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Wilhelm Adolf Lette

Wilhelm Adolf Lette (* 10. Mai 1799 in Kienitz, Neumark; † 3. Dezember 1868 in Berlin) war ein deutscher Sozialpolitiker und Jurist.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Lette war der Sohn eines Landwirtes, der ihn nach Berlin auf das Gymnasium zum Grauen Kloster schickte, an dem er auch seine Reifeprüfung ablegte. Danach studierte er ab 1816 an den Universitäten Heidelberg, Göttingen und Berlin Rechtswissenschaften. Während seines Studiums wurde er 1816 Mitglied der Burschenschaft Teutonia Heidelberg. In Berlin war er 1818 an der Gründung der Alten Berliner Burschenschaft beteiligt. Neben den Rechtswissenschaften beschäftigte sich Lette zusätzlich mit Staatswissenschaft und der Hegel’schen Philosophie. Als Burschenschafter und Besucher des Wartburgfestes wurde er im Rahmen der Demagogenverfolgung verhaftet und zu einer geringen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach der frühen Aufhebung der Strafe war er ab 1821 Auskultator und Assessor. Zuerst war er am Gericht Frankfurt (Oder) und später in Landsberg tätig. 1825 wurde er bei der Generalcommission zu Soldin als Obergerichtsassessor angestellt, um 1834 zum Rat befördert nach Stargard versetzt zu werden. 1835 wurde er zum Oberlandesgerichtsrat in Posen und 1840 zum Dirigenten der volks- und landwirtschaftlichen Abteilung an der Regierung zu Frankfurt (Oder) ernannt. Im April 1843 wurde er als vortragender Rat in das Ministerium des Innern berufen. Von Januar 1844[1] bis zum Jahr 1854[2] war er ordentliches Mitglied im Landesökonomiekollegium. 1845 war er an der Gründung des Revisionsausschusses für Landeskultursachen beteiligt, dessen erstes Präsidium er übernahm.

Im Paulskirchenparlament von 1848 gehörte er dem volkswirtschaftlichen Ausschuss an. Von 1850 bis 1852 war er Abgeordneter der I. Kammer, 1852 bis 1855 der II. Kammer und von 1855 bis 1868 Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus.

Beim ersten Kongreß deutscher Volkswirte im Jahre 1858, an dessen Zustandekommen er mitwirkte, wurde er in die "Ständige Deputation" des Kongresses gewählt.[3]

Im Preußischen Abgeordnetenhaus schloss sich Lette zunächst der Fraktion von Vincke an, gehörte 1863 bis 1866 zur Fraktion Linkes Centrum und trat 1866 in die Nationalliberale Partei ein.[4] 1867 wurde er in den Norddeutschen Reichstag für den Wahlkreis Frankfurt/Oder 3 gewählt.[5] Im Frühsommer 1868 erkrankte er und verstarb ein halbes Jahr später.[6]

Wilhelm Adolf Lette starb 1868 im Alter von 69 Jahren in Berlin. Beigesetzt wurde er in einem Erbbegräbnis auf dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche vor dem Halleschen Tor. Vor der Grabwand aus gelben und roten Klinkern steht ein hochgesockeltes Marmorkreuz.[7] Auf Beschluss des Berliner Senats ist die letzte Ruhestätte von Wilhelm Adolf Lette (Grablage 322-EB-128) seit 1958 als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet. Die Widmung wurde zuletzt im Jahr 2016 um die inzwischen übliche Frist von zwanzig Jahren verlängert.[8]

Sozialpolitisches Engagement


Lette gründete 1866 in Berlin den Verein zur Förderung höherer Bildung und Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts[9], heute Lette-Verein, dessen Vorsitz er auch übernahm. Als erste Einrichtung dieser Art wurde der Lette-Verein vorbildlich für alle Berufsbildungsstätten für Frauen in Deutschland. Ab 1872 – unter der Leitung seiner ältesten Tochter Anna Schepeler-Lette – wird der Verein Schulträger. Die Schule des Lette-Vereins befindet sich seit 1902 in Berlin-Schöneberg am Viktoria-Luise-Platz. In mehreren Berufsfachschulen werden junge Frauen u. a. in kaufmännischen Berufen, Fotografie, als Medizinisch-technische Assistentin, in einer Fachklasse für Mode und als Hauswirtschaftsleiterinnen ausgebildet.

Vereins- und Kuratoriumsmitgliedschaften

Politische Betätigung


Werke


Einzelnachweise


  1. Vgl. GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 30081, fol. 63 r, 64 r
  2. Vgl. Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat bzw. Staats-Kalender für die Jahre 1845 bis 1854
  3. Gerhard Eisfeld: Die Entstehung der liberalen Parteien in Deutschland, Verlag für Literatur und Zeitgeschehen, Hannover 1969, Seiten 19–20
  4. Horst Conrad, Bernd Haunfelder: Preussische Parlamentarier. Ein Photoalbum. 1859–1867. (= Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien). Vorwort von Lothar Gall. Droste Verlag, Düsseldorf 1986, S. 90; siehe auch Kurzbiographie in Mann, Bernhard (Bearb.) : Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867–1918. (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3). Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Droste Verlag, Düsseldorf 1988, S. 243.
  5. Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage. Verlag Carl Heymann, Berlin 1904, S. 39; vgl. auch A. Phillips (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1883. Statistik der Wahlen zum Konstituierenden und Norddeutschen Reichstage, zum Zollparlament, sowie zu den fünf ersten Legislatur-Perioden des Deutschen Reichstages. Verlag Louis Gerschel, Berlin 1883, S. 25.
  6. Bernd Haunfelder, Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867–1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch (= Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 2). Droste, Düsseldorf 1989, ISBN 3-7700-5151-3, Foto S. 209, Kurzbiographie S. 431.
  7. Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 244.
  8. Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Ehrengrabstätten des Landes Berlin (Stand: November 2018) (PDF, 413 kB), S. 51 (Zugriff am 29. März 2019). Anerkennung und weitere Erhaltung von Grabstätten als Ehrengrabstätten des Landes Berlin (PDF, 205 kB). Abgeordnetenhaus von Berlin, Drucksache 17/3105 vom 13. Juli 2016, S. 1 und Anlage 2, S. 10 (Zugriff am 29. März 2019).
  9. Dritter Rechenschaftsbericht des unter dem Protektorat Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Kronprinzessin stehenden Lette-Vereins zur Förderung höherer Bildung und Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts 1868/69. - Berlin, 1870. Abgerufen am 22. September 2018.

Literatur


Weblinks





Kategorien: Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung | Reichstagsabgeordneter (Norddeutscher Bund) | Mitglied des Zollparlaments | Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses | Richter (Deutsche Geschichte) | Verwaltungsjurist | Person (Berlin) | Burschenschafter (19. Jahrhundert) | Deutscher | Geboren 1799 | Gestorben 1868 | Mann | Teilnehmer am Wartburgfest (1817)



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