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Spessart



Dieser Artikel behandelt das Mittelgebirge Spessart. Für weitere Bedeutungen siehe Spessart (Begriffsklärung).
Spessart

Übersichtskarte Spessart

Spessart bedeutet „Spechtswald“

Höchster Gipfel Geiersberg (586 m ü. NHN)
Lage Bayern, Hessen
Teil des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes
Koordinaten 50° 0′ N, 9° 25′ O
Typ Mittelgebirge
Gestein vorwiegend Buntsandstein
Fläche 2.440 km²

Der Spessart ist ein Mittelgebirge zwischen Vogelsberg, Rhön und Odenwald in Bayern und Hessen. Er umfasst das größte zusammenhängende Gebiet aus Laubmischwäldern in Deutschland und liegt nördlich des die Grenze zum Odenwald bildenden Mains – etwa 55 km ostsüdöstlich von Frankfurt und 40 km westnordwestlich von Würzburg. Die höchste Erhebung ist mit 586 m ü. NHN[1] der Geiersberg im Hohen Spessart.

Inhaltsverzeichnis

Name


Der Name leitet sich aus Specht und Hardt („Bergwald“) her, steht so für Spechtswald.[2] Er ist im Jahr 839 belegt als Spehteshart, um 1000 als Speshart. Der Name kommt auch in der Schreibweise Spechteshart vor.[3] Daneben kann auch ein römischer Namensursprung angenommen werden. Demnach wäre Spessart eine Zusammenziehung der lateinischen Wörter spissa et ardua silva, was etwa übersetzt werden könnte mit dichter und beschwerlicher Wald.[4]

Geografie


Lage

Der Spessart wird im Wesentlichen durch drei Flüsse eingefasst: vom Main zwischen Gemünden und Hanau, von der Kinzig im Norden und von der Sinn im Nordosten. Merkspruch: „Kinzig, Sinn und Main schließen rings den Spessart ein.“ Er erscheint als waldiges Massengebirge mit abgerundeten Kuppen, die sich nur wenig über die Gesamthöhe erheben. Die unteren Abhänge sind besiedelt oder landwirtschaftlich genutzt, auf den Höhen bedecken Eichen- und Buchenwälder den Spessart.

Der Hauptrücken zieht sich von Miltenberg im Süden 75 km lang nach Norden bis zur Gegend von Schlüchtern. Die Höhen der Gipfellagen liegen zwischen etwa 450 und 586 m ü. NHN, und die höchste Erhebung ist der Geiersberg mit dem Sender Breitsol bei Rohrbrunn.

Die Geishöhe, offiziell Oberwintersbach (Ortsteil von Dammbach), ist mit 521 m ü. NHN Höhe die höchstgelegene Besiedelung im Spessart. Die Ortschaft Heinrichsthal im Nordspessart ist mit 436 m ü. NHN Höhe die höchstgelegene selbständige Gemeinde im Spessart.

Die bedeutendsten unter den zahlreichen Bächen des Spessarts sind Sinn, Jossa, Lohr, Hafenlohr, Haslochbach, Elsava, Aschaff, Kahl, Bieber und Orb. Siehe dazu auch die Liste der Flüsse im Spessart.

Geologie

Der Untergrund des Spessarts besteht besonders in seinem westlichen Teil (Vorspessart) bis östlich Aschaffenburg aus Diorit, verschiedenen Arten von Gneis und Glimmerschiefer. Es gibt um Aschaffenburg auch gangartige Vorkommen an Spessartit, die aber in der Regel bereits in kleinen Steinbrüchen abgebaut wurden und heute kein Material mehr liefern. Meist besteht der Untergrund aber aus Buntsandstein, der die kristallinen Gesteine überlagert. Ganz im Südosten sind noch Muschelkalkrelikte erhalten. Im Norden liegen unter dem Buntsandstein auch Ablagerungen aus dem Perm (Rotliegendes und Zechstein). Zechsteinkalk und Dolomit wurden früher zum Beispiel bei Altenmittlau und Feldkahl gewonnen.

Bergbau

Ebenfalls im Norden des Spessarts wurden im Zechstein kleinere Eisen- (Bieber, bis 1925) und Manganvorkommen (im Ersten Weltkrieg) abgebaut. Bei Bieber wurde über längere Zeit (besonders im 18. Jahrhundert bis 1806) auch der hier den Kupferschiefer vertretende geringmächtige Kupferletten gewonnen, der geringe Mengen Kupfer, Blei und Silber führt. Mit Siderit, Baryt und fallweise Co-Ni Arseniden (z. B. Skutterudit, sogar gediegener Wismut) vererzte Verwerfungen wurden im Bieberer Lochborn bis etwa 1867 zur Gewinnung von blauen Keramikfarben abgebaut. Erzführung war aber nur unter- und oberhalb des Kupferlettens verbreitet. Ein kleines deszendentes Kupfervorkommen (Bornit etc.) bei Sommerkahl leitet seinen Kupfergehalt vermutlich ebenfalls aus dem Kupferletten ab. Verbreiteter waren gangförmige Barytlagerstätten (Schwerspat), die auch im Buntsandstein auftreten (z. B. Partenstein, im Westen z. B. bei Waldaschaff).[5]

Siehe auch: Liste von Bergwerken im Spessart

Ausdehnung

Seine äußersten Verzweigungen erstrecken sich bis Hanau, Schlüchtern und ins Sinntal. Er erstreckt sich über 2440 km² Fläche, davon gehören zu Bayern 1710 km², zu Hessen 730 km². Das Mainviereck bezeichnet den südlichen Teil des Spessarts mit den vier Eckpunkten Lohr, Wertheim, Miltenberg und Aschaffenburg.

Nachbarlandschaften

Der Main trennt den Spessart im Osten von der Fränkischen Platte und im Süden und Westen vom Odenwald. Der Spessart wird im Nordwesten durch die Kinzig vom den Vogelsberg säumenden Büdinger Wald und im Nordosten durch die Sinn vom Süden der Rhön und der sich südlich anschließenden Südrhön geschieden. Dabei sind Odenwald, Büdinger Wald und Südrhön dem Spessart ähnliche Landschaften und bilden mit ihm zusammen die naturräumliche Großregion Odenwald, Spessart und Südrhön.

Gliederung

Die wesentlichste Untergliederung des Spessarts ist jene zwischen dem älteren Grundgebirge und dem deutlich mehr Fläche einnehmenden Buntsandstein-Anteil.

Landläufige Gliederung

Landläufig wird als Spessart die orografisch definierte Berglandschaft zwischen der Kinzig im Norden, dem Main im Westen und Süden und der Sinn im Osten angesehen. Als weitere Untergliederung wird nicht selten der gut 120 Jahre alte Text aus Meyers Konversations-Lexikon zitiert:

„Der äußere Saum längs des Mains, namentlich im Westen, wird als Vorspessart, das innere, aus dicht zusammenschließenden Bergen bestehende Waldgebirge, welches keine breite Bergebene aufweist, als Hochspessart und die plateauartige Absenkung gegen die Kinzig und Kahl hin, welche auch das sogen. Orber Reisig, mehrere mit Eichengebüsch bedeckte Anhöhen bis zur Stadt Bad Orb, umfasst, als Hinterspessart bezeichnet.“

Meyers Konversationslexikon 1888/89

Die hier als „Hinterspessart“ beschriebene Landschaft fasst indes geologisch recht verschiedene Gebiete zusammen. Sie wird auch in der Fachliteratur und auf Karten nicht verwendet.

Naturräumliche Gliederung

Der Spessart bildet geologisch eine Einheit mit dem sich südwestlich anschließenden Odenwald, dem nordwestlich angrenzenden Büdinger Wald am Fuße des Vogelsbergs und der im Nordosten abzweigenden Südrhön, der südwestlichen Abdachung der Rhön. Er gliedert sich in den, den Großteil der Fläche einnehmenden, Sandsteinspessart und den Vorderen Spessart im Westen, unmittelbar östlich des Mains zwischen Aschaffenburg und Hanau, welcher bei Hanau jedoch vom Sandsteinspessart umsäumt wird. Im Vorderspessart steht älteres Grundgebirge an, im Sandsteinspessart Buntsandstein.

Als naturräumliche Südgrenze des Sandsteinspessarts zum Sandsteinodenwald wird nicht exakt das Maintal angesehen. Vielmehr wird im östlicheren Süden die Wertheimer Hochfläche,[6] ein durch den Unterlauf der Erf von der Mündung flussaufwärts bis westlich Külsheims und ab dort von einer West-Ost-Linie bis zur Tauber separierter, kleinerer Teil südlich des Mains noch hinzu gerechnet, wodurch nach jener Definition auch Baden-Württemberg einen kleinen Anteil am Spessart hätte. Überdies liegt ein weiterer kleiner, nicht mit dem Odenwald verbundener Teil des Sandsteinspessarts, das Massenbucher Spessartvorland südlich Gemündens, links des Mains.

An der Westflanke des orographischen Spessarts wird wiederum ein kleiner Teil der Landschaft zwischen Kahl, Rodenbach und Gelnhausen, das Nordwestliche Spessartvorland, bereits zur Haupteinheitengruppe des Oberrheingrabens gezählt.

Der Spessart gliedert sich naturräumlich wie folgt:[7][8]

Landkreise

Folgende Landkreise und kreisfreie Städte haben Anteil am Spessart:

Geschichte


Der Spessart hat eine wechselvolle Geschichte. Zunächst war er als Reichswald ein königlicher Bannforst und diente den römisch-deutschen Wahlkönigen als Jagdrevier, in dessen Nähe sie ihre Königspfalzen Gelnhausen und Seligenstadt errichteten. In der Folge waren lange Jahrhunderte die Mainzer Kurerzbischöfe die Landesherren. Erst ab dem 12. und 13. Jahrhundert duldeten sie die Besiedlung des Spessarts. Manche Siedlungen wie Grubingen erlangten regionale Bedeutung, verschwanden jedoch später wieder.

Der Spessart wurde immer von außen regiert. So wurde er beherrscht durch das Erzbistum Mainz, das Hochstift Würzburg sowie einige kleinere Herrschaften, wie zum Beispiel die Grafen von Rieneck. Die politische Zersplitterung ohne grenzübergreifende Strafverfolgung begünstigte das Aufkommen von Räuberbanden. Belegt sind die Spessarträuber am Anfang des 19. Jahrhunderts, denen Wilhelm Hauff 1827 mit der Erzählung Das Wirtshaus im Spessart und Kurt Hoffmann 1958 mit dem gleichnamigen Film ein Denkmal setzten.

In der Umbruchzeit um den Zusammenbruch des Heiligen Römischen Reiches erlebte das Räuber(un-)wesen im Spessart einen letzten Höhepunkt. Nach Neuordnung der Territorien und mit wirksamerer Verwaltung wurde das Räuberproblem in kürzester Zeit bereinigt.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss endete 1803 das Kurfürstentum Mainz, der Spessart kam zum Fürstentum Aschaffenburg, später dann zum Großherzogtum Frankfurt. Schließlich wurden Großteile dem Königreich Bayern zugeschlagen. Aber auch heute noch ist der Spessart aufgeteilt in vier Landkreise in zwei Bundesländern.

Der Spessart verfügte neben einer wenig ertragreichen Landwirtschaft über Ressourcen wie Holz, Wasserkraft, Salz, Erze und Mineralien. Diese Faktoren bildeten die Grundlage für Köhler, Töpfer, Eisenhämmer und Bergwerke. 1795 kaufte Georg Ludwig Rexroth den Höllenhammer im Elsavatal und produzierte Eisenartikel für Landwirtschaft und Handwerk. Nach Umzug nach Lohr entwickelte sich daraus ein Weltunternehmen für Hydraulik, das in der heutigen Bosch Rexroth aufgegangen ist.

Die Glasprodukte und Spiegel aus Spessarter Glashütten wurden europaweit vertrieben. Noch heute ist in Lohr eine Glashütte in Betrieb.

Der Spessart war durchzogen von vielfältigen Handelswegen, auf denen die Landesherren Zolleinnahmen erzielten. Die vielen Kirchen und Klöster, Burgen und Schlösser bezeugen durchaus prosperierende Zeiten.

Frammersbacher Fuhrleute zogen von hier aus durch ganz Europa. Mit Eisenbahn und verbesserter Flussschifffahrt gingen die Fuhrleute wirtschaftlich nieder.

Über die Jahrhunderte war der Spessart auch unterschiedlich stark bewaldet. Seit dem 18. Jahrhundert wurde eine systematische Wiederaufforstung betrieben.

Mit der industriellen Revolution gerieten die meisten Mittelgebirge wirtschaftlich ins Hintertreffen. Verbesserte und billigere Transportwege erlaubten den Absatz billigerer Waren aus den großen Zentren in die entlegensten Winkel. Der Spessart verarmte. 1852 berichtete der damals an der Universität Würzburg lehrende Mediziner Rudolf Virchow in seiner Studie Die Noth im Spessart: Eine medizinisch-geographisch-historische Skizze von der häufig desaströsen Versorgungslage der Menschen im Spessart.

Der Dreiklang Wald, Armut und Spessarträuber ist im Bewusstsein der Menschen haften geblieben, obwohl das nur eine kurze Phase im Auf und Ab der Entwicklung darstellte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten


Bauwerke

Museen

Wanderwege

Der Spessart ist seit vielen Jahrzehnten durch markierte Wanderwege für Wandertouristen erschlossen. Außergewöhnlich alt und vermutlich schon über 2.000 Jahre in Gebrauch ist der Eselsweg, eine so genannte Altstraße, die über den Hauptkamm des Spessarts führt und vermutlich ihren Namen von den Eselskarawanen des Mittelalters erhalten hat. Heute ist der Eselsweg eine mit einem schwarzen „E“ auf weißem Grund markierter Fernwanderweg, der den Spessart fast ohne Ortsberührung in Nord-Süd-Richtung quert (ähnlich dem Rennsteig im Thüringer Wald).

Fast ebenso bekannt ist die Birkenhainer Straße, ein mittelalterlicher Heer- und Handelsweg zwischen Rheinfranken und Ostfranken. Er verbindet auf 71 km Länge Hanau mit Gemünden am Main. Heute ist die Birkenhainer Straße ein Fernwanderweg, der mit schwarzen „B“ auf weißem Grund gekennzeichnet ist.

Der Spessart wird außerdem vom Maintalhöhenringweg, („R“) auf drei Seiten eingerahmt.

Der 1990 angelegte Fränkische Rotwein Wanderweg ist besonders für Weintrinker interessant und wird intensiv beworben. Er verläuft am Westrand des Spessarts entlang dem Maintal.

Durch den Spessart führen zahlreiche Kulturwege des Archäologischen Spessart-Projekts e. V. Sie widmen sich verschiedenen Schwerpunktthemen zur Landschaft und ihrer Nutzung durch den Menschen und wollen den Spessart als Kulturlandschaft näher bringen.[11] Die Wege werden seit 1998 im Rahmen der Programme European Cultural Paths und European Pathways to Cultural Landscapes entwickelt. Das Logo der Kulturwanderwege ist, in Anlehnung an die Europafahne, ein gelber Sternenkranz mit einem gelben Boot in der Mitte auf blauem Grund.

Seit 2012 führt der Spessartbogen rund 90 km durch den hessischen Spessart von Langenselbold über Bad Orb nach Schlüchtern.

Durch den Spessart führt der Limesweg des Spessartbunds als Teilabschnitt des Deutschen Limes-Wanderwegs.

Spessartbund

Aschaffenburg ist der Hauptsitz des Spessartbundes e. V., der 18.000 Mitglieder in 91 Ortsgruppen vereint. Dieser Verein ist wiederum Mitglied im Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine sowie dessen Landesverbänden in Bayern und Hessen.

Die Ortsverbände verteilen sich auf den Raum von Bad Orb im Norden bis Tauberbischofsheim im Süden, von Frankfurt am Main im Westen bis Würzburg im Osten.

Die Geschichte des Spessartbundes beginnt mit der Gründung des „Freigerichter Bundes“ durch den Studenten Karl Kihn im Jahre 1876. Nach Gründung von zahlreichen Zweigvereinen formierte sich 1912 eine Arbeitsgemeinschaft, die den Kern des im Jahre 1913 in Hanau gegründeten Spessartbundes bildete. Im Jahre 1927 wurde der Bund in das Vereinsregister eingetragen.

Heute haben der Spessartbund und seine Ortsgruppen folgende Ziele und Aufgaben:

Schutzgebiete


In Teilen des Spessarts wurden Schutzgebiete ausgewiesen: Naturparke, Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete. Wegen der besonderen Schutzwürdigkeit als größtes zusammenhängendes Mischwaldgebiet Deutschlands, wird die Einrichtung eines Nationalparks derzeit diskutiert.

Naturparks

Der Spessart liegt heute auf dem Gebiet der Bundesländer Bayern und Hessen, was zur Gründung zweier Naturparks geführt hat:

Landschaftsschutzgebiete

Landschaftsschutzgebiete im Spessart sind:

Naturschutzgebiete

Die folgenden Naturschutzgebiete (alphabetisch sortiert; mit NSG-Nummern) liegen im bayerischen Spessart:[12]

Ein Großteil der Naturschutzgebiete im Main-Kinzig-Kreis befinden sich im hessischen Spessart:

Nationalpark

Für den Bereich des bayerischen Hochspessarts als Kern des größten deutschen Laubmischwaldes war geplant, den Nationalpark Spessart auszuweisen.[13] Hierbei war der Spessart allerdings nicht die einzige Region, die für den dritten Nationalpark in Frage kam. Der Nationalpark sollte rund 109 km² einnehmen.[14] Dies entspricht weniger als 4,5 % der Fläche des Naturparks. Neben der regionalen Eigenart des Brennholzrechts,[15] ein in Grundbüchern verbürgtes Recht zum Sammeln von Holz aus dem staatlichen Teil des Waldes, profitieren vor allem Unternehmen vom Holzeinschlag; diese versuchten, die Einrichtung des Nationalparks zu verhindern.[16] Wohl wegen heftigen Widerstands wurden die Pläne im Juli 2017 fallen gelassen.[17]

Wirtschaft und Infrastruktur


Der Spessart, insbesondere der Naturpark Spessart, lebt inzwischen in hohem Maß vom Tourismus. Der Wald als (Nah-)Erholungsgebiet bietet vielerlei Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Die malerischen Fachwerkstädte entlang des Mains wie Gemünden, Lohr, Marktheidenfeld, Wertheim, Miltenberg, Klingenberg oder die Residenzstadt Aschaffenburg sind attraktive Ausflugsziele.

Verkehr

Die Bundesautobahn 3 (A 3; Frankfurt am Main–Würzburg) sowie die Bundesstraßen 26 und 276 durchqueren den Spessart. Die Deutsche Ferienroute Alpen–Ostsee und die Spessart-Höhenstraße führen durch den bayerischen und hessischen Spessart.

Die Main-Spessart-Bahn Würzburg–Aschaffenburg(–Frankfurt am Main) (Kursbuchstrecke 800) verlässt in Lohr das Maintal und verlief durch den Spessart über Partenstein, Wiesthal, Heigenbrücken, Laufach und Hösbach nach Aschaffenburg. Seit Juni 2017 wird zwischen Wiesthal und Laufach eine für den Güterverkehr und den Hochgeschwindigkeitsverkehr Würzburg–Frankfurt ausgebaute, steigungsärmere Strecke genutzt. Eine seit langem diskutierte, aber bisher nicht umgesetzte Strecke durch den Spessart ist die (Mottgers-Spange).

Ansässige Unternehmen

In Lohr sitzen die Bosch Rexroth AG, in Laufach die Eisenwerke Düker und in Biebergemünd Engelbert Strauss. Nach wie vor gibt es im Spessart viele holzverarbeitende Betriebe.

Der Spessart in der Literatur


Spessartsagen

Schauererzählungen, Sagen und Märchen aus dem Spessart genießen Bekanntheit über die Region hinaus. So wurde bereits das Grimmsche Märchen vom Schneewittchen im Spessartstädtchen Lohr am Main verortet[18] und auch andere bekannte Sagenfiguren wie die Frau Holle tauchen in regionalen Sagen immer wieder auf. Das Aaleborgfraale gehört bis in die heutige Zeit zu den bekanntesten Sagenfiguren des Spessart.[19][20] Die Erzählungen beschreiben es als ein Wesen in Frauengestalt, das das ganze Jahr über einen uralten Schatz in den Ruinen der legendenhaften Altenburg bewacht. Ausschließlich in der Johannisnacht können Schatzsucher sie überlisten, jedoch nur wenn sie bei der Bergung der Truhe kein Sterbenswort von sich geben. Gelingt dies nicht, erscheint beim Öffnen der Truhe kein Schatz, der Kiste entsteigt stattdessen die grauenhafte Gestalt des Aaleborgfraale in weißem Gewand. Volkskundler stoßen heute noch auf Berichte Einheimischer von Begegnungen mit der kulturell tief im Spessart verwurzelten Sagenfigur.[19]

Volkskunde

Um den Erhalt der Sagen, größtenteils Schauererzählungen, vereinzelt aber auch ironische Moralgeschichten, hat sich für die heutige Zeit vor allem der Aschaffenburger Lehrer und Volkskundler Valentin Pfeifer (1886–1964) verdient gemacht. Sein Buch "Spessart-Sagen" erfuhr bisher 17 Auflagen. Darüber hinaus betrieb Pfeifer Forschungen und veröffentlichte Werke über Sagen, Märchen, Geschichten und Bräuche des Spessarts. Weitere Sagen und Gruselgeschichten aus der Region finden sich in dem von Wolfgang Weismantel herausgegebenen Band Von Aufhockern, schönen Frauen und anderen Dämonen: Spessartsagen auf der Spur. In seinem Buch "Spessartvolk" (1929) berichtet er nicht nur über die Gebräuche und Sitten im Spessart, auch der Aberglaube, der in der Volksmedizin sehr verbreitet war, findet hier seinen Platz.

Das Wirtshaus im Spessart

Das Wirtshaus im Spessart ist die Rahmenerzählung des dritten Bandes von Wilhelm Hauffs Märchenalmanach, zuerst veröffentlicht als „Maerchenalmanach für Söhne und Töchter gebildeter Stände auf das Jahr 1828“ in Stuttgart. Hauff verfasste die Erzählung auf der Grundlage älterer, trivialer Räuberromane. In die Erzählung eingebettet sind die Erzählungen Die Sage vom Hirschgulden, Das kalte Herz (in zwei Abteilungen), „Saids Schicksale“ und „Die Höhle von Steenfoll“.

Adolf Wenter verfilmte 1923 den Stoff im Film Das Wirtshaus im Spessart (1923).

Der Regisseur Kurt Hoffmann drehte 1957 den Spielfilm Das Wirtshaus im Spessart (1958) frei nach Hauffs Erzählung, der am 15. Januar 1958 uraufgeführt und einer der erfolgreichsten deutschen Filme der 1950er Jahre wurde. Mit Liselotte Pulver in der weiblichen Hauptrolle wurde der Film ein Sensationserfolg. Ihm folgten mit ähnlichen Titeln die Filme Das Spukschloß im Spessart von 1960 und Herrliche Zeiten im Spessart von 1967. Diese Filme waren nicht mehr an die Motive von Wilhelm Hauff angelehnt.

Aufführungen einer Bearbeitung für das Theater finden in unregelmäßigen Abständen auf der Freilichtbühne am Wasserschloss Mespelbrunn nahe dem Originalspielplatz statt. Als „Original“-Wirtshaus wird das Gasthaus „Zur Post“ in Mespelbrunn-Hessenthal vermutet, in dem Wilhelm Hauff sehr wahrscheinlich auf seiner Reise von Nördlingen nach Frankfurt im Jahre 1826 Station gemacht haben dürfte. Auch passt die Beschreibung als langgestrecktes, eingeschossiges Gebäude. Das eventuell ebenfalls in Frage kommende Wirtshaus in Rohrbrunn war seit 1820 keine Poststation mehr.

Die literarische und filmische Umsetzung des alten Sagenstoffes trägt bis heute wesentlich zur Identitätsbildung der Spessartregion bei.

In freier Anlehnung an Das Wirtshaus schrieb Autor Jason Dark seinen Roman Das Horror-Schloss im Spessart innerhalb der Reihe Geisterjäger John Sinclair, erschienen im Bastei-Lübbe-Verlag, Bergisch Gladbach (heute Köln).

Der Kampf im Spessart

Vom Spessartförster Wilderich Buchrodt erzählt die bei Reclam erschienene Novelle Der Kampf im Spessart von Levin Schücking. Buchrodt formiert darin einen Aufstand gegen die Franzosen, die sich nach der verlorenen Schlacht um Würzburg 1796 auf ihrem Rückzug durch den Spessart befinden. Die Erzählung endet mit der Befreiung Frankfurts. Vermutlich erhielt Schücking seine Inspiration für die Novelle von der Inschrift auf einem Gedenkstein im Zentralspessart,[21] auf dem es heißt:

„1796 hat an dieser Stelle der Kurmainzische Oberförster Heinrich Sternheimer in Heigenbrücken und seinem treuen Helfer Jakob vier Franzosen und einen Offizier erschossen, welcher mit seiner Abteilung das ganze Dorf ausgeplündert hatten und ihnen ihre Beute auf dem Marsche nach Aschaffenburg abjagte.“

Inschrift Gedenkstein bei Heigenbrücken im Zentralspessart

Persönlichkeiten


Berge


Die höchsten Berge und Gipfel des Spessarts sind (nach Höhe sortiert):

Kleine Höhenzüge im Spessart sind:

Siehe auch


Literatur


Allgemeine Literatur

Geologie

Tourismus

Bergbau

Wald und Natur

Kulturgeschichte

Wirtschaftsgeschichte

Medizingeschichte

Weblinks


Commons: Spessart  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Spessart – Reiseführer

Einzelnachweise und Anmerkungen


  1. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Konrad Kunze: dtv-Atlas Namenkunde. Deutscher Taschenbuchverlag. München, 1998. S. 101. ISBN 3-423-03234-0
  3. Hermann Müller: Über Moenus, Moguntia, Spechteshart und Wirziburg. Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Thein: Würzburg 1858 (Digitalisat ).
  4. Hugo Eberhart Heim: Historisch-numismatische Abhandlung Über Die Im Kurmaynzischen Obererzstifte Vom Jahre 1783 Bis 86 Vorgefundenen Alten Münzen , Erfurt 1789
  5. Literatur: FL von Cancrin 1787 (Reprint 1979), G. Diederich u. M Laemmlen (1964), S. Matthes und M. Okrusch (1965), K.Freymann (1991), H. Murawski (1992)
  6. Landschaftssteckbrief Wertheimer Hochfläche des Bundesamt für Naturschutz (BfN)
  7. Mehrere Naturraumblätter verschiedener Autoren:
    – Brigitte Schwenzer: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 139 Frankfurt a. M. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1967. → Online-Karte (PDF; 4,9 MB)
    – Brigitte Schwenzer: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 140 Schweinfurt. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1968. → Online-Karte (PDF; 4,3 MB)
    – Otto Klausing: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 151 Darmstadt. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1967. → Online-Karte (PDF; 4,3 MB)
    – Horst Mernsching, Günter Wagner: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 152 Würzburg. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1963. → Online-Karte (PDF; 5,3 MB)
  8. Karte und Legende zu den Naturräumen Hessens (Online-Kopie von Die Naturräume Hessens, Otto Klausing 1988) im Umweltatlas Hessen des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie
  9. Ursprünglich hieß die Haupteinheit Ronneburger Hügelland, welches aber inzwischen nur noch die Bezeichnung für die Untereinheit 233.0 ist.
  10. Der Spessartanteil von BW/TBB beschränkt sich auf die Wertheimer Hochfläche im Dreieck WertheimFreudenbergKülsheim, die zwar naturräumlich dem Spessart zugerechnet wird, jedoch nach landläufiger Definition bereits zum Odenwald gehört, da sie links des Mains liegt – siehe #Naturräumliche Gliederung
  11. Kulturwege – Ein Profil , Spessartprojekt, abgerufen am 5. Juli 2012
  12. Schutzgebiete im Spessart , auf bfn.de
  13. 3. Nationalpark – Konzept zur Festlegung (Memento vom 7. März 2017 im Internet Archive), in: Ein 3. Nationalpark für Bayern, auf np3.bayern.de
  14. Dritter Nationalpark in Bayern: Spessart ist Favorit , 9. Februar 2017, abgerufen am 21. März 2017, auf nordbayern.de
  15. Video auf YouTube, Informationsveranstaltung am 2. März 2017 in Weibersbrunn im Spessart
  16. C. Morhart: Der Spessart als Weltkulturerbe – ist das der Ausweg? , Main-Echo, 3. März 2017, abgerufen am 7. März 2017, auf main-echo.de
  17. Kein Nationalpark im Spessart, neue Pläne in der Rhön. In: mainpost.de. 14. Juli 2017 (mainpost.de [abgerufen am 28. November 2018]).
  18. Schneewittchen – eine Lohrerin? , Durchleuchtung von Schneewittchens möglicher Identität als Maria Sophia Margaretha Catharina von Erthal (1729–vor 1812), auf spessartmuseum.de
  19. a b Die Altenburg-Sagen: Vom Aleborgfraale und von Knabenräubern. In: Spessartprojekt. Abgerufen am 22. Dezember 2019.
  20. Das Aleborgfraale lebte in der Bronzezeit , Artikel des Main-Echo zur Erforschung der Herkunft der Sagenfigur, 13. September 2008, auf main-echo.de
  21. Katalog Bücher: Spessart Bin noch da. Ruf mich mal an (Memento vom 3. März 2016 im Internet Archive) (kleine Auflistung von Literatur über den Spessart), auf orbensien.de
  22. Amtsblatt / Standard-Datenbogen: FFH-Gebiet 6022-371 Hochspessart , auf lfu.bayern.de (PDF; 58,3 kB)
  23. Amtsblatt / Standard-Datenbogen: Vogelschutzgebiet 6022-471 Spessart , auf lfu.bayern.de (PDF; 57,8 kB)



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