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Via Regia



Dieser Artikel erläutert bestimmte Handelswege; zum Fürstenspiegel Via Regia siehe Smaragd von Saint-Mihiel.

Die Via Regia (lat. für „Königliche Straße“ oder „Königlicher Weg“) oder Hohe Straße war im Mittelalter und der frühen Neuzeit eine wichtige west-östlich verlaufende Handels- und Militärstraße im Heiligen Römischen Reich sowie ein Pilgerweg. Sie verband das Rheinland über Frankfurt am Main und Leipzig mit Schlesien. Seit 2005 ist die Via Regia als Kulturweg des Europarats anerkannt.

Inhaltsverzeichnis

Via Regia als Status


Via Regia „war ursprünglich ein Rechtszustand im mittelalterlichen Straßenwesen. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation waren es Handelswege, die unter dem Schutz der königlichen Zentralgewalt standen“.[1] Sie standen auch unter besonderem Friedensschutz, siehe Reichsstraße oder Altstraße. Der Begriff bezeichnet im allgemeinen Sinn also ursprünglich nicht eine bestimmte Straße, sondern eine Straßenart (wie im Spanischen der „Camino Real“).

Solche Land- und Heerstraßen gab es im Heiligen Römischen Reich sehr viele, zum Beispiel die Via Regia von Stettin über Menzlin nach Wismar, Lübeck und Hamburg, die „bedeutendste Ost-West-Straße im Norden“ des mittelalterlichen westslawischen Siedlungsgebietes. Bei Menzlin querte sie das Peenetal.

Bei der bekanntesten Via Regia vom Rhein nach Schlesien wurde im Laufe der Zeit die Straßenart-Bezeichnung zum Namen dieser bestimmten Straße. Via Regia oder Via Regina wird auch die Straße entlang des Westufers des Comer Sees genannt.

In Wissenschaft und Politik wird der Begriff auch als Metapher für einen „goldenen Pfad“ oder einen „Weg für eine optimale Problemlösung“ gebraucht.

Geschichte der Via Regia Rhein–Schlesien


1252 ist sie erstmals in einer Urkunde des Markgrafen Heinrich von Meißen als Königsstraße (strata regia) erwähnt. Doch reichen ihre Anfänge bereits ins 8. und 9. Jahrhundert zurück. Im Lauf der Jahrhunderte verlagerte sich die Hohe Straße in die Flusstäler, um die Städte einzubeziehen. Nach dem Niedergang der königlichen Zentralgewalt in Mitteldeutschland infolge der Schlacht bei Lucka 1307 büßte sie ihre königliche Funktion ein; seit dem 14. Jahrhundert kann also für diese Route nicht mehr von einer Via Regia gesprochen werden.

Die Straße bestand jedoch trotz des Niedergangs in den einzelnen Abschnitten unter der Bezeichnung Hohe Straße fort. Sie stand nun unter landesherrlicher Aufsicht (unter anderem der König von Böhmen in der Oberlausitz, die sächsischen Kurfürsten in Mitteldeutschland, die Fürstabtei Fulda in Hessen, das Erzstift Mainz am Rhein) und war durch Straßenzwang privilegiert.

Handelsstraße


Die Straße hatte große wirtschaftliche Bedeutung für den überregionalen Handel und Warenaustausch. Aus dem Westen kamen die Tuche Flanderns, aus dem Osten Holz, Felle, Wachs und Honig, und die Mitte steuerte den Färberwaid des Thüringer Beckens sowie die Bergbauprodukte Obersachsens bei. Die Via Regia stellte auch die direkte Verbindung zwischen den beiden großen deutschen Messestädten Frankfurt am Main (Frankfurter Messe) und Leipzig (Leipziger Messe) her. Zwei weitere bedeutende Straßen zwischen den Messestädten waren „durch die kurzen Hessen“ und „durch die langen Hessen“.

Militärstraße


Wiederholt wurde die Straße von Armeen benutzt. In ihrem Einzugsbereich fanden daher große Schlachten statt (Breitenfeld 1631 und 1642, Lützen, Roßbach, Hochkirch, Bergen, Jena und Auerstedt, Bautzen, Großgörschen, Leipzig, Hanau). Nach der Niederlage Napoleons erlosch die Bedeutung der Straße, als durch die Verkleinerung des sächsischen Staatsgebietes auf dem Wiener Kongress der Straßenzwang zugunsten Leipzigs nicht mehr zu halten war. Der Todesmarsch vom KZ Adlerwerke Frankfurt zum KZ Buchenwald lief im März 1945 auch über die Via Regia, von Frankfurt bis Hünfeld.

Pilgerweg


In großer Zahl haben Pilger, die an der Aachener Heiligtumsfahrt teilnahmen, die Straße benutzt. Dazu bogen sie in Eisenach auf die Fernstraße Durch die langen Hessen nach Marburg und Köln ab. Zeugnisse von Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela sind unter anderem aus Breslau, Görlitz, Großenhain, Leipzig, Erfurt, Gotha, Vacha, Fulda, Frankfurt am Main und Mainz bekannt.

Verlauf


Sie verlief vom Rhein über Frankfurt am Main, Hanau (Kinzigtalstraße), Gelnhausen, Steinau an der Straße, Neuhof, Fulda, Hünfeld, Eisenach, Erfurt, Eckartsberga, in Bad Kösen über die Saalebrücke nach Naumburg (Saale), Weißenfels, Leipzig, Grimma, Eilenburg, Großenhain, Königsbrück, Kamenz, Bautzen und Görlitz nach Breslau in Schlesien.

Heute wird der historische Verlauf der Via Regia durch mehrere Straßen markiert:

Der einzige Abschnitt der ehemaligen Via Regia in Mitteldeutschland, der heute nicht mehr als Straße genutzt wird, ist der Feldweg zwischen Nermsdorf und Oberreißen nördlich von Weimar.

Mainz–Leipzig

Bei Mainz beginnend, führte die Straße parallel zum Main bis (Frankfurt-)Höchst (alte Elisabethenstraße) durch kurmainzisches Gebiet. Von dort führte eine ältere Trasse über die Nidda bei (Frankfurt-)Nied und durch den Niedwald (Rödelheimer Straße, heute Oeserstraße), am Rebstock vorbei durch den Biegwald (Biegweg), dann nördlich an (Frankfurt-)Bockenheim vorbei, über die Ginnheimer Höhe (Diebsgrundweg) und über den Dornbusch (Marbachweg) und Lohrberg bis (Frankfurt-)Bergen (durch die Grafschaft, später Fürstentum Hanau). Von hier aus hielt sich der Weg auf dem Höhenrücken zwischen der Nidder und der Kinzig. Sie ging von Bergen zwischen Kilianstädten und Roßdorf über Ostheim (Nidderau) bis nach Marköbel, wo die Straße in römischer Zeit durch das Marköbeler Kastell und den Limes aus dem ehemals römisch kontrollierten Gebiet herausführte. Bemerkenswert ist hier die Ausrichtung langer, gerader Limes-Strecken auf diesen Übergang, was auf eine vorrömische Existenz der Straße schließen lässt.

Über die Anhöhen zwischen Langen-Bergheim und Altwiedermus verlief der Weg weiter über Diebach am Haag und Herrnhaag. Von hier aus verlief die Hohe Straße als Reffenweg zwischen Lorbach und Vonhausen über den Großen Reffenkopf, durch den Büdinger Wald. Aus dem Wald kommend, ging der Weg weiter zwischen Rinderbügen und Waldensberg, vorbei an Leisenwald, Hitzkirchen und Hettersroth und zwischen Oberreichenbach und Unterreichenbach durch isenburgisches Gebiet (Grafschaft Isenburg) bis nach Radmühl, wo die Salz überschritten wurde, hier querte sie den Ortesweg. Zwischen Salz und Freiensteinau, Reichlos und zwischen Hauswurz (Neuhof) und Brandlos hindurch führte die Strecke (Alte Straß) weiter nördlich an Giesel vorbei zur Fulda bei Kämmerzell, wo der Fluss über eine Furt überquert wurde. Die Hohe Straße vereinigte sich dann bei Hünfeld wieder mit der jüngeren Trasse über Frankfurt und durch das Kinzigtal. Bei Vacha mit seiner Steinbrücke und mehreren Furten wurde die Werra überquert.

Mehrere Trassen führten von Vacha nach Eisenach: über das Vitzerodaer Kreuz und Marksuhl oder Berka/WerraHerdaOberellen erreichten die Hauptrouten den Thüringer Wald mit den Pässen am Vachaer Stein und am Clausberg. Ab Eisenach führte die Straße zunächst am Rande des Nessetales und des Hörselberg über Lupnitz und Haina (Wallburgen im Hainaer Holz) oder Sättelstädt nach Gotha. Die Trasse durch das Hörseltal wurde erst mit dem Ausbau der talseitigen Straßen ganzjährig nutzbar. Von Sättelstädt führte die noch gut im Gelände erkennbare Straße vorbei an Mechterstädt, Teutleben, Aspach und Neufrankenroda zum Krahnberg östlich von Gotha und weiter in die Stadt, wo sie am Bertha-von-Suttner-Platz auf das "Brühler Tor" traf, dem Nordwestausgang der mittelalterlichen Stadt. Von hier führte sie durch die heutigen Straßen Brühl, Hauptmarkt, Marktstraße, Neumarkt und Erfurter Straße zum "Siebleber Tor", dem Ostausgang der Stadt.

Von Gotha führte die Straße weiter durch Siebleben, Tüttleben, Gamstädt und Frienstedt nach Erfurt, das sie vom Lauentor im Westen über den Domplatz, die Marktstraße, die Krämerbrücke und die Kaufmannskirche nach Osten durchquerte und durch das Krämpfertor nach Osten verließ. Sie führte nördlich am Ettersberg vorbei über Eckartsberga nach Naumburg und weiter über Weißenfels nach Leipzig, das am Ranstädter Steinweg erreicht wurde.

Leipzig–Schlesien

Weiter nach Osten führte die Straße von Leipzig über Eilenburg oder Grimma nach Oschatz, Großenhain, Königsbrück, Kamenz, Bautzen, Löbau, Görlitz oder Zittau, Lauban (heute Lubań), Naumburg (Nowogrodziec), Bunzlau (Bolesławiec), Haynau (Chojnów), Liegnitz (Legnica), Neumarkt (Środa Śląska) nach Breslau. Sie besaß Fortsetzungen östlich nach Krakau hin. Neben der Hohen Straße (auch Hohe Landstraße genannt) entwickelten sich Nebenstraßen, die mit der Straße durch die Oberlausitz konkurrierten. Besonders die Niederstraße bot eine Alternative, um Zölle zu vermeiden. Jedoch sorgte ein System von Geleitstellen für eine Einhaltung des Straßenzwanges. Das Umgehen der Geleitstellen war mit hohen Strafen bis hin zur Beschlagnahme der Waren verbunden.

Die Via Regia in der Gegenwart


Im Jahr 2005 wurde die Via Regia vom Europarat zur „Großen Kulturstraße des Europarates“ erklärt. Seit 2009 gibt es das Netzwerk „Via Regia – Kulturroute des Europarates“, das Initiativen und Kulturprojekte entlang der Route koordiniert. Dieses Netzwerk geht von einem erweiterten Verständnis der Route aus und setzt die mitteldeutsche Via Regia in westlicher Richtung nach Belgien, Frankreich und Spanien bis Santiago de Compostela, in östlicher Richtung nach Polen, Weißrussland, Litauen und in die Ukraine (bis Kiew oder Vilnius) fort. Nach diesem Verständnis ist die Via Regia 4.500 km lang und durchquert acht europäische Länder.[2]

Der Ökumenische Pilgerweg Mitteldeutschland folgt dem Verlauf der Via Regia von Görlitz über Leipzig und Erfurt nach Vacha.

In Frankfurt am Main erinnert in dessen östlichem Stadtteil Bergen-Enkheim der künstlerisch gestaltete Platz Entrée Hohe Straße an einen dort verlaufenden Zweig der Via Regia/Hohen Straße. Vor Ort sind mehrere Stelen, Gedenksteine und Informationstafeln aufgestellt, die über Verlauf und Geschichte dieses Straßenabschnittes informieren. Der Platz ist in regionalen amtlichen Karten als Ausflugsziel im Frankfurter Grüngürtel und im Regionalpark Rhein-Main ausgewiesen.[3][4]

Literatur


Weblinks


Commons: Via Regia  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Deutschlandfunk, Lange Nacht, 7./8. Februar 2015, Harald Brandt, deutschlandfunk.de: Der Königsweg zwischen Ost und West. Die Lange Nacht über die Via Regia.
  2. Was ist die VIA REGIA? Abgerufen am 18. Oktober 2019.
  3. Regionalpark RheinMain Hohe Straße GmbH c/o Stadtverwaltung Maintal (Hrsg.): Die Hohe Straße – Von Frankfurt-Bergen nach Hammersbach – Freizeitkarte. Maintal, 2006
  4. Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Die GrünGürtel Freizeitkarte. 7. Auflage, 2011



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