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Stachelbeere

Stachelbeere

Stachelbeere (Ribes uva-crispa)

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Steinbrechartige (Saxifragales)
Familie: Stachelbeergewächse (Grossulariaceae)
Gattung: Johannisbeeren (Ribes)
Art: Stachelbeere
Wissenschaftlicher Name
Ribes uva-crispa
L.

Die Stachelbeere (Ribes uva-crispa, Syn.: Ribes grossularia) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Ribes innerhalb der Familie der Stachelbeergewächse (Grossulariaceae). Sie besitzt ein weites Verbreitungsgebiet in Eurasien und Nordafrika. Die Sorten liefern Obst.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung


Erscheinungsbild und Blatt

Die Stachelbeere ist ein sommergrüner Strauch, der Wuchshöhen von 60 bis 100, oder manchmal bis zu 150[1] Zentimeter erreicht. Die dunklen Äste stehen sparrig ab oder hängen bogig über, besitzen eine abschilfernde Korkhaut und sind an den Knoten, unterhalb von Kurztrieben mit meist dreiteiligen (Variation von einteilig bis fünfteilig)[2] Stacheln (nicht Dornen) besetzt. Die Langtriebe sind mit einzeln stehenden, häufig nur haarförmigen Stacheln bedeckt.

Die an älteren Zweigen meist büschelig, an den im Sommer aus der obersten Kurztrieben entstehenden Langtrieben einzeln wechselständig stehenden Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die meist behaarte Blattspreite ist bei einer Länge von 1 bis 3 Zentimeter und einer Breite von 1 bis 5 Zentimeter tief handförmig und drei- bis fünflappig.[1]

Blüte und Frucht

Die Blütezeit liegt in Mitteleuropa etwa im April bis Mai. Die hängenden Blüten sitzen einzeln bis zu dritt in den Blattachseln.[1] In der Mitte der Blütenstiele sitzen zwei kleine Vorblätter.

Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der weich behaarte Blütenbecher ist grünlich bis rötlich.[1] Die grünlich bis rötlich gefärbten Kelchblätter sind bei einer Länge von 4 bis 7 Millimetern länglich und zurückgekrümmt.

Die hängende, meist anfangs behaarte und zuletzt kahle Beere[1] kann bei einem Durchmesser von 1 bis 3 Zentimetern länglich bis kugelig sein. Die Fruchtfarbe ist je nach Sorte grün, gelb bis purpurrot. Die Reifezeit der Früchte liegt in Mitteleuropa im Juli und August.

Chromosomensatz

Bei der Stachelbeere beträgt die Chromosomengrundzahl n = 8,[1] sie ist diploid also 2n = 16.[3]

Unterscheidung der Wildform und Gartenformen

Die Wildform (Ribes uva-crispa var. uva-crispa) unterscheidet sich von der Kulturform (Ribes uva-crispa var. sativum DC.) durch deutlich kleinere Früchte und eine kurze, weiche und drüsenlose Behaarung des Fruchtknotens, während der der Gartenstachelbeere drüsenborstig oder kahl ist. Die Unterscheidung der echten Wildformen von Sämlingen der Gartenstachelbeere ist schwierig bis unmöglich.[1]

Ökologie


Die Stachelbeere ist ein Flachwurzler. Die vegetative Vermehrung erfolgt durch Absenker von Seitenzweigen, die von Laub bedeckt sind. Die Stachelbeere hat nur eine Korkschicht als Periderm, daher fehlt eine Borke. Er bildet eine abiskuläre Mykorrhiza aus.[4]

Blütenökologisch handelt es sich um kleine, vorweibliche „Glockenblumen“ mit klebrigem Pollen. Der Zugang zum reichlich abgegebenen Nektar ist durch Griffelhaare mehr oder weniger versperrt. Die reife Narbe ist klebrig. Die Bestäubung erfolgt durch Fliegen und Bienen.[4]

Die Beeren gehen aus dem Fruchtknoten und dem Blütenboden hervor. Die Samen enthalten Chlorophyll und sind von einem schleimigen Samenmantel umgeben. Die Ausbreitung der Samen erfolgt durch Tiere, hauptsächlich Vögel, welche die Beeren fressen.[4]

Ein Schädling für Ribes-Arten ist der Rostpilz Cronartium ribicola, der auch fünfnadelige Kiefern-Arten, beispielsweise Pinus strobus befällt, aber Pinus peuce verschont.[4]

Vorkommen


Die Stachelbeere ist in fast ganz Europa verbreitet, nördlich geht sie bis 63 ° nördlicher Breite, in Südeuropa ist sie in den Gebirgen zu finden, außerdem wächst sie in Nordafrika, dem Kaukasus, Kleinasien und dem Himalaya, östlich kommt sie bis China vor. Durch die leichte Verwilderung und die schwierige Unterscheidung verwilderter Formen von der echten Wildpflanze ist die detaillierte, ursprüngliche Verbreitung nicht mehr feststellbar.

Die Stachelbeere wächst wild auf mäßig trockenen bis frischen nährstoff- und basenreichen, oft kalkhaltigen Standorten. Sie erträgt Schatten und kommt in Hecken, Gebüschen, Schlucht- und Bergwäldern, Auen und in Laubwäldern vor. Sie ist eine Charakterart der Ordnung Prunetalia, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Tilio-Acerion und Alno-Ulmion vor.[5] Häufig verwildert die Stachelbeere aus Gärten. In den Allgäuer Alpen steigt sie beim Sender auf dem Grünten in Bayern bis zu einer Höhenlage von 1700 Meter auf.[6]

Nahe verwandt ist Ribes sardoum U. Martelli, ein Endemit Sardiniens.[3]

Weltproduktion

2016 betrug die Welternte 174.000 Tonnen. Das Land mit der größten Stachelbeerenproduktion der Welt war Deutschland, das 47,6 % der weltweiten Ernte produzierte. Europa war für etwa 99,9 % der Welternte verantwortlich.[7]

Die zehn größten Stachelbeeren-Produzenten waren 2016:[7]

Produktionsland Menge in t
Deutschland Deutschland 82.869
 Russland 65.841
 Polen 12.462
 Ukraine 6.590
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich 2.500
 Tschechien 2.141
 Ungarn 614
 Belgien 570
Litauen Litauen 222
 Estland 125
Welt 174.309

Namen


In Teilen Österreichs sind u. a. auch die volkstümlichen Bezeichnungen Ågråsl,[8] Ogrosl (von 'agrassonièr okzitanisch),[8] Mei(t)schg(a)le und Mauchale (beide Kärnten),[9] Mugatze (Salzburg) und Mungatzen (Steiermark)[10] gebräuchlich. In der Schweiz gibt es die volkstümlichen Bezeichnungen Chrosle[11] oder Chruselbeeri.[11] Die Siebenbürger Sachsen (in Rumänien) sprechen vom Ägrisch. Im Westen der Pfalz heißen sie auch Druscheln. Die schweizerische Vereinigung für Vegetarismus führt auf ihrer Homepage noch die Bezeichnungen: Heckenbeere, Krausbeere, Krusebeere und Krusle als Synonyme auf.[12]

Früher wurde die Stachelbeere auch als Klosterbeere bezeichnet.

Das Artepitheton uva-crispa ist abgeleitet von den lateinischen Wörtern uva für „Traube“ und crispus für „kraus“. Unklar ist, ob damit auf die traubenförmigen Fruchtstände und die gelappten Blätter der Ribes-Arten Bezug genommen und dies auf die drüsenborstigen Früchte der Stachelbeere übertragen wurde oder ob die Ähnlichkeit der Frucht mit einer behaarten Weinbeere den Anlass gab. Das könnte auch die zahlreichen Varianten der Bezeichnung „Kräuselbeere“ erklären.[13]

Nutzung


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Die Stachelbeere wird etwa seit dem 16. Jahrhundert als Beerenobst angebaut. Zur Herauszüchtung der Gartenformen wurden teilweise weitere Arten eingekreuzt. Die zahlreichen, teilweise durch Einkreuzung anderer Arten entstandenen Gartenformen werden vegetativ vermehrt durch Absenker oder Veredelung, beispielsweise als Hochstämmchen, wobei dafür als Unterlage häufig die Gold-Johannisbeere (Ribes aureum) verwendet wird.

Die Früchte werden als Kompott und Kuchenbelag oder zur Marmeladenherstellung und Hausweinveredelung verwendet, häufig aber auch roh gegessen.

Sorten (Auswahl)

Inhaltsstoffe

100 g Stachelbeeren enthalten durchschnittlich:[18]
Energie Wasser Fett Kohlenhydrate Kalium Calcium Magnesium Phosphor Vitamin C Vitamin E Folsäure Carotin
184 kJ (44 kcal) 85,7 g 0,2 g 8,5 g 200,0 mg 30,0 mg 15,0 mg 30,0 mg 35,0 mg 0,6 mg 3,0 µg 0,2 mg

Anbau

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Die Stachelbeere kann wurzelecht oder als Veredelung als Halbstamm oder Hochstamm kultiviert werden. Halb- und Hochstämme erleichtern Pflegearbeiten und Ernte bei stark bedornten (meist bestachelt genannt) Sorten. Die Stachelbeere stellt keine besonders hohen Ansprüche an Boden und Klima; die Standorte sollen warm und nicht zu trocken sein. Die Stachelbeere benötigt regelmäßigen Schnitt im Frühjahr mit Auslichten und Einkürzen der Triebe. Bei der Sortenwahl sollte die unterschiedlich ausgeprägte Empfindlichkeit gegen den Amerikanischen Stachelbeermehltau berücksichtigt werden.

Kreuzung mit einer anderen Art


Eine Kreuzung von Stachelbeere (Ribes uva-crispa) mit der Schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum) ist die Jostabeere (Ribes ×nidigrolaria).

Quellen


Einzelnachweise


  1. a b c d e f g Ribes uva-crispa L., Stachelbeere. In: FloraWeb.de.
  2. Keipert, Konrad.: Beerenobst : angebaute Arten u. Wildfrüchte ; 93 Tab. Ulmer, Stuttgart 1981, ISBN 3-8001-5517-6.
  3. a b Jaakko Jalas, Juha Suominen, Raino Lampinen, Arto Kurtto: Atlas florae europaeae. Band 12 (Resedaceae to Platanaceae). Seite 234–235, Helsinki 1999, ISBN 951-9108-12-2.
  4. a b c d Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  5. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 494.
  6. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 664.
  7. a b FAOSTAT-Produktionsstatistik, aufgerufen am 25. Januar 2018 .
  8. a b Agrasel, das; -s, -n (ostösterreichisch mundartlich/mundartnah). – In: Birgit Eickhoff (Hrsg.): Duden – Das Synonymwörterbuch. 4. Auflage. CD-ROM-Ausgabe. Mannheim (u. a.) 2006, ISBN 3-411-04084-X, Lemma Stachelbeere, sowie
    Jakob Ebner: Duden – Wie sagt man in Österreich? Wörterbuch des österreichischen Deutsch. Duden-Taschenbücher, Band 8. 3., vollständig überarbeitete Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Wien (u. a.) 1998, ISBN 3-411-04983-9, S. 26.
  9. Heinz-Dieter Pohl: Kleines Kärntner Wörterbuch, 2. Auflage, Heyn, Klagenfurt 2007, S. 140, 142
  10. Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, Teil 28, S. Hirzel, 1977, S. 8.
  11. a b [Ähnlich:] Grusselbeere (landschaftlich). – In: Birgit Eickhoff (Hrsg.): Duden – Das Synonymwörterbuch. 4. Auflage. CD-ROM-Ausgabe. Mannheim (u. a.) 2006, ISBN 3-411-04084-X, Lemma Stachelbeere.
  12. Übersicht von Gisela Schmidt, "Feinschmecker-Fahrt:Guten Appetit", auf vegetarismus.ch
  13. Friedhelm Sauerhoff: Pflanzennamen im Vergleich. Studien zur Benennungstheorie und Etymologie, In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik, Beiheft 113, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2001, S. 124 ff.: Google-Book-online.
  14. a b „Stachelbeere“ In: Familienheim und Garten, Januar 2005.
  15. a b c bio-gaertner.de
  16. a b c d e f Bundessortenamt, Strauchbeerenobst, PDF-Datei, S. 104/105
  17. a b c d e Sortenempfehlung Johannisbeere, Stachelbeere, Jostabeere und Heidelbeere
  18. Interaktive Online-Berechnung der Universität Hohenheim. sämtliche Werte Analyse Ihrer eingegebenen Lebensmittel Uni Hohenheim?.

Weblinks


Commons: Stachelbeere (Ribes uva-crispa)  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien



Kategorien: Stachelbeergewächse | Beerenobst

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