WHO-Klassifikation der Tumoren des zentralen Nervensystems - de.LinkFang.org

WHO-Klassifikation der Tumoren des zentralen Nervensystems




Die WHO-Klassifikation der Tumoren des zentralen Nervensystems ist eine weltweit gebräuchliche und allgemein anerkannte Klassifikation der Hirntumoren der Weltgesundheitsorganisation (WHO), zuletzt aktualisiert für die 4. Auflage im Jahre 2016.[1][2]

Inhaltsverzeichnis

Klassifikation


Während es sich bei der eigentlichen WHO-Klassifikation lediglich um eine Auflistung anerkannter Tumorentitäten[3] handelt, stellt die begleitende histologische Definition der verschiedenen Tumoren zusammen mit ihren immunhistochemischen und molekulargenetischen Eigenheiten eine wichtige Ressource für die neuropathologische Diagnostik dar und ermöglicht Konsistenz und weltweite Vergleichbarkeit neuropathologischer Befunde. Der Gradierung der verschiedenen Tumorentitäten[4] kommt auch wegen ihrer prognostischen Aussage besondere klinische Bedeutung zu.

Gradierung


Verschiedene Tumorentitäten

Das histologische Gradierungsschema der WHO-Klassifikation ist ein Werkzeug, das es ermöglicht, über verschiedene Tumorentitäten hinweg eine gewisse Voraussage über das biologische Verhalten eines Hirntumors. Im klinischen Kontext kommt dem Tumorgrad eine wesentliche Bedeutung bei der Therapieauswahl zu, inklusive einer Entscheidung zu adjuvanter Chemo- oder Strahlentherapie zu. Dieses Gradierungsschema besteht seit der ersten Version der WHO-Klassifikation und repräsentiert eine Skala für die Einschätzung der Malignität der verschiedenen behandelten Neoplasien.

Klassifikation Beschreibung Beispieldiagnosen
WHO Grad I histologisch gutartige Tumoren mit geringem proliferativen Potential, üblicherweise Heilungspotenzial alleine durch Operation Kraniopharyngeom, Schwannom, Pilozytisches Astrozytom
WHO Grad II histologisch gutartige, jedoch üblicherweise infiltrativ wachsende Tumoren, mit zwar geringem proliferativem Potenzial, jedoch einer Neigung zu Rezidiven

Des Weiteren neigen einige Tumoren des WHO Grades II zu malignen Entartungen in höhere Kategorien

Diffuses Astrozytom, Oligodendrogliom
WHO Grad III histologisch bösartige Tumoren, die mit einer Reduktion der Überlebenszeit einhergehen Anaplastisches Astrozytom, Anaplastisches Oligodendrogliom, Plexuskarzinom
WHO Grad IV äußerst bösartige Tumoren, die mit einer deutlichen Reduktion der Überlebenszeit einhergehen, sofern keine effektive Behandlung zur Verfügung steht Glioblastom, Medulloblastom

Der WHO-Grad stellt lediglich eine Komponente unter einer Vielzahl von Kriterien dar, die letztendlich die Prognose eines Hirntumors beeinflussen. Andere wichtige Faktoren sind unter anderem die Lokalisation des Tumors, die Möglichkeit seiner vollständigen neurochirurgischen Entfernung, das Ansprechen des Tumors auf Chemo- und Strahlentherapie sowie auch das Alter des Patienten.

Innerhalb der Tumorentität

In der aktualisierten Version von 2016 ist das erste Mal auch eine Gradierung innerhalb eines Tumortyps vorgesehen, wie es bei Neoplasien anderer Gewebe bereits seit langem üblich ist. Dies bezieht sich dabei spezifisch auf solitäre, fibröse Tumoren, für die dabei drei Gradierungsstufen vorgesehen sind[5].

Geschichte


Die Entscheidung zur Erstellung der WHO-Klassifikation der Tumoren des zentralen Nervensystems geht bis auf das Jahr 1956 zurück, die erste Buchausgabe wurde im Jahre 1979 von Klaus-Joachim Zülch herausgegeben. An der aktuellen 4. Auflage, die 2007 veröffentlicht wurde, wirkten über 70 Autoren aus 19 Ländern mit. Die 2016 durchgeführte Aktualisierung listet über 120 Mitarbeiter und reflektiert nach Angaben des Titelblattes die Ansichten einer 2015 am Deutschen Krebsforschungszentrum abgehaltenen Konsens- und Redaktionstagung[5].

Literatur


Einzelnachweise

  1. Louis et al.:The 2007 WHO Classification of Tumours of the Central Nervous System. Acta Neuropathol. 2007;114(2):97-109 PMID 17618441
  2. S. Feiden · W. Feidenr: WHO-Klassifikation der ZNS-Tumoren In: Pathologe 2008 29:411–421. PMID 18820922
  3. Die aktuelle WHO-Klassifikation der Hirntumoren 2007
  4. Die aktuelle WHO-Gradierung der Hirntumoren 2007
  5. a b David N. Louis, Hiroko Ohgaki, Otmar D. Wiestler, Webster K. Cavanee, et al.: WHO Classification of Tumours of the Central Nervous System (Revised 4th Edition). Hrsg.: International Agency for Research on Cancer. Lyon 2016, ISBN 978-92-832-4492-9.








Kategorien: Medizinische Klassifikation | Onkologie | Hirntumor | Weltgesundheitsorganisation








Stand der Informationen: 23.11.2020 03:59:09 CET

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