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Städtebau

Der Städtebau befasst sich mit der Gestaltung von Gebäudegruppen, Siedlungen, Stadtteilen und insbesondere mit öffentlichen Räumen. Städtebau kann als Bezeichnung für die sichtbaren und gestalterischen Aspekte der Stadtplanung verstanden werden. Nach einem erweiterten Verständnis umfasst der Begriff des Städtebaues die „Gesamtheit der planenden, ordnenden und baulichen Maßnahmen zur räumlichen Gestaltung in Stadt und Land, die darauf gerichtet sind, in Durchsetzung gesellschaftspolitischer Ziele die Voraussetzungen für das Zusammenleben der Menschen in einer ihnen gemäßen Umwelt zu schaffen“.[1]

Inhaltsverzeichnis

Aufgaben


Zum Bau einer Stadt gehören unter anderem folgende Aspekte, die der „Städtebauer“ beachten muss:[2]

Geschichtliche Entwicklung


Städtebau gibt es, seit es planende Vorgänge zur Errichtung von Städten gab. Die ältesten bekannten Städte waren nach regelmäßigen Anordnungen angelegte Städte. Dies deshalb, weil nur durch sorgfältige Planung eine räumlich enge Zuordnung der einzelnen Teilbereiche bei zugleich geringem Bodenverbrauch möglich war. Dies war wiederum nötig, um keine zu großen Anlagen der Stadtbefestigung zu erhalten. Zu den ältesten geplanten Städten gehören Städte in China, Indien, Mesopotamien, Ägypten, die teilweise bis über 5000 Jahre alt sind.

Im damaligen Herrschaftsbereich des Römischen Reichs wurden von etwa 100 vor Chr. bis etwa 400 nach Chr. (Spätzeit der Republik und Römischen Kaiserzeit) zahlreiche neue Städte in Europa errichtet. Die orientalische Stadt des Mittelalters mit ihren labyrinthisch anmutenden Strukturen entwickelte sich vielfach auf der Basis einer regelmäßig angelegten antiken Planstadt, bei der, abgegrenzt durch alte Hauptarterien (Cardo, Decumanus) ethnische bestimmte Stadtviertel entstanden und öffentliche Gebäude funktionsmäßig obsolet wurden (z. B. Umnutzung von Theatern zu Festungen) und Nebengassen geschlossen wurden. Im europäischen Mittelalter kam es zu Stadtgründungen unter anderem durch Karolinger, Heinrich der Löwe, Herzöge von Zähringen sowie zur planvollen Urbanisierung der „Ostelbischen Räume“ durch Kaufleute (Lokatoren), die Hanse und den Deutschen Ritterorden.

In der Zeit der Renaissance und des Barock entstanden neue Städte als Fürstenresidenzen (Mannheim, Karlsruhe) und zur Entwicklung fürstlicher Territorien (z. B. Manufakturstädte zur Porzellanherstellung, Bergbaustädte, Verwaltungsstädte).

Im 19. Jahrhundert lag der Schwerpunkt bei den Stadterweiterungen; diese wurden notwendig durch die Industrialisierung, durch die Land-Stadtwanderung, durch den Eisenbahnbau (verbunden mit der Entwicklung der großräumigen Arbeitsteilung) und durch das starke Bevölkerungswachstum in großen Teilen Europas (z. B. in Deutschland). Bezeichnenderweise hieß das erste deutsche Städtebaubuch von Reinhard Baumeister 1876 deshalb auch Stadt-Erweiterungen. Ab 1902 hielt Cornelius Gurlitt als einer der ersten an einer Technischen Hochschule – nämlich an der TH Dresden – Vorlesungen zum Städtebau.

Im 20. Jahrhundert war zu Anfang die Gartenstadt ein wichtiges Thema. Weitere Aufgaben waren Stadterweiterungen. Die städtebaulichen Konzeptionen der Charta von Athen, die auf eine grundlegende Umgestaltung der existierenden Stadtstrukturen zielten, blieben, da sie einen Flächenabriss im Sinne von Le Corbusiers Plan Voisin voraussetzten, für die Stadtzentren im Wesentlichen Utopie. Nach dem Vorbild der britischen New Towns um London entstand allerdings die französische Konzeption der Ville nouvelle. In der Planung des neuen Frankfurt vollzog Ernst May planerisch den Übergang von dem geschlossenen Blockbau in den offenen Zeilenbau.[3] Neue Städte für die Industrieproduktion entstanden unter anderem in Deutschland, z. B. Salzgitter und Wolfsburg, in der früheren DDR Eisenhüttenstadt und neue Industriestädte in der früheren Sowjetunion. Zahlreiche Feuerstürme, von Bombern der Royal Air Force während des Zweiten Weltkriegs planvoll bei Luftangriffen auf deutsche Städte verursacht (z. B. 1943 in Hamburg und Dresdner Feuersturm) bestätigten Städteplaner und Militärs in ihrer Erkenntnis, dass man zur Vermeidung von Feuersbrünsten genug Grünflächen um Häuserzeilen oder Hochhäuser herum haben sollte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in Deutschland Großsiedlungen. Mit dem Instrument der Trabantenstadt wurde versucht, fehlenden Wohnraum außerhalb der traditionellen Städte zu konzentrieren. 1959 erschien das Buch Die autogerechte Stadt – Ein Weg aus dem Verkehrs-Chaos; das Konzept wurde beim Wiederaufbau vieler westdeutscher Städte realisiert, beispielsweise in Hannover, Köln und Kassel, aber auch in kleineren Städten wie Minden. Dabei wurde auch manches abgerissen (siehe auch Stadtsanierung) und städtische Strukturen zerschnitten.

Der Bau neuer Städte in den industriell entwickelten Ländern Europas und Amerikas ist kaum noch eine Aufgabe; in vielen anderen Ländern (zum Beispiel in Asien, speziell in China) wurden zahlreiche neue Städte gebaut. In den entwickelten Ländern treten Aufgaben der Stadterneuerung, der Modernisierung oder des Umbaus von Stadtbereichen vor allem in ehemals schwerindustriell geprägten Städten und Regionen wie dem Ruhrgebiet, den englischen Industriestädten – und der ökologische Städtebau, insbesondere unter dem Aspekt der Energieeinsparung, in den Vordergrund. Ein aktuelles Beispiel für den großräumigen und doch behutsamen Umbau einer ganzen Industrieregion ist das Ruhrgebiet. Dort wurden mit Hilfe der Internationalen Bauausstellung in den 1990er Jahren alte Industrie- und Zechenareale in neue Nutzungen übergeführt („Umnutzung“). Ähnliche Umbauprozesse laufen für die Braunkohlenabbaugebiete in der Lausitz („Lausitzer Braunkohlerevier“).

Nach dem Erkennen der strukturellen Fehler der vor allem seit der Moderne und der Charta von Athen entstandenen aufgelockerten Siedlungen (bzw. Trabantenstädte), kommt es seit den 1980er Jahren mit der Bewegung des Neuen Urbanismus (die u. a. mit Team 10 ihren Anfang nahm) zur Wiederentdeckung der Blockrandbebauung und Mischnutzung von Quartieren und damit städtischer Dichte. Demnach unterstütze diese früher durch die Siedlungsplaner beklagte urbane Bebauungsart die Vorzüge städtischen Lebens, in Verbindung mit gesunder sozialer und wirtschaftlicher Durchmischung und einer erheblichen Einsparung von Ressourcen (Anfahrtswege, Heizkosten, Infrastrukturkosten usw.) gegenüber den verschwenderischen Siedlungen.[4]

Verwandte Begriffe


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Zum Städtebau gehört begrifflich aber auch der Stadtumbau und die Stadterneuerung.

Vom Städtebau abzugrenzen ist der Begriff der Stadtplanung. Mit Stadtplanung wird zumeist die eher zweidimensional angelegte großräumige Planung der Städte bezeichnet. Dazu gehören in Deutschland aufgrund gesetzlicher Verpflichtung die Bauleitplanung (Flächennutzungsplan und Bebauungsplan), sowie Strukturpläne, Rahmenpläne, Stadtentwicklungsplan, aber auch beispielsweise die Verkehrs- und Straßenplanung. Man kann daher unter Stadtplanung den räumlich weiteren Oberbegriff und den Städtebau als jenes Feld verstehen, in dem die dritte Dimension einen erheblichen Anteil hat. In der Praxis konkurrieren die Begriffe miteinander. Stadtplanung in kleineren Städten umfasst die dritte Dimension stärker als die Stadtplanung für Großstädte.

Ausbildungsmöglichkeiten


Entsprechend den oben angeführten Begriffsunterschieden haben sich auch unterschiedliche Studienrichtungen an den Hochschulen entwickelt. Es gibt die Studiengänge Stadtplanung, Stadt- und Regionalplanung, Urban Design, Urbanistik und Raumplanung als eigenständige Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Städtebau und Stadtplanung im Rahmen des Architekturstudiums. Seit 1964 bot die Öffentliche Verwaltung daran anschließend zunächst nur für angehende Beamte ein Referendariat an.[5] Dieses Referendariat wird heutzutage auch als Führungsqualifikation für den Nachwuchs in der freien Wirtschaft angeboten.[6]

Siehe auch


 Portal: Planung – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Planung

Tätigkeitsgebiete:

im weiteren auch:

Instrumente:

Literatur


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Allgemein

Literatur zu den historischen Phasen des Städtebaus

Literatur zu Fragen des Städtebaues und der Stadtform:

Mittelalter

Absolutismus

19. Jahrhundert

Künstlerischer Städtebau

Städtebau der 1920er Jahre

Städtebau im Nationalsozialismus

Städtebau der Nachkriegszeit

Städtebau ab etwa 1980

Weblinks


Wikisource: Städtebau (1914) – Quellen und Volltexte

Quellen


  1. Begriff Bauleitplan und Bebauungsplan. (Nicht mehr online verfügbar.) In: JuraMagazin.de. JuraMagazin, ehemals im Original ; abgerufen am 1. März 2014. (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven i Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. Martin Korda: Städtebau: Technische Grundlagen. Teubner Verlag, 2005, ISBN 3-519-45001-1.
  3. Gottfried Kiesow: Städtebau mit Notbremse. Entwürfe für ein menschliches Wohnen. In: Monumente Online. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Dezember 2008, abgerufen am 1. März 2014.
  4. Charta des New Urbanism – deutsche Übersetzung der engl. Charter of the New Urbanism
  5. Leitfaden für den Vorbereitungsdienst der Referendare der Fachrichtung Städtebau, im Auftrag des Bundesministers für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Bonn - Bad Godesberg 1973, Seite 13
  6. 70 Jahre technisches Referendariat in Deutschland. In: Festschrift, Seite 7. Oberprüfungsamt für das technische Referendariat beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, November 2016, abgerufen am 23. Mai 2019.



Kategorien: Städtebau | Ingenieurwissenschaftliches Fachgebiet



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