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Tulln an der Donau


(Weitergeleitet von Tulln)


Tulln ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Tulln (Begriffsklärung) aufgeführt.
Stadtgemeinde
Tulln an der Donau
Wappen Österreichkarte
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Tulln
Kfz-Kennzeichen: TU
Fläche: 72,23 km²
Koordinaten: 48° 20′ N, 16° 3′ O
Höhe: 180 m ü. A.
Einwohner: 16.144 (1. Jän. 2019)
Postleitzahlen: 3425, 3430
Vorwahl: 02272
Gemeindekennziffer: 3 21 35
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Minoritenplatz 1
3430 Tulln an der Donau
Website: www.tulln.at
Politik
Bürgermeister: Peter Eisenschenk (ÖVP)
Gemeinderat: (2020)
(37 Mitglieder)
23
5
4
3
1
1
23 
Insgesamt 37 Sitze
Lage von Tulln an der Donau im Bezirk Tulln

Hauptplatz mit Bezirkshauptmannschaft und Pest/Dreifaltigkeitssäule
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Tulln an der Donau ist eine Stadtgemeinde in Österreich mit 16.144 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019) und Bezirkshauptstadt des gleichnamigen Bezirkes im Bundesland Niederösterreich.

Inmitten von Gärtnereien liegend und mit zahlreichen Rabatten quer durch die Stadt ausgestattet, wird Tulln auch als Gartenstadt bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geografie


Die Stadtgemeinde Tulln liegt im Tullnerfeld, das im Süden vom Wienerwald und im Norden vom Wagram begrenzt wird. Das Gemeindegebiet hat eine Ausdehnung von 72 km² und breitet sich zu beiden Seiten der Donau aus, die das Gebiet in einer Länge von rund fünf Kilometern durchfließt. Der bebaute Teil der Stadt ist hauptsächlich südlich der Donau. Die Stadt wird von zwei Bächen eingesäumt. Im Westen mündet die Große Tulln, im Osten die Kleine Tulln in je einen Donauarm. Die Seehöhe der Stadt ist 180 m. Die Umgebung der Stadt ist wie das gesamte Tullnerfeld vollständig ebenes Terrain, das nur dort leicht wellig ist, wo sich einst Donauarme in das Land gedrängt haben. Tulln ist 40 Kilometer von der Bundeshauptstadt Wien entfernt.

Gemeindegliederung

Das Gemeindegebiet umfasst folgende neun Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2019[1]):

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Frauenhofen, Langenlebarn-Oberaigen, Langenlebarn-Unteraigen, Mollersdorf, Neuaigen, Nitzing, Staasdorf, Trübensee und Tulln.

Nachbargemeinden


Stetteldorf am Wagram (Bez. Korneuburg) Hausleiten (Bez. Korneuburg)
Muckendorf-Wipfing




Sieghartskirchen

Der Ort liegt hinter Judenau, Gemeindegebiet grenzt im Süden ein Stück an.

Geschichte


Tulln ist eine der ältesten Städte Österreichs. Der Name Tulln soll aus dem Keltischen stammen, jedoch kann diese Theorie nicht bestätigt werden. Schon in vorrömischer Zeit besiedelt, wurde es in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christus das römische Reiterkastell Comagena, bzw. Comagenis, auch Stützpunkt der römischen Donauflottille. In den letzten Jahren der Römerherrschaft wird von einem Besuch des heiligen Severin und der wunderbaren Rettung der Stadt vor den Barbaren berichtet.

Nach dem Nibelungenlied empfing in Tulln der Hunnenkönig Etzel Siegfrieds Witwe Kriemhilde, ein Ereignis, dem im Jahr 2005 ein Denkmal in Form eines Brunnens gewidmet wurde. Bereits Ende des 8. Jahrhunderts wurde Tulln als Stadt (Comagenis civitas) genannt. Nach der endgültigen Eroberung des Awarenreiches durch den fränkischen Kaiser Karl den Großen im Jahr 803 setzte die Sicherung und Besiedlung beim ehemaligen römischen Reiterkastell ein. Der entstehende Ort befand sich nun auf dem Gebiet des Baierischen Ostlandes.[2] Im Jahr 859 wurde Tulln erstmals mit dem Namen Tullina urkundlich erwähnt. In der Karolingerzeit Gerichtsstätte und Sitz des Grafen Ratpot, erlangte Tulln in der Zeit der Babenberger Markgrafen als Residenz und Donauhandelsplatz große Bedeutung, sodass es als eine Hauptstadt des Landes bezeichnet wurde. Aus Dank für seinen Sieg über den böhmischen König Ottokar und die Errettung aus Todesgefahr, an der mit seinem Sohn Albrecht von Löwenstein-Schenkenberg teilgenommen hatte, stiftete Rudolf I. von Habsburg am 31. August 1280[3] das heute nicht mehr erhaltene Dominikanerinnenkloster Tulln. Es blieb seine einzige Klosterstiftung. Am 11. November 1301 schenkte die Schenkin von Schenkenberg (vergl. Burgruine Schenkenberg, Kanton Aargau, Schweiz) dem Kloster zum Seelenheile ihres verstorbenen Gatten Wilhelm, ihrer Tochter Agnes und Enkelin Gertrud einen Hof samt Zubehör zu Tulln. Die Vorrangstellung verlor Tulln durch den Aufschwung Wiens und eine Reihe schwerer Belastungen (Andringen der Donau, Verlagerung der Handelswege, große Brände, kriegerische Drangsale, Türkeneinfälle, Dreißigjähriger Krieg, Franzoseninvasion). 1683 diente Tulln als Sammelplatz des Entsatzheeres des Heiligen Römischen Reiches vor der Schlacht am Kahlenberg bei der Zweiten Wiener Türkenbelagerung.

Neuer Aufschwung setzte mit dem 19. Jahrhundert (Donaubrücke, Bau der Franz-Josefs-Bahn, Bezirkshauptmannschaft) und im 20. Jahrhundert (Schulen, Industrie) ein. Im Jahr 1986 bewarb sich Tulln als Landeshauptstadt, aber St. Pölten wurde ausgewählt.

Bevölkerungsentwicklung



Gemeindepartnerschaften


Politik


Der Gemeinderat hat 37 Mitglieder.

Bürgermeister

Gemeinderat (2020–2025)


  • Vizebürgermeister Harald Schinnerl (TVP)
  • Vizebürgermeister Rainer Patzl (Grüne)
  • Vizebürgermeister Wolfgang Mayrhofer (ÖVP)
  • Stadtrat Franz Xaver Hebenstreit (TVP)
  • Stadtrat Peter Höckner (TVP)
  • Stadträtin Paula Maringer (TVP)
  • Stadträtin Elfriede Pfeiffer (TVP)
  • Stadträtin Lucas Sobotka (TVP)
  • Susanne Stöhr-Eißert (TVP)
  • Stadtrat Hubert Herzog (SPÖ)
  • Stadtrat Michael Hanzl (TOP)
  • Josef Beinhardt (TVP)
  • Johannes Blauensteiner (TVP)
  • Johannes Boyer (TVP)
  • Annemarie Eißert (TVP)
  • Roman Friedrich (TVP)
  • Alfred Kaiblinger (TVP)
  • Eva Koloseus (TVP)
  • Peter Liebhart (TVP)
  • Marina Manduric (TVP)
  • Roman Markhart (TVP)
  • Karl Minich (TVP)
  • Ernst Pegler (TVP)
  • Daniela Reiter (TVP)
  • Franz Weidl (TVP)
  • Bernhard Granadia (Grüne)
  • Veronika Holzmann (Grüne)
  • Kerstin Huber (Grüne)
  • Katerina Kopetzky (Grüne)
  • Ruza Dokic (SPÖ)
  • Sabrina Felber (SPÖ)
  • Valentin Mähner (SPÖ)
  • Leopold Handelberger (TOP)
  • Jürgen Schneider (TOP)
  • Andreas Bors (FPÖ)
  • Herbert Schmied (NEOS)

[11]

Kultur und Sehenswürdigkeiten


Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Tulln an der Donau

Wirtschaft


Als bedeutende Industrie ist die Zuckerfabrik der Agrana zu verzeichnen. Viele Gärtnereien und Pflanzenzuchtbetriebe sind am Stadtrand angesiedelt. Weiters ist Tulln eine bedeutende Geschäftsstadt, insbesondere für Bekleidung.

Mit dem eindrucksvollen Messegelände kann Tulln ein überzeugendes Angebot an internationalen und nationalen Messen anbieten.

Weiters beherbergt die Stadt einige sehr renommierte Unternehmen, welche nicht nur im Bereich der Landwirtschaft, sondern auch der Dienstleistungs- und Produktionspate angesiedelt sind.

Infrastruktur


Verkehr

Tulln ist ein bedeutender Verkehrsknoten in Niederösterreich. Tulln hat zwei Donaubrücken (Tullner Donaubrücke und Rosenbrücke), Bundesstraßen, einen Bahnhof der Franz-Josefs-Bahn und eine Haltestelle der Tullnerfelder Bahn, eine Schiffsanlegestelle, einen Yachthafen und einen MilitärflugplatzFliegerhorst Brumowski“.

Die Tullner Straße B 19 ist neben der Kremser Schnellstraße eine viel befahrene Strecke zwischen der Westautobahn und der Stockerauer Schnellstraße. Erst die neugebaute Rosenbrücke brachte eine Entlastung für die Stadt Tulln. Trotz der vielen Kreisverkehre[14] sind noch sieben Ampeln erhalten geblieben. Zwei weitere Kreisverkehre sind in Planung bzw. in Bau.

Feuerwehr

Die Stadtgemeinde Tulln unterhält neben der Stadtfeuerwehr Tulln vier weitere Feuerwehren in umliegenden Ortschaften. Dazu zählen die Freiwilligen Feuerwehren in Langenlebarn, Neuaigen, Staasdorf sowie Nitzing. Die Stadtfeuerwehr ist bemessen an der Zahl der Einsatzfahrzeuge und Einsatzanzahl (488 Einsätzen im Jahr 2017,[15]) die größte Feuerwehr in der Gemeinde. Aufgrund ihrer zum Teil spezialisierten Ausrüstung wird sie auch zur Unterstützung von Feuerwehren, außerhalb des eigentlichen Einsatzgebietes gerufen. Auch für Teile der Stockerauer Schnellstraße (Schnellstraße S5), welche nördlich der Donau verläuft, ist die Stadtfeuerwehr zuständig. Ein 2015 in Dienst gestelltes Vorausrüstfahrzeug VRF der Marke Ford (Ford F350 XL CrewCab), ist von Rosenbauer speziell für Menschenrettungen bei Verkehrsunfällen ausgerüstet worden, dient in erster Linie zu solchen Einsätzen auf den vielen höherrangigen Straßen im Einsatzgebiet. Dieses Fahrzeug ist dazu mit einem hydraulischen Rettungssatz und einer Polylöschanlage für den Fall eines Fahrzeugbrandes ausgestattet.[16]

Rettungsdienst

Die Bezirksstelle des Roten Kreuzes Tulln befindet sich im südlichen Stadtgebiet,[17] sowie der Sitz und ein Stützpunkt des Abschnittes Tulln der Österreichischen Wasserrettung im Erholungsgebiet an der Donaulände.[18]

Öffentliche Verwaltung


Als Verwaltungszentrum sind zahlreiche Institutionen in Tulln für den Katastrophenschutz für Niederösterreich ansässig:

Energieversorgung


Die Stadt wird mit Fernwärme aus Biomasse durch die EVN Wärme versorgt. Das Fernwärmenetz wurde ab dem Jahr 2004 aufgebaut und liefert nun 25.000 MWh pro Jahr umweltfreundliche Fernwärme. Das Biomasseheizwerk steht im Betriebsgebiet Ost neben der Straßenmeisterei.[19]

Süd-Westlich von Tulln befindet sich ein 2014 errichtetes Umspannwerk der EVN, welches die Verorgung von 35.000 Einwohnern im Wirtschaftsraum Tulln sichert.

Bildung und Forschung


Tulln dient als regionales Schulzentrum, das über mehrere höhere Schulen und Hochschulen verfügt.

Diese beiden befinden sich am Technopol (TZT Tulln)[20] – es dient als Einrichtung an der Schnittstelle Wirtschaft, Forschung und Ausbildung zur Standortweiterentwicklung im Bereich der Agrar- und Umweltbiotechnologie. Hier sind auch einige renommierte Forschungsinstitute ansässig.[21]

Sport


Persönlichkeiten


Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten mit Bezug zur Stadt

  • Humbert Dell’mour (1881–1948), Dichter und Sprachwissenschaftler (Stromeswellen, Altdeutsche Sprachlehre), Heimatdichter von Tulln
  • Josef Keiblinger (1910–1968), Bürgermeister und Landtagsabgeordneter
  • Kurt Waldheim (1918–2007), Bundespräsident, Außenminister und UNO-Generalsekretär

Weblinks


Commons: Tulln an der Donau  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2019 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2019) , (CSV )
  2. Hans Krawarik: Siedlungsgeschichte Österreichs: Siedlungsanfänge, Siedlungstypen, Siedlungsgenese, Verlag Lit, 2006, S. 126f
  3. Tullner Kloster im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
  4. Twin Towns , auf bielsk-podlaski.pl
  5. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 1995 in Tulln an der Donau. Amt der NÖ Landesregierung, 30. März 2000, abgerufen am 28. Januar 2020.
  6. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2000 in Tulln an der Donau. Amt der NÖ Landesregierung, 4. Februar 2005, abgerufen am 28. Januar 2020.
  7. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2005 in Tulln an der Donau. Amt der NÖ Landesregierung, 4. März 2005, abgerufen am 28. Januar 2020.
  8. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2010 in Tulln an der Donau. Amt der NÖ Landesregierung, 8. Oktober 2010, abgerufen am 28. Januar 2020.
  9. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2015 in Tulln an der Donau. Amt der NÖ Landesregierung, 1. Dezember 2015, abgerufen am 28. Januar 2020.
  10. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2020 in Tulln an der Donau. Amt der NÖ Landesregierung, 26. Januar 2020, abgerufen am 28. Januar 2020.
  11. Gemeinderat. Abgerufen am 18. April 2020.
  12. Digitalwerk GmbH: Tulln – Tullns bewegte Geschichte. In: Tulln – Tullns bewegte Geschichte. Abgerufen am 23. Juni 2016.
  13. Entente Florale (Memento des Originals vom 22. Oktober 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 27 kB)
  14. Tulln: Die Stadt der 27 Kreisverkehre. 31. August 2016 (orf.at [abgerufen am 1. April 2018]).
  15. Bürgerinfo 1/2018. Stadtfeuerwehr Tulln, 14. Mai 2018, abgerufen am 19. August 2018.
  16. Freiwillige Feuerwehr Tulln-Stadt Pressedienst: Stadtfeuerwehr Tulln: Home. Freiwillige Feuerwehr Tulln-Stadt, abgerufen am 19. August 2018.
  17. Österreichisches Rotes Kreuz: Rotes Kreuz Niederösterreich: Bezirksstelle Tulln: Startseite. Abgerufen am 17. August 2018.
  18. Österreichische Wasserrettung Tulln. Abgerufen am 19. August 2018.
  19. Mit EU-Energieprojekt SEMS zur Energieautarkie. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original ; abgerufen am 24. August 2018. (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven )
  20. Technologiezentrum Tulln (Memento vom 22. Januar 2012 im Internet Archive), abgerufen am 24. August 2017.
  21. Angelika Möstl: Technopol Tulln – Der Technopol für Agrar- und Umweltbiotechnologie (Memento vom 8. September 2016 im Internet Archive), Reihe Der Technologiestandort Niederösterreich, ecoplus. Niederösterreichs Wirtschaftsagentur, Mai 2011 (pdf, 3,6 MB; tzt-tulln.at).
  22. Landwirtschaftliche Fachschule Tulln
  23. Niederösterreichische Landeskliniken-Holding: Universitätsklinikum Tulln , abgerufen am 30. April 2019.
  24. Niederösterreichische Landeskliniken-Holding: Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege , abgerufen am 30. April 2019.
  25. Vereinschronik fctulln.at, abgerufen am 27. November 2019 (archivierte Version)



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