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Toxisches Schocksyndrom

Klassifikation nach ICD-10
A48 Sonstige bakterielle Krankheiten
A48.3 Syndrom des toxischen Schocks
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Das toxische Schocksyndrom (TSS, umgangssprachlich gelegentlich auch als „Tamponkrankheit“ bezeichnet) ist ein schweres Kreislauf- und Organversagen, das mit etwa einem Fall pro 200.000 Einwohner und Jahr[1] sehr selten auftritt, hervorgerufen durch Bakterientoxine. Meist stammen sie von dem Bakterium Staphylococcus aureus, seltener von Streptokokken (Streptokokken-induziertes toxisches Schocksyndrom).

Inhaltsverzeichnis

Symptome


Die vom Staphylococcus aureus produzierten Giftstoffe führen zu den Leitsymptomen Fieber, Blutdruckabfall und Hautausschlag. Weitere Folgen sind Muskelschmerzen, Übelkeit und Durchfall, Nieren- und Leberschäden, Bewusstseinstrübung und Multiorganversagen.

Die Centers for Disease Control der USA (CDC) haben folgende Kriterien zur Definition des toxischen Schocksyndroms vorgeschlagen:

Eintrittspforte der TSS-Erreger kann prinzipiell jede eitrige Wunde sein. Man nimmt jedoch an, dass ein Teil der TSS-Fälle von infizierten Tampons stamme. Diese Annahme führte in den Vereinigten Staaten zu zahlreichen Prozessen, darunter der des Anwaltes Tom Riley gegen Procter & Gamble,[2] beschrieben in seinem Buch The Price of a Life.[3]

Streptokokken-induziertes TSS


Das Streptokokken-induzierte toxische Schock-Syndrom (STSS) ist die bedrohlichste Form einer sogenannten invasiven Streptokokkeninfektion, das heißt einer Infektion, bei der Streptokokken in den Körper eindringen. Es wird hauptsächlich durch Streptokokken des Typs A, aber auch durch Streptokokken des Typs C oder des Typs G verursacht.

Als Ursache der Erkrankung wurden bestimmte Exotoxine (so genannten Superantigene), die von humanpathogenen Stämmen des Staphylococcus aureus und des Streptococcus pyogenes produziert werden, identifiziert. Durch verbesserte Produktionsbedingungen bei der Tamponherstellung sind die Fälle des tamponinduzierten TSS jedoch signifikant gesunken. Weitere relevante Infektionsquellen können bei Frauen Diaphragmen und Vaginalschwämme sein. Auch eine Wundinfektion kann ein TSS auslösen.

Die CDC schlugen folgende Kriterien zur Definition des streptokokken-induzierten toxischen Schock-Syndroms vor:

Zu weiteren Testverfahren zählen unter anderem Blutkulturen und Bluttests sowie Urinuntersuchungen.

Risikogruppen


TSS bzw. STSS wird sowohl bei weiblichen als auch männlichen Patienten aller Altersgruppen beobachtet. In der Regel liegt hier der Krankheit eine lokale oder systemische Infektion zugrunde. Bemerkenswert ist, dass TSS bzw. STSS in der Regel überwiegend bei zuvor gesunden Menschen zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr auftritt, obwohl sonst eher Säuglinge, Kleinkinder, Senioren oder immunsupprimierte Personen empfänglich für Staphylokokken- und Streptokokkeninfektionen sind.

Tampons sollten oft gewechselt und beim Einführen des Tampons sollte auf saubere Hände geachtet werden. Wird ein Diaphragma zur Verhütung benutzt, sollte dieses nicht länger als unbedingt notwendig getragen werden.

Therapie


Die Erkrankung kann mit Antibiotika (vorzugsweise Cephalosporine der zweiten Generation oder Amoxicillin) gut behandelt werden. Die Behandlung des STSS entspricht im Wesentlichen der des TSS. Die Behandlung wird stets stationär durchgeführt. Der Krankheitserreger wird durch die intravenöse Gabe von Antibiotika bekämpft. Folgende Maßnahmen können diese Behandlung weiter unterstützen:

Weblinks


Einzelnachweise


  1. C. Lang u. a.: Intensivmedizinische Besonderheiten beim toxischen Schocksyndrom (‚toxic-shock-syndrome‘, TSS). Übersichtspublikation und Fallbericht zu einem TSST-1-assoziierten Toxic-Shock-Syndrome mit ARDS und Multiorganversagen nach staphylogenem Panaritium. In: Der Anaesthesist 52, 2003, Nr. 9, S. 805–813 (online auf springerlink.com).
  2. Kehm v. Procter & Gamble Mfg. Co., 724 F.2d 613.
  3. Tom Riley: The Price of a Life. Adler & Adler, 1986. ISBN 0-917561-06-6.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!



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