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Vandalen

Die Vandalen (auch Wandalen, Vandali, Vandili, Vandilier und Vanduli genannt; altgriechisch Οὐανδαλοί Vandaloi, Βανδῆλοι Wandeloi, Βανδίλοι Wandiloi) waren ein germanisches Volk, das zur ostgermanischen Sprachgruppe gezählt wird. Zur Zeit des Tacitus siedelten die Vandalen zunächst in der nordöstlichen Germania magna, breiteten sich später aber weiter aus. Im 5. Jahrhundert gelangten vandalische Krieger im Zuge der „Völkerwanderung“ nach Spanien und schließlich nach Nordafrika, wo sie ein eigenes regnum etablierten. Mit der Zerschlagung des Vandalenreichs im 6. Jahrhundert durch oströmische Truppen verlieren sich ihre Spuren.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Vandalen


Die Frühzeit

Über die Ursprünge der Vandalen gibt es in den schriftlichen Quellen nur verstreute Aussagen, die in der Forschung intensiv diskutiert werden. Nach Plinius dem Älteren und Tacitus siedelten Vandalen in den ersten Jahrhunderten nach Beginn der christlichen Zeitrechnung östlich der Oder und südlich der damals dort siedelnden Burgunden. Vereinzelte Aussagen zu einer angeblichen Herkunft aus Skandinavien in späteren Quellen sind archäologisch nicht gesichert und eher im Zusammenhang mit fiktiven Herkunftsgeschichten (Origo gentis) zu sehen.[1]

Eine Zugehörigkeit zum Kultverband der Lugier ist möglich: die frühen Vandalen werden in den Quellen mit diesen oft gleichgesetzt.[2] Im 2. Jahrhundert sind unterschiedliche Teilstämme der Vandalen nachweisbar: Die Silingen in Schlesien und die Asdingen oder auch Hasdingen im späteren Ungarn und Rumänien, von wo sie während der Markomannenkriege ins Römische Reich eindrangen. Allerdings ist – wie bei fast allen germanischen gentes der Völkerwanderungszeit – unklar, welche Verbindungen zwischen den Völkern dieses Namens und jenen Verbänden, die dann in der Spätantike in den Quellen erscheinen, bestanden. Unter Konstantin ist jedenfalls eine Ansiedlung der Hasdingen in Pannonien bezeugt.

Vandalen und Völkerwanderung

Herkunft und Abstammung der Völkergruppe der Vandalen sind nicht restlos geklärt. Im Gegensatz zur älteren Forschung wird versucht, die Prozesse zu verstehen, die zur Bildung ethnischer Identitäten führten, und geht nicht mehr von „wandernden“, fertig ausgebildeten Völkern aus. Von Plinius, Tacitus und Ptolemaios werden die Vandilier als Völkergruppe im Weichselgebiet erwähnt, aber verschieden definiert. Wie bei den „Gotonen“/„Gutonen“/„Goten“ ist zwar eine Namenskontinuität bekannt, jedoch kann über die ethnischen Prozesse hinter diesen Namen keine Aussage gemacht werden.

Um das Jahr 400 kann man nördlich der unteren und mittleren Donau große Wanderungen und Umwälzungen feststellen, wahrscheinlich ausgelöst durch das Eindringen der Hunnen. Ein großer vandalischer Verband zog gemeinsam mit den Alanen und Sueben westwärts nach Gallien.

Seit dem 1. Jahrhundert versuchte die römische Politik, die Hegemonie des Römischen Reiches außerhalb der Reichsgrenzen auf friedlichem Wege zu erreichen: durch Verträge (foedera) mit Föderaten, durch die Anwerbung von Soldaten und durch den Handel mit Gewerbe- und Luxusgütern. Das Imperium Romanum war ein wirtschaftlich und politisch stabiler Raum mit einer enormen Sogwirkung auf „barbarische“ Gesellschaften. Langsam entstanden spezialisierte Krieger, soziale Unterschiede und innere Konflikte. Stämme zerfielen, und es bildeten sich neue Einheiten wie eben die in historischen Texten erwähnten „Völker“ der Vandalen und Sueben, die keine Ackerbauern mehr waren, sondern dem Prozess der Verreiterung unterlagen. Nicht, wie in der spätantiken Literatur häufig gemutmaßt, die Flucht vor Hunger und Kälte war der Grund für die Aufgabe alter und den Aufbau neuer Identitäten (siehe Ethnogenese), sondern der Aufbruch zu neuen Möglichkeiten in der reichen mediterranen Welt.

Eindringen ins Römische Reich

In der Silvesternacht 406 überschritt ein vandalischer Verband gemeinsam mit einer großen Gruppe von Alanen und Sueben den Rhein und fiel in die römische Provinz Gallien ein (siehe Rheinübergang von 406); Grund war vermutlich Flucht vor den weiter vordrängenden Hunnen. Fränkische Foederati, die sich ihnen entgegenstellten, wurden geschlagen.[3] Die weströmische Geschichte des 5. Jahrhunderts ist eine Abfolge von Machtkämpfen und Bürgerkriegen, und jedes Mal wurden von den Konfliktparteien nichtrömische Truppen gegeneinander aufgeboten.[4] Die unabhängig operierenden Kriegergruppen der Goten unter Alarich I. in Italien und der Vandalen, Alanen und Sueben stellten dabei zunehmend einen eigenen Machtfaktor dar.

Im Jahre 409 zog der alanisch-vandalisch-suebische Verband unter Ausnutzung eines weiteren Bürgerkrieges nach Spanien und begründete dort verschiedene kurzlebige Staatswesen. Das suebische Königreich in Galicien bestand bis ins späte 6. Jahrhundert. In der Vergangenheit wurde vermutet, dass der arabische Name für Spanien, Al-Andalus (der sich in der Landschaftsbezeichnung Andalusien erhalten hat) eine arabische Bezeichnung für das „Land der Vandalen“ sei. Diese Auffassung ist umstritten. Nach einem römischen Feldzug, in dessen Verlauf auch westgotische Heere eingesetzt worden waren, brachen diese politischen Gebilde in Spanien zusammen; die silingischen Vandalen wurden in der Baetica fast restlos vernichtet, die asdingischen Vandalenkrieger vereinigten sich mit den Alanen. Gemeinsam mit Kämpfern anderer Herkunft setzten sie im Mai 429 nach Africa über.₩₩

Das vandalische Königreich in Nordafrika

Geiserich führte im Jahr 429 die Vandalen (rund 15.000 bis 20.000 Krieger und ihre Angehörigen – Prokopios spricht von insgesamt 80.000 Menschen) nach Nordafrika.[5] Nach Prokopios hatte der römische General Bonifatius die Vandalen als Föderaten „eingeladen“, um sich mit ihrer Hilfe einer Attacke des Kaiserhauses zu erwehren, habe sich dann aber doch den Invasoren entgegengestellt. Allerdings ist diese Darstellung umstritten, zumal Bonifatius zu diesem Zeitpunkt nach Ansicht mancher Forscher wieder in gutem Einvernehmen mit Ravenna stand. Sicher ist, dass die Vandalen die Reichtümer der römischen Provinz Africa begehrten, des Herzstücks des westlichen Reiches, das Italien mit Getreide versorgte und einen großen Teil der Steuereinkünfte erwirtschaftete. Überdies hatte sich Karthago wiederholt als guter Ausgangspunkt erwiesen, um in die Machtkämpfe in Italien einzugreifen. Die Vandalen marschierten durch das heutige Marokko und Algerien und belagerten und plünderten mehrere Städte. Dabei kam in Hippo Regius Augustinus ums Leben. Einige Berberstämme schlossen sich ihnen an. Auch Vertreter der christlichen Glaubensströmung des Donatismus unterstützten die Vandalen, da sie sich unter deren Herrschaft Schutz vor der Verfolgung durch die römische Staatskirche versprachen. Bonifatius, der sich mit dem Kaiserhaus arrangiert hatte, bekämpfte sie nun, wurde aber nach Italien abberufen, um gegen Aëtius zu kämpfen. Dabei fand er den Tod.

Erringung der Seeherrschaft im westlichen Mittelmeer

Nach der Eroberung größerer Gebiete durch Geiserich schloss die nun von dem General Flavius Aëtius kontrollierte westliche Reichsregierung 435 einen Vertrag mit den Eroberern, der ihnen Gebiete in Mauretanien (den beiden Provinzen Mauretania Tingitana und Mauretania Caesariensis) und Numidien zugestand. 439 wurde unter Bruch des Vertrags dennoch Karthago erobert, die größte Stadt des Westens nach Rom, wobei den Vandalen die dort stationierte römische Flotte in die Hände fiel. Die Vandalen und Alanen errichteten ein Königreich (regnum) in den reichen nordwestafrikanischen Provinzen Byzacena und Proconsularis (etwa im Gebiet des heutigen Tunesien), das nach dem Scheitern einer Gegenoffensive 442 auch von Valentinian III. faktisch anerkannt wurde. Formal blieb Africa allerdings Bestandteil des Römischen Reiches. Mit Hilfe der erbeuteten Schiffe (die Vandalen unterhielten als einziger germanischer Verband eine nennenswerte Flotte) gelang ihnen die Eroberung Sardiniens, Korsikas und der Balearen. In Nordafrika übernahm Geiserich die Kaisergüter als eigenen Besitz, tastete römisches Privateigentum jedoch kaum an. Schnell übernahmen die ohnehin bereits weitgehend romanisierten Vandalen die römische Lebensweise, grenzten sich jedoch durch ihren arianischen Glauben von der Oberschicht der Region ab.

Die Plünderung Roms 455

Im Jahr 455 plünderten die Vandalen und Alanen unter Geiserich Rom. Der im 18. Jahrhundert aus dieser Begebenheit hergeleitete Begriff Vandalismus als Bezeichnung für „fanatisches Zerstören um seiner selbst willen“ ist dabei historisch sowie sachlich unkorrekt. Die Vandalen plünderten die Stadt Rom zwar gründlich und nicht ohne Brutalität (wobei die Bewohner aber auf Bitten des Papstes weitgehend geschont wurden), doch ohne blinde Zerstörungswut; vielmehr wurden systematisch Wertgegenstände geraubt. Dies war auch kein reiner Beutezug, sondern vor allem ein Eingreifen in die höchste Ebene der Reichspolitik: Kaiser Valentinian III. hatte seine Tochter Eudocia als Braut für den vandalisch-alanischen Thronfolger Hunerich versprochen, doch nach der Ermordung des Kaisers hatte sein Nachfolger Petronius Maximus das Mädchen mit seinem Sohn Palladius verheiratet. Offenbar riefen die Witwe Valentinians und ihre Töchter daraufhin Geiserich gegen den Usurpator zu Hilfe, und die Hauptstadt wurde angegriffen. Man öffnete Geiserich die Tore. Die Vandalen brachten wertvolle Beute nach Hause. Ebenso wurden zahlreiche Menschen, darunter die Witwe Valentinians und vor allem Handwerker, die im vandalischen Königreich benötigt wurden, nach Karthago gebracht. Gleichzeitig wurden Sardinien, Korsika, die Balearen und schließlich auch Sizilien (wenn auch nur kurzfristig) in den vandalischen Herrschaftsraum einbezogen. Zudem kontrollierten die Vandalen nun endgültig die Getreideversorgung des Westreiches.

Noch vor der Plünderung von Rom war Petronius Maximus zu Tode gekommen. Dies geschah jedoch nicht, wie oft behauptet wird, durch die Hand der Vandalen (beispielsweise gibt es ein Bild aus dem 19. Jahrhundert, auf welchem seine Enthauptung gezeigt wird). Petronius Maximus wurde auf der Flucht, als einfacher Bürger verkleidet, erkannt und (je nach Quelle) entweder von burgundischen Hilfstruppen gesteinigt, von der stadtrömischen Bevölkerung erschlagen oder von einem Legionär namens Ursus getötet. Geiserich erhob keinen neuen Kaiser, forderte aber in der Folgezeit wiederholt, Olybrius, den Schwager seiner Schwiegertochter, mit dem Purpur zu bekleiden. Der weströmische Kaiser Majorian stellte im Jahr 460 neue Truppen auf und verlegte sie mit einer Flotte von 300 Schiffen nach Cartagena. Als die römische Flotte jedoch unbewacht in der Bucht von Alicante ankerte, wurde sie in der Schlacht bei Cartagena von den Vandalen überrascht und vernichtet. Das römische Landheer fiel beim Rückmarsch nach Italien auseinander, Majorian wurde auf Befehl des Heermeisters Ricimer getötet.

Von 468 bis zum Ende des Reiches

Das vandalische Königreich wurde 468 Ziel einer großangelegten gemeinsamen Militäroperation des Westreiches unter Anthemius und des Oströmischen Reiches unter Leo I., die jedoch grandios scheiterte. Geiserich gelang es, die gewaltige römische Flotte in Brand zu setzen und zu vernichten. Nach dem Scheitern eines weiteren römischen Feldzugs im Jahr 470 wurde daher 474 der Familie Geiserichs in einem Vertrag zwischen dem oströmischen Kaiser und Geiserich der Besitz der Provinz Africa und der Inseln garantiert, doch waren die Vandalen wohl schon bald nicht mehr in der Lage, diese Regionen immer effektiv zu kontrollieren.

Im Inneren ergaben sich unter Geiserichs Nachfolgern Probleme, da die Vandalen Arianer waren, die Mehrheit der römischen Bevölkerung jedoch nizänisch blieb. Es kam zu massiven Verfolgungen der Katholiken vor allem unter Hunerich (483/84). Eine wichtige Quelle dazu ist das (freilich tendenziöse) Werk des Victor von Vita. Offenbar war die Religionspolitik der Vandalen weit weniger tolerant als die der ebenfalls arianischen Ostgoten; das brachte ihnen die Verachtung der Römer ein.[6]

Zudem kam es zu dynastischen Auseinandersetzungen um die Herrschaftsnachfolge. Auch mussten sich die Vandalen der immer heftigeren Angriffe der Berber erwehren, die unter Masties rasch die Kontrolle über das Bergland erlangten, das kaum von den germanischen Kriegern besiedelt war. Diese machten vielleicht zwei oder drei Prozent der Bevölkerung aus. Ihre Güter konzentrierten sich in der Region von Karthago und Hippo Regius; sie übernahmen den Lebensstil der römischen Großgrundbesitzer. Ob der von spätantiken Quellen erhobene Vorwurf der massiven Dekadenz der Vandalen zutrifft, darf allerdings bezweifelt werden – schließlich mussten sie sich permanent äußerer Angriffe erwehren.

Das Ende kam erst, als Ostrom Thronstreitigkeiten innerhalb des Vandalenreiches zum Anlass für eine erneute Militärexpedition nahm: Zumindest nach Ansicht der Römer hatte der Vertrag von 474 nur für Geiserich und seine rechtmäßigen Nachfolger gegolten; als der Usurpator Gelimer im Jahr 530 widerrechtlich den Thron bestieg, verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Karthago und Konstantinopel daher rasant. 533/534 eroberten oströmische Truppen unter Belisar, einem Feldherren des Kaisers Justinian, das vandalische Königreich. Zu Hilfe kam ihnen dabei der Umstand, dass das vandalische Hauptheer damals gerade auf Sardinien stand, um dort einen Aufstand niederzuschlagen. So war die Zahl der vandalischen Krieger zu gering, um die beiden schweren Niederlagen (Ad Decimum, Tricamarum), die ihnen Belisar mit Glück und Geschick zufügte, verkraften zu können. Gelimer wurde nach Konstantinopel gebracht und musste sich im Rahmen des Triumphzuges dem Kaiser unterwerfen, verbrachte seinen Lebensabend aber komfortabel auf einem Landgut in Galatien. Eine große Zahl vandalischer Kriegsgefangener wurde im Sommer 534 nach Konstantinopel verbracht und später von Ostrom in den Perserkriegen eingesetzt. Nordafrika wurde wieder in das Imperium Romanum integriert. Der letzte bewaffnete, vandalische Widerstand unter Guntarith erlosch im Jahr 546.[7] In den Quellen erscheinen von da an keine Vandalen mehr. Die Reste der geringen germanischen Zivilbevölkerung wurden wohl größtenteils nach Osten deportiert, während mehrere Vandalen in der kaiserlichen Armee dienten.

Zeittafel

Wirtschaft, Gesellschaft, Sprache und Kultur


Über die mit dem Gotischen nah verwandte vandalische Sprache ist wenig bekannt.

Den Asdingen standen anfangs zwei, später nur noch ein aus adligem Geschlecht stammende Könige vor. Sie waren mit den Sueben verschwägert.

Die Vandalen wurden um 350 zu arianische Christen. Über Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur der Vandalen vor dem Beginn der großen Wanderung ist nur sehr wenig bekannt. Die im heutigen Polen liegende Przeworsker Kultur wird meist mit den Vandalen in Verbindung gebracht. Diese Zuweisung ist jedoch sehr unsicher. In Gallien und Spanien lassen sich keine archäologischen Funde mit den Vandalen in Verbindung bringen.

In Nordafrika ersetzten die Vandalen die Elite des römischen Afrika und profitierten von dem Reichtum dieser Provinz. Die Vandalen scheinen in Afrika einen in jeder Hinsicht römischen Lebensstil gepflegt zu haben, was sich aus der Kunst und Architektur dieser Zeit, aber auch aus den Schriftquellen erschließen lässt. Im Wesentlichen integrierten sich die vandalischen Herren in die ökonomischen Strukturen der spätantiken Mittelmeerwelt, und auch die Kultur des Altertums wurde im vandalischen Nordafrika gepflegt. Die vandalische Münzprägung ist Gegenstand von Diskussionen.

Liste der vandalischen Könige und deren dynastische Verbindung


Gleichsetzung der Begriffe Vandalen und Wenden


In mittelalterlichen Überlieferungen wurde die Bezeichnung Vandali mit der Bezeichnung Wenden oder Slawen gleichgesetzt. Die Vermischung dieser Bezeichnungen konnte in der Forschung bisher nicht abschließend geklärt werden.

Seit dem 8. Jahrhundert war der Name der Vandalen in Bezug auf die Slawen vor allem im süddeutschen Raum gebräuchlich. Im europäischen Raum kam im 12. Jahrhundert eine Diversifizierung und Nationalisierung der Geschichtsforschung auf. Auch in den slawischen Königreichen machte die Geschichtsschreibung diese Entwicklung mit. Die polnischen Beispiele solcher Geschichtswerke, die Chronica Polonorum des Vincentius Kadlubek, wobei er aber in seiner Wanda (Sage) erklärt, dass Wanda am Fluss Wandalus unter den Wandalen wohnt. Die Fortsetzung derselben Sage durch Dierszwa und die Chronik des Baszko/Boguphal beinhalten eine Geschichtsschreibung, die die Polen (angeblich) von den Vandalen abstammen lässt.

Noch im Geschichtswerk des Jan Dlugosz aus dem 15. Jahrhundert findet sich der Satz: „Vandali, qui nunc Poloni dicuntur“. Gestützt wurden die polnischen Geschichtsmodelle des 12. bis 15. Jahrhunderts mit der Völkergenealogie, die in der sogenannten „Fränkischen Völkertafel“ enthalten ist. Diese, in einer Beziehung zu Tacitus stehende, Quelle war wahrscheinlich vor dem achten Jahrhundert im fränkischen Raum die Ausgangsbasis für die Gleichsetzung der Slawen/Wenden mit den Vandalen. Mit der Gleichsetzung wurden die Verhältnisse, die die slawischen Ethnogenesen in den Jahrhunderten zuvor geschaffen hatten, in ein europäisch-fränkisches Geschichtsbild integriert.

Die Verwendung des Vandalennamens hatte auf Basis der mittelalterlichen Traditionen sowohl für die slawische Bevölkerung als auch als Selbstbezeichnung politischer Gebilde im „Wendenland“ eine lange Tradition. Der Humanist Albert Krantz nahm diese Tradition in seiner 1519 posthum erschienenen Wandalia auf. Darin behandelt er die Geschichte verschiedener slawischer Völker, hanseatischer Städte und des herzoglich mecklenburgischen Hauses, deren Herkunft und Entstehung er auf die antiken Vandalen zurückführte. Der Rückschluss auf diesen Zusammenhang wurde wesentlich auf den sogenannten Pseudo-Berossos des Humanisten Annius von Viterbo gestützt. Es handelte sich bei diesem erstmals 1499 gedruckten Text um eine humanistische Fälschung, die Elemente der Biblischen Erzählung mit den germanischen Genealogien des Tacitus zu verbinden beabsichtigte. Die von Krantz vor allem auf Basis des Pseudo-Berossos vollzogene Germanisierung der Slawen wurde im polnischen Humanismus, namentlich vom im Auftrag des Königs Sigismund August schreibenden Martin Cromer, zurückgewiesen.

Eine weitere Vermengung der Namen kam seit dem 14. Jahrhundert durch die lateinischen Übersetzungen für die Bezeichnung der „wendischen Städte“ Danzig, Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, Königsberg, Riga und andere Hansestädte auf. Latinisiert wurden diese Städte als „vandalicae urbes“ bezeichnet. Die Bezeichnung wendische Städte stand im Zusammenhang mit der Einteilung der Hanse in Quartiere. Das Hansequartier mit dem Vorort Lübeck, das die aufgezählten Städte umfasste, wurde als wendisches Quartier bezeichnet.

Auch im Namen des pommerschen Teilherzogtums Wenden findet sich im Lateinischen die Form „Ducatus Vandaliae“. Erst diese gelehrte Latinisierung beinhaltete eine historische Dimension, die von der humanistischen Geschichtsschreibung zu Spekulationen verwendet werden konnte. Die Wurzeln der Bezeichnung reichen weit ins frühe Mittelalter. Vor diesem Hintergrund kann eine Reihe von Geschichtskonzeptionen aus dem Umkreis des mecklenburgischen Hofes gedeutet, erklärt und in einen Zusammenhang gestellt werden.

Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert setzte sich in der Geschichtsforschung eine Negierung der Gleichsetzung Wenden und Vandalen durch, die die Wortverwendung auf einen Irrtum der mittelalterlichen Autoren zurückführt.[8]

Quellen


Literatur


Aufsätze und Lexika
Darstellungen
  1. Kongress, 5.–8. Oktober 2000, Tunis (Antiquité Tardive; Bd. 10). 2002, ISBN 2-503-51275-5.
  2. Kongress 20.–21. August 2001 (Antiquité Tardive; Bd. 11). 2003, ISBN 2-503-52262-9.

Weblinks


 Commons: Vandalen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
WiktionaryWiktionary: Vandalen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen


  1. Zu den Anfängen der Vandalen siehe Castritius, Die Vandalen, S. 15ff.
  2. Castritius, Die Vandalen, S. 16f.
  3. Castritius: Die Vandalen, S. 54ff.
  4. Siehe Henning Börm: Westrom. Von Honorius bis Justinian. Stuttgart 2013.
  5. Castritius: Die Vandalen. S. 76 ff.
  6. Jörg Spielvogel: Arianische Vandalen, katholische Römer: die reichspolitische und kulturelle Dimension des christlichen Glaubenskonflikts im spätantiken Nordafrika. In: Klio 87, Heft 1, 2016.
  7. Castritius: Die Vandalen, S. 159ff.
  8. Roland Steinacher: Studien zur vandalischen Geschichte. Die Gleichsetzung der Ethnonyme Wenden, Slawen und Vandalen vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. Diss. Wien 2002 (online (Memento des Originals vom 13. Mai 2006 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.).



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