vertikales Delegieren und horizontales Engagieren keinen Gegensatz bilden, sondern sich wechselseitig verstärken.[30]

Kassensturz für den Weltklimavertrag – Der Budgetansatz (2009)

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass nur noch eine begrenzte Menge an Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen darf, um einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden. Deswegen schlägt der WBGU eine globale Obergrenze für Kohlendioxid aus fossilen Quellen vor ("Globalbudget"), die bis Mitte des Jahrhunderts noch ausgestoßen werden darf. Der WBGU hat bereits 1995 den Vorschlag gemacht, eine Obergrenze für eine noch akzeptable Erhöhung der globalen Mitteltemperatur zu benennen, die sog. "2 °C-Leitplanke" und davon ausgehend in einer Rückrechnung, die notwendigen Emissionsreduktionen zu ermitteln. Der neue WBGU-Ansatz entwickelt diese Sichtweise weiter und macht sie anschlussfähig an die internationale Klimapolitik.[31]

Die Zukunft der Meere – zu warm, zu hoch, zu sauer (2006)

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass der ungebremste, vom Menschen verursachte Ausstoß von Kohlendioxid schwerwiegende Folgen für die Weltmeere haben wird. Die fortschreitende Erwärmung zum Einen und die Versauerung der Meere zum Anderen bedrohen die Meeresumwelt sowie die durch Überfischung ohnehin schon geschwächten Fischbestände. Durch den Anstieg des Meeresspiegels sind die Küsten zunehmend Überflutungs- und Wirbelsturmrisiken ausgesetzt. Um die Nachteile für Menschen und Ökosysteme in Grenzen zu halten müssen neue Wege im Küstenschutz beschritten, Meeresschutzgebiete eingerichtet sowie Regelungen für den Umgang mit Flüchtlingen aus gefährdeten Küstengebieten beschlossen werden. Diese Maßnahmen können jedoch nur erfolgreich sein, wenn die globale Erwärmung und die Versauerung der Meere deutlich begrenzt werden. Ein ambitionierter Klimaschutz ist daher eine entscheidende Voraussetzung für erfolgreichen Meeres- und Küstenschutz.[32]

Über Kioto hinaus denken – Klimaschutzstrategien für das 21. Jahrhundert (2003)

Der WBGU gibt mit diesem Sondergutachten Empfehlungen für künftige Verhandlungen im Rahmen der Klimarahmenkonvention (UNFCCC), insbesondere des Kioto-Protokolls. Drei Fragen stehen dabei im Mittelpunkt:

Dazu muss der Blick weit über den Zeithorizont des zweiten Verpflichtungszeitraums des Kioto-Protokolls (nach 2012) hinausreichen, da eine Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen auf einem tolerablen Niveau nur mit einer langfristigen, ehrgeizigen Minderung der Treibhausgasemissionen erreichbar ist. Das Gutachten konzentriert sich auf die Potenziale zur Minderung der Emissionen von Kohlendioxid als wichtigstem anthropogenen Treibhausgas. Dabei werden zum einen die ökonomischen und technologischen Minderungspotenziale von Emissionen, zum anderen die Bedeutung biologischer Kohlenstoffsenken und die Möglichkeiten zu ihrem Erhalt untersucht. Schließlich werden konkrete Empfehlungen zur Ausgestaltung der politischen und ökonomischen Instrumente im zweiten Verpflichtungszeitraum des Kioto-Protokolls abgeleitet. So empfiehlt der WBGU unter anderem, Emissionsminderungen international gemäß den Prinzipien von Kontraktion und Konvergenz zu verteilen.[33]

Entgelte für die Nutzung globaler Gemeinschaftsgüter (2002)

Die globalen Gemeinschaftsgüter wie der internationale Luftraum und die Hohe See werden zunehmend übernutzt, weil die Nutzer nicht die vollen Kosten ihres Handelns tragen müssen. Die CO2-Emissionen des internationalen Flugverkehrs und des Schiffsverkehrs fallen nicht unter die quantitativen Verpflichtungen des Kioto-Protokolls. Mit der Erhebung von Nutzungsentgelten können diese Regelungslücken geschlossen und ökologische Lenkungswirkungen zur Verringerung der Umweltschäden erzeugt werden. Zusätzlich werden Mittel gewonnen, die zweckgebunden zum Schutz und Erhalt globaler Gemeinschaftsgüter eingesetzt werden sollen. Der Beirat gibt in diesem Sondergutachten Empfehlungen zu einer politisch tragfähigen Umsetzung des Konzepts der globalen Nutzungsentgelte.[34]

Umwelt und Ethik (1999)

Dürfen Menschen alles tun, was sie können? Darf die Menschheit die Natur und die Umwelt ganz für ihre Zwecke einspannen? Immer mehr Menschen fragen nach den Grenzen menschlicher Eingriffe in die Natur. Was ist ethisch erlaubt, und was sollte verboten sein? Auf diese schwierigen Fragen versucht der WBGU in diesem Buch eine Antwort zu geben. Dabei stellt er eine Reihe von Prinzipien auf, die auch bei großen wirtschaftlichen Vorteilen nicht verletzt werden dürfen. Daneben ist es Aufgabe der Ethik, allgemeingültige Kriterien aufzustellen, um zwischen konkurrierenden Anliegen abwägen zu können. Mit diesem Rüstzeug an ethischen und ökonomischen Kriterien sollte die Bundesregierung offensiv Belange des Natur- und Artenschutzes auf internationaler Ebene vertreten.[35]

Die Anrechnung biologischer Quellen und Senken im Kyoto-Protokoll: Fortschritt oder Rückschlag für den globalen Umweltschutz? (1998)

Dieses Sondergutachten bewertet das Kyoto-Protokoll im Hinblick auf die Anrechnung biologischer Quellen und Senken. Die Idee einer Verbindung von Klima- und Senkenschutz wird vom Beirat grundsätzlich befürwortet. Die Art der Anrechnung von biologischen Quellen und Senken, wie sie im Kyoto-Protokoll geregelt wird, bewertet der Beirat allerdings als unzureichend und verbesserungsbedürftig, um dem Klimaschutz und dem Schutz der biologischen Vielfalt gemeinsam zu dienen. Der derzeitige Anrechnungsmodus kann zu negativen Anreizen sowohl für den Klimaschutz als auch für den Schutz der Biodiversität und der Böden führen. Auch ist die durch terrestrische Senken erreichbare Reduktion der Netto-Emissionen mit vielen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten verbunden. Schon bei geringfügigen Klimaänderungen können Senken zu Quellen werden. Die energiebedingten Emissionen können langfristig nicht durch die terrestrische Biosphäre kompensiert werden. Der WBGU analysiert in diesem Sondergutachten zunächst die Regelungen des Kyoto-Protokolls und stellt den Wissensstand über die Quellen- und Senkenpotenziale terrestrischer Ökosysteme sowie über die bestehenden Unsicherheiten und offenen Fragen dar. Dies ist die Grundlage für eine Bewertung der Regelungen im Kyoto-Protokoll sowie für Empfehlungen für die Interpretation und weitere Handhabung.[36]

Ziele für den Klimaschutz (1997)

Der WBGU gibt in dieser Stellungnahme zur dritten Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention Empfehlungen zur Ausgestaltung der in einem Protokoll zur Konvention zu vereinbarenden Pflichten. Dieses betrifft insbesondere verbindliche, zeitlich und mengenmäßig bestimmte Ziele zur Begrenzung der Emission von Treibhausgasen, die entsprechend dem auf der ersten Vertragsstaatenkonferenz beschlossenen „Berliner Mandat“ für die in Anlage I der Klimarahmenkonvention aufgeführten Industriestaaten vereinbart werden sollen. Hiermit soll das zentrale Ziel der Klimarahmenkonvention erreicht werden, nämlich die Konzentrationen von Treibhausgasen auf einem Niveau zu stabilisieren, auf dem eine „gefährliche vom Menschen verursachte Störung des Klimasystems“ verhindert wird.[37]

Szenario zur Ableitung globaler CO2-Reduktionsziele und Umsetzungsstrategien (1995)

Aus Anlass der ersten Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) gibt der WBGU die folgende Stellungnahme zur Ableitung globaler CO2-Reduktionsziele und Umsetzungsstrategien ab. Der Beirat leitet ein globales CO2-Reduktionsziel ab, das in einem „Invers-Szenario“ auf der Grundlage mathematisch-physikalischer Modelle berechnet wurde. Aus der Analyse der ökologisch und ökonomisch vermutlich noch tragbaren Belastungen durch Klimaänderungen wird zunächst ein „Toleranzfenster“ für die zulässigen Klimaentwicklungen festgelegt. Ökologische Grenzen ergeben sich dabei aus der Maximaltemperatur und den Temperaturgradienten, an die sich die Biosphäre noch anpassen kann. Ökonomische Grenzen sind durch die für die Weltwirtschaft gerade noch zumutbaren Klimafolgekosten bestimmt.[38]

Öffentliche Veranstaltungen und Wissenskommunikation (Auswahl)


Im Mai 2012 veranstaltete der WBGU in Berlin ein hochrangiges internationales Symposium „Towards Low-Carbon Prosperity: National Strategies and International Partnerships“ auf dem die unterschiedlichen nationalen Strategien für den Aufbau klimaverträglicher Energiesysteme und Möglichkeiten für internationale Partnerschaften debattiert wurden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt die Hauptrede.[39] Das WBGU-Gutachten „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ ist auch als videobasierte Lehrveranstaltung in englischer Sprache verfügbar.[40] Die Lehrveranstaltung „World in Transition“ des WBGU entstand in Kooperation mit der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit. Ziel ist es Studierenden und Hochschulen frei zugängliche und kostenfreie Online-Lehrveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit anzubieten. Die videobasierte Lehrveranstaltung ist auch ein Beitrag zum Wissenschaftsjahr 2012 des BMBF „Zukunftsprojekt Erde“. Anlässlich der Verabschiedung der neuen Sustainable Development Goals nimmt der WBGU Co-Vorsitzende Dirk Messner in einem Video Stellung, in der er die Berücksichtigung planetarischer Leitplanken bei der Umsetzung der SDGs betont.[41] Zu Erklärung des Konzeptes planetarischer Leitplanken hat der WBGU einen animierten Kurzfilm produziert.[42]

Zur Popularisierung seines Gutachten „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ (2011) hat der WBGU 2013 ein Comicbuch („Die Große Transformation; Klima – Kriegen wir die Kurve?“) auf den Markt gebracht, das die komplexen Inhalte der Studie allgemeinverständlich darstellt.[43] Die englische Ausgabe des Comic erschien 2014 unter dem Titel „The Great Transformation: Climate – Can we beat the Heat?“ Die französische Ausgabe erschien 2015 unter dem Titel „La Grande Transformation – Climat, inverserons-nous la courbe?“.[44] 2016 erschien der Comic „Der urbane Planet – Wie Städte unsere Zukunft sichern“ in deutscher, englischer und spanischer Sprache.[45]

2017 veranstaltete der WBGU die internationale Konferenz „The transformative power of cities“. Zwei Panels behandelten die Themen: „Do real estate markets lead to unjust cities?“ und „Digital cities – Potential or Risk for Sustainable Development?“. Sprecher waren u. a. Stefan Bone-Winkel, Shivani Chaudhry, Leilani Fahra, Barbara Hendricks, Dirk Messner, Saskia Sassen, Hans Joachim Schellnhuber und Carlo Ratti.

Die Mitglieder des Beirats


Aktuelle Beiratsmitglieder

Der WBGU hat neun Mitglieder, die vom Bundeskabinett auf Vorschlag der Minister für Bildung und Forschung (BMBF) sowie Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) für eine Dauer von vier Jahren berufen werden. Bei der Neubesetzung des Beirats 2013 gab es Meinungsverschiedenheiten zwischen den Koalitionspartnern der Bundesregierung.[46][47][48] Die Vorsitzenden des WBGU werden von den Mitgliedern gewählt. Die derzeitige Berufungsperiode endet im Oktober 2020. Die aktuellen Mitglieder des WBGU sind:[49][50]

Ehemalige Beiratsmitglieder

Ehemalige Beiratsmitglieder sind:[51]

Siehe auch


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Sustainable Development Goals 2015 , WBGU, 2014
  2. Habitat III (Memento des Originals vom 18. Januar 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., WBGU, 2016
  3. G20 Präsidentschaft Deutschland 2017 , WBGU, 2016
  4. Dr. Maja Göpel wird neue WBGU-Generalsekretärin , Pressemitteilung, Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, 4. Juli 2017.
  5. Fachausschuss Wissenschaft , Deutsche UNESCO-Kommission, abgerufen am 13. März 2019.
  6. Unsere gemeinsame digitale Zukunft. WBGU, 2019, abgerufen am 15. Dezember 2019.
  7. Hauptgutachten 2019 , „Unsere gemeinsame digitale Zukunft“
  8. Hauptgutachten 2016 , „Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte“, Kurzfassung des Gutachtens, 25. April 2016 (Die Langfassung erscheint wahrscheinlich im Juli 2016)
  9. Hauptgutachten 2013 , „Welt im Wandel: Menschheitserbe Meer“
  10. Hauptgutachten 2011 , „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“
  11. Auf direktem Weg in die Klimadiktatur? , 6. Juni 2011, FOCUS-Online, von Jan-Philipp Hein
  12. Rainer Metzer: Gegen Blockierer helfen nur Gesetze. In: taz.de, 7. April 2011, Seite 1. Abgerufen am 6. März 2013.
  13. Bernhard Pötter: Das deutsche Gespenst. In: taz.de, 20. Juni 2011. Abgerufen am 6. März 2013.
  14. Claus Leggewie: Warnungen vor einer Ökodiktatur? Lächerlich! In: welt.de, 25. Mai 2011
  15. Hauptgutachten 2008 , „Welt im Wandel: Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung“
  16. Hauptgutachten 2007 , „Welt im Wandel: Sicherheitsrisiko Klimawandel“
  17. Hauptgutachten 2004 , „Welt im Wandel: Armutsbekämpfung durch Umweltpolitik“
  18. Hauptgutachten 2003 , „Welt im Wandel: Energiewende zur Nachhaltigkeit“
  19. Hauptgutachten 2000 , „Welt im Wandel: Neue Strukturen globaler Umweltpolitik“
  20. Ivana Weber: Die Natur des Naturschutzes: wie Naturkonzepte und Geschlechtskodierungen das Schützenswerte bestimmen. Oekom-Verlag, München 2007. ISBN 978-3-86581-082-3. Abschnitt III.2.3: Analyse und Kritik des Jahresgutachtens „Welt im Wandel. Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Biosphäre“ des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen“ (WBGU) von 1999. S. 189, 198.
  21. WBGU: Welt im Wandel – Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Biosphäre. Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg, 2000. ISBN 3-540-67106-4. S. 124–126, 187.
  22. Hauptgutachten 1999 , „Welt im Wandel: Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Biosphäre“
  23. Hauptgutachten 1998 , „Welt im Wandel: Strategien zur Bewältigung globaler Umweltrisiken“
  24. Hauptgutachten 1997 , „Welt im Wandel: Wege zu einem nachhaltigen Umgang mit Süßwasser“
  25. Hauptgutachten 1996 , „Welt im Wandel: Herausforderung für die deutsche Wissenschaft“
  26. Hauptgutachten 1995 , „Welt im Wandel: Wege zur Lösung globaler Umweltprobleme“
  27. Hauptgutachten 1994 , „Welt im Wandel: Die Gefährdung der Böden“
  28. Hauptgutachten 1993 , „Welt im Wandel: Grundstruktur globaler Mensch-Umwelt-Beziehungen“
  29. Sondergutachten 2016 , „Entwicklung und Gerechtigkeit durch Transformation: Die vier großen I“
  30. Sondergutachten 2014 , „Klimaschutz als Weltbürgerbewegung“
  31. Sondergutachten 2009 , „Kassensturz für den Weltklimavertrag“
  32. Sondergutachten 2006 , „Die Zukunft der Meere – zu warm, zu hoch, zu sauer“
  33. Sondergutachten 2003 , „Über Kioto hinaus denken – Klimaschutzstrategien für das 21. Jahrhundert“
  34. Sondergutachten 2002 , „Entgelte für die Nutzung globaler Gemeinschaftsgüter“
  35. Sondergutachten 1999 , „Umwelt und Ethik“
  36. Sondergutachten 1998 , „Die Anrechnung biologischer Quellen und Senken im Kyoto-Protokoll“
  37. Sondergutachten 1997 , „Ziele für den Klimaschutz 1997“
  38. Sondergutachten 1995 , „Szenario zur Ableitung globaler CO2-Reduktionsziele und Umsetzungsstrategien“
  39. Internationales Symposium „Towards Low-Carbon Prosperity: National Strategies and International Partnerships“ (Memento des Originals vom 10. Januar 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Video- und Textdokumentation, Mai 2012.
  40. Video-Seminar "Transformation". In: Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit. WBGU, 2012, abgerufen am 12. April 2019 (englisch).
  41. Stellungnahme von Dirk Messner zur Berücksichtigung planetarischer Leitplanken bei der Umsetzung der SDGs
  42. Animierter Kurzfilm zur Erklärung des Konzeptes planetarischer Leitplanken
  43. Archivlink (Memento des Originals vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  44. http://www.cambourakis.com/spip.php?article581
  45. Comic 2016 , „Der urbane Planet – Wie Städte unsere Zukunft sichern“
  46. Süddeutsche Zeitung vom 2. Mai 2013: FDP blockiert Klimaexperten Schellnhuber
  47. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Mai 2013: Rösler nimmt Schellnhuber in den Beirat
  48. Spiegel Online vom 2. Mai 2013: Dicke Luft um Merkels neue Umweltflüsterer
  49. WBGU: Mitglieder des WBGU neu berufen. (Memento des Originals vom 11. Juni 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Presseerklärung vom 8. Mai 2013. Abgerufen am 13. Mai 2013.
  50. BMU: Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats für Globale Umweltveränderungen berufen. Pressemitteilung vom 8. Mai 2013. Abgerufen am 13. Mai 2013.
  51. WBGU: Beirat . Abgerufen am 13. Mai 2013.



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