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Wirtschaftsingenieurwesen

Wirtschaftsingenieurwesen ist ein interdisziplinäres Studium, das aus ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen Teilen besteht. Es verbindet technisch-naturwissenschaftliche sowie Wirtschafts- und oftmals auch Rechtsinhalte miteinander. Nach Abschluss des Studiums darf der Absolvent die Bezeichnung Wirtschaftsingenieur führen.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung


Verschiedene Universitäten boten diese Studienrichtung bereits im späten 19. Jahrhundert an. In den USA wurde dieses Studium vermutlich erstmals 1908 eingeführt. 1927 führte die damalige Technische Hochschule Berlin den Studiengang als erste deutsche Hochschule ein.[1] Der von Willi Prion entwickelte Studiengang wurde damals noch als „Wirtschaft und Technik“ bezeichnet und sollte Nachkommen von Unternehmern eine adäquate Ausbildung bieten.

Bis in die 1970er Jahre boten dieses Studium relativ wenige Universitäten an.[1] Als erste bundesdeutsche Fachhochschule hatte die 1971 gegründete Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt in ihrer Schweinfurter Abteilung von Anfang an den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen im Angebot.

In den Hochschulen und Ingenieurschulen der DDR war ein ähnlicher Studiengang als Ingenieurökonomie etabliert.

Wissenschaftliche Zuordnung


Das Wirtschaftsingenieurwesen befasst sich mit Betriebsabläufen, das heißt mit Theorien, Methoden, Werkzeugen und intersubjektiv nachprüfbaren Erkenntnissen und Zusammenhängen, zwischen verschiedenen wirtschafts-, ingenieur- und rechtswissenschaftlichen Disziplinen. Daher fungiert der Studiengang als Schnittstelle zwischen der Betriebswirtschaft und dem Ingenieurwesen. Die Zielstellung des Wirtschaftsingenieurwesens ist die Optimierung der Betriebsabläufe hinsichtlich technischer Prozesse auf der einen und größtmöglicher Produktivität und Wirtschaftlichkeit auf der anderen Seite.[2]

Inhalt des Wirtschaftsingenieurwesens sind interdisziplinäre und damit oft komplexe Systeme. Dies beinhaltet die Entwicklung, Implementierung, Realisierung, Optimierung sowie den realen Betrieb solcher Systeme unter Einhaltung rechtlicher Anforderungen und Vorschriften, wobei die wirtschaftlichen oder technischen Systeme nicht isoliert, sondern als ganzheitliche Systeme betrachtet werden.

Vielmehr modelliert und gestaltet das Wirtschaftsingenieurwesen unter ökonomischen wie rechtlichen Gesichtspunkten und unter Verwendung der Methoden der Systemtheorie, der Statistik, des Operations Research und weiteren reale wirtschaftlich-technische Systeme und leitet aus entsprechenden Modellen Anforderungen für Produktions-, Fertigungs-, Vermarktungs- und Informationssysteme zur Implementierung in existierende oder neue reale Systeme ab.

Studium


Anzahl der Studierenden nach Fachgebieten in Deutschland[3]
Rang Fach Studierende
1 BWL 209724
2 Maschinenbau 112383
3 Jura 102908
13 W.-Ing. (techn. Schwerpunkt) 49288
18 W.-Ing. (wirtschaftl. Schwerpunkt) 42119

Das Studium des Wirtschaftsingenieurwesens kann an einer Hochschule (Universität, Fachhochschule oder Dualen Hochschule), das mit einem akademischen Grad abschließt, oder einer Berufsakademie erfolgen. Das Wirtschaftsingenieurwesen beinhaltet als interdisziplinäres Studium sowohl ingenieurwissenschaftliche als auch wirtschaftswissenschaftliche Komponenten, wird aber an den meisten Universitäten eher den ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten zugeordnet. Der Schwerpunkt des Studiengangs und die Zusammenstellung der Module können sich je nach gewähltem Schwerpunkt und abhängig von der Forschungsausrichtung der jeweiligen Hochschule deutlich unterscheiden. Während bei Wirtschaftsingenieur-Studiengängen an technisch ausgerichteten Universitäten der ingenieurwissenschaftliche Teil meist deutlich überwiegt, bieten andere Hochschulen und Fachhochschulen auch Wirtschaftsingenieur-Studiengänge mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt an. Im späteren Stadium beeinflussen die Studierenden selbst durch die Wahl von Wahlpflichtmodulen und Vertiefungsrichtungen den Schwerpunkt des weiteren Verlaufs selbst.

In den ersten vier Semestern des Studiums, bei Diplomstudiengängen also im Grundstudium, sollen technische und wirtschaftliche Grundlagen vermittelt werden. Da sich die Studieninhalte in dieser Phase aufgrund der Interdisziplinarität stark mit den Inhalten anderer wirtschafts- und ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge überschneiden, besuchen Studierende des Wirtschaftsingenieurwesens normalerweise einige der Vorlesungen für Studierende der Informatik, der Betriebswirtschaftslehre, des Maschinenbaus, des Bauingenieurwesens oder der Elektrotechnik. Vermehrt werden wie in allen technischen Studiengängen auch im deutschsprachigen Raum Vorlesungen in englischer Sprache gehalten; zudem werden auch Vorlesungen und Kurse zu technischem Englisch angeboten. Außerdem sind im Regelfall Praktika, häufig in Form eines Grund- und eines Fachpraktikums, Bestandteil des Studiums.

Das Wirtschaftsingenieurwesen hat sich als eigenständiger, wissenschaftlicher Studiengang sowie auch als Aufbaustudium an privaten und öffentlichen Hochschulen fest etabliert.

Abhängig von der Universität verläuft das Studium entweder allgemein als „Wirtschaftsingenieurwesen“ oder wird bereits von Beginn an in verschiedene Spezialisierungen unterteilt (beispielsweise „Wirtschaftsingenieur Maschinenbau“; weitere Spezialisierungen sind unter anderem „Energietechnik“, „Energiemanagement“, „operatives Management“ und „strategisches Management“, „Verfahrenstechnik“ sowie „Elektrotechnik“).

Seit der Bologna-Reform wird das Studium des Wirtschaftsingenieurwesens meistens als Bachelor- und Masterstudiengang angeboten; die Lehrveranstaltungen sind durch Module strukturiert. Der Master ist ein Aufbaustudium und setzt den Abschluss des Bachelors voraus. An wenigen Hochschulen bestimmter Bundesländer wird noch ein Diplomstudiengang angeboten.

Das Wirtschaftsingenieurwesen zählt verschiedenen Statistiken zufolge zu den Studiengängen mit den meisten immatrikulierten Studierenden in Deutschland, wobei die Zuordnung der verschiedenen Wirtschaftsingenieur-Studiengänge je nach Statistik unterschiedlich erfolgt. Das statistische Bundesamt differenziert zwischen Wirtschaftsingenieurwesen mit technischem und wirtschaftlichem Schwerpunkt.

Studienmöglichkeiten

In Deutschland wird das Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an 101 Fachhochschulen, 32 Universitäten und technischen Universitäten sowie an 15 Berufsakademien angeboten.[4] Ähnliche Studienmöglichkeiten finden sich in Österreich. In der Schweiz wird dieser Studiengang nur an Fachhochschulen angeboten. Auch im europäischen und nichteuropäischen Ausland existieren teilweise entsprechende Studienmöglichkeiten.

Abschluss des Studiums und akademischer Grad


Zum Abschluss des Studiums ist eine Studienarbeit (je nach Studiengang eine Diplomarbeit, Bachelorarbeit oder Masterarbeit) zu verfassen und je nach Studienordnung in einem Kolloquium zu verteidigen. In manchen Studiengängen, insbesondere die Diplomstudiengänge, ist zudem vorher eine Abschlussprüfung zu bestehen.

Das erfolgreich absolvierte Studium endet mit dem akademischen Diplom-, Bachelor- oder Mastergrad:

Studienarten


Simultanstudium

Beim Simultanstudium, dem Regelfall, sind während der gesamten Studiendauer sowohl ökonomisch-rechtswissenschaftliche als auch technisch-naturwissenschaftliche Fächer im Stundenplan verankert. Zusätzlich existieren Veranstaltungen, die speziell auf die Interdisziplinarität von Wirtschaft und Technik eingehen.

Das Wirtschaftsingenieurwesen umfasst vorwiegend die Kernfächer des betriebswirtschaftlichen und des jeweiligen Ingenieurstudiums, hingegen wird auf einige Randdisziplinen, welche reine Betriebswirte oder Ingenieure belegen müssen, teilweise verzichtet.

Aufbaustudium

Absolventen von technischen Studiengängen bietet ein Aufbaustudium die Möglichkeit, die ökonomisch-rechtswissenschaftlichen Anteile „nachzuholen“. Die Fernhochschule Hamburg bietet seit 2006 auch einen Aufbaustudiengang für Wirtschaftswissenschaftler. Die Hochschule Mittweida bietet seit 2000 einen akkreditierten Fernstudiengang mit dem Abschluss des Diplomwirtschaftsingenieurs an.

Beruf des Wirtschaftsingenieurs


Wirtschaftsingenieure werden meist innerhalb von technisch-wirtschaftlichen Querschnittsfunktionen, wie z. B. für logistische oder planerische Aufgaben (z. B. im Fertigungsbereich), technisches Marketing, Vertrieb bzw. Einkauf für technische Produkte, Projektmanagement oder Qualitätssicherung tätig.

Sie werden hauptsächlich im Maschinenbau, der Elektrotechnik, im Fahrzeugbau, im Bauwesen und in Beratungsgesellschaften eingesetzt. Aufgrund der breiten Wissensbasis werden Wirtschaftsingenieure immer öfter bei Versicherungen, Kreditinstituten, im Einzelhandel und in der Informatik eingesetzt.

Wirtschaftsingenieure sind beispielsweise in den Bereichen Vertrieb (siehe auch: Vertriebsingenieur), Produktentwicklung, Instandhaltung, Produktion, Logistik, Einkauf, Finanzen/Verwaltung, Unternehmensführung/Unternehmensleitung, Qualitätsmanagement, Umweltmanagement, Controlling und Consulting tätig.

Verbände und Organisationen


Übersetzungen


Im Englischen gibt es keine allgemeingültige Übersetzung des Begriffs.

Um den Inhalt des Studiums passend wiederzugeben, wird eine der folgenden englischen Übersetzungen verwendet:

Diese beinhalten sowohl die Ingenieurwissenschaft als auch den englischen Begriff für BWL. Allerdings sind einige der derzeit verbreiteten Übersetzungen international irreführend. „Industrial Engineering“ wird beispielsweise im angloamerikanischen Sprachraum öfter mit Arbeitswissenschaften gleichgesetzt. Der Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure (VWI) merkt hierzu beispielsweise an: „Insbesondere die bislang weit verbreitete Benutzung des „Industrial Engineer“ als Umschreibung des deutschen Wirtschaftsingenieurs ist eher vergleichbar mit Produktions- und Fertigungsingenieuren und verdeutlicht nicht das komplexe und integrative deutsche Konzept des Studiums.“[6] Der VWI empfiehlt deshalb den Beisatz „in Business Administration and Engineering“ zum akademischen Grad.

Je nach Fachrichtung und Hochschule finden weiterhin auch die folgenden Bezeichnungen Verwendung:

Zu beachten ist dabei jedoch, dass Business Engineering eigentlich nur die Planung, Durchführung und Kontrolle von Geschäftsideen und Innovationen umfasst und Product Engineering sich nur auf Konstruktion und Planung neuer Produkte beschränkt.

Siehe auch


 Portal: Wirtschaftsingenieurwesen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Wirtschaftsingenieurwesen

Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. a b Geschichte und Bedeutung des Wirtschaftsingenieurwesens vom VWI (Memento des Originals vom 7. Juli 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. BERUFEnet: Wirtschaftsingenieur. Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 27. Juni 2017.
  3. Bildung und Kultur. Studierende an Hochschulen . Website des Statistischen Bundesamtes. Abgerufen am 23. April 2014.
  4. Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure e. V.: Studie Wirtschaftsingenieurwesen in Ausbildung und Praxis , abgerufen am 27. Juni 2017.
  5. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 10. Juli 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF-Datei; 162 kB) Neue Studiengangsstrukturen im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen mit den Abschlüssen Bachelor und Master
  6. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 10. Juli 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF-Datei; 162 kB) Neue Studiengangsstrukturen im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen mit den Abschlüssen Bachelor und Master



Kategorien: Wirtschaftsingenieurwesen | Studienfach | Ingenieurwissenschaftliches Fachgebiet



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