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Sprachgebrauch in der DDR

Unter Sprachgebrauch in der DDR sind sprachliche Erscheinungen zusammengefasst, die in Lexik und Stilistik nur oder besonders in der Deutschen Demokratischen Republik gebräuchlich waren. Dieses betrifft sowohl Begriffe der Alltagssprache als auch staatlich definierte oder in den Medien verwendete Ausdrücke.

Der Begriff des DDR-Typischen


DDR-typisch kann ein Lexem oder Syntagma auf verschiedene Weise sein.

Begriffe, die nur im Gebiet der DDR Verwendung fanden

Lexeme in dieser Gruppe fanden in ihrer Form und Bedeutung nur in der DDR Verwendung. Zu dieser Gruppe gehören Wörter wie Broiler, Kombine, Plaste, Brigade, Traktorist, wobei teilweise eine Abgrenzung vom „West-Begriff“ beabsichtigt ist. Einige Wörter wie Brigade wurden zwar auch im übrigen deutschen Sprachraum verwendet, jedoch in gänzlich anderer Bedeutung oder im Sonderwortschatz.

DDR-typische lexikalische Einheiten

In der DDR wurden Wörter aus dem deutschen Sprachraum oft erst dadurch typisch, indem sie zu neuen Formen verbunden wurden und eine neue Bedeutung erhielten wie etwa Volk und Buchhandlung zu Volksbuchhandlung, Jugend und Leben zu Jugendleben, oder Held und Arbeit zu Held der Arbeit. Dabei waren die neuen Formen oft Übersetzungen aus dem Russischen. Beispiele dafür sind stennaja gaseta übersetzt zu Wandzeitung oder dom kultury übersetzt zu Haus der Kultur (später entwickelt zu Kulturhaus). Ein bekanntes Beispiel für die Übernahme aus dem Russischen war auch die massenpolitische Arbeit, die statt der politischen Massenarbeit gesetzt wurde, da im Russischen Wortzusammensetzungen eher durch adjektivische Zusätze gebildet werden.

DDR-typische Bildungen

Diese Kollokationen sind oft für die DDR entstanden als typische Schlagworte und Begriffe durch die eigenartige Verknüpfung von Verben mit Präposition und Substantiven. Ein Beispiel ist das bekannte Verb delegieren, das in die DDR-typische Form mit Präposition und Substantiv zu zum Hochschulstudium delegieren geformt wurde.

Ideologische Neufärbung von Begriffen

Etablierte Begriffe wie Bodenreform wurden zum Beispiel durch Ergänzungen in eine bestimmte ideologische Form gebracht. Bodenreform … demokratische Umgestaltung auf dem Lande … entstanden Volkseigene Güter. Bestimmte Begriffe wurden entsprechend der Ideologie der SED fest definiert, so zum Beispiel wurde fortschrittlich im Sinne für den Sozialismus eintreten verwendet; parteilich verstand man im Sinne von für den Sozialismus, im Sinn der sozialistischen Partei.

DDR-typischer Wortschatz

In der DDR haben sich auch Wörter und Redewendungen erhalten, die in der Bundesrepublik durch die dortige sprachliche Entwicklung durch neue Formen ersetzt wurden. Zu diesen traditionellen in der DDR verwendeten Lexemen gehörte die briefliche Anrede mit wert: Werte Kollegin, Werter Herr, Werter Bürger oder auch Aktendulli (verdrängt durch den Begriff Heftstreifen) und Anrichte.[1]

Liste DDR-typischer Wörter und Neuschöpfungen


Die folgende Liste, die sich als alphabetische Sammlung versteht, enthält gemischte Begriffe, die noch weiter unterschieden werden können.

Zeitliche, örtliche und situative Unterschiede, in welchem Sinn die Begriffe gebraucht wurden, sind außerdem möglich.

Für Abkürzungen siehe Liste von Abkürzungen (DDR). Für Markennamen siehe Liste von Markennamen und Produkten in der DDR.

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

A

(zum nächsten Buchstaben – B)

B

(zum nächsten Buchstaben – C) . . . (zum Anfang der Liste)

C

(zum nächsten Buchstaben – D) . . . (zum Anfang der Liste)

D

(zum nächsten Buchstaben – E) . . . (zum Anfang der Liste)

E

(zum nächsten Buchstaben – F) . . . (zum Anfang der Liste)

F

(zum nächsten Buchstaben – G) . . . (zum Anfang der Liste)

G

(zum nächsten Buchstaben – H) . . . (zum Anfang der Liste)

H

(zum nächsten Buchstaben – I) . . . (zum Anfang der Liste)

I

(zum nächsten Buchstaben – J) . . . (zum Anfang der Liste)

J

(zum nächsten Buchstaben – K) . . . (zum Anfang der Liste)

K

(zum nächsten Buchstaben – L) . . . (zum Anfang der Liste)

L

(zum nächsten Buchstaben – M) . . . (zum Anfang der Liste)

M

(zum nächsten Buchstaben – N) . . . (zum Anfang der Liste)

N

(zum nächsten Buchstaben – O) . . . (zum Anfang der Liste)

O

(zum nächsten Buchstaben – P) . . . (zum Anfang der Liste)

P

(zum nächsten Buchstaben – R) . . . (zum Anfang der Liste)

R

(zum nächsten Buchstaben – S). . . (zum Anfang der Liste)

S

(zum nächsten Buchstaben – T) . . . (zum Anfang der Liste)

T

(zum nächsten Buchstaben – U). . . (zum Anfang der Liste)

U

(zum nächsten Buchstaben – V) . . . (zum Anfang der Liste)

V

(zum nächsten Buchstaben – W) . . . (zum Anfang der Liste)

W

(zum nächsten Buchstaben – Z) . . . (zum Anfang der Liste)

Z

(Offizielle Redewendungen) . . . (zum Anfang der Liste)

Offizielle Redewendungen


Losungen und Schlagworte


Losungen zum Ersten Mai und anderen Demonstrationen wurden vorgegeben. Dazu wurden in der Zeitung offizielle Listen veröffentlicht, aus denen Losungen für mitgeführte Transparente gewählt werden konnten. Losungen fanden weiterhin zum Beispiel Verwendung zu Parteitagen, in Programmen zur Erfüllung der Planziele, an Gebäuden über Wandzeitungen.

Beispiele von Losungen und Schlagworten:

Manchmal wurden solche Losungen auch ironisch verwendet, zum Beispiel das Zitat Aus unseren Betrieben ist noch viel mehr rauszuholen von Walter Ulbricht, der die Erhöhung der Arbeitsproduktivität gemeint hatte. Umgangssprachlich war jedoch damit der Diebstahl von Material und Werkzeugen in den Betrieben durch Arbeiter und Angestellte gemeint, die aufgrund der schlechten Versorgungslage die gestohlenen Dinge tauschten, verkauften oder selbst nutzten.[19]

In der Wendezeit 1989 aber erfanden Demonstrationsteilnehmer selbst sehr treffende, zum Teil ironische und sarkastische Losungen. Losungen wie „Wir sind das Volk!“, und „Keine Gewalt“ begleiteten die friedliche Revolution. Andere Losungen waren zum Beispiel „Stasi in die Produktion!“ (gemeint war, sie sollten arbeiten) und „Wir sind ein Volk!“ (zeitlich nach „Wir sind das Volk!“ Ende 1989/Anfang 1990).

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Ortsnamen


Ortschaften erhielten gelegentlich offizielle Namenszusätze

oder wurden, meist politisch motiviert, umbenannt:

Projektionsworte


Von westlichen Medien als angebliche DDR-Idiomatismen verwendet, aber in der DDR nie Sprachgut oder völlig unbekannt:

Kabarettistische Schöpfungen


Siehe auch


Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Sabine Schroeter: Die Sprache der DDR im Spiegel ihrer Literatur. Studien zum DDR-typischen Wortschatz. Gruyter, 1994, ISBN 3-11-013808-5.
  2. a b c d e Wörterbuch der Ökonomie des Sozialismus, Dietz Verlag Berlin, 2. Auflage 1969
  3. Matthias Wyssuwa: Staatlich geprüfte Rapper In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. November 2009, S. 9.
  4. Birgit Wolf: „Sprache in der DDR“, de Gruyter, Berlin, New York, ISBN 978-3-11-016427-5, S. 166
  5. Gerhard Strauß, Ulrike Haß, Gisela Harras: Brisante Wörter von Agitation bis Zeitgeist. Ein Lexikon zum öffentlichen Sprachgebrauch. de Gruyter, Berlin, New York 1989, ISBN 3-11-012078-X (= Schriften des Instituts für deutsche Sprache Band 2), S. 385 f.
  6. DIE ZEIT 08/1997: Wilde Nächte im Heu
  7. Thomas Grossbölting: Friedensstaat, Leseland, Sportnation? DDR-Legenden auf dem Prüfstand, Ch. Links Verlag 2009, S. 181 online
  8. Jensen Zlotowicz: Ausstellung "Trinkkultur in der DDR" in Jena polarisiert. In: Thüringische Landeszeitung. tlz.de, 24. April 2014, abgerufen am 8. Dezember 2015.
  9. Prenaband beim Deutschen Historischen Museum
  10. Frank Thomas Grub: „Wende“ und „Einheit“ im Spiegel der deutschsprachigen Literatur. Ein Handbuch. Band 1: Untersuchungen. De Gruyter, Berlin und New York 2003, S. 114.
  11. „Schwindelkurs“
  12. Artikel 10 der Verfassung der DDR 1974
  13. Politische Ökonomie des Sozialismus und ihre Anwendung in der DDR, Dietz Verlag Berlin 1969, Seite 481 ff.
  14. Günter Dietrich Schmidt (1987): Zielstellung. Zu Gebrauch und Herkunft eines DDR-spezifischen Wortes. In: Muttersprache 1–2/97. S. 37–41 – Wiesbaden: Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), 1987. (Muttersprache 1–2/97)
  15. Peter Von Polenz Deutsche Sprachgeschichte 3 vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart
  16. Antje Buer, „Sprache in der DDR“ und „Sprache der Wende“ als Gegenstandsbereiche der Sprache- und Politikforschung Seite 30 (PDF; 138 kB)
  17. Astrid Stedj (2007) Deutsche Sprache gestern und heute: Einführung in Sprachgeschichte und … Seite 211
  18. Thorsten Roelcke: Geschichte der deutschen Sprache. 2011, S. 66 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  19. Neues Deutschland vom 3. Februar 2009, abgerufen am 21. Juli 2010



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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachgebrauch in der DDR (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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