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Thomas Mann




Paul Thomas Mann (* 6. Juni 1875 in Lübeck; † 12. August 1955 in Zürich, Schweiz) war ein deutscher Schriftsteller und einer der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Dem 1901 erschienenen ersten Roman Buddenbrooks folgten Novellen und Erzählungen wie Tonio Kröger, Tristan und Der Tod in Venedig. Der 1924 veröffentlichte Roman Der Zauberberg, mit dem er die Tradition des europäischen Bildungsromans fortführte, zeigt Manns Gestaltungskunst: Der Erzähler wahrt eine skeptisch-ironische Distanz zu den Figuren, typische Konstellationen[1] kehren leitmotivisch wieder, und es herrscht ein syntaktisch komplexer, anspruchsvoller Stil. Diese Merkmale prägen auch die folgenden Veröffentlichungen, unter denen die Novelle Mario und der Zauberer, die Romantetralogie Joseph und seine Brüder sowie das Spätwerk Doktor Faustus hervorzuheben sind.

Weithin Beachtung fanden auch seine Stellungnahmen zu aktuellen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Fragen. Stand er der westlichen Demokratie zunächst skeptisch gegenüber, wandelte er sich zu Beginn der 1920er Jahre zu einem überzeugten Verteidiger der Weimarer Republik. Während der nationalsozialistischen Herrschaft emigrierte er 1933 in die Schweiz und 1938[2] in die USA, deren Staatsbürgerschaft er 1944 annahm. Von 1952 bis zu seinem Tod lebte er wieder in der Schweiz.

Thomas Mann entstammte der angesehenen Lübecker Patrizier- und Kaufmannsfamilie Mann. Seine Frau Katia, geborene Pringsheim, inspirierte ihn zu mehreren seiner literarischen Figuren und Werke. Sein älterer Bruder Heinrich und vier seiner sechs Kinder, Erika, Klaus, Golo und Monika, waren ebenfalls Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben


1875 bis 1913

Frühe Jahre

Thomas Mann war der zweite Sohn des Kaufmanns und Lübecker Senators Thomas Johann Heinrich Mann. Er wurde am 11. Juni 1875 in der Marienkirche zu Lübeck evangelisch getauft. Seine Mutter Julia (geborene da Silva-Bruhns) war mütterlicherseits brasilianischer Herkunft. Aus der Ehe gingen außer dem Bruder Heinrich (1871–1950) noch die Kinder Julia (1877–1927, Suizid), Carla (1881–1910, Suizid) und Viktor (1890–1949) hervor. Die Familie zählte zu den ersten Kreisen Lübecks.[3] Seine Kindheit hat Thomas Mann später als „gehegt und glücklich“ bezeichnet.

1891 starb Thomas Manns Vater an Blasenkrebs. In seinem Testament hatte er verfügt, Unternehmen und Wohnhaus in Lübeck zu verkaufen. Die Erlöse wurden angelegt, und deren Zinsen standen seiner Frau und den Kindern für ihren Lebensunterhalt zu.

Nach neunjähriger Schulzeit legte Thomas Mann 1894 in Lübeck das eigentlich nur auf sechs Jahre angelegte „Einjährige“ (Mittlere Reife) mit durchgehend mäßigen bis sehr mäßigen Leistungen ab.[4] Seine Schulzeit empfand er als stumpfsinnig. Schon früh begann er zu schreiben und beteiligte sich 1893 mit Prosaskizzen und Aufsätzen an der von ihm mit herausgegebenen Schülerzeitschrift Der Frühlingssturm. Einen Brief an Frieda L. Hartenstein von 1889 unterschrieb der Vierzehnjährige mit „Thomas Mann. Lyrisch-dramatischer Dichter“. 1894 verließ er als Obersekundaner vorzeitig das Katharineum zu Lübeck und ging nach München, wohin die Mutter schon ein Jahr zuvor mit den Geschwistern gezogen war.

Krafft Tesdorpf, der seit dem Tod des Vaters zum Vormund für die noch nicht volljährigen Kinder bestellt war, bestimmte, dass Thomas Mann nach dem Abgang von der Schule einen bürgerlichen Beruf ergreifen sollte. Thomas nahm deshalb eine Stelle als Volontär in einer Feuerversicherungsgesellschaft an, obwohl die Bürotätigkeit ihn langweilte. Sein Debüt als Schriftsteller gab er 1894 mit der Novelle Gefallen. Sie wurde in dem literarischen Magazin Die Gesellschaft veröffentlicht, die schon 1893 sein Gedicht Zweimaliger Abschied publiziert hatte. Daraufhin wurden ihm weitere Veröffentlichungen in der Kunstzeitschrift Pan angeboten.[5]

Aufgrund dieses ersten Erfolges beendete Thomas Mann 1895 seine Versicherungstätigkeit und begann, Vorlesungen an der Technischen Hochschule München zu besuchen, um später einen journalistischen Beruf auszuüben. 1896 war er mit 21 Jahren volljährig geworden und erhielt monatlich 180 Mark aus den Zinsen des väterlichen Vermögens, was ihm ein Leben als freier Schriftsteller ermöglichte. Von 1895 bis 1896 verfasste Thomas Mann Beiträge für die nationalchauvinistische Monatsschrift Das zwanzigste Jahrhundert, deren kurzzeitiger Herausgeber sein Bruder Heinrich war.[6]

Erste Buchveröffentlichungen

1896 folgte er seinem Bruder Heinrich nach Italien. Sie mieteten sich im Juli 1897 in dem östlich von Rom liegenden Ort Palestrina ein. Gemeinsam verfassten sie dort das Bilderbuch für artige Kinder. Es enthielt parodistische „Kunstgedichte“ und war mit eigenhändigen Zeichnungen illustriert. Die Brüder schenkten es ihrer Schwester Carla zur Konfirmation. Das Unikat gelangte nach Carlas Tod in den Besitz des jüngsten Bruders Viktor, der es später den Kindern von Thomas Mann übergab. Seit der Emigration der Familie 1933 gilt es als verschollen; nur Gedichte, die Viktor Mann in seinen Memoiren Wir waren fünf zitierte, und einige Reproduktionen der Zeichnungen blieben von dem einzigen Gemeinschaftswerk der beiden Brüder erhalten.

Thomas Mann schrieb in Palestrina einige Novellen, unter anderen Der kleine Herr Friedemann, und begann mit dem Roman Buddenbrooks.

Seine sporadischen Beiträge in der antisemitischen Monatsschrift Das zwanzigste Jahrhundert beschränken sich auf die Zeit der Schriftleitung seines Bruders Heinrich (1895/1896). Auch wenn Thomas Manns Artikel moderater ausfallen als der Rest der Zeitschrift, enthalten sie doch die antijüdischen Stereotype, die um die Jahrhundertwende auch in seinen eigentlich literarisch zu nennenden Arbeiten zu finden sind.[7][8] Eine damalige Distanzierung vom Programm des Zwanzigsten Jahrhunderts existiert nicht.

Ab 1898 arbeitete er ein Jahr lang in der Redaktion des Simplicissimus. 1900 wurde er als „Einjährig-Freiwilliger“ zum Dienst im Münchner Leibregiment eingezogen. Seine militärische Laufbahn endete nach drei Monaten wegen Dienstuntauglichkeit – ein Erlebnis, das sich in der Musterungsszene in den Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull widergespiegelt findet.

1901 wurde Manns erster Roman Buddenbrooks veröffentlicht. Die zweibändige Erstausgabe stieß zunächst auf nur geringe Resonanz. Die einbändige zweite Auflage von 1903 dagegen brachte den Durchbruch und machte Thomas Mann in der Öffentlichkeit bekannt. Einige Figuren des Romans haben Vorbilder in der Familiengeschichte der Manns, viele Nebenfiguren sind Lübecker Bürgern nachgestaltet. Die meisten Porträtierten waren wegen der ironisierenden Darstellung nicht begeistert, sich im Buch wiederzufinden. Bald kursierte eine Liste, die die lebenden Vorbilder identifizierte und die eine Lübecker Buchhandlung ihrer Kundschaft auslieh. Das Verhältnis der Lübecker zu ihrem prominenten Mitbürger war deshalb lange Zeit gespannt. 1929, 28 Jahre nach dem ersten Erscheinen, erhielt Thomas Mann für die Buddenbrooks den Nobelpreis für Literatur.

1903 zeichneten sich erste Missstimmungen zwischen den Brüdern Thomas und Heinrich ab. Obwohl Thomas Mann sich als Schriftsteller in der Öffentlichkeit etabliert hatte, fühlte er sich von seinem Bruder als Künstler zurückgesetzt und kritisierte seinerseits die „langweilige Schamlosigkeit“ in dessen Büchern. Insbesondere Heinrich Manns gerade veröffentlichter Roman Die Jagd nach Liebe erregte bei ihm Abscheu.[9] Der Kontakt brach zwar nicht völlig ab und es kam immer wieder zu Annäherungsversuchen, ein künstlerischer Austausch fand aber nur im regelmäßigen Briefwechsel statt, wobei der jeweilige Briefschreiber die Werke des Empfängers kommentierte.

Ehe

1904 lernte Thomas Mann Katharina „Katia“ Pringsheim (Tochter des Mathematikers Alfred Pringsheim und Enkelin der Frauenrechtlerin Hedwig Dohm) kennen und begann, um sie zu werben. In seinen Briefen und Tagebüchern sind bis dahin nur homoerotische Schwärmereien dokumentiert. Er lebte seine Homosexualität jedoch nicht aus, es blieb bei Schwärmereien für „Jünglinge“, die unter anderem in Buddenbrooks (Hanno/Kai Graf Mölln), Tonio Kröger (Tonio Kröger/Hans Hansen), Der Zauberberg (Hans Castorp/Pribislav Hippe) und Der Tod in Venedig (Gustav von Aschenbach/Tadzio) ihren Niederschlag fanden.

Mit dem Entschluss, Katia Pringsheim zu ehelichen, entschied er sich für ein „geordnetes“ Leben und heiratete in eine der angesehensten Familien Münchens ein. Katia zögerte zunächst, sodass die Ehe erst am 11. Februar 1905 geschlossen wurde. In seinem zweiten Roman Königliche Hoheit von 1909 hat Thomas Mann die Brautzeit literarisch verarbeitet. Mit Katia hatte er sechs Kinder: Erika (1905–1969), Klaus (1906–1949, Suizid), Golo (1909–1994), Monika (1910–1992), Elisabeth (1918–2002) und Michael (1919–1977, vermutlich Suizid).

1912 äußerten Ärzte bei Katia Mann den Verdacht auf Tuberkulose, was einen längeren Sanatoriums-Aufenthalt in Davos erforderlich machte. Thomas Mann war, als er sie dort besuchte, beeindruckt von der Atmosphäre des Sanatoriums und fasziniert von den amüsanten Schilderungen, die ihm seine Frau über die Klientel der Klinik gab. Sie inspirierten ihn zu seinem Roman Der Zauberberg, den er 1913 begann, aber erst 1924 vollendete.[10]

1914 bis 1929

Erster Weltkrieg

Im Jahr 1914 zog die Familie Mann in die Poschingerstraße 1 am Herzogpark. Als im selben Jahr der Erste Weltkrieg ausbrach, gab es viele Literaten, die der recht euphorischen Stimmung vor allem bürgerlicher Kreise im Deutschen Reich nicht widersprachen – im Gegenteil: Der Kriegsbeginn wurde begrüßt und bejubelt. Auch Alfred Kerr, Robert Musil, Richard Dehmel und Gerhart Hauptmann zeigten sich von dessen Berechtigung überzeugt. Thomas Manns Meinung wird in folgenden Zitaten dargestellt.

Jörn Leonhard zitiert in seiner Geschichte des Ersten Weltkriegs die Erinnerung der Kinder an die Worte des Vaters, dass „nun wohl auch gleich ein feuriges Schwert am Himmel erscheinen“ werde, und dessen Erinnerung an Leo Tolstoi, den „Repräsentanten einer radikalen Gewaltlosigkeit“ (Leonhard): „Merkwürdig, aber wenn der Alte noch lebte, er brauchte nichts zu tun, nur da zu sein, auf Jasnaja Poljana, – dies wäre nicht geschehen, – es hätte nicht gewagt, zu geschehen.“.[11]

Thomas Mann schrieb an seinen Bruder Heinrich: „Ich persönlich habe mich auf eine vollständige Veränderung der materiellen Grundlagen meines Lebens vorzubereiten. Ich werde, wenn der Krieg lang dauert, mit ziemlicher Bestimmtheit das sein, was man ‚ruiniert‘ nennt.“ Und er fährt später fort: „In Gottes Namen! Was will das besagen gegen die Umwälzungen, namentlich die seelischen, die solche Ereignisse im Großen zur Folge haben müssen! Muß man nicht dankbar sein für das vollkommen Unerwartete, so große Dinge erleben zu dürfen?“ Thomas Mann hielt den Krieg prinzipiell für notwendig, galt es aus seiner Sicht doch, den „verworfensten Polizeistaat der Welt“, das zaristische Russland, „zu zerschlagen“.

In seinen Gedanken im KriegeReflexionen zum Gegenstand des Krieges – verteidigte der Dichter seine militaristischen Standesbrüder. Ganz im damaligen imperialistischen Zeitgeist schrieb er ferner: „Das Gleichgewicht Europas [...] war die Ohnmacht Europas, war seine Blamage gewesen, mehr als einmal,... .“[12] Den Kontakt zu Heinrich, der wie Stefan Zweig, Arthur Schnitzler, Romain Rolland und später auch Hermann Hesse gegen die die öffentliche Meinung bestimmenden chauvinistischen Ideen von 1914 anschrieb, hatte er inzwischen ganz abgebrochen. Detailliert setzte er sich mit den geistigen Strömungen der Kriegs- und Vorkriegszeit in seinem umfangreichen Werk Betrachtungen eines Unpolitischen auseinander, in dem er den Unterschied zwischen der deutschen pessimistischen Selbstironie des Geistes bei gleichzeitiger Liebe dessen zum Leben einerseits, und dem romanischen Radikalismus des Geistes bzw. des Lebens andererseits herauszuarbeiten versucht. Den Gegensatz zu seinem eigenen Verständnis als deutsch-bürgerlicher Künstler bildet sein Bruder Heinrich als frankophiler „Zivilisationsliterat“.

Schon kurze Zeit nach der Drucklegung (Ende 1918) folgte allerdings eine immer stärkere Distanzierung Manns von dieser Phase seines politischen Denkens.

Weimarer Republik

Die Ermordung des Reichsaußenministers Walther Rathenau am 24. Juni 1922 war mitauslösend für Manns Entscheidung, öffentlich für die Weimarer Republik und ihre Werte einzutreten. Mit seiner Rede Von deutscher Republik trat er zum ersten Mal als politischer Mahner und Befürworter der neuen Staatsform hervor. Demokratie und Humanität, so Mann, seien eins, und da der Mensch dem Prinzip der Humanität folgen solle, habe er also nach einem demokratischen Zusammenleben zu streben. Er wurde auch Mitglied der liberaldemokratischen Deutschen Demokratischen Partei. Auch trat er in das Komitee der Paneuropäischen Union ein.[13]

1924 veröffentlichte Mann seinen Roman Der Zauberberg. Er war auf Anhieb ein großer Erfolg. Danach folgten Unordnung und frühes Leid und Über die Ehe. 1925 begann er mit der Arbeit an der Tetralogie Joseph und seine Brüder. Modell für die Konturen Josephs standen die jungen Menschen, von denen der Schriftsteller sich verzaubert fühlte. Auch der damals siebzehnjährige Klaus Heuser († 1994), der Sohn von Werner Heuser, und ein Freund seiner Kinder, den Thomas Mann 1927 in Kampen auf Sylt kennengelernt hatte und über den er notierte, er sei seine „nach menschlichem Ermessen letzte Leidenschaft“, dürfte in die Figur des Joseph eingeflossen sein.

Thomas Mann beteiligte sich als Gründungsmitglied der Sektion Dichtkunst bei der Preußischen Akademie der Künste unmittelbar an Versuchen, das Ansehen der Literatur zu heben. Insbesondere wandte er sich gegen das damals geltende Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften, das die schriftstellerische Freiheit einschränkte.

Auch als er nicht mehr in Lübeck tätig war, kehrte er häufig dorthin zurück. Wie Fritz Behn und Hermann Abendroth, beide waren wie er in Lübeck einst von Ida Boy-Ed gefördert worden, war Mann 1926 einer der geladenen Gäste zur 700-Jahr-Feier der Stadt. Der Höhepunkt des Festes am 6. Juni 1926 fiel mit seinem 51. Geburtstag zusammen. Die ehemalige Mäzenin lud sie in ihre Wohnung am Burgtor, von wo aus sie den Festzug verfolgten. Im Anschluss feierten sie den von ihr ausgerichteten Geburtstag Thomas Manns.[14]

In einer Rede am 30. November 1926 in der Münchner Tonhalle kritisierte Thomas Mann den Kulturbetrieb Münchens aufs Schärfste. Die Stadt reagierte schnell und setzte ein Komitee zur Förderung der Literatur ein – bereits Anfang 1927 wurde Thomas Mann gemeinsam mit Catherina Godwin, Hans Ludwig Held, Hans von Gumppenberg, Emil Preetorius, Peter Dörfler und Wilhelm Weigand in den neu eingerichteten Literaturbeirat der Stadt München berufen. Für Gumppenberg wurde nach dessen Tod 1928 Benno Rüttenauer eingesetzt. Der Beirat förderte Literaten durch Vergabe von Druckkostenzuschüssen sowie durch den 1928 auf Anregung Thomas Manns gestifteten Dichterpreis der Stadt München. War Thomas Mann anfangs noch zuversichtlich, so machte sich ab 1929 in zunehmendem Maße der Einfluss der politischen Rechten bemerkbar, und er konnte sich mit seinen Vorschlägen immer seltener durchsetzen.[15]

Nobelpreis 1929

Der Nobelpreis für Literatur war für Mann keine Überraschung. Bereits Jahre zuvor war spekuliert worden, dass er ihn bekommen könnte, er selbst hatte schon 1927 darauf gehofft. Am Nachmittag des 12. November 1929 erreichte ihn die Nachricht aus Stockholm. Er war konsterniert, dass sich das Komitee praktisch nur auf seinen ersten Roman bezog. Verantwortlich dafür war in erster Linie der einflussreiche Stockholmer „Königsmacher“, der Schwede Fredrik Böök, der dem Roman Der Zauberberg keine Wertschätzung entgegenzubringen vermochte und ihn mehrfach verrissen hatte.[16] Das Preisgeld betrug 200.000 Reichsmark. Einen Teil davon verwendete Mann, um die Schulden seiner Kinder Klaus und Erika nach ihrer Weltreise zu tilgen. Außerdem wurden davon der Bau des seit 1996 als Thomas-Mann-Kulturzentrum gepflegten Sommerhauses in Nidden auf dem zu Litauen gehörenden Teil der Kurischen Nehrung und zwei Autos finanziert, der Rest angelegt. Schon in Stockholm hatte ein Journalist den Manns nahegelegt, das Geld „draußen stehenzulassen“, aber sie verstanden nicht, weshalb. Als sie 1933 aus Deutschland emigrierten, verloren sie einen großen Teil ihres Vermögens, namentlich ihren Immobilien- und anderen Sachbesitz.

1930 bis 1944

„Deutsche Ansprache“

Die Reichstagswahl 1930 hatte den Nationalsozialisten einen gewaltigen Stimmenzuwachs beschert. Thomas Mann, der, wie viele andere Skeptiker, den wachsenden politischen Einfluss der NSDAP mit Misstrauen beobachtet hatte, entschloss sich zu einem Appell an die Vernunft, einer Rede, die er am 17. Oktober 1930 im Berliner Beethoven-Saal hielt und die als „Deutsche Ansprache“ in die Geschichte einging. Unter das vorwiegend republikanische und sozialdemokratische Publikum hatten sich Arnolt Bronnen, die Brüder Ernst und Friedrich Georg Jünger sowie etwa ein Dutzend Nationalsozialisten gemischt, die vergeblich versuchten, durch Zwischenrufe zu stören.[17]

Thomas Mann nannte den Nationalsozialismus in nüchterner Unumwundenheit „eine Riesenwelle exzentrischer Barbarei und primitiv-massendemokratischer Jahrmarktsrohheit“ mit „Massenkrampf, Budengeläut, Halleluja und derwischmäßigem Wiederholen monotoner Schlagworte, bis alles Schaum vor dem Munde hat“. Er fragte, ob das deutsch sei und ob „das Wunschbild einer primitiven, blutreinen, herzens- und verstandesschlichten, hackenzusammenschlagenden, blauäugig gehorsamen und strammen Biederkeit, diese vollkommene nationale Simplizität in einem reifen, vielerfahrenen Kulturvolk wie dem deutschen“ überhaupt verwirklicht werden könne. Der Beifall im Saal war groß, drang aber nicht nach draußen durch. Thomas Mann zählte zu den wichtigsten prominenten Gegnern des Nationalsozialismus.

Im Februar 1933 jährte sich Richard Wagners Todestag zum 50. Mal. Mann erreichten mehrere Einladungen, aus diesem Anlass einen Vortrag zu halten. Am 10. Februar hielt er diesen (Leiden und Größe Richard Wagners) zunächst im Auditorium maximum der Universität München, um am folgenden Tag mit seiner Frau eine längere Reise ins Ausland anzutreten: Die Vortragsreise führte sie nach Amsterdam, Brüssel und Paris, danach folgte ein Winterurlaub in Arosa. Nicht zuletzt auf Drängen von Erika und Klaus Mann sollten sie von dieser Reise nicht mehr nach München zurückkehren. Als alle Mitglieder der Sektion Dichtkunst bei der Preußischen Akademie der Künste aufgefordert wurden, gegenüber der nationalsozialistischen Regierung eine Treueerklärung abzugeben, erklärte Mann mit einem Schreiben an den Akademie-Präsidenten Max von Schillings vom 17. März 1933 seinen Austritt.

Am Tag der Bücherverbrennung, dem 10. Mai 1933, wurde Thomas Mann aus dem Münchener Literaturbeirat ausgeschlossen. Seine Werke blieben von der Bücherverbrennung verschont, nicht jedoch die seines Bruders Heinrich und seines Sohnes Klaus.[18]

Erste Jahre im Exil

Der Entschluss, Deutschland den Rücken zu kehren, fiel den Manns nicht leicht. Unter anderem mussten sie ihr Sachvermögen zurücklassen. Nur ein Teil davon konnte später auf Umwegen in die Schweiz geschafft werden. Zu finanziellen Engpässen kam es jedoch nicht, da die Familie rechtzeitig einen erheblichen Teil des Nobel-Preisgeldes und Bargeld aus Deutschland in die Schweiz transferieren konnte. Thomas Manns Verleger hatte ihn inständig gebeten, die Deutschen in dieser schweren Stunde nicht allein zu lassen, und sich bereit erklärt, seine Neuerscheinungen weiterhin zu veröffentlichen.

Die erste Station des Exils war Sanary-sur-Mer in Frankreich. Nach ersten Abwägungen, sich entweder in Paris, Basel oder Zürich niederzusetzen, zogen die Manns letztlich in die Schweiz und wohnten in Küsnacht in der Nähe von Zürich.[19] Die Bewegungsfreiheit des Schriftstellers verringerte sich, da sein deutscher Pass ablief und die Nationalsozialisten dessen Verlängerung von Manns persönlichem Erscheinen in München abhängig machten. Dort wartete bereits ein „Schutzhaftbefehl“ auf ihn. Das Ausbürgerungsverfahren, von dem alle seit August 1933 emigrierten Prominenten betroffen waren, wurde in seinem Fall zunächst ausgesetzt. Allerdings nutzten die Finanzbehörden die Gelegenheit, um in München sein Haus einschließlich Inventar zu beschlagnahmen. Sie beriefen sich auf Verlagsverträge, aus denen sich eine erhebliche Steuerschuld des Schriftstellers aus den Jahren 1929–1930 ergebe.

1934 und 1935 reisten die Manns die ersten beiden Male in die Vereinigten Staaten. Dort war das Interesse an dem prominenten Schriftsteller groß; die Behörden gewährten ihm ohne gültigen Pass die Einreise. Seinen sechzigsten Geburtstag beging Thomas Mann in Küsnacht, er wurde von den Schweizern überwältigend gefeiert. Am 19. November 1936 wurde ihm auf seinen Antrag hin die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft für den Ort Proseč verliehen. Im Tagebuch vermerkt er dazu knapp: „Sonderbares Ereignis.“ Wenige Wochen später wurde ihm – gleichzeitig mit seiner Frau Katia und den Kindern Golo, Elisabeth und Michael – die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Das Ausbürgerungsverfahren wurde nach den Erkenntnissen einer unabhängigen Historikerkommission durch die Stellungnahme des damaligen Gesandten Ernst von Weizsäcker begünstigt, der sich im Mai 1936 in einem Brief aus Bern dafür ausgesprochen hatte, weil Thomas Mann neben „höhnischen Bemerkungen [sogar] feindselige Propaganda gegen das Reich im Ausland“ betrieben habe.[20] Zugleich entzog die Universität Bonn am 19. Dezember 1936 Mann die Ehrendoktorwürde, die ihm 1919 verliehen worden war.[21]

In den 1930er Jahren besuchte Mann sechsmal Ungarn und wohnte dort unter anderem beim Grafen Lajos Hatvany in Hatvan bei Budapest. Hier publizierte er mehrmals Texte in der 1854 gegründeten deutschsprachigen Zeitung Pester Lloyd, so 1936 den Essay Achtung, Europa!

In der persönlichen Korrespondenz drückte er in dieser Zeit seine Hoffnungen auf den Erfolg der Volksfrontregierungen in Frankreich (Front populaire) und Spanien (Frente Popular) aus. Auch bezeichnete er die Stalinsche Verfassung von 1936 als „akzeptabel“.[22]

„Wo ich bin, ist Deutschland“

Die endgültige Übersiedlung Thomas Manns und seiner Familie in die USA fiel zeitlich mit dem Berchtesgadener Abkommen zusammen, das im März 1938 zum Anschluss Österreichs an den NS-Staat führen sollte. Bei der Ankunft in New York am 21. Februar 1938 baten ihn Reporter daher um eine Stellungnahme zu jener Entwicklung und fragten ihn, ob er das Exil als eine schwere Last empfinde. Seine Antwort wurde am nächsten Tag in der New York Times abgedruckt:

“It is hard to bear. But what makes it easier is the realization of the poisoned atmosphere in Germany. That makes it easier because it’s actually no loss. Where I am, there is Germany. I carry my German culture in me. I have contact with the world and I do not consider myself fallen.”

„Es ist schwer zu ertragen. Aber was es leichter macht, ist die Vergegenwärtigung der vergifteten Atmosphäre, die in Deutschland herrscht. Das macht es leichter, weil man in Wirklichkeit nichts verliert. Wo ich bin, ist Deutschland. Ich trage meine deutsche Kultur in mir. Ich lebe im Kontakt mit der Welt und ich betrachte mich selbst nicht als gefallenen Menschen.“

Erste Station des Exils in den USA war Princeton. Thomas Mann erhielt, vermittelt durch seine Gönnerin Agnes E. Meyer, eine Gastprofessur an der dortigen Universität. Vier Vorlesungen standen auf seinem Lehrplan mit den selbstgewählten Themen Faust von Goethe, Wagner, Freud und eine Einführung in den Zauberberg.

Das erste Jahr in den Vereinigten Staaten verlief erfolgreich. Er war finanziell abgesichert, seine Werke verkauften sich gut, er unternahm einige Lesereisen, traf wichtige Persönlichkeiten und erhielt fünf Ehrendoktorwürden (Columbia, Hobart, Princeton, Rutgers und Yale). Am 6. Juni 1939 startete er zu seiner vorerst letzten Reise nach Europa. Gleichzeitig arbeitete er an seinem Roman über Goethe, den er im Oktober 1939 beendete und der im gleichen Jahr unter dem Titel Lotte in Weimar erschien.

„Deutsche Hörer!“

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 löste Bestürzung im In- und Ausland aus und bewog Thomas Mann, der sich gerade in Schweden aufhielt, zu zahlreichen Aktionen. Er war Mitglied in mehreren Ausschüssen, die Emigranten unterstützten, unter anderem im Unitarian Service Committee[23] und im Committee for Jewish and Christian Refugees. Im Oktober 1940 begann er mit den Texten für seine Radiosendung „Deutsche Hörer!“ In monatlichen Abständen ausgestrahlt, wurden seine warnenden und gefühlsbetonten Ansprachen ab März 1941 in Kalifornien auf Platte aufgezeichnet und mit der Luftpost nach New York gebracht. Per Kabel wurden sie von dort nach London übertragen, wo die BBC die fünf- bis achtminütigen Aufnahmen über Langwelle auch in das deutsche Reichsgebiet ausstrahlte. Die Alliierten banden diese Versuche, das Monopol der deutschen Rundfunkanstalt von außen zu durchbrechen, in ihre allgemeine Informationspolitik und Propaganda gegenüber dem Dritten Reich und dessen Bevölkerung ein.

Die Einnahmen aus der Sendung spendete Mann dem British War Relief Fund. Eine seiner bekanntesten Ansprachen ist die Sendung vom 14. Januar 1945:

„Wäre dieser Krieg zu Ende! Wären die grauenhaften Menschen erst beseitigt, die Deutschland hierhin gebracht haben, und könnte man anfangen, an einen Neubeginn des Lebens, an ein Forträumen der Trümmer, der inneren und äußeren, an den allmählichen Wiederaufbau, an eine verständige Aussöhnung mit den anderen Völkern und ein würdiges Zusammenleben mit ihnen zu denken! – Ist es das, was Ihr wünscht? Spreche ich damit Eure Sehnsucht aus? Ich glaube es. Ihr seid des Todes, der Zerstörung, des Chaos übersatt, wie sehr Euer Heimlichstes zeitweise danach verlangt haben möge. Ihr wollt Ordnung und Leben, eine neue Lebensordnung, wie düster und schwer sie sich für Jahre auch anlassen wird.“

Mann wählte nicht von ungefähr eine so apokalyptische Ausdrucksweise. Allerdings machte er aus Hitler und seinen später als „Paladine“ bekannt gewordenen Helfern in bissigen Teilen der Radioansprachen auch Witzfiguren, um eine allzu starke Dämonisierung zu vermeiden: „Nun denn, der Krieg ist schrecklich, aber den Vorteil bringt er mit sich, dass er Hitlern davon abhält, Kulturreden zu halten.“ In den Ansprachen wechselten sich moralische und bürgerlich-soziale Distanzierungen häufig ab.

Thomas Mann war einer von nur wenigen in der Öffentlichkeit aktiven Gegnern des Nationalsozialismus, auf die der deutsche Diktator in seinen Hetzreden namentlich einging. Mann revanchierte sich mit Anspielungen auf die rhetorischen Schwächen des „Führers“ und betonte die Richtigkeit seiner eigenen Vorhersagen:

„Deutsche Hörer! […] Ich suchte mit meinen schwachen Kräften hintan zu halten, was kommen musste […] – Den Krieg, an dem eure lügenhaften Führer Juden und Engländern und Freimaurern und Gott weiß wem die Schuld geben, während er doch für jeden Sehenden gewiss war von dem Augenblick an, wo sie zur Macht kamen und die Maschine zu bauen begannen, mit der sie Freiheit und Recht niederzuwalzen gedachten.“

Die unter dem Namen Deutsche Hörer! bekannt gewordenen Radiosendungen[24] boten nach dem Krieg in Deutschland viel Diskussionsstoff. Während einige behaupteten, Thomas Mann habe in seinen Reden eine Kollektivschuld aller Deutschen suggeriert, vertraten andere die Meinung, er sei lediglich mit der Mentalität der Weimarer Republik und dem sozialen Klima in den ersten Jahren des Nationalsozialismus sehr hart ins Gericht gegangen.

Lebensbeichte

1941 waren die Manns nach Pacific Palisades, nördlich von Los Angeles/Kalifornien zwischen Santa Monica und Malibu, übergesiedelt. Dort lebten sie zunächst ab dem 8. April in einem gemieteten Haus am Amalfi Drive, bevor sie am 5. Februar 1942 ein eigens errichtetes Wohnhaus am San Remo Drive beziehen konnten.[25] Es war Mitte 2016 als Verkaufsobjekt vom Abriss bedroht, was zu einer Online-Petition für den Erhalt im Namen der Gesellschaft für Exilforschung führte, an der sich unter anderem Herta Müller beteiligte: Das Haus solle „ein Ort der Erinnerung an die Exil-Geschichte, ein Ort des intellektuellen, gesellschaftlichen und kulturellen Austauschs werden.“[26] Die Bundesrepublik Deutschland erwarb das Anwesen zu diesem Zweck.[27] Es wurde als Thomas-Mann-Haus im Juni 2018 als Kulturzentrum eröffnet.

Die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten erlangte Thomas Mann erst 1944. In den Jahren 1943 bis 1947 – unterbrochen 1946 durch eine schwere Lungenkrebserkrankung, die in Chicago operativ behandelt wurde – arbeitete Mann an Doktor Faustus. Für dieses Projekt hatte er im Vorfeld musikwissenschaftliche Lehrbücher sowie Biografien über Mozart, Beethoven, Berlioz, Hugo Wolf bis hin zu Alban Berg studiert. Mit zeitgenössischen Komponisten wie Strawinsky, Hanns Eisler und Arnold Schönberg nahm er Kontakt auf, um sich in Sachen Musikkomposition unterweisen zu lassen. Besonders viel lernte er von Adorno, der damals in der Nachbarschaft lebte. Dieser beriet ihn gern und ausführlich, wovon Thomas Mann selbst in seinem autobiographischen Bericht Die Entstehung des Doktor Faustus – Roman eines Romans Rechenschaft ablegt und wovon auch Katia Mann in ihren Ungeschriebenen Memoiren berichtet. Dokumentarisches und Historiografisches aus der Luther-Zeit und dem Dreißigjährigen Krieg gehörten ebenso zur Vorbereitung des Romans wie Grimmelshausen, Sprichwörtersammlungen des Mittelalters und Fachliteratur zu Nietzsche. Er nannte das Buch seine „Lebensbeichte“ und schrieb am 21. Oktober 1948 an Paul Amann: „Zeitblom ist eine Parodie meinerselbst. In Adrians Lebensstimmung ist mehr von meiner eigenen, als man glauben sollte – und glauben soll.“[28]

In Kalifornien fand Mann auch Zugang zu den nordamerikanischen Unitariern, deren Mitglied er wurde. Thomas Mann – zuvor Lutheraner – schätzte die Unitarier vor allem als Glaubensgemeinschaft ohne dogmatische Fundamente, wobei er dem christlich ausgerichteten Unitarismus näher stand als neueren humanistischen Ansätzen. Mann trat auch als Gastredner auf der Kanzel auf und veranlasste, dass Frido und seine Enkelin Angelica im Frühjahr 1942 in der First Unitarian Church in Los Angeles getauft wurden, wobei er selbst als Pate fungierte.[29]

1945 bis 1955

Verhältnis zum Nachkriegsdeutschland

Mann hatte zwischen sich und einflussreiche literarisch-publizistische Kreise des westlichen Nachkriegsdeutschlands einen Keil getrieben: In seinem offenen Brief an Walter von Molo Warum ich nicht nach Deutschland zurückkehre vertrat er die These von der Kollektivschuld der Deutschen. Drohbriefe und Verrisse seines Doktor Faustus waren die Folge. Die Bombardierung deutscher Städte während des Zweiten Weltkrieges kommentierte er mit den Worten: „Alles muß bezahlt werden.“ Es mussten einige Jahre vergehen, bis sich in der bundesdeutschen Öffentlichkeit wieder eine versöhnlichere Haltung gegenüber Thomas Mann einstellte.[30]

Rückkehr nach Europa

Von der Politik der USA war Thomas Mann nach dem Tod des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt im Jahr 1945 und besonders seit Beginn des Kalten Krieges 1947 zunehmend enttäuscht. Seinen Entschluss, nach Europa zurückzukehren, hielt er erstmals im Dezember 1949 im Tagebuch schriftlich fest.[32] Er verfestigte sich, als er im Juni 1951 vor dem Repräsentantenhaus im Kongress als “one of the world’s foremost apologists for Stalin and company” (deutsch: „einer der weltweit bedeutendsten Verteidiger von Stalin und Genossen“) bezeichnet wurde. Er musste (wie schon zuvor die deutschen Emigranten Hanns Eisler und Bertolt Brecht) Rechenschaft über seine Aktivitäten vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe ablegen. Genau ein Jahr später, im Juni 1952, kehrten die Manns mit Tochter Erika in die Schweiz zurück. In seinem Tagebuch sprach er von einer „wiederholten Emigration“.[33] Dort zogen sie zunächst in ein gemietetes Haus in Erlenbach bei Zürich und lebten dann ab 1954 in der angekauften Villa in Kilchberg, Alte Landstraße 39, über dem Zürichsee.

Schon 1949 hatte Thomas Mann anlässlich der Feiern zu Goethes 200. Geburtstag Deutschland einen Besuch abgestattet. Er besuchte Frankfurt am Main (Trizone) und Weimar (SBZ), was von der westdeutschen Öffentlichkeit misstrauisch beäugt wurde, jedoch von Mann mit dem Satz kommentiert wurde: „Ich kenne keine Zonen. Mein Besuch gilt Deutschland selbst, Deutschland als Ganzem, und keinem Besatzungsgebiet.“ In Frankfurt erhielt er den westdeutschen Goethe-Preis. In Weimar traf er Johannes R. Becher, den Präsidenten des Kulturbundes und späteren Kultusminister der DDR, sowie Oberst Tjulpanow, Leiter der Informationsabteilung der SMAD, und es wurde ihm der ostdeutsche Goethe-Nationalpreis verliehen.[34] Die gesamte Reise, die ihn auch nach Stuttgart und in das zerstörte München führte, stand unter polizeilichem Schutz, da es im Vorfeld einige Drohbriefe gegeben hatte. Letztlich wurde er aber enthusiastisch aufgenommen und seine Frankfurter Rede Goethe und die Demokratie wurde per Lautsprecher aus der Paulskirche auf den Vorplatz übertragen, wo weitere Zuhörer standen. Das Preisgeld der Frankfurter Ehrung stiftete Thomas Mann mittellosen Schriftstellern, die Summe des Weimarer Preises für den Wiederaufbau der dortigen Herderkirche.[35]

Die Deutschland-Besuche von der Schweiz aus wurden zu einer festen Einrichtung. Thomas Mann nahm 1953 die Ehrenpräsidentschaft der Deutschen Schillerstiftung in Weimar (DDR) an. 1954 setzte er die 1909 begonnene Arbeit am Roman Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull fort – der letztlich, durch seinen nahen Tod, ein Fragment blieb.

Zum 150. Todestag Friedrich Schillers 1955 veröffentlichte Mann den Essay Versuch über Schiller und hielt zu den Feierlichkeiten die Festansprachen; zunächst in Stuttgart und am 14. Mai 1955 in Weimar. An diesem Tag wurde ihm die Urkunde zum Ehrenmitglied der Deutschen Akademie der Künste überreicht.

Am 20. Mai 1955 besuchte er ein letztes Mal seine Vaterstadt Lübeck und bekam im Rahmen dieses Aufenthaltes die Ehrenbürgerwürde verliehen. In seiner Dankesrede nahm er Bezug auf seinen Vater, den früheren Senator der Stadt: „Ich kann wohl sagen, sein Bild hat immer im Hintergrunde gestanden all meines Tuns, und immer habe ich es bedauert, daß ich ihm zu seinen Lebzeiten so wenig Hoffnung machen konnte, es möchte aus mir in der Welt noch irgend etwas Ansehnliches werden. Desto tiefer ist die Genugtuung, mit der es mich erfüllt, daß es mir gegönnt war, meiner Herkunft und dieser Stadt, wenn auch auf ausgefallene Weise, doch noch etwas Ehre zu machen.“

Im Juli 1955 hielt sich das Ehepaar im holländischen Seebad Noordwijk auf. Am 18. Juli erwähnte Thomas Mann seiner Frau gegenüber erstmals einen ziehenden Schmerz im linken Bein, der ihm „kürzlich angeflogen“ sei und nun beginne, ihm lästig zu fallen. Die hinzugezogenen Ärzte diagnostizierten eine Beinvenenthrombose und verordneten Bettruhe. Am 23. Juli kehrte er vorzeitig zur weiteren Behandlung nach Zürich zurück. Im Kantonsspital besserte sich sein Zustand kurzfristig. Voller Vorfreude auf seine Rückkehr nach Kilchberg schrieb er an Theodor W. Adorno: „Pazienza! Es ist ja Zauberberg-Zeit, in die ich eingetreten bin.“ Jedoch folgte innerhalb von Tagen eine stetige Verschlechterung: Er verlor an Gewicht und litt zunehmend unter Kreislaufschwäche. Am 12. August 1955 starb Thomas Mann achtzigjährig im Zürcher Kantonsspital an einer Ruptur der unteren Bauchschlagader (Aorta abdominalis) infolge von Arteriosklerose.

Zur Beerdigung auf dem Kilchberger Friedhof am 16. August erschienen zahlreiche Trauernde aus dem In- und Ausland. Als einer der langjährigen Wegbegleiter des Verstorbenen schrieb Carl Zuckmayer in seinen Worten des Abschieds: „An diesem Sarg verstummt die Meinung des Tages. Ein Leben hat sich erfüllt, das nur einem einzigen Inhalt gewidmet war: dem Werk deutscher Sprache, dem Fortbestand europäischen Geistes.“

Erzählerisches Werk und stilistische Besonderheiten


Thomas Mann knüpfte an die Erzähltechniken des 19. Jahrhunderts an, vor allem an den weit ausholenden Gestus Tolstois und die Symbole und Leitmotive im Werk Theodor Fontanes und Richard Wagners. Charakteristisch für Thomas Manns Prosa sind Ironie und „heitere Ambiguität[36] Bis zu Der Zauberberg (1924) überwogen psychologischer Scharfblick und Durchschauen. Danach, in der „zweiten Hälfte“ des Gesamtwerks,[37] wurden mythologische Motive und religiöse Themen gestaltet. Außerdem hinterließ Thomas Mann ein bedeutendes essayistisches Werk. Seine durch Gliedsätze und Einfügungen hoch verschränkte Erzählweise bewahrt Rhythmus und Balance, Sprache und Ton sind der jeweiligen Thematik angepasst.

Thomas Mann hat acht Romane sehr unterschiedlichen Umfangs geschrieben:

Unter der großen Zahl von Novellen sind besonders hervorzuheben: Tristan, Tonio Kröger, Tod in Venedig und Mario und der Zauberer.

Die Werke Thomas Manns (abgesehen von den Betrachtungen eines Unpolitischen, die während des Ersten Weltkrieges entstanden sind und nach Ansicht des Verfassers ohnehin als „Verirrung“ anzusehen sind) haben folgende Gemeinsamkeiten:

Selbstbespiegelung und Rezeption


Tagebücher

Thomas Mann hat sein Leben lang Tagebuch geschrieben. Nach seiner überstürzten Emigration in die Schweiz blieben die Tagebücher 1933 in München zurück, und Thomas Mann fürchtete, dass sie den Nationalsozialisten in die Hände fallen würden. Die Tagebücher wurden in einer abenteuerlichen Aktion von seinem Sohn Golo in die Schweiz gerettet. Alle Tagebücher aus der Zeit vor März 1933 hat Thomas Mann im Mai 1945 im Garten seines Wohnhauses in Pacific Palisades verbrannt. Allein die Hefte aus der Zeit September 1918 bis Dezember 1921 blieben erhalten, da der Autor sie für die Arbeit am Doktor Faustus benötigte. Die noch vorhandenen und heute veröffentlichten Tagebücher umfassen die Zeiträume von September 1918 bis Dezember 1921 und von März 1933 bis Juli 1955. Thomas Mann hatte verfügt, dass die versiegelten Pakete mit den Tagebüchern erst 20 Jahre nach seinem Tod geöffnet werden dürfen.

Die sukzessive Veröffentlichung begann im Jahr 1975, in dem sich der Geburtstag des Autors zum hundertsten Mal jährte. Dementsprechend groß waren die Erwartungen des Publikums. Da der Text der Tagebücher sich als „unliterarisch“ erwies und vom sprachlichen Niveau der Werke weit entfernt war, wurde auf die Veröffentlichung vielfach enttäuscht reagiert. Überraschend war das im Grunde nicht, hatte Thomas Mann doch selbst im kalifornischen Exil den Hinweis Without literary value („ohne literarischen Wert“) auf seine Tagebuchsammlung geschrieben, bevor er sie der Nachwelt anvertraute. Erstaunlich war eher, dass Thomas Manns homoerotische Neigung sich hier sehr deutlich offenbarte; denn die zentrale Rolle für sein Leben, die der Autor, laut Tagebuch, seiner Liebe zu jungen Männern beimaß, war so bisher weder aus dem Werk noch aus sonstigen bekannten Äußerungen abzulesen gewesen.

Die hauptsächliche Bedeutung der Tagebücher besteht allerdings nicht so sehr darin, ein privates Bild des Schriftstellers und Einsichten in seine Psyche, sondern vielmehr seinen geistesgeschichtlichen und naturwissenschaftlichen[43] Hintergrund zu vermitteln, die Entstehungsgeschichte seines Werks zu dokumentieren und Hinweise auf beabsichtigte Wirkungen zu geben. Kritiker haben die Tagebücher sowohl als gefühl- und teilnahmslos wie auch als eitel und narzisstisch bezeichnet.

In einer Tagebuchnotiz vom 15. September 1950 spielt der Autor erneut mit dem Gedanken an die Verbrennung seiner Tagebücher. Die Reaktion der noch lebenden Familienmitglieder war insgesamt zurückhaltend. Der jüngste Sohn Michael Mann schien unter der in den Tagebüchern deutlich werdenden Einstellung seines Vaters ihm gegenüber besonders gelitten zu haben. Ob sein Tod zum Jahreswechsel 1976/1977 mit seiner Arbeit an den Tagebüchern seines Vaters in Zusammenhang steht, ist umstritten.[44]

Wirkung

Das Leben und Werk Thomas Manns war schon zu seinen Lebzeiten umstritten und blieb es über seinen Tod hinaus.

Manns Werke entstammen nicht bloßer Kreativität, sondern sind oft das Resultat jahrelanger, täglicher, disziplinierter Kleinarbeit. Die Schilderungen in seinen Werken gehen oft auf reale Gegebenheiten zurück, nur selten sind sie frei erfunden. Deren innovative Integration, überraschende assoziative Verknüpfung sowie präzise sprachliche Ausführung bilden das Kernstück der Arbeit Thomas Manns und machen seine Werke zu dem, was (gelegentlich auch despektierlich) als „bildungsbürgerlich“ bezeichnet wird.

Seine literarischen Erfolge, sein Konservatismus, sein großbürgerlicher Lebensstil und nicht zuletzt seine Fähigkeit zu prägnantem Polemisieren trugen zu Neid und Feindschaften bei. Dementsprechend gespannt war das Verhältnis zu manchen Schriftstellerkollegen. Robert Musil, von Mann durchaus hoch geschätzt, und Kurt Tucholsky bezeichneten ihn als „Großschriftsteller“, Bertolt Brecht nannte ihn einen „regierungstreuen Lohnschreiber der Bourgeoisie“, Alfred Döblin bezeichnete ihn als den Herrn, „der die Bügelfalte zum Kunstprinzip“ erhebt. Auch die Tatsache, dass er die meisten seiner literarischen Gestalten nach realen Vorbildern modellierte, teils aus dem familiären Umkreis, teils aus seinem prominenten Bekanntenkreis, sogar aus dem Umfeld seiner Konkurrenten,[45] trug ihm nicht immer Freunde ein. Freundschaftliche Beziehungen unterhielt Mann dagegen beispielsweise zu Hermann Hesse, Hermann Broch und Jakob Wassermann.

Thomas Manns Verhältnis zum Judentum war ambivalent. Er selbst bezeichnete sich indes als Philosemiten. So befürwortete er die Gleichstellung der Juden in den westeuropäischen Gesellschaften und nannte ihren Beitrag zum kulturellen Leben Europas, „und zumal in Deutschland“, als „unentbehrlich“.[46] 1921 bezeichnete er die antisemitischen studentischen Proteste gegen jüdische Professoren an deutschen Universitäten als „entsetzliche Schande“, und stellte sich generell gegen die „kulturelle Reaktion, in der wir stehen, und von der der Hakenkreuz-Unfug ein plump populärer Ausdruck ist“.[47]

Das Verhältnis der Nationalsozialisten zu Thomas Mann, der sich schon seit den frühen 1920er Jahren öffentlich gegen die rechtsextremen politischen Tendenzen in Deutschland gewendet hatte, war nach der Machtergreifung 1933 zunächst nicht völlig eindeutig. In München wurden zwar Haus und Vermögen beschlagnahmt und sogar ein (geheimer) „Schutzhaftbefehl“ erlassen. Doch noch im März 1934 durfte der Roman Der junge Joseph beim Berliner S. Fischer Verlag erscheinen, was darauf hindeutet, dass eine Rückkehr des international bekannten Nobelpreisträgers Thomas Mann ins Deutsche Reich zumindest einigen der Machthaber in Berlin ins Konzept gepasst hätte. Mann zögerte, auch mit Rücksicht auf die Interessen des Verlags, sehr lange, sich öffentlich klar gegen das Regime zu positionieren. Erst nachdem er im Februar 1936, nicht zuletzt auf starken Druck seiner Tochter Erika hin, mit einem offenen Brief an Eduard Korrodi in der Neuen Zürcher Zeitung den öffentlichen und eindeutigen Bruch mit den deutschen Machthabern herbeigeführt hatte, erfolgten Ausbürgerung und Versteigerung des zurückgebliebenen Münchener Hausrats.

Warum Mann keine bekennenden Schüler hat, wurde im Jahr seines 100. Geburtstags wissenschaftlich beleuchtet. Der Literaturwissenschaftler Peter Pütz vertritt die Ansicht: Manns Wirkung liege „nicht in der Nachfolge, sondern im Gegenentwurf“.[48] Thomas Mann hat sich keiner literarischen Schule oder Strömung zugerechnet: „[Ich] habe nie einer Schule oder Koterie angehört, die gerade obenauf war, weder der naturalistischen, noch der neu-romantischen, neuklassischen, symbolistischen, expressionistischen, oder wie sie nun hießen. Ich bin darum auch nie von einer Schule getragen, von Literaten [Schriftstellerkollegen] selten gelobt worden.“[49]

Marcel Reich-Ranicki resümiert: „Dutzende von Schriftstellern erklärten, niemand sei ihnen gleichgültiger als der Autor des Zauberberg. Aber sie beteuerten es mit vor Wut und wohl auch Neid bebender Stimme.“[50]

Walter Nigg schreibt über Thomas Manns Haltung gegenüber Nietzsche: „Allzu verwunderlich ist Thomas Manns widerspruchsvolle Haltung nicht, da der manierierte Schriftsteller wenig Substanz in sich hatte. Von den Buddenbrooks bis hin zu den Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull ist er nie auch nur einen Schritt über die ironische Einstellung hinaus gelangt, eine Haltung, die gegenüber dem Phänomen Nietzsche versagen musste.“[51]

Mehr Verständnis zeigte der ungarische Schriftsteller Sándor Márai, der sich mit Manns Spannungsverhältnis zu Deutschland beschäftigte: „Thomas Mann ist auf eine Weise Deutscher, als wäre er es in Afrika: trotzig und treu, gleichzeitig auch ein wenig einstudiert, demonstrativ, beleidigt und hochmütig deutsch. Er hat etwas von Mozart – seine Musik – und von Goethe – seine Rolle –, natürlich auch sehr viel von Thomas Mann, der in Lübeck als Patrizier geboren wurde und jetzt Thomas Mann in Küsnacht bei Zürich ist. Er ringt mit dem, was deutsch an ihm ist, auf Leben und Tod; will das Deutsche in sich zugleich ein wenig am Leben erhalten und ein wenig zu Tode verletzen. […] Möglich, dass er nicht ganz der ideale Deutsche ist, aber sicher der ehrlichste. […] Welch ein Konflikt! Ich verneige mich tief vor ihm, und manchmal tut er mir leid, der Arme.“[52]

Georg Lukács sah laut Der Spiegel für seine Theorie, dass der Marxismus legitimer Nachfolger des klassischen deutschen Humanismus sei, in Mann seinen Kronzeugen.[53]

Ehrungen


Letztes Wort

Der 1975 vor dem Grundstück des früheren Geburtshauses in der Lübecker Breiten Straße in Buchform errichtete Thomas-Mann-Stein des Bildhauers Ulrich Beier zitiert ihn selbst mit seiner Rede zur Feier des 50. Geburtstages:

„Niemand von uns weiß, wie, in welchem Rang er vor der Nachwelt stehen, vor der Zeit bestehen wird. Wenn ich einen Wunsch für den Nachruhm meines Werkes habe, so ist es der, man möge davon sagen, daß es lebensfreundlich ist, obwohl es vom Tode weiß.“

Werke


Werkausgaben

Romane

Erzählungen und Novellen

Theaterstücke

Essays (Auswahl)

Autobiographisches (Auswahl)

Aufnahmen

Von folgenden Werken existieren original Tonbandaufnahmen von Thomas Mann, der seine eigenen Werke mit hörbarem Genuss rezitierte:

Verfilmungen (Auswahl)


Vertonungen


Literatur (Auswahl)


Werkverzeichnisse

Biografien

Sekundärliteratur

Belletristik

Datenbank

Die Datenbank der Thomas-Mann-Sammlung Dr. Hans-Otto Mayer (Schenkung Rudolf Groth) in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf verzeichnet laufend Monografien und Aufsätze aus Sammelbänden und Fachzeitschriften sowie Zeitungsartikel zum Thema „Thomas Mann und seine Familie“. Die Datenbank enthält über 28.100 Titelsätze von Primär- und Sekundärliteratur und wird laufend aktualisiert. Auf den Internetseiten der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf ist die Datenbank[57] frei zugänglich.

Weblinks


Commons: Thomas Mann  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Datenbanken

Über Mann

O-Ton

Einzelnachweise und Anmerkungen


  1. Der Brockhaus. Universallexikon in 20 Bänden. Band 11. F. A. Brockhaus, Leipzig 2007, S. 4731.
  2. Gert Heine, Paul Schommer: Thomas-Mann-Chronik. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main. 2004, ISBN 3-465-03235-7, S. 331.
  3. Dem in Viktor Manns Wir waren fünf. Bildnis der Familie Mann veröffentlichten Stammbaum ist zu entnehmen, woher die Großeltern kamen. Der Vater stammte mütterlicherseits aus dem Kanton Glarus (1499 verstarb Hans Marti im Schwabenkrieg) und väterlicherseits aus Franken, die Mutter väterlicherseits von „Schiffern aus dem Norden“ und mütterlicherseits von nach Brasilien ausgewanderten „Bauern aus Portugal“ ab.
  4. Peter J. Brenner: Thomas Mann – ein Virtuose der Halbbildung. In: Universitas. Band 68, Nr. 5, 2013, ISSN 0041-9079 , S. 5–6 (online-Nachweis ).
  5. Viktor Mann: Wir waren Fünf. S. 30.
  6. Stephan Stachorski: Thomas Mann. In: Michael Fröhlich (Hrsg.): Das Kaiserreich. Portrait einer Epoche in Biographien. Primus Verlag, Darmstadt 2001, ISBN 3-89678-400-5, S. 443–453, S. 444 f.
  7. Stefan Breuer: Das „Zwanzigste Jahrhundert“ und die Brüder Mann. In: Manfred Dierks, Ruprecht Wimmer (Hrsg.): Thomas Mann und das Judentum. Frankfurt am Main 2004, S. 75–95, S. 92 f.
  8. Siehe auch Rolf Thiede: Stereotypen vom Juden. Die frühen Schriften von Heinrich und Thomas Mann. Zum antisemitischen Diskurs der Moderne und dem Versuch seiner Überwindung. Metropol, Berlin 1998, ISBN 3-926893-35-4, S. 55–80.
  9. Marcel Reich-Ranicki: Thomas Mann und die Seinen. 1987, ISBN 3-421-06364-8, S. 122.
  10. 1915 unterbrach er die Arbeiten daran.
  11. Jörn Leonhard: Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs. Kapitel I: Erbschaften: Der Erste Weltkrieg und das lange 19. Jahrhundert Europas. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66191-4.
  12. Th. Mann: Friedrich und die grosse Koalition. 1915, S. 121 f.; A. Gasser: Preussischer Militärgeist und Kriegsentfesselung 1914. 1985, S. 77.
  13. Thomas Sprecher, Ruprecht Wimmer (Hrsg.): Thomas Mann Jahrbuch. Band 20. ISBN 978-3-465-03537-4, S. 86.
  14. Rubrik: Zu unseren Bildern. In: Von Lübecks Türmen, 36. Jahrgang, Nr. 14, Ausgabe vom 26. Juni 1926, S. 60.
  15. Dirk Heißerer (Hrsg.): Thomas Mann in München. Band V: Vorträge 2007–2009. Peniope, München 2010, ISBN 978-3-936609-46-2.
  16. Der Wortlaut der Nobelpreis-Würdigung besagte, dass ihm der Preis verliehen werde „vornehmlich für seinen großen Roman ‚Die Buddenbrooks‘, der im Laufe der Jahre eine immer mehr sich festigende Anerkennung als ein klassisches Werk der zeitgenössischen Literatur gewonnen hat“.
  17. Frank Dietrich Wagner: Appell an die Vernunft. Thomas Manns Deutsche Ansprache und Arnolt Bronnens nationale Attacke im Krisenjahr 1930. In: Thomas Mann Jahrbuch. Nr. 13, 2000, ISBN 3-465-03091-5, S. 53.
  18. Bis 1936 durften Thomas Manns Bücher noch in Deutschland erscheinen. Erst nachdem Mann sich in einem offenen Brief an den Rektor der Universität Bonn gegen das Regime aussprach und die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft annahm, erschien sein Gesamtwerk auf der Liste des „schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ des Propagandaministeriums. Erstmals belegt ist dies für den 9. Dezember 1936. Seine Bücher wurden in deutschen Buchhandlungen beschlagnahmt, die Presse angewiesen, über ihn zu schweigen.
  19. Klaus Schröter: Thomas Mann. Rowohlt, Hamburg, S. 109.
  20. Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes, Moshe Zimmermann: Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik. Blessing, München 2010, ISBN 978-3-89667-430-2, S. 85.
  21. Nach dem Krieg, am 13. Dezember 1946, wurde diese Aberkennung wieder rückgängig gemacht. Vgl. dazu auch Pascal Beucker, Anja Krüger: Antwort erwogen. In: beucker.de, / taz, 17. Januar 2002.
  22. Brief an Herman Wolf vom 30. Juli 1936, erstmals publiziert in: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. März 2014, S. 14.
  23. per: Literaturherbst: Wissenschaftler Heinrich Detering sprach im Alten Rathaus. Weißer Fleck bei Thomas Mann. In: Hannoversche Allgemeine. 21. Oktober 2012, abgerufen am 7. Januar 2018.
  24. Die Texte sind abgedruckt im Insel-Buch Nr. 900: Deutsche Hörer 25 [recte: 55] Radiosendungen nach Deutschland. Insel Verlag, Leipzig 1970.
  25. Francis Nenik / Sebastian Stumpf: Seven Palms. Das Thomas-Mann-Haus in Pacific Palisades, Los Angeles. Spector Books, Leipzig 2018, ISBN 978-3-95905-180-4, S. 109, 145.
  26. Peter von Becker: Streit um Thomas-Mann-Villa. Das Große Geisterhaus. In: Der Tagesspiegel. 1. September 2016.
  27. Stefanie de Velasco: Thomas Manns Villa in Amerika: Onkel Toms Hütte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 14. Dezember 2016.
  28. Zitiert nach Hubert Mainzer: Thomas Manns „Doktor Faustus“ — ein Nietzsche-Roman? In: Wirkendes Wort. Band 21, 1971, S. 28.
  29. Siehe ausführlich Heinrich Detering: Thomas Manns amerikanische Religion. S. Fischer, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-10-014204-7. Besprechungen bei Michael Braun: Kein ungläubiger Thomas. In: Literaturkritik.de. 1. November 2012; Religion im Exil: Der Unitarier Thomas Mann. In: Die Welt. 1. Dezember 2012.
  30. Siehe zum Thema insgesamt Manfred Görtemaker: Thomas Mann und die Politik. Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-10-028710-X, S. 177–234. Die Kontroversen zeichnen folgende Dokumentenbände nach: J. F. Grosser (Hrsg.): Die Große Kontroverse. Ein Briefwechsel um Deutschland. Hamburg 1963; Wigand Lange, Jost Hermand (Hrsg.): „Wollt ihr Thomas Mann wiederhaben?“ Deutschland und die Emigranten. Europäische Verlags-Anstalt, Hamburg 1999, ISBN 3-434-50441-9; Stephan Stachorski (Hrsg.): Fragile Republik. Thomas Mann und Nachkriegsdeutschland. 2. Aufl. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16844-9.
  31. Am Eingang erkennt man eine Tafel mit den Namen und Wohndaten der Familie Mann.
  32. Francis Nenik, Sebastian Stumpf: Seven Palms. Das Thomas-Mann-Haus in Pacific Palisades, Los Angeles. Spector Books, Leipzig 2018, ISBN 978-3-95905-180-4, S. 278.
  33. „Er war kein Akademiker, er war Künstler“. Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Frido Mann über seine Großeltern und ihr Leben am Pazifik. In: Ulrich Raulff; Ellen Strittmatter (Hrsg.): Thomas Mann in Amerika. Marbacher Magazin, 163/64. Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 2018, S. 12–22, hier S. 21.
  34. Ronald Hayman: Thomas Mann. A Biography. Bloomsbury, London 1995, ISBN 0-7475-2531-5, S. 564 ff.
  35. Georges Motschan: Thomas Mann – von nahem erlebt. Verlag der Buchhandlung Matussek, Nettetal 1988.
  36. Tagebuch 13. Oktober 1953.
  37. Thomas Mann am 29. März 1949 an Hermann Ebers.
  38. http://www.thomasmann.de/thomasmann/werk/figuren/
  39. Inklusive einer Kritik der wissenschaftlichen Weltanschauung laut Patrick Bahners Referat von Andreas Kablitz: „Der Zauberberg“. Die Zergliederung der Welt. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2017; in seinem Bericht von der Kölner Tagung des Arbeitskreises „Text und Textlichkeit“ der Fritz-Thyssen-Stiftung zum Verhältnis von „Prädikation und Bedeutung“.
  40. Mechthild Curtius: Erotische Phantasien bei Thomas Mann. Königstein, 1984.
  41. Arne Hoffmann: In Leder gebunden. Der Sadomasochismus in der Weltliteratur. Ubooks, Diedorf 2007, ISBN 978-3-86608-078-2, S. 98 ff.
  42. Werner Frizen: Oldenbourg Interpretationen. Band 25: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Oldenbourg, 1988, ISBN 3-637-01425-4, S. 59–61.
  43. Hans Wolfgang Bellwinkel: Naturwissenschaftliche Themen im Werk von Thomas Mann. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 11, 1993, S. 351–369, insbesondere S. 356 und 365–367.
  44. Michael Mann. In: thomasmann.de.
  45. So ist beispielsweise explizit bekannt, dass Thomas Mann sich bei Gerhart Hauptmann schriftlich dafür entschuldigte, dass er ihn im Zauberberg als Mynheer Peeperkorn in erkennbarer Weise karikiert hatte.
  46. Thomas Mann: Die Lösung der Judenfrage (1907). In: Hermann Kurzke, Stephan Stachorski (Hrsg.): Thomas Mann: Essays, Band 1: Frühlingssturm (1893–1918). 1993, ISBN 3-596-10899-3.
  47. Thomas Mann: Zur jüdischen Frage (1921). In: Hermann Kurzke, Stephan Stachorski (Hrsg.): Thomas Mann: Essays, Band 2: Für das neue Deutschland (1919–1925). 1993, ISBN 3-596-10900-0
  48. Peter Pütz: Thomas Manns Wirkung auf die deutsche Literatur der Gegenwart. In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Text und Kritik. Sonderband Thomas Mann. 1976, ISBN 3-921402-22-0, S. 135–145, Inhaltsverzeichnis.
  49. Thomas Mann: Meine Zeit. Vortrag in der Universität Chicago, Mai 1950. Bermann-Fischer/Querido, Amsterdam 1950, S. 20.
  50. Marcel Reich-Ranicki: Nachprüfung. Aufsätze über deutsche Schriftsteller von gestern. DVA, Stuttgart 1980, ISBN 3-421-01908-8, S. 110.
  51. Walter Nigg: Große Unheilige. Diogenes, Zürich 1996, ISBN 3-257-22865-1, S. 224.
  52. Sándor Márai: Die vier Jahreszeiten. Aus dem Ungarischen übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Ernö Zeltner. Piper, München/Zürich 2009, ISBN 978-3-492-25312-3, S. 68.
  53. LUKACS - Kaninchen am Himalaja , Der Spiegel, 25. Dezember 1963
  54. seine Ansprache bei diesem Anlass in GW 13, S. 702–706.
  55. Members: Thomas Mann. American Academy of Arts and Letters, abgerufen am 10. April 2019.
  56. Volltext Thomas Mann und die Romantik.
  57. Datenbank der Thomas-Mann-Sammlung. In: Universitätsbibliothek Düsseldorf.



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