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Wilhelmsgymnasium München




Staatliches Wilhelmsgymnasium
Schulform Humanistisches Gymnasium
Gründung 1559
Adresse

Thierschstraße 46

Ort München
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 8′ 17″ N, 11° 35′ 19″ O
Träger staatlich
Schüler 541 (Schuljahr 2017/18)[1]
Lehrkräfte 40
Leitung Michael Hotz
Website www.wilhelmsgymnasium.de

Das Staatliche Wilhelmsgymnasium ist ein Gymnasium in München und das älteste Gymnasium Oberbayerns. Das humanistische Gymnasium zählt 541 Schüler (Schuljahr 2017/18). Nach den Jahrgangsstufentests 2005 des bayerischen Kultusministeriums gehört das Gymnasium zu den besten in Bezug auf Lernerfolg, Umfeld und Leistung in Bayern.[2]

Inhaltsverzeichnis

Lage


Das Wilhelmsgymnasium liegt im Münchner Stadtteil Lehel, Thierschstraße 46, Ecke Maximilianstraße, direkt am Maxmonument. Die Regierung von Oberbayern und der Bayerische Landtag (Maximilianeum) befinden sich in unmittelbarer Nähe des Gymnasiums.

Geschichte


Das Wilhelmsgymnasium, 1559 von Albrecht V. als „Paedagogium“ gegründet, wurde von 1824 an als „Altes Gymnasium“ oder „Alte Akademie“ bezeichnet und schließlich 1849 nach Albrechts Nachfolger Wilhelm V. benannt. Bis zur Einführung des Jesuitenverbots 1773 wurde das Gymnasium vom Jesuitenorden geleitet, der immer noch mit der Schule in Kontakt steht.

Ursprünglich war die Schule im Jesuitenkloster an der Neuhauser Straße untergebracht, musste dann aber eine Notunterkunft im Alten Hof beziehen, als das ehemalige Jesuitenkolleg für die von Ingolstadt nach München verlegte Universität benötigt wurde. Erst 1830 konnte das Gymnasium in ein umgebautes barockes Wohnhaus in der Herzogspitalstraße 18 umziehen.

Nachdem die Räume in der Herzogspitalstraße 18 zu klein geworden waren, wurde ein Neubau erforderlich. Die Kritik an den unzumutbaren Bedingungen der provisorischen Unterbringung und die Anforderungen eines umfassenderen Bildungsbegriffs beschleunigten Mitte des 19. Jahrhunderts das Projekt. Mit finanzieller Unterstützung König Ludwigs II. wurde nach den Plänen Carl von Leimbachs 1875–1877 der Neubau im Stil der Neorenaissancefassade im Münchner Lehel errichtet.

Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde das Wilhelmsgymnasium 1952–1958 stark verändert wiederaufgebaut. Seit Beginn der 1970er Jahre werden Mädchen aufgenommen (Koedukation). Ende der 1980er Jahre wurde das Treppenhaus in Form und Farbgestaltung rekonstruiert. Der Schulhof wurde umgestaltet und im Jahr 2006 ein neuer Aufenthaltsraum für die G8-Schüler geschaffen.

Das Wilhelmsgymnasium war zudem von 1799 bis 1826 und von 1877 bis 1918 Pagenerziehungsanstalt des Hauses Wittelsbach.

Von August 2015 bis in das Jahr 2018 wurde das Gebäude im Rahmen einer umfassenden Sanierung entkernt und mit Ausnahme der denkmalgeschützten Fassade und des Treppenhauses vollständig renoviert. Im Zuge der Umbauarbeiten entstanden unter anderem eine Sporthalle unterhalb des Pausenhofs und ein neues Stockwerk über dem Ostflügel des Gebäudes. Während der Umbauzeit war der Unterricht des Wilhelmsgymnasiums in eine Containerburg in Nachbarschaft des Chinesischen Turmes im Englischen Garten verlegt.

Gebäude


Für das in den Jahren 1875 bis 1877 errichtete Gebäude versuchte der Architekt Carl von Leimbach Funktion und Form zu einer harmonischen Einheit zu bringen. Wesentlich für eine Erziehungsanstalt erschienen ihm „Ruhe, Raum, Luft, Licht“. Um den humanistischen Bildungsgedanken bayerischer Ausprägung zur Geltung zu bringen, hielt der Architekt gleichzeitig den Rückgriff auf mittelalterliche Stile für unpassend; daher entschied er sich gegen den auf gotischen Elementen aufbauenden so genannten Maximilianstil und für den Stil der Neorenaissance. Dieser Bruch mit der Architekturkonzeption der Maximilianstraße wurde möglich, da König Ludwig II. andere Interessen als sein Vater König Maximilian II. hatte.

Das Gebäude hat die Form eines L, einen Nord-Süd- und daran im Süden angeschlossen einen West-Ost-Flügel. Es besteht aus Keller, Erdgeschoss und drei Stockwerken mit je etwa zehn Klassenzimmern. Im Südflügel befinden sich ein Physiksaal (Erdgeschoss), die Bibliothek (I. Stock), der Musiksaal (II. Stock) und der Kunstsaal (III. Stock). Am Ende des Ostflügels befinden sich der Fahrradkeller, zwei Sporthallen (Erdgeschoss und II. Stock) und das Lehrerzimmer (mit Verwaltungstrakt, Direktorat usw., I. Stock).

Die 21 mächtigen Statuen in einem Flur auf 30 Meter Länge sind Kopien von Figuren aus dem Zeustempel im antiken Olympia, die 1972 im Deutschen Museum ausgestellt waren, 1976 in einem Lager verschwanden und sich nun als Dauerleihgabe im Wilhelmsgymnasium befinden.

Bibliothek des Wilhelmsgymnasiums


Seit der Gründung des Jesuitenkollegs im Jahr 1559 wurde die Bibliothek[3] für den Lehrbetrieb durch Schenkungen und Zuerwerb reich ausgestattet. Sie enthält noch zahlreiche Werke aus der Frühzeit des Buchdrucks, vor allem auch Erstausgaben klassischer Autoren. Bis zur Säkularisation wurden die Bestände auf vielen Wissensgebieten kontinuierlich ergänzt und aktualisiert. Ein Schwerpunkt blieb die antike Literatur, hinzu kamen zahlreiche Werke der neulateinischen Dichtung, zumal zwei von deren Hauptvertretern, Jakob Bidermann (1578–1639) und Jakob Balde (1603–1669), an der Schule als Lehrer tätig waren. Vertreten ist auch die deutsche Literatur vom Barock bis zur Romantik, desgleichen Geographie, Naturwissenschaften, bayerische und europäische Geschichte sowie Reiseliteratur aus drei Jahrhunderten.

Die Bibliothek umfasst etwa 11.000 Bände, von denen allerdings 20 bis 30 Prozent nach Maßnahmen zur Konservierung oder Restaurierung verlangen. Auslagerung in den letzten Kriegsmonaten und unsachgemäße Unterbringung auch nach Kriegsende führten zu vielfältigen Formen mechanischer oder chemischer Schädigung: Feuchtigkeit, Pilz- und Milbenbefall und sonstige ungünstige Einflüsse hatten an wertvollsten Bänden eine teils verheerende Wirkung. Seit März 2000 unternahm das Gymnasium in Eigeninitiative erste Schritte zu einer umfassenden Sanierung. Durch Spenden des Fördervereins und die Hilfe des Elternbeirats werden die Werke laufend restauriert und gepflegt. Beispielsweise über Buchpflegschaften konnte inzwischen auch eine Reihe mechanisch beschädigter Bücher wiederhergestellt oder neu gebunden werden.[4]

Bildungsprogramm


Das Wilhelmsgymnasium wurde 1559 von Herzog Albrecht V. „nit allein“ als „ain gemaine Kinderschuel“, sondern als „Paedagogium“ gegründet. Nach seinem vermeintlichen Stifter, Herzog Wilhelm V., erhielt es 1849 seinen heutigen Namen. Geprägt von der pädagogischen Sensibilität, dem weltoffenen Humanismus und der tiefen Religiosität der Jesuiten, die bis zur Aufhebung des Ordens 1773 die Schule leiteten, gingen von dieser Bildungsstätte durch die Jahrhunderte starke literarische (zum Beispiel Zentrum der neulateinischen Literatur: J. Bidermann, J. Balde) und bildungsreformerische (F. W. Thiersch: „Praeceptor Bavariae“) Impulse aus. Von dieser Tradition zeugt noch der kostbare Bücherbestand der alten Bibliothek.

Sprachen

Seit seiner Gründung im Jahre 1559 hält das Wilhelmsgymnasium durch den Wandel der Zeiten hindurch an der humanistischen Bildungstradition fest. Heute bedeutet dies: In der fünften Klasse wird mit Latein als erster Fremdsprache begonnen, in der sechsten folgt Englisch, in der achten Griechisch und in der zehnten wird eine romanische Sprache (derzeit Italienisch) angeboten. Mit knapp 100 neuen Schülern besuchten im Schuljahr 2010/11 und 2011/12 so viele Schüler wie schon lange nicht mehr die fünften Klassen der Schule.

Schulleitung und Kollegium


Bekannte Schüler


Literatur


Weblinks


Commons: Wilhelmsgymnasium München  – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise


  1. Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Abgerufen am 23. Mai 2019.
  2. Gesammelte Pressequellen des ehem. schulinternen AK Humanistisches Gymnasium (Memento vom 5. März 2017 im Internet Archive)
  3. Siehe archiv.twoday.net mit weiteren Links.
  4. Reiner Abenstein: Alte Bibliothek. (Homepage des Wilhelmsgymnasiums München, abgerufen am 4. November 2018)
  5. Hansjörg Höhne, Konrad Kruis (Hrsg.): Zeit der Bedrängnis: Lehrer des Wilhelmsgymnasiums in München; 1933–1945. S. 259.



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