Team


Der Anglizismus Team [tiːm] (altenglisch in der Bedeutung „Familie, Gespann, Gruppe, Nachkommenschaft“) bezeichnet in der Soziologie eine aus mindestens zwei Personen bestehende Organisationseinheit, die eine bestimmte Aufgabe erfüllen und/oder gemeinsame Ziele verfolgen soll.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines


Von einem Team kann gesprochen werden, wenn zwei oder mehr Personen zueinander in direktem Kontakt stehen und diese sozialen Interaktionen ein gewisses Maß überschreiten.[1] Teams gibt es in Wirtschaftssubjekten (Unternehmen, sonstigen Personenvereinigungen und Verwaltungen mit ihren Untergliederungen) und im Sport. In Unternehmen oder Behörden bildet das Team die für einen bestimmten Zweck aus Mitarbeitern zusammengesetzte Arbeitsgruppe wie etwa das Projektteam. Im Sport ist das Team entweder Synonym für die Mannschaft (Teamsport; auch: Frauschaft für ein Team aus ausschließlich weiblichen Mitgliedern[2]) oder die Gesamtheit von Mannschaft und begleitendem Personal wie Trainerteam, Technikerteam.

Wie auch andere soziale Gruppen bestehen Teams traditionell aus einer Führung, dem Teamleiter in Organisationen oder dem Mannschaftskapitän im Sport, und den Teammitgliedern.

Haug relativiert diese Zusammensetzung auf „in der ersten Zeit nach der Teambildung“, die sich auch weiterentwickeln kann: „Mit zunehmend höherem Entwicklungsstand und Reifegrad des Teams können sich die [..] Managementaufgaben allmählich trotz eines offiziellen Teamleiters gleichmäßig auf alle Teammitglieder verteilen. In Bezug darauf ist ein eingespieltes Team unter anderem daran zu erkennen, dass es sich weitgehend selbst organisiert. Insofern ist der Begriff ‚Teamleiter‘ in einer echten Teamorganisation irreführend, ja sogar ein Widerspruch in sich.“ Als Voraussetzung für dieses „Teammanagement“ hin zu „sich selbst führenden Teams“, nennt Haug eine „Führung ohne disziplinarischen Zugriff“.[3]

Die Geschlossenheit von Teams ist von deren Gruppenkohäsion abhängig.[4] Während einige Teams auseinanderfallen, sobald Probleme auftauchen, sind andere Teams in Konfliktsituationen in ihrer Existenz nicht bedroht. Je mehr Mitglieder bereit sind, sich für das Team zu engagieren, desto kohäsiver und stärker ist das Team.[5]

Merkmale


Der Begriff Team wird in der Praxis sehr oft und mit den verschiedensten Bedeutungen angewandt. Diese vielseitige Verwendung führt deshalb auch vielmals zu Problemen und Missverständnissen bei der Einführung und Umsetzung von Teamorganisation. Die Assoziationen zum Begriff Team umfassen folgende sechs Dimensionen:[6]

Ein Team wird dann gebildet, wenn ein komplexes Verhalten eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordert. Teams werden dabei für unterschiedliche Zwecke und Zielsetzungen mit unterschiedlicher zeitlicher Dauer gebildet. In diesem Sinne ist ein Team eine Gruppe von Mitarbeitern, die für eine beauftragte Arbeit ganzheitlich verantwortlich ist und die das Ergebnis ihrer Arbeit als Produkt oder Dienstleistung an einen internen oder externen Empfänger liefert.

Bei der Teambildung sollte Fachkompetenz nicht das einzige Kriterium sein. Darüber hinaus sollte analysiert werden, inwieweit die Chemie zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter untereinander stimmt. Somit können persönliche Unverträglichkeiten reduziert werden. Bei funktionierenden Teams sind Umbesetzungen denkbar und eine weitere erfolgreiche Teamarbeit möglich.[7]

Kriterien


Nach Mabey und Caird[8] werden Teams über folgende Hauptkriterien definiert:

In der Arbeitspsychologie wird der Teambegriff von manchen Autoren idealisiert. Sie sehen darin besonders arbeitsteilige und leistungsorientierte Arbeitsgruppen. Andere Autoren bestreiten die Möglichkeit einer wissenschaftlich sinnvollen Trennung der Begriffe „Team“ und „Gruppe“ (etwa Alexander Thomas).

In Unternehmen hat Teamarbeit inzwischen weithin Fuß gefasst. Dies ist damit begründet, dass auf Grund wachsender Komplexität, höheren Leistungsdrucks und immer besseren Zugangs zu Informationen mittels der Verbreitung elektronischer Medien in den Betrieben

Zur Entscheidungsqualität in Gruppen lässt sich festhalten:

Die Konzentration von Wissen und Entscheidungsmacht bei einigen wenigen überlebt sich zusehends. War bis vor kurzem nur von Mitarbeiterteams die Rede, so spricht man heute zunehmend auch von Managementteams, während in Projekten oft Kernteams gebildet werden.

Teamarbeit in Unternehmen


In Unternehmen hat sich Teamarbeit seit den späten 1970er Jahren zunehmend zu einer beliebten Form der Zusammenarbeit für verschiedene Aufgabenstellungen entwickelt, was sich auch in stark zunehmender Forschungstätigkeit zu Teams seit dieser Zeit niederschlug.[12] Vor allem aber komplexe Aufgaben, die vielfältiges Wissen voraussetzen, sollen von Teams bewältigt werden. Folgende Arten von Teams können u. a. differenziert werden:

Phasen der Teamentwicklung


Teams durchlaufen verschiedene Phasen. Das nachfolgende Modell, eines von mehreren ähnlichen Gruppenphasenmodellen, wurde 1965 von Bruce Tuckman entwickelt:[20]

Die Zeitdauer der Phasen kann nicht vorhergesagt werden, jedoch sind mehrere Monate für Teamentwicklung und Einarbeitung notwendig.[21][22]

Teamfähigkeit


Teamfähigkeit ist eine soziale Kompetenz und eine Schlüsselkompetenz. Teamfähigkeit ist das Vermögen von Personen, Arbeit effektiv und effizient in Gruppen verrichten zu können. Die Stärke der Ausprägung von Teamfähigkeit trägt zum Zielerreichungsgrad von Arbeitsgruppen bei.[23] Zur Teamfähigkeit gehören neben sozialen Fähigkeiten wie Interaktions-, Konfliktbewältigungs- und Kooperationskompetenz auch methodische Fähigkeiten wie Problemlösen, Planungs- und Organisationsfähigkeit. Außerdem müssen Teamhandlungen kritisch reflektiert werden, um den negativen Folgen eines zu ausgeprägten Gruppendenkens (englisch group thinking) vorzubeugen. Teamfähige Personen werden „Teamplayer“ genannt.

Das häufige Schlagwort in Stellenanzeigen beschreibt Fähigkeiten und Fertigkeiten, die das Individuum für das Zusammenarbeiten mit anderen braucht.[24][25]

Konflikte in Teams


Von einem Gruppenkonflikt bzw. Konflikt im Team wird gesprochen, wenn der Konflikt mehr als drei Beteiligte hat. Durch die Tendenz in Gruppen, Mitglieder rational und emotional gleichschalten zu wollen, begründet sich der Großteil der Konflikte. Insbesondere die Tatsache, dass Gruppen die Schnellen bremsen und die Langsamen motivieren, birgt nicht nur Vorteile, sondern Potential für Meinungsverschiedenheiten.[26]

Sicherheit und Stabilität wird innerhalb einer Gruppe durch Zugehörigkeit, Gemeinsamkeit und Loyalität erzeugt bzw. erhalten. Diese Aspekte müssen im Laufe der Zeit entwickelt werden und lassen sich durch Rituale, Belohnungs- aber auch Strafsysteme festigen. Werden sie in Frage gestellt, entsteht ein Gruppenkonflikt. Diese können in sechs Unterarten unterschieden werden:[27]

Redewendungen


Die Faustregel „There is no I in Team“ besagt, dass in einem Team alle gemeinsam an einer Aufgabenstellung mit einem gemeinsamen Arbeitsziel arbeiten sollen. Frei nach dem bekannten Motto: Jeder macht was er will. Keiner was er soll, aber alle machen mit.[28]

Im Englischen und Deutschen gibt es Akronyme: Das optimistische „Together Everyone Achieves More“ und das ironische „Toll, ein anderer machts.“[29][30]

Weblinks


Wiktionary: Team – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Team – Zitate

Literatur


Einzelnachweise


  1. Christopher Jahns, Team, in: Wolfgang Lück, Lexikon der Internen Revision, 2001, S. 317
  2. Duden online, Artikel Frauschaft , abgerufen am 16. Mai 2020
  3. Hervorhebungen im Original in: Christoph V. Haug: Erfolgreich im Team, 4. Auflage, Beck-Wirtschaftsberater im dtv, München 2009, S. 103 f. und 8, 6. ISBN 978-3-406-58226-4.
  4. Christopher Jahns, Teamstärke, in: Wolfgang Lück, Lexikon der Internen Revision, 2001, S. 317
  5. Christopher Jahns, Teamstärke, in: Wolfgang Lück, Lexikon der Internen Revision, 2001, S. 317
  6. Christoph V. Haug, Erfolgreich im Team, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2009, S. 13–15.
  7. Rolf Wunderer, Führung und Zusammenarbeit, 5. Auflage, München/Luchterhand Verlag, 2003, S. 147, ISBN 978-3472076070
  8. Christopher Mabey/Sally Caird, Building Team Effectiveness, Open University/Milton Keynes, 1999, S. 7 ff., ISBN 0-7492-9553-8
  9. a b James Surowiecki, Die Weisheit der Vielen, München, 2005
  10. Irving Janis, Victims of Groupthink: psychological study of foreign-policy decisions and fiascoes, 2nd edition, Boston/Houghton Mifflin, 1972
  11. Heinz Jiranek/Andreas Edmüller, Konfliktmanagement, München/Haufe Verlag, 2007
  12. Matthias Weiss/Martin Hoegl: The History of Teamwork’s Societal Diffusion: A Multi-Method Review. In: Small Group Research. Band 46, Nr. 6, S. 589–622.
  13. Martin Sulzbacher, Virtuelle Teams. Eine Möglichkeit, komplexe Aufgaben über Raum, Zeit und Organisationsgrenzen hinweg effektiv zu meistern?, Tectum Verlag/Marburg, 2003, S. 125 ff., ISBN 978-3-8288-8489-2
  14. Marty Brounstein, Erfolgreich Teams leiten für Dummies, Wiley-VCH Verlag/Weinheim, 2007, S. 37, ISBN 978-3-8349-1129-2
  15. Florian Schuhmacher/Roland Gschwill, Employer Branding. Human Resources Management für die Unternehmensführung, GWV Fachverlag/Wiesbaden, 2009, S. 126, ISBN 978-3527703265
  16. Florian Schuhmacher/Roland Gschwill, Employer Branding. Human Resources Management für die Unternehmensführung, GWV Fachverlag/Wiesbaden, 2009, S. 128, ISBN 978-3-8349-1129-2
  17. Marty Brounstein, Erfolgreich Teams leiten für Dummies, Wiley-VCH Verlag/Weinheim, 2007, S. 37 f., ISBN 978-3-8349-1129-2
  18. Martin Sulzbacher, Virtuelle Teams. Eine Möglichkeit, komplexe Aufgaben über Raum, Zeit und Organisationsgrenzen hinweg effektiv zu meistern?, Tectum Verlag/Marburg, 2003, S. 81, ISBN 978-3-8288-8489-2
  19. Marty Brounstein, Erfolgreich Teams leiten für Dummies, Wiley-VCH Verlag/Weinheim, 2007, S. 38, ISBN 978-3-8349-1129-2
  20. Bruce Wayne Tuckman: Developmental sequence in small groups, Psychological Bulletin 63, 1965, S. 384–399.
  21. Willy Christian Kriz/Brigitta Nöbauer, Teamkompetenz, 4. überarbeitete und erweiterte Auflage, Göttingen/Vandenhoeck & Ruprecht, 2008, S. 60–61.
  22. Christoph V. Haug, Erfolgreich im Team, 2009, S. 64 ff.
  23. Dieter Specht/Martin G. Möhrle (Hrsg.), Gabler Lexikon Technologie Management, 2002, S. 328
  24. Bettina Thöne-Geyer: Zur Vermittlungsproblematik sozialer Kompetenz in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung. (PDF, 152 kB) In: REPORT (27) 1/2004, Literatur- und Forschungsreport Weiterbildung. Wissenschaftliche Zeitschrift mit Dokumentation der Jahrestagungen der Sektion Erwachsenenbildung der DGfE. Bernd Dewe/Gisela Wiesner/Christine Zeuner, 2004, S. 164 – 170, abgerufen am 24. September 2015. ISBN 3-7639-1889-2, Report vollständig
  25. Werner Faix/Angelika Laier, Soziale Kompetenz. Das Potential zum unternehmerischen und persönlichen Erfolg, Wiesbaden/Gabler, 1991, S. 62, Zitat: „Soziale Kompetenz bedeutet demnach im menschlichen Miteinander: Das Ausmaß, in dem der Mensch fähig ist, im privaten, beruflichen und gesamtgesellschaftlichen Kontext selbständig, umsichtig und nutzbringend zu handeln.“
  26. Martin Schmidt, 25 Tipps für erfolgreiches Team-Management, Books on Demand GmbH, 2010, S. 75 ff., ISBN 3842328370
  27. Carola Bohren Meyer/Rita-Maria Züger Conrad, Konfliktbewältigung im Team – Leadership-Basiskompetenz, Theoretische Grundlagen und Methoden mit Beispielen, Praxisaufgaben, Repetitionsfragen und Antworten, 2., überarbeitete Auflage, Compendio Bildungsmedien AG, 2007, S. 27 ff., ISBN 978-3-7155-9336-4
  28. Aphorismen.de, Zitat
  29. acronymfinder.com, Together Everyone Achieves More
  30. Rheinische Post vom 11. Oktober 2010, Toll – ein anderer macht's?: Wie Sie Teamarbeit überleben , abgerufen am 3. März 2015









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Stand der Informationen: 26.04.2021 05:00:50 CEST

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