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Spiegelau




Wappen Deutschlandkarte

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Freyung-Grafenau
Höhe: 759 m ü. NHN
Fläche: 47,05 km2
Einwohner: 3887 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 83 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 94518, 94481
Vorwahl: 08553
Kfz-Kennzeichen: FRG, GRA, WOS
Gemeindeschlüssel: 09 2 72 149
Gemeindegliederung: 33 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Konrad-Wilsdorf-Straße 5
94518 Spiegelau
Website: www.gemeinde-spiegelau.de
Bürgermeister: Karlheinz Roth (CSU Bayern)
Lage der Gemeinde Spiegelau im Landkreis Freyung-Grafenau

Spiegelau ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau und ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Inhaltsverzeichnis

Geografie


Geografische Lage

Die Gemeinde liegt in der Region Donau-Wald inmitten des Bayerischen Waldes und unmittelbar am Nationalpark Bayerischer Wald. Nach Grafenau sind es acht Kilometer, nach Freyung 26 km, nach Zwiesel 20 km und nach Passau 48 km. Zum tschechischen Grenzübergang Bayerisch Eisenstein oder zum Grenzübergang Philippsreut fährt man jeweils 35 km. Der Ort besitzt einen eigenen Bahnhof an der Bahnlinie Zwiesel–Grafenau der Bayerischen Waldbahn, die im Zweistundentakt bedient wird.

Nachbargemeinden

Gemeindegliederung

Es gibt 33 Ortsteile[2]:

  • Holzhammer
  • Holzmühle
  • Jägerfleck
  • Kirchenberg
  • Klingenbrunn
  • Kronreuth
  • Langdorf
  • Luisenfels
  • Reuteck
  • Ringen
  • Sommerau
  • Spiegelau
  • Steinbüchl
  • Winkelhof
  • Winkelmühle
  • Winkelreuth

Es gibt die Gemarkungen Klingenbrunn und Oberkreuzberg.

Geschichte


Bis zum 19. Jahrhundert

Der Ort, dessen Geschichte mit der Glas- und Holzwirtschaft eng verbunden ist, entstand aus einer Glashütte. 1521 wurde die Glashütte Spiegelau zum ersten Mal urkundlich erwähnt und im Jahr 1568 in der 'Karte von Bayern' des Philipp Apian als Spiegelfabrik eingezeichnet. Der Glashüttenhof, das Anwesen des Hüttenmeisters mit Landwirtschaft und allen anderen Wirtschaftsgebäuden stand in Klingenbrunn und verblieb dort bis zur Auflösung 1832. Die Standorte der eigentlichen Glashütte, wo das Glas erschmolzen und geformt, wurde wechselten zwischen Ochsenkopf, Althütte, Neuhütte und Spiegelau. Nach der Stilllegung der Glashütte Spiegelau im 17. Jh. bestand das nahezu verwaiste Anwesen als Spiegelaumühle weiter.

Erst 1839 errichtete Anton Hellmayer in Spiegelau wieder eine Glashütte, die 1842 von Anton Stangl aus Zwiesel ersteigert wurde. Nun begann eine neue Blüte der Glasproduktion. Im Jahr 1860 wurde eine Kapelle eingeweiht.[3] Später errichteten Industrielle aus Bayern und Sachsen in Spiegelau Fabriken für Holzverarbeitung und Pappenherstellung. Nach der Jahrhundertwende ging der Aufschwung weiter. Für den Transport des reichlich vorhandenen Holzes in den umliegenden Wäldern wurde ab 1900 eigens eine Schmalspurbahn, die Spiegelauer Waldbahn, gebaut.

20. und 21. Jahrhundert

Am 31. Oktober 1901 konnte die evangelische Martin-Luther-Kirche eingeweiht werden. Unternehmer und leitende Angestellte aus Sachsen und Oberfranken, die in Spiegelau sesshaft geworden waren, initiierten ihre Erbauung oberhalb der Villa des damaligen Fabrikbesitzers Petzold. Die erste Schule in Spiegelau wurde 1902 erbaut. 1908 wurde der Saal einer Gaststätte zur Notkirche bestimmt. Am 14. Dezember 1916 folgte nach zweijähriger Bauzeit die Weihe der neubarocken katholische Kirche St. Johannes der Täufer. Der Architekt Hans Schurr errichtete das Bauwerk. Die katholische Kirche erhielt 1967 bis 1970 nach einer Umgestaltung eine vorwiegend moderne Ausstattung.

1919 erwarb das Nürnberger Unternehmen Bing die seit 1913 stillgelegte Glashütte. Als Geschäftsführer wurde Fritz Pretzfelder, (geb. 5. Januar 1878 in Nürnberg) tätig. Dieser erwarb die Glashütte 1926, wandelte sie in eine GmbH um (Kristallglasfabrik Spiegelau GMBH) und modernisierte sie. Die Glasfabrik wurde zum größten Arbeitgeber Spiegelaus. 1939 wurde die Fabrik der Familie Pretzfelder zugunsten der Herren Paul Beate und Hans von Schöppenthau abgepresst („arisiert“).

1949 erhielt die Familie ihr Eigentum zurück und führte sie mit seinem Direktor Willy Danzmann zu neuer Blüte. 1953 erhielt Kommerzienrat Fritz Pretzfelder die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde. Am 21. Februar 1958 wurde ihm für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz I. Klasse verliehen. Nach dem Tod Fritz Pretzfelders 1961 und Willy Danzmanns 1962 wurde die Kristallglasfabrik verkauft. Unter verschiedenen Besitzern ging es wirtschaftlich auf und ab, bis die Produktion in Spiegelau vom heutigen Eigentümer, dem österreichischen Unternehmen Riedel Glas im Jahr 2008 eingestellt wurde.

Spiegelau, das zunächst Ortsteil von Oberkreuzberg und dann von Klingenbrunn war, wurde allmählich größer als die älteren Orte der Umgebung. Am 14. August 1959 änderte man den Namen der Gemeinde Klingenbrunn in Spiegelau. Dadurch wurde Spiegelau zum Hauptort, und Klingenbrunn und Oberkreuzberg wurden Ortsteile der neu entstandenen Gemeinde.

Heute wird die Glasmachertradition mit der Einrichtung eines Technologiezentrums für Heißglastechnologie der FH Deggendorf (z. B. Präzisions-Blankpress-Verfahren für optische Linsen) weiter geführt.[4]

Eingemeindungen

Am 1. Januar 1978 wurde die bisher selbständige Gemeinde Oberkreuzberg eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kamen Teile der Gemeinde Sankt Oswald hinzu.[5] Am 1. Januar 2014 wurde das gemeindefreie Gebiet Klingenbrunner Wald im Westen mit einer Fläche von 661,71 Hektar eingemeindet.

Einwohnerentwicklung

Zwischen 1988 und 2018 sank die Einwohnerzahl von 4.024 auf 3.887 um 137 Einwohner bzw. um 3,4 %.

Jahr Einwohner
1961 4314
1970 4379
1987 4064
1991 4224
1995 4329
2000 4212
2005 4119
2010 3947
2015 3864

Politik


Bürgermeister

Bürgermeister bis zur Kommunalwahl 2014 war Josef Luksch (SPD). Seit 2014 bekleidet Karlheinz Roth (CSU) das Bürgermeisteramt.

Wappen

Die Wappenbeschreibung lautet: In Silber ein blauer Balken, im Ganzen belegt mit einem rot gerahmten silbernen Handspiegel mit rotem Griff.

Kultur und Sehenswürdigkeiten


Museen

Baudenkmäler

Bodendenkmäler


Wirtschaft und Infrastruktur


Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft

Im Jahre 1997 eröffnete Bundeskanzler Helmut Kohl in Spiegelau die Glasstraße. Diese neue deutsche Ferienstraße führt von Neustadt an der Waldnaab über Spiegelau bis nach Passau und zeigt die Vergangenheit und Gegenwart des Glases entlang dieser Fahrtroute.

Es gab 1998 im Bereich der Land- und Forstwirtschaft keine, im produzierenden Gewerbe 569 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 239 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1354. Im verarbeitenden Gewerbe gab es einen, im Bauhauptgewerbe fünf Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 42 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 399 ha. Davon waren 8 ha Ackerfläche und 391 ha Dauergrünfläche.

Die Holzindustrie verschwand nahezu, die Kristallglasfabrik stellte 2008 die Produktion ein. Nur noch der Tourismus und wenige Betriebe im Ort bieten Arbeitsplätze.

Bildung

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2004):

Aufgrund sinkender Schülerzahlen wurde ab dem Schuljahr 2006/07 die Volksschule aufgelöst und in eine Grundschule umgewandelt. Für die Mittelschule besteht ein Schulverbund mit den Gemeinden Riedlhütte und Neuschönau (Paul-Friedl-Mittelschule, Riedlhütte).

Verkehr

Spiegelau ist durch die Staatsstraße 2132 mit Grafenau und Frauenau verbunden. Zudem führt die Staatsstraße 2129 über Eppenschlag zur B 85; Kreisstraßen führen in die Nachbargemeinden Kirchdorf im Wald, Schönberg (Niederbayern), Sankt Oswald-Riedlhütte und Neuschönau.

Spiegelau ist in das „Igelbus“-System des Nationalparks „Bayerischer Wald“ eingebunden und dabei ein bedeutender Knotenpunkt. Daneben gibt es den Bahnhof Spiegelau an der zweistündlich bedienten Bahnstrecke Zwiesel–Grafenau.

Im Gemeindegebiet Spiegelau gilt das Bayerwald-Ticket. Seit dem 1. Mai 2010 ist die Gemeinde neben weiteren Bayerwaldgemeinden an dem GUTi – Gästeservice Umwelt-Ticket beteiligt, das seinen Gästen kostenlosen Beförderung auf allen Bahn- und Busverbindungen im Bayerwald-Ticket-Tarifgebiet anbietet.

Persönlichkeiten


Literatur


Weblinks


Commons: Spiegelau  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Spiegelau in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 5. Januar 2018.
  3. Franziska Jungmann-Stadler: Grafenau: die Gerichte Bärnstein, Diessenstein und Hals. Kommission für bayerische Landesgeschichte, 1992, S. 13 (Digitalisat http://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Fbooks.google.de%2Fbooks%3Fid%3DR-xKAAAAYAAJ%26q%3Dhauswald%2Bwaldkapelle%2Bspiegelau%26dq%3Dhauswald%2Bwaldkapelle%2Bspiegelau%26hl%3Dde%26sa%3DX%26ved%3D0ahUKEwiAvNqt2pjRAhWMNlAKHc_EBp4Q6AEIKDAA~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D)
  4. Homepage des Technologieanwenderzentrums Spiegelau der FH Deggendorf
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 627 und 628.
  6. Bundeszentrale für politische Bildung: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1; Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 1995; ISBN 3-89331-208-0, S. 193



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