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Theater der griechischen Antike




Die Geschichte des griechischen Theaters der Antike umfasst einen Zeitraum von nahezu tausend Jahren. Bereits die Vorformen waren kultischer Natur und bestanden in Chorliedern (Dithyramben) und Tänzen, die zunehmend mit Handlungs-Elementen verbunden wurden. Insbesondere der Dionysoskult war für die Entwicklung des Dramas wesentlich. Das Theater der griechischen Antike erreichte seinen Höhepunkt im 5. Jahrhundert v. Chr. mit den Stücken der drei großen Tragiker Aischylos, Sophokles und Euripides und den Stücken der Alten Komödie, insbesondere des Kratinos und des Aristophanes. Während der kultische Zweck zunehmend in den Hintergrund trat, erfüllte das Theater eine wichtige Funktion für die Entwicklung der attischen Demokratie: es stand für Selbstvergewisserung, Repräsentation und Machtdemonstration der Polis-Gesellschaft. Das antike griechische Theater war ein Theater der freien Bürger beiderlei Geschlechts: der Besuch der Aufführungen war demokratisches Recht und religiös-moralische Pflicht zugleich.[1] Aufgrund sinkender Zuschauerzahlen führte der athenische Staat im 4. Jahrhundert v. Chr. eine Ersatzzahlung für den Verdienstausfall während des Besuchs der Aufführungen ein.

Nach dem Niedergang der attischen Demokratie integrierte der römische Staat die Formen des griechischen Theaters in sein Festwesen und baute das Theater zu einem massenwirksamen Instrument der Unterhaltung und der Repräsentation politischer Macht aus.

Die Entwicklung der gesamten abendländischen Theaterkultur geht auf das Theater der griechischen Antike zurück und ist sowohl durch die überlieferten Dramen als auch durch theaterästhetische Elemente (wie den Chor und die Verwendung von Masken) und vor allem durch die Reflexion der gesellschaftlichen Rolle von Theater entscheidend durch dieses geprägt worden.[2]

Inhaltsverzeichnis

Entstehung


Die Altertumsforscher Luigi Pernier und Carlo Anti vertraten im 20. Jahrhundert die Auffassung, dass die Schautreppen der Palastanlagen von Kreta bereits eine Vorform antiker Theaterbauten darstellten und als Sitzreihen für Zuschauer genutzt wurden.[3] Dem widerspricht Hans Peter Isler, der festhält, dass die Funktion dieser niedrig gehaltenen Treppen, auf denen das Sitzen ohnehin nicht gut möglich gewesen wäre, noch immer nicht geklärt ist.[3]

Die Anfänge des griechischen Theaters datiert Isler auf die späteren Jahrzehnte des 6. Jahrhunderts v. Chr., wobei er sich auf Publikationen von Gustav Adolf Seeck, Bruno Gentili und Horst-Dieter Blume stützt.[4]

Die Dionysien und der für das heutige Theater wichtigste Teil, die Tragödien, wurden schon unter Peisistratos zu einem staatlich-religiös wichtigen Fest, durch die Phylenreform des Kleisthenes wurde aber ganz Attika an den dionysischen Festen beteiligt. Anfänglich gab es nur einen Schauspieler, zu dem ein Chor gehörte, der vermutlich aber nicht sang, sondern dem Schauspieler gelegentlich antwortete. Nach der Zerstörung Athens durch die Perser entwickelte sich zu dem theatron eine skené, und bald wurden immer weitere Zusätze erfunden. Es kamen jeweils vier Stücke an einem Tag zur Aufführung. Auf drei Tragödien folgte ein Satyrspiel als heiteres, befreiendes Nachspiel.

Die klassische Blüte des griechischen Theaters endete mit dem Niedergang der klassischen Polis Athen und der Gründung der hellenistischen Königreiche.

Die Wesenszüge der griechischen Bühnenkunst sind vor allem aufgrund der Poetik des Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) erhalten geblieben. Der Einfluss auf das europäische Theater zeigt sich einerseits dadurch, dass viele Stoffe, die von den klassischen Griechen verwendet wurden, später immer wieder Interesse hervorriefen und weiterverwendet wurden, so schon von den altrömischen Komödiendichtern Plautus und Terenz. Andererseits gab es aber auch zahlreiche Versuche, eine „Wiedergeburt“ der klassischen Zeit anzuregen, immer unter Einbeziehung der jeweils herrschenden Zeitströme.

Aufbau


Bei den griechischen Theatern handelte es sich um Freilufttheater, die in einen Hang hinein gebaut wurden, meist in Nord-Süd-Ausrichtung.

Anfänge (6. Jahrhundert v. Chr.)

Als charakteristische Bestandteile des Theaters im 6. Jahrhundert gelten neben der Orchestra, dem eigentlichen Spiel- bzw. Tanzplatz, eine Art Zuschauerraum (Theatron) und die Skené (mit Zelt oder Bude übersetzbar), in der sich die Schauspieler ver- bzw. umkleiden konnten.[4] Die von Arthur Wallace Pickard-Cambridge in seiner 1953 erstmals erschienenen Monographie The dramatic festivals of Athens[5] beschriebenen Text- und Bildzeugnisse zeigen, dass sich die Zuschauer im 6. Jahrhundert v. Chr. entweder auf Abhänge oder hölzerne Tribünen setzten.[4]

Klassisches Zeitalter (5. Jahrhundert v. Chr.)

Die Forschung zur griechischen Theaterpraxis ist mit dem Umstand konfrontiert, dass es nur sehr wenige Dokumente zum Theater des fünften Jahrhunderts v. Chr. gibt, das oft das klassische Zeitalter der Tragödiendichter Aischylos, Sophokles und Euripides genannt wird. Bis heute ist nicht abschließend geklärt, ob die Orchestra und die Zuschauertribüne, das sogenannte Theatron, im athenischen Dionysostheater des fünften Jahrhunderts v. Chr. bereits eine runde Form aufwiesen mit einem der Orchestra vorgelagerten Bühnenhaus (wie in der nebenstehenden Skizze) oder ob Orchestra und Theatron rechteckig waren.

Die Archäologen Wilhelm Dörpfeld und Emil Reisch bezeichnen die Orchestra in ihrer 1896 erschienenen Monographie Das griechische Theater als einen "runde[n] Tanzplatz", ohne jedoch für diese Annahme Belege zu liefern.[6] Bezugnehmend auf "briefliche Mittheilungen"[7] Dörpfelds spricht auch Ulrich von Wilamowitz-Moellendorf von einem "kreisrunde[n] gemauerte[n] Tanzplatz".[7]

Hans Peter Isler nennt diese Annahme "reichlich kühn",[8] da die zwei erhaltenen Reste des Zyklopenmauerwerks, das im 5. Jahrhundert v. Chr. an der Stelle des Dionysostheaters gestanden hatte, nur gering gekrümmt sind.[8]

Dafür sprechen auch neuere Erkenntnisse, die zeigen, dass die erhaltenen griechischen Theater des fünften Jahrhunderts v. Chr. alle eine rechteckige Form aufweisen[9] oder zumindest so an die Gegebenheiten des Baulandes angepasst wurden, dass nicht von einer kreisförmigen Orchestra gesprochen werden kann.[8] Als Untersuchungsgegenstand eignet sich vor allem das steinerne Theater von Thorikos, dessen rechteckige Form bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. nachweislich keine architektonische Veränderung erlebte.[10] Dies ist laut dem Altertumsforscher Raimund Merker ein Zeichen dafür, dass auch alle erhaltenen Dramen aus diesem Zeitraum für eine rechteckige Orchestra konzipiert wurden.[9]

Als weitgehend gesichert gelten auch für das fünfte Jahrhundert v. Chr. folgende Bauelemente:

Die Quellenlage zur eigentlichen Schauspielpraxis ist ebenfalls dürftig. Als Ursprung der griechischen Tragödie gelten die Dithyramben, feierliche Chorlieder zu Ehren des Dionysos, als deren Meister Arion von Lesbos gilt. Der erste Tragödiendichter war Thespis, an ihn erinnert noch heute die Bezeichnung des Theaters als Thespiskarren, er stellte dem Chor einen einzelnen solistischen Schauspieler, den Protagonisten, in der Maske des Dionysos gegenüber. Aischylos führte den zweiten Schauspieler, den Deuteragonisten, ein und Sophokles schließlich den dritten, den Tritagonisten.

Die Zahl der Schauspieler blieb auch weiterhin auf drei begrenzt. Sollten mehr Personen auftreten, so niemals mehr als drei zugleich, und mindestens ein Darsteller musste die Maske wechseln.

Der Chor bestand aus 12 oder 15 Choreuten, zog nach dem Prolog durch die Parodoi in das Theater ein und blieb in der Regel während der ganzen Aufführung in der Orchestra.

Als Darsteller und Choreuten (Mitglieder des Chores) durften nur Männer auftreten. Es wurde mit Masken gespielt.

Die Bewegungsabläufe der Choreuten und Schauspieler, die Sprechweise bzw. der Gesang und die Musik sind kaum überliefert. In der Forschung herrscht ein großer Streit darüber, inwiefern von den erhaltenen Dramentexten Rückschlüsse auf die Bühnenpraxis vorgenommen werden können. Trotz eines großen Forschungsinteresses ist im Grunde noch sehr wenig über das antike griechische Theater bekannt.

Prinzipieller Handlungsverlauf


Gesellschaftliche Funktion


Das griechische Theater war nicht nur für Männer bestimmt. Zwar konnten nur freie Bürger teilnehmen (keine Sklaven), aber für die Frauen waren die hinteren Reihen der Sitzplätze reserviert.

Die Ausstattung des Chors und sein Unterhalt waren Aufgabe des Choregen. Die Choregie war eine wichtige Leiturgie, d. h. Leistung eines Privatmannes für die Polisgemeinschaft.

Das Theater diente zur Unterhaltung der Bevölkerung und seit der Entstehung der Komödie auch zur Belustigung. Durch den religiösen Charakter war der Besuch zwar gesellschaftlich verpflichtend, aber die Ehrung der Schauspieler und Autoren zeugt von einer weitergehenden Würdigung; denn berühmte Beteiligte wurden ausgezeichnet und von Staats wegen verpflegt.

Dichter und Werke (Auswahl)


Tragödien

Komödien

Siehe auch


Weblinks


Anmerkungen


  1. Brauneck, Manfred und Schneilin, Gérard: Theaterlexikon. Rowohlts Enzyklopädie. Reinbek bei Hamburg 1986, S. 66
  2. Brauneck, Manfred: Das Theater der Antike. Hellas. In: ders.: Die Welt als Bühne. Geschichte des europäischen Theaters. Erster Band. J.B. Metzler Verlag, Stuttgart-Weimar, S. 2–3
  3. a b Hans Peter Isler: Antike Theaterbauten. Ein Handbuch. Katalogband (= Archäologische Forschungen. Band 27). Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2017, ISBN 978-3-7001-7957-3, S. 53 f.
  4. a b c Hans Peter Isler: Antike Theaterbauten. Ein Handbuch. Katalogband (= Archäologische Forschungen. Band 27). Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2017, ISBN 978-3-7001-7957-3, S. 54 f.
  5. Arthur Wallace Pickard-Cambridge: The dramatic festivals of Athens. Hrsg.: John Gould, David Malcolm Lewis. 2. Auflage. Clarendon Press, Oxford 2003, ISBN 0-19-814258-7.
  6. Wilhelm Dörpfeld, Emil Reisch: Das griechische Theater. Beiträge zur Geschichte des Dionysos-Theaters in Athen und anderer griechischer Theater. Mit XII Tafeln und 99 Abbildungen im Text. Barth & Von Hirst, Athen 1896, S. 366 (uni-heidelberg.de ).
  7. a b Ulrich von Wilamowitz-Moellendorf: Die Bühne des Aischylos. In: Georg Kaibel, Carl Robert (Hrsg.): Hermes. Zeitschrift für Classische Philologie. Band 21, Nr. 4. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1886, S. 597.
  8. a b c Hans Peter Isler: Antike Theaterbauten. Ein Handbuch. Katalogband (= Archäologische Forschungen. Band 27). Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2017, ISBN 978-3-7001-7957-3, S. 55 f.
  9. a b Raimund Merker: Der Προμηθεύς Δεσμώτης auf der Bühne des 5. Jhd. v. Chr. Versuch einer szenischen Rekonstruktion. In: S. Tsitsiridis (Hrsg.): Logeion. A Journal for Ancient Theatre. Band 4. Crete University Press, Kreta 2014, S. 100.
  10. a b c Raimund Merker: Der Προμηθεύς Δεσμώτης auf der Bühne des 5. Jhd. v. Chr. Versuch einer szenischen Rekonstruktion. In: S. Tsitsiridis (Hrsg.): Logeion. A Journal for Ancient Theatre. Band 4. Crete University Press, Kreta 2014, S. 101.



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