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Universität Breslau




Uniwersytet Wrocławski
Universitas Wratislaviensis
ehemals:
Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität
Universitas Leopoldina
Gründung 21. Oktober 1702 als
Universitas Leopoldina
3. August 1811 als
Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität
9. Juni 1946 als
Uniwersytet Wrocławski
Trägerschaft staatlich
Ort Breslau, Polen
Rektor Przemysław Wiszewski
Studierende 34.621 (30. Nov. 2010)[1]
Mitarbeiter 3.480[1]
davon Professoren 426[1]
Website www.uni.wroc.pl

Die Universität Breslau (polnisch Uniwersytet Wrocławski; lateinisch Universitas Wratislaviensis) ist eine 1702 als Jesuitenkolleg gegründete Universität in Breslau. Die deutsche Universität wurde 1945 aufgelöst und an ihrer Stelle 1946 eine polnische Universität neu gegründet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Gründung als Leopoldina

Breslau war mit seiner Domschule bereits im Mittelalter eine bedeutende Schulstadt.[2] Auf Wunsch des Magistrats der Stadt Breslau bestätigte der böhmische Landesherr, König Vladislav II. am 20. Juli 1505 die Gründung einer Universität in Breslau, die jedoch aufgrund zahlreicher Kriege und scharfen Widerstandes der Universität Krakau nicht errichtet werden konnte.

Die seit 1638 bestehenden Vorgängereinrichtungen wurden in eine Jesuitenschule überführt und 1702 schließlich auf Betreiben der Jesuiten und mit Unterstützung des schlesischen Oberamtsrats Johannes Adrian von Plencken von Kaiser Leopold I. als Jesuiten-Akademie mit je einer Fakultät für Philosophie und Katholische Theologie gestiftet. Diese erhielt nach ihrem Stifter den Namen Leopoldina. Am 15. November 1702 wurde der Lehrbetrieb aufgenommen. Johannes Adrian von Plencken war auch gleichzeitig Kanzler der Akademie. In den Jahren 1728 bis 1732 wurde die Aula Leopoldina erbaut und ist bis heute nahezu vollständig erhalten geblieben. Diese wird regelmäßig offiziell für universitätsöffentliche Anlässe genutzt.

Als nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 Breslau mit fast ganz Schlesien an Preußen fiel, verlor die Akademie ihren gegenreformatorischen Charakter, blieb aber als konfessionelle Hochschule für die Ausbildung des katholischen Klerus in Preußen bestehen.

Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität

Am 3. August 1811 wurden die Leopoldina und die Brandenburgische Universität Frankfurt durch königliche Kabinettsorder im Zuge der Neuformierung des preußischen Staates nach dem Frieden von Tilsit vereinigt und als Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau mit fünf Fakultäten (katholische Theologie, evangelische Theologie,[3] Recht, Medizin[4] und Philosophie) neu gegründet. Sie war damit die erste deutsche Universität mit einer katholischen und einer protestantischen Fakultät.

Mit der Universität verbunden waren drei theologische Seminare, ein philologisches und ein Seminar für deutsche Philologie, desgleichen für romanische und englische Philologie, ein historisches, ein mathematisch-physikalisches, ein juristisches und ein staatswissenschaftliches Seminar. Ab 1842 besaß die Universität auch einen Lehrstuhl für Slawistik. Die Universität besaß zwölf verschiedene naturwissenschaftliche Institute, sechs klinische Anstalten und drei Kunstsammlungen. Zur Universität gehört seit 1881 auch ein landwirtschaftliches Institut (früher in Proskau) mit zehn Lehrern und 44 Hörern, das ein tierchemisches, ein Veterinär- und ein technologisches Institut umfasste. Hinzu kam im 20. Jahrhundert das Hochschulinstitut für Musikerziehung und Kirchenmusik, das u. a. der Ausbildung von Musiklehrern an Höheren Lehranstalten diente. 1884 betrug die Zahl der Studierenden 1.481, die der Dozenten 131.

Die Universitätsbibliothek Breslau umfasste 1885 ungefähr 400.000 Werke, darunter ungefähr 2.400 Bände Inkunabeln (bis 1500), ungefähr 250 Bände Aldinen und 2.840 Bände mit Manuskripten. Sie entstand aus den Sammlungen der aufgehobenen Stifte und Klöster und den früheren Frankfurter und Breslauer Universitätsbibliotheken; zu ihr gehören auch die an orientalischen gedruckten und handschriftlichen Werken reiche Bibliotheca Habichtiana und das akademische Leseinstitut.

Ferner sind zu nennen die historische Sternwarte Mathematischer Turm, südlicher Seitenturm um 1730[5], das Oratorium Marianum (1733 eröffnet, seit 1815 Konzertsaal), der botanische Garten (fünf Hektar groß) mit botanischem Museum und der 1862 von einer Aktiengesellschaft angelegte zoologische Garten, das naturhistorische und das zoologische Museum, die chemischen und physikalischen Sammlungen, das chemische Laboratorium, das pflanzenphysiologische und das mineralogische Institut, das anatomische Institut, die klinischen Anstalten, die Bildergalerie (meist aus den Kirchen, Klöstern etc.), das Museum für schlesische Altertümer und das Staatsarchiv für Schlesien.

An der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität gab es ein reges Verbindungsleben.[6]

Auflösung und Neugründung als polnische Universität

Nach der Zeit des Nationalsozialismus und der Eroberung Breslaus durch die Rote Armee wurde die Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau aufgelöst. Mit der Übergabe der Stadt an Polen wurden bereits am 24. August 1945 die bis dahin deutsche Universität und die Technische Hochschule Breslau (1910–1945) in Hochschulen des polnischen Staates umgewandelt. Mit einer Vorlesung von Professor Ludwik Hirszfeld wurde der Lehrbetrieb am 15. November desselben Jahres wieder aufgenommen; am 9. Juni 1946 wurde die polnische Universität offiziell eröffnet. Seit 1952 trug die Hochschule den Namen des damaligen Staatspräsidenten und Ersten Sekretärs der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PZPR) Bolesław Bierut (bis 1989).

Die Tradition der alten Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität wurde gemäß Senatsbeschluss seit 1951 von der Universität zu Köln gepflegt. Seit 2003 wurde mit der neuen polnischen Universität Breslau eine Partnerschaft vereinbart.

Bereits seit 1988 besteht eine Partnerschaft mit der Ruhr-Universität Bochum.

Die Universität feierte im Jahr 2001 ihr 300-jähriges Bestehen, womit ausdrücklich an die Tradition der österreichischen „Leopoldina“ angeknüpft wurde.

38.607 Studierende waren im akademischen Jahr 2000/2001 an der Universität immatrikuliert.

Heutige Fakultäten


Internationale Zusammenarbeit


Im Jahr 2001 wurde mit dem Ziel der Völkerverständigung und des Wissenstransfers, die Deutsch-Polnische Gesellschaft der Universität Wrocław (Breslau) e. V. gegründet. Diese Gesellschaft umfasst alle Hochschulen der Stadt Breslau: Universität, Päpstliche Theologische Fakultät, Medizinische Akademie, Technische Hochschule, Hochschulen für Wirtschaft, Landwirtschaft, Sport, Musik und Kunst. Gründungsmitglieder waren hochrangige Funktionsträger der heutigen Universität Wrocław und deutsche Professoren, die noch in Breslau geboren sind. Das waren gut 120, und mehr als 3/4 von ihnen sind heute Mitglieder. Die Tätigkeit der Gesellschaft erstreckt sich vor allem auf Kontakte, Austausch und Stipendien. Gründer und Präsident ist Norbert Heisig, Universität Hamburg.

2002 wurde das gemeinsam von der Universität Breslau und dem DAAD finanzierte „Willy-Brandt-Zentrum für Deutschland- und Europastudien“ gegründet.

Im Jahr 2011 verliehen im Rahmen der Veranstaltung Zwischen Tradition und Partnerschaft, bei der auch der Kirchenrechtler Franz August Gescher (1884–1960), ein Forschungspionier der kölnisch-kirchlichen Verfassungsgeschichte, als „Brückenbauer zwischen der Universität zu Köln und der schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität“ vorgestellt wurde, die Universitätsrektoren Marek Bojarski und Jan Harasimowicz Jubiläums-Medaillen der Universität Breslau an den Kardinal und Kölner Erzbischof Joachim Meisner und an Kölner Universitätsangehörige wie Reimund Haas.[7]

Siehe auch


Hochschullehrer und Alumni


in alphabetischer Folge

Literatur


Weblinks


Commons: Universität Breslau  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. a b c uniwr.biuletyn.info.pl, Dane statystyczne Uniwersytetu Wrocławskiego wg stanu na 31.12.2010 r.: PDF-Datei.
  2. Kazimierz Bobowski: Entstehung und Entwicklung von verschiedenen schlesischen Schulgründungen im Mittelalter. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 23, 2004, S. 471–485.
  3. Dietrich Meyer: Zur Geschichte der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Breslau 1811–1945. In: Jahrbuch für Schlesische Kirchengeschichte. Neue Folge. Band 68, 1989, S. 149–174; Friedrich Arnold: Die evangelisch-theologische Fakultät. In: Georg Kaufmann (Hrsg.): Festschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Universität Breslau. Teil 2, Breslau 1911.
  4. Albrecht Scholz, Thomas Barth, Anna-Sophia Pappai und Axel Wacker: Das Schicksal des Lehrkörpers der Medizinischen Fakultät Breslau nach der Vertreibung 1945/46. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 24, 2005, S. 497–533.
  5. Hans Thiemer 2005, Das grosse Buch der Stile: Barock - Rokoko - Spätbarock. S. 213
  6. Heinz Gelhoit, Das Korporationswesen in Breslau 1811–1938, Hilden, 2009, 311 Seiten.
  7. Reimund Haas: „Gescherianum“ – Rheinische Kirchenrechtsgeschichte des Mittelalters in Köln und Breslau. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 8/9, 2012/2013 (2014), S. 311–325, hier: S. 312 f.
  8. Arthur Müller: Gute Nacht, Hänschen! . E. Bloch, 1865 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Arthur Müller: Ein Haberfeldtreiben . Dempwolff, 1866 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. https://archive.org/details/dieffentlicheb00kett
  11. https://play.google.com/books/reader?id=a6RcAAAAcAAJ&printsec=frontcover&output=reader&hl=de&pg=GBS.PA1








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Stand der Informationen: 23.11.2020 06:44:01 CET

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