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Sibirien




Als Sibirien (russisch Сиби́рь/Sibir) bezeichnet man im weitesten Sinne den ganzen nordasiatischen Teil der Russischen Föderation. Es wird im Westen begrenzt vom Ural, im Norden vom Arktischen Ozean, im Osten vom Pazifik und im Süden von der Volksrepublik China, der Mongolei und Kasachstan. Sibirien umfasst rund drei Viertel des russischen Staatsgebiets und ist etwa 13,1 Millionen Quadratkilometer groß; somit ist es um rund 3,5 Mio. km² größer als die Volksrepublik China (ca. 9,6 Mio. km²), der größte unabhängige Staat Asiens.

Im engeren Sinn versteht man unter Sibirien fünf der acht russischen Großlandschaften: das große Westsibirische Tiefland, das Nordsibirische Tiefland, die Mitteljakutische Niederung, das Mittelsibirische Bergland und die Südsibirischen Gebirge.

Ostsibirien (zwei weitere Großlandschaften östlich der Lena) und die südöstlichsten Gebiete Russlands zwischen Amur und Pazifikküste werden hingegen auch als Russisch Fernost (Föderationskreis Ferner Osten) bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geografischer Überblick


Großlandschaften

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Sibirien der zu Russland gehörende Norden Asiens vom Uralgebirge bis zur Küste des pazifischen Ozeans. Es erstreckt sich in west-östlicher Richtung zirka 7000 Kilometer weit vom Ural bis zu den Gebirgen der pazifischen Wasserscheide. Von Norden nach Süden umspannt es etwa 3500 Kilometer vom Arktischen Ozean (Nordpolarmeer) bis zum Kasachischen Hügelland und der Grenze zur Mongolei und zur Volksrepublik China.

Sibirien lässt sich grob in sieben Großlandschaften einteilen:

  1. Westsibirisches Tiefland, zwischen Uralgebirge und dem Fluss Jenissei.
  2. Nordsibirisches Tiefland, in der Nähe des Nordpolarmeeres von der Mündung des Jenissei bis zur Mündung der Lena.
  3. Mittelsibirisches Bergland, abgesehen vom Putoranagebirge unter 1000 Meter hoch, südlich an das Nordsibirische Tiefland anschließend, zwischen Jenissei im Westen und Lena im Osten.
  4. Mitteljakutische Niederung (mit der Lena), zwischen Mittelsibirischem Bergland im Westen, Südsibirischen Gebirgen im Süden und Ostsibirischem Bergland im Osten.
  5. Südsibirische Gebirge, Gruppe von Hochgebirgen südlich von Mittelsibirischem Bergland und Mitteljakutischer Niederung, zwischen Dsungarischer Pforte im Westen und Ochotskischem Meer im Osten, südlich an die Mongolei grenzend und durch das Tal des Amur von der chinesischen Mandschurei getrennt und durchschnitten. Höhen von bis zu 4506 m (Belucha im Altai) bis zu etwas über 2000 m nahe der Pazifikküste.
  6. Ostsibirisches Bergland, mit mehreren über 2000 m hohen Gebirgszügen, ohne trennenden Einschnitt an die Südsibirischen Gebirge anschließend, östlich von Mitteljakutischer Niederung und Lena, nördlich des Ochotskischen Meeres und westlich des Beringmeers gelegen. Als Ausläufer dieses Berglandes erstreckt sich die etwa 1200 km lange Halbinsel Kamtschatka südwärts in den Pazifik und trennt das Ochotskische Meer im Westen vom Beringmeer im Osten.
  7. Ostsibirisches Tiefland (mit Jana-Indigirka-Tiefland und Kolyma-Tiefland), im Westen, Süden und Osten vom Ostsibirischen Bergland umschlossen.

Verwaltungsgliederung

Ursprünglich bezog sich die Landesbezeichnung Sibirien auf das Khanat Sibir im heutigen Westsibirien, eine Abspaltung des Khanats der Goldenen Horde.

Im heutigen russischen Verwaltungssystem bildet Westsibirien zusammen mit dem Uralgebiet den russischen Föderationskreis Ural. Daran schließt sich östlich der Föderationskreis Sibirien an, der den größten Teil des mittelsibirischen Berglandes und der Südsibirischen Gebirge umfasst. Daran östlich grenzt der Föderationskreis Ferner Osten.

Dieser russische Ferne Osten (Да́льний Восто́к/Dalni Wostok) reicht von Jakutien bis zur Pazifikküste und ist mit etwa 6,18 Mio. km² Fläche größer als der Föderationskreis Sibirien. Er wird zwar außerhalb Russlands zumeist als Teil dieser Landschaft subsumiert, gilt jedoch in Russland selbst als eigene Region. So verstehen Einwohner Kamtschatkas oder Sachalins unter „Sibirien“ eine Region, die sich mehrere tausend Kilometer westlich ihrer Heimat befindet. Für Russen beginnt Sibirien „hinter dem Ural“ – in Höhe von Tjumen – und endet „kurz hinter dem Baikal“ – also etwa 100 Kilometer östlich des Baikalsees, bei Ulan-Ude.

Flüsse und Seen

Der Baikalsee befindet sich in den Südsibirischen Gebirgen, ist mit 1642 m Tiefe der tiefste See und mit einem Volumen von 23.615 km³ der wasserreichste Süßwassersee der Welt. Er enthält ungefähr ein Fünftel des weltweit vorhandenen flüssigen Süßwassers.

Flüsse, die in das Polarmeer münden

Flüsse, die in den Pazifik münden

Klima

In den meisten Regionen Sibiriens herrscht ein ausgeprägtes Kontinentalklima: Verhältnismäßig heiße Sommer (bis +40 °C) werden von extrem kalten Wintern (bis −72 °C) abgelöst. Oft wird das Land bis zu neun Monate von einer Schneedecke bedeckt. Die Landschaft wird großteils von borealen Wäldern (Taiga) dominiert, in den arktischen Regionen herrscht baumlose Tundra vor. Dazwischen existiert mit den Waldtundra-Zonen eine Übergangsform. Im Süden geht die Taiga in Steppe über.

Weite Teile Sibiriens werden von Permafrostböden (dauerhaft gefrorener Boden) eingenommen, die in der warmen Jahreszeit nur oberflächlich antauen. Tau- und Regenwasser können dort nicht versickern. Die Staunässe führt im kurzen Sommer zu einem extremen Mückenreichtum. Dass der Boden unter Gebäuden und Verkehrswegen stärker taut als normal, erzeugt erhebliche Probleme bei deren Bau und Erhaltung. Das Dauerfrostgebiet umfasst außer der Tundra auch große Teile der Taiga und reicht östlich des Baikalsees bis an deren Südrand – und die Südgrenze des russischen Staatsgebietes. Etwa ein Drittel Sibiriens hat lückenlosen Dauerfrostboden, vor allem die Republik Sacha (Jakutien) und deren nordwestliche und nordöstliche Nachbargebiete. Etwa die Hälfte Sibiriens hat Permafrostböden neben völlig auftauenden Arealen. Nur der äußerste Südwesten und schmale Gebietsstreifen am mittleren Amur und an der Pazifikküste haben gar keinen Dauerfrostboden.

Der Kältepol der bewohnten Welt befindet sich im ostsibirischen Oimjakon (südlich von Werchojansk).

Der Klimawandel hat in Sibirien spürbare Folgen. Er zeigt sich hier weniger durch den Anstieg der Durchschnittstemperatur als vielmehr durch die Häufung extremer Wetterphänomene.[2] So gab es im Juli 2019 in der Region Irkutsk massive Überschwemmungen.[3] Insbesondere die Republiken Jakutien und Burjatien sowie die Regionen Krasnojarsk und Irkutsk waren im Sommer 2019 von Waldbränden betroffen, bei denen bis Ende Juli des Jahres drei Millionen Hektar Wald (dies entspricht mehr als der Größe Brandenburgs) vernichtet wurden.[4][5]

Flora

Sibirien gliedert sich von Norden nach Süden in Tundra, Taiga, Waldsteppe und Steppe. Die Tundra ist meist flach. Dort wachsen vor allem kleine Sträucher, Gräser, Polster- und Moospflanzen und Flechten. Die Taiga ist weitgehend flach. Dort gibt es Nadelwälder, Sümpfe und Torfmoore. Im Westen dominieren Fichten und Kiefern, im Osten eher Lärchen. Die Waldsteppe ist eben bis flachwellig. Hier gibt es oft Erosionen und die Schneedecke ist sehr dünn. In der Steppe gibt es viele Gräser und Kräuter, in der Waldsteppe kommen vor allem Birken vor.

Aufgrund des Klimawandels sowie dem (damit verbundenen) Eindringen von Pflanzenschädlingen, aber auch durch die Nutzung durch den Menschen sind die Baumbestände einem Wandel unterworfen.[6]

Fauna

Zu den Säugetieren Sibiriens zählen in der nördlichen Tundra Rentiere, Eisbären, Walrösser, Robben, Lemminge und Polarfüchse.

In der Taiga trifft man auf Braunbären, Schwarzbären, Wölfe, Zobel, Eichhörnchen, Iltisse, Hermeline, Füchse, Otter, Luchse, Elche, Hasen, Wildschweine, Dachse, Vielfraße und viele Vogelarten.

Leoparden und Tiger sind vor allem entlang des Amur anzutreffen.[7]

Geschichte


Bevölkerung, Besiedlung


Mit 38 Millionen Einwohnern ist Sibirien nur schwach besiedelt, die Bevölkerungsdichte liegt im Mittel bei nur 2,9 Menschen pro km². Die Bevölkerung konzentriert sich in einem relativ schmalen Streifen im Süden und Südwesten, wo die Transsibirische Eisenbahn wichtige Großstädte verbindet und Ackerbau möglich ist.

Nowosibirsk, Omsk, Krasnojarsk, Tjumen, Tomsk, Irkutsk, Chabarowsk, Tschita, Ulan-Ude und die fernöstliche Pazifik-Metropole Wladiwostok gehören zu den größten Städten in diesem Streifen. Wichtige Industriezentren, in denen weitere Großstädte liegen, sind der Autonome Kreis der Chanten und Mansen und der Autonome Kreis der Jamal-Nenzen, die den Schwerpunkt der Öl- und Gasindustrie darstellen, sowie das südsibirische Kusnezker Kohlebecken (Kusbass) mit den Industriestädten Nowokusnezk und Kemerowo.

Kolonisierung

Ostrogs und Städte im Uralgebiet und Sibirien
Die Jahreszahl in der linken Spalte bezeichnet in der Regel die Gründung des Ostrog.
1574 Ufa (westlich des Ural; nach Eroberung Baschkiriens)
1586 Tobolsk (1621 Bischofssitz) am Irtysch
Tjumen (1782 Stadt)
1604 Tomsk am Tom, nahe Mündung in den Ob
1618 Kusnezk, heute Nowokusnezk, am Ob
1619 Jenisseisk, Stadtrecht 1635
1621 Krasnojarsk am Jenissei
1632 Jakutsk an der Lena
1636 Bratsk an der Angara
1644 Jarmanka an der Kolyma, 1755 Stadt Srednekolymsk
1647 Ochotsk an der Pazifikküste
um
1650
Anadyr weit flussaufwärts des heutigen Pazifikhafens Anadyr
1653 Neljudski, später Nertschinsk, Stadt 1689
Tschita (Winterlager, Fort erst 1690)
1661 Irkutsk, obere Angara, nahe Baikalsee
1666 Ulan-Ude (1775 Stadt)
1716 Omsk am Irtysch
1723 Jekaterinburg (Ural, Gegend schon seit dem 11. Jahrhundert von Nowgorod erschlossen)
Perm (westlich des Ural, Stadt 1780)
1730 Barnaul (1771 Stadt) an der Lena
1735 Orsk (Uralfluss, Sicherung der Südgrenze)
1736 Tscheljabinsk (1781 Stadt)
1740 Petropawlowsk-Kamtschatski
1743 Orenburg (Uralfluss, Sicherung der Südgrenze)
1754 Slatoust (Uralgebirge; Stadt 1865)
1850 Nikolajewsk-na-Amure
1858 Chabarowsk am Amur
1860 Wladiwostok an der Pazifikküste
1893 Nowosibirsk am Ob
1935 Norilsk nahe dem Ästuar des Jenissei

Im Uralgebirge hatte es schon seit dem 11. Jahrhundert Handels- und Bergbauniederlassungen der Republik Nowgorod gegeben. Östlich des russischen Siedlungsgebietes bis in den Ural gab es später das halbautonome Herrschaftsgebiet der Kaufmannsfamilie Stroganow. Es bildete die Ausgangsbasis für die Eroberung und Erschließung Sibiriens. Die begann um 1580 mit der Expedition des Kosaken Jermak. 1582 eroberten die Kosaken das Khanat Sibir, das bis dahin Westsibirien vom Uralgebirge bis zum Jenissei beherrscht hatte.

Danach wurde die russische Macht zügig nach Osten ausgebreitet, wobei man sich zunächst relativ weit nördlich hielt, um Konflikten mit den Staaten Mittelasiens und mit dem Mandschureich, das gleichzeitig China eroberte, auszuweichen. 1639 erreichten erstmals Russen die pazifische Küste. Erst 1858 bis 1860 wurde durch Annexion der Äußeren Mandschurei das vom Klima her etwas mildere Amurgebiet Teil des russischen Reiches.

Frühzeitig wurde ein weitmaschiges Netz hölzerner Forts, sogenannter Ostrogs, errichtet. Die intensivere Erschließung erstreckte sich bis ins 20. Jahrhundert hinein. Wichtige Maßnahmen waren die Schaffung des Sibirischen Traktes im 18. Jahrhundert und der Bau der Transsibirischen Eisenbahn 1891 bis 1916.

Schon unter den Zaren wurden viele politisch Missliebige nach Sibirien in die Verbannung geschickt. Eine Erschließung durch unabhängige Siedler gab es nur in viel geringerem Maße als in den englischen Kolonien in Nordamerika, da ein großer Teil der Bevölkerung Russlands Leibeigene waren und der russische Adel diese nicht durch Abwanderung verlieren wollte.

Eine Vorstellung von der Erschließung vermitteln die Gründungsdaten sibirischer Städte, siehe nebenstehende Liste.

Historische demografische Entwicklung

Den Großteil der Bevölkerung stellen die in den letzten Jahrhunderten zugewanderten Russen. Sie überwogen schon im 18. Jahrhundert die Urbevölkerung. Schon zu Zarenzeiten dienten die abgelegenen und unwirtlichen Gebiete Sibiriens und Mittelasiens zur Verbannung von politischen Gegnern und Straftätern. Schreckliche Berühmtheit erlangten die Gulags, das unter der Herrschaft Stalins aufgebaute System von Gefängnissen und Straflagern. Erst mit dem Zerfall der Sowjetunion hörten die Deportationen in diese Gebiete auf. Ab den 1920er Jahren wurde die Industrie Sibiriens forciert, was die Bevölkerungsstruktur zugunsten der Einwanderer fixierte.

1926 bis 1927 unternahm der junge Sowjetstaat den Versuch, einen genaueren Überblick über die Völker und Kultur der Polarregion zu gewinnen.[8]

Während des Zweiten Weltkrieges wurden ganze Industriewerke vor dem deutschen Vormarsch nach Sibirien in Sicherheit gebracht und im Zusammenhang damit auch Hunderttausende von Menschen dorthin umgesiedelt.

Indigene Völker Sibiriens

Die indigenen Völker des Nordens, Sibiriens und des Russischen Fernen Ostens setzen sich aus Völkern der altaischen und der uralischen Sprachfamilien sowie der paläoasiatischen Sprachen und weiteren zusammen. Die größeren sind die Tuwiner, Burjaten, Chakassen, Jakuten und Altaier. Zu den kleineren Ethnien ohne eigene Teilrepublik gehören u. a. Tschuktschen, Ewenken, Ewenen, Korjaken, Nenzen, Chanten und Mansen sowie die Jukagiren. In der Sowjetunion waren die meisten indigenen Völker Sibiriens von zwangsweiser Ansiedlung und Kollektivierung in Sowchosen betroffen.

Die stärkste Bedrohung für die indigenen Völker geht von der industriellen Erschließung von Bodenschätzen wie Öl, Gas, Kohle, Diamanten und Gold im asiatischen Teil Russlands aus. Daneben stellt der Alkoholismus ein gewaltiges Problem dar. Die Sprachen vieler kleinerer Völker befinden sich am Rande des Aussterbens, insbesondere dort, wo aufgrund industrieller Erschließung das Umfeld verloren geht, in welchem diese verwendet werden.

Aktuelle demografische Entwicklungen

Russland leidet, wie viele Industrienationen, unter einem Rückgang der eigenen Bevölkerung. Zwar wachsen Ballungsgebiete wie Moskau oder Sankt Petersburg auch heute weiter, doch sehen sich gerade die Regionen wie Sibirien oder der Ferne Osten einem stärker werdenden Bevölkerungsrückgang durch Abwanderung (in größere Städte oder gar ins Ausland), stagnierende Lebenserwartung und weniger Geburten ausgesetzt. Die Bevölkerungskurven weisen typischerweise einen Anstieg von den 1940er Jahren bis 1990 und einem Abfall von 1990 bis in die Gegenwart auf. In subpolaren Gegenden ist die Schwankung umso stärker, je größer der Bevölkerungsanteil europäischer Zuwanderer war. Teilweise folgte auf eine Vervielfachung um mehr als das Dreifache ein Rückgang auf wenig mehr als den Ausgangswert.

Im Grenzgebiet zur Volksrepublik China kommt es seit den frühen 1990er Jahren zu einer verstärkten Handelstätigkeit, da es jetzt für chinesische Händler leichter ist, zwischen beiden Ländern zu pendeln. Schätzungen gehen von einigen hunderttausend chinesischen Einwanderern aus, die sich oft temporär, aber manchmal auch für unbestimmte Zeit auf russischer Seite niederlassen.[9] Immer mehr der neuen Zuwanderer zieht es dabei in die größeren Städte in Sibirien, wie z. B. nach Irkutsk.[10] Die einheimische russische Bevölkerung steht dieser Entwicklung mit Skepsis gegenüber, welche auch von offizieller Seite der russischen Politik propagiert wird. Es herrschen Befürchtungen über eine expansive Siedlungspolitik von chinesischer Seite sowie eine Gefährdung der Sicherheit entlang der bis zu 3000 km langen gemeinsamen Grenze, z. B. durch Schmuggel von Rohstoffen, Drogen, Waffen, durch Kriminalität und illegale Einwanderung.[11][12]

„Föderalisierung Sibiriens“

Im Zusammenhang mit der Krimkrise 2014 wurde vor der Gefahr einer Förderung des Separatismus in Russland gewarnt. So wurde in Nowosibirsk im August 2014 ein geplanter „Marsch für eine Föderalisierung Sibiriens“ verboten, um „die territoriale Integrität und Souveränität Russlands zu garantieren“.[13]

Wirtschaft


Rohstoffe

Neben der Gewinnung von Erdgas und Erdöl[14] stellen Holzwirtschaft, Kohle-, Uran-, Diamant- und Goldbergbau die wichtigsten Nutzungen natürlicher Rohstoffe in Sibirien dar.[15] Sibirien hat deswegen einen großen Einfluss auf die Energiewirtschaft Russlands sowie auf die allgemeine Wirtschaftspolitik Russlands.

Pelztiere

Die Bedeutung der Pelztierjagd ist heute hauptsächlich historisch zu betrachten, auch die Pelztierzucht wurde aus wirtschaftlichen Gründen vielerorts wieder aufgegeben, zum Beispiel in Ust-Port.

Holz

Lessosibirsk ist die russische „Hauptstadt der Holzindustrie“ am Jenissei nicht weit von der Mündung eines Nebenflusses, der Angara, etwa 300 Kilometer nördlich von Krasnojarsk in den Wäldern der sibirischen Taiga.

Erdgas

Erdgas aus Sibirien ist ein über Russland hinaus begehrter Rohstoff, wobei im Allgemeinen davon ausgegangen wird, dass das Land über die weltweit größten Erdgasreserven verfügt[16]. Seit Ende der 1970er Jahre wird Erdgas auch nach Deutschland (damals: an DDR im Rahmen des RGW und an Westdeutschland) geliefert und stellt heute einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung in Mitteleuropa dar. Bis zu 90 % des russischen Erdgases stammen aus Westsibirien. Die wichtigsten Gasfelder in Sibirien sind:

Heute liefert Russland bis zu 37 % des in Deutschland benötigten Erdgases[19]. Dabei arbeiten deutsche (z. B. E.ON und Wintershall) und russische Firmen (Gazprom) bei der Erschließung und Nutzung eng zusammen. Das Erdgas wird über lange Leitungen durch Weißrussland und die Ukraine nach Deutschland geliefert[20]. Im Jahr 2005 wurde beschlossen, den Bau einer weiteren Pipeline durch die Ostsee zu unternehmen, die sogenannte NEGP, welche auch im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Gasstreit und dem russisch-weißrussischen Energiestreit zu sehen ist. Die Nord-Stream-Pipeline (ehemals North European Gas Pipeline, NEGP) wurde am 8. November 2011 eingeweiht und transportiert russisches Erdgas u. a. vom Erdgasfeld Juschno-Russkoje durch die Ostsee nach Deutschland.

Erdöl

Sibirien verfügt über große Ölvorkommen. Neben Erdgas stellt dieses geförderte und exportierte Öl eine wichtige Deviseneinnahmequelle für Russland dar[21]. Firmen wie Gazprom Neft, Lukoil, Rosneft, Surgutneftegaz und Yukos spielen eine zentrale Rolle bei der Förderung. Wichtige Pipelines führen unter anderem nach Europa (hauptsächlich die Erdölleitung Freundschaft, auch Druschba-Pipeline genannt), Japan und in die Volksrepublik China. Kritiker verweisen allerdings auch auf die zunehmende Umweltverschmutzung bei der Förderung des Erdöls durch marode Leitungen[22].

Wichtige Erdölfelder in Sibirien sind:

Gold

Die Goldförderung in Russland ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die wichtigsten Goldbergwerke liegen in Sibirien und im Fernen Osten (z. B. im Amurgebiet) sowie im Polargebiet. Russland produziert gegenwärtig etwa 168 Tonnen Gold pro Jahr und nimmt damit weltweit den fünften Rang ein. Ziel ist es, die Produktion auf 250 Tonnen pro Jahr in den nächsten fünf bis zehn Jahren auszuweiten. Russland verfügt über die zweitgrößten Goldreserven weltweit.[24]

Metalle

Das russische Bergbau- und Hüttenunternehmen Norilsk Nickel fördert u. a. Eisenerz im Bergwerk Komsomolski in der Nähe von Norilsk im Norden Sibiriens. Die Produktion dort wird auf 3,45 Millionen Tonnen Erz im Jahr geschätzt, genaue Zahlen gibt es darüber jedoch nicht.

Infrastruktur

Verkehr

Da die großen Ströme Sibiriens Ob, Jenissei und Lena von Süden ins Polarmeer entwässern und mehrere Monate im Jahr zugefroren sind, haben sie nur eine beschränkte Bedeutung zur wirtschaftlichen Erschließung. Erst durch den Bau der Transsibirischen Eisenbahn[25][26] konnten Güter in größerem Umfang transportiert werden.

Wasserkraftwerke

Die Kraft der gewaltigen Ströme wird in vielen Wasserkraftwerken genutzt. Siehe dazu die Artikel über die betreffenden Flüsse.

Siehe auch


Literatur


Weblinks


Wiktionary: Sibirien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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Einzelnachweise


  1. Ein weiteres, nur etwa 70 km langes Stück russisch-chinesischer Grenze gibt es im Altaigebirge. Vor der Gründung der Sowjetunion und der Unabhängigkeit der (äußeren) Mongolei von China erstreckte sich die russisch-chinesische Grenze zeitweise über etwa 7000 km vom Pamirgebirge bis zur Amurmündung.
  2. Waldbrände in Sibirien breiten sich aus. In: Deutsche Welle. 31. Juli 2019, abgerufen am 24. August 2019.
  3. Bildergalerie: https://www.dw.com/de/sibirische-sintflut/g-49470887
  4. Löschflugzeuge vor Ort - nach Wochen. In: Tagesschau. 1. August 2019, abgerufen am 24. August 2019.
  5. Jonathan Watts Global environment editor: Arctic wildfires spew soot and smoke cloud bigger than EU. In: The Guardian. 12. August 2019, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 13. August 2019]).
  6. In der Zone der verzögerten Katastrophe , Nowaja Gaseta, 9. April 2018
  7. Thomas Bertow: Die Flora und Fauna Sibiriens.
  8. Polar Census
  9. Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung Chinesen auf dem Weg nach Sibirien (Memento des Originals vom 27. September 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Newsletter Demos, 8. Ausgabe, 14. Mai 2004
  10. Europäisches Migrationszentrum Berlin Viktor I. Dyatlov u. a.: Die neue chinesische Diaspora und ihre Aufnahme in Irkutsk In: Migration, No. 29/30/31
  11. The Carnegie Moscow Institut Galina Vitkovskaya: Does Chinese Migration Endanger Russian Security? In: Briefing Papers, Vol. 1, Issue 08, August 1999
  12. Paul Goble, Tallinn, Estonia (UPI) Feb 10, 2006 Chinese Come To Russia
  13. Friedrich Schmidt: Sibirien ist nicht die Krim , vom 6. August 2014, auf faz.net
  14. US Department of Energy – Energy Information Administration: Russia. , 7. Mai 2006
  15. Russlands Zukunft liegt in Ostsibirien und Fernen Osten, sputniknews.com , (Memento des Originals vom 10. August 2018 im Internet Archive)
  16. Worldenergy.com (with Gazprom) on Russian gas markets: Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 16. November 2005 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., 8. August 2006
  17. Shtokman-Feld in der Barentssee: Offshore-technology.com , 16. Mai 2006
  18. Kovykta-Project by TNK and BP: Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 27. Juni 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., 26. Juni 2006
  19. Eon – Sibirisches Erdgas: Eon-Ruhrgas.com (Memento des Originals vom 13. Juni 2006 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., 7. Mai 2006
  20. Centrex-Gruppe: Sibirische Pipelines nach Europa: Centrex.com , 7. Mai 2006
  21. History of oil in Russia Sibneft: History of oil in Russia (Memento des Originals vom 26. November 2005 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., 20. Mai 2006
  22. Ölmulti total: Greenpeace: Ölpest in Sibirien (Memento des Originals vom 13. November 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., 20. Mai 2006
  23. Russlands Zukunft in Ostsibirien: AG Friedensforschung an der Uni Kassel , 20. Mai 2006
  24. Russlands Goldindustrie: people.com.cn , 23. November 2005
  25. SIBIRISCHE EISENBAHNEN
  26. Transsib railway lines. Cargo around lines. (Memento des Originals vom 31. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.




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