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Schweizerisches Sozialarchiv

Das Schweizerische Sozialarchiv (SSA) in Zürich ist ein seit 1906 bestehendes Archiv mit Spezialbibliothek, Dokumentationsstelle und Forschungsfonds für gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Wandel sowie soziale Fragen und Bewegungen. Archiv und Bibliothek des Schweizerischen Sozialarchivs sind Bestandteil des Schweizerischen Inventars der Kulturgüter von nationaler Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis

Profil und Bestand


Das Schweizerische Sozialarchiv bietet ein historisches Archiv, eine wissenschaftliche Spezialbibliothek und aktualitätsbezogene Dokumentation. Gesammelt werden Dokumente zu relevanten Gesellschaftsfragen. Dazu gehören Themen wie Arbeit, Arbeiterbewegung, Geschlechterverhältnisse, Generationen und Jugendszenen, Migration, Sozialpolitik, Fürsorge, soziale Zustände und Bewegungen, Umwelt und Verkehr sowie Krieg und Frieden vom frühen 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die Sammlung umfasst mehr als 175.000 Bücher, ca. 1400 laufende Periodika (viele davon auch elektronisch verfügbar), Archivalien, Handschriften, Plakate, Abzeichen, rund 1,25 Millionen Zeitungsausschnitte, über 160.000 Broschüren und Flugschriften, Ton- und Bilddokumente und ferner den Zugriff auf eine digitale Pressedokumentation.[1] Aufbewahrt werden auch die Nachlässe von über 700 Körperschaften und rund 130 Persönlichkeiten (zum Beispiel Herman Greulich, Max Weber, James Schwarzenbach). Dazu zählen etwa die Archive der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft, der Pro Juventute, der Pro Senectute, der wichtigsten Schweizer Gewerkschaften und Angestelltenverbände, der Umweltverbände, verschiedener politischer Parteien, Frauen- und Jugendorganisationen und sozialen Bewegungen sowie Spezialsammlungen wie das Schwulenarchiv Schweiz, das Frauen/Lesben-Archiv, Gretlers Panoptikum zur Sozialgeschichte oder das Russlandschweizer-Archiv. Somit ist das Sozialarchiv national führend in der Sicherung überlieferungswürdiger sozialgeschichtlicher Unterlagen nichtstaatlicher Herkunft.

Das Schweizerische Sozialarchiv sieht sich als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Es fördert den Austausch durch Veranstaltungen aller Art sowie durch die Veröffentlichung von Sammelbänden zur Schweizer Sozialgeschichte, bibliographischen Werken und Publikationen, die spezielle Sammlungen behandeln. Es ist ein Ort, an dem sich historische und gegenwartsorientierte Disziplinen begegnen. Das Sozialarchiv begreift sich als Teil der schweizerischen Archiv- und Bibliothekslandschaft und arbeitet mit verwandten Institutionen im In- und Ausland zusammen (unter anderem als Gründungsmitglied der International Association of Labour History Institutions). Es ist seit 1974 eine von der Schweizerischen Eidgenossenschaft anerkannte Forschungsinfrastruktureinrichtung und verfügt über einen eigenen Forschungsförderungsfonds (Forschung Ellen Rifkin Hill).

Organisation


Träger des Sozialarchivs ist ein gemeinnütziger Verein. Präsident ist Matthieu Leimgruber. Im Vorstand des Trägervereins sind die wichtigsten Geldgeber Schweizerische Eidgenossenschaft, Kanton Zürich und Stadt Zürich vertreten. Daneben besteht ein wissenschaftlicher Beirat. Dieser bestand 2017 aus Gianni d’Amato (Universität Neuenburg), Petra Hätscher (Universität Konstanz), Damir Skenderovic (Universität Freiburg CH), Marcel van der Linden (International Institute of Social History, Amsterdam) und Simone Walther-von Jena (Deutsches Bundesarchiv, Berlin). Das Sozialarchiv beschäftigt rund 20 Archivare und Bibliothekare und ist Ausbildungsbetrieb für Fachpersonen I + D. Direktor ist seit 2014 Christian Koller.[2]

Benutzung


Die Benutzung des Sozialarchivs ist öffentlich und unentgeltlich. Die Bestände werden vor allem von Studierenden, dem Lehrkörper aus Sozial- und Geisteswissenschaften, aber auch von Chronisten der Zeitgeschichte wie Journalisten und Verbandsfunktionären intensiv genutzt. Die Bestände der Abteilung Bibliothek sind im Verbundkatalog NEBIS nachgewiesen, die anderen Bestände sind über die entsprechenden Findmittel auf der Homepage recherchierbar.

Geschichte


Das Sozialarchiv wurde 1906 auf Initiative des Pfarrers und Sozialpolitikers Paul Pflüger als «Zentralstelle für soziale Literatur der Schweiz» gegründet. Vorbild war das «Musée social», ein sozialpolitischer Think Tank, in Paris. Der erste Lesesaal wurde 1907 am Seilergraben in Zürich eröffnet (an seiner Stelle steht heute der Verwaltungstrakt der Zentralbibliothek Zürich). Schon 1919 wurde ein Umzug in grössere Räumlichkeiten im Chor der Predigerkirche notwendig. Besonders starken Zuwachs erhielt die seit 1942 «Schweizerisches Sozialarchiv» genannte Institution am Ende des Zweiten Weltkrieges. 1957 wurde ein Neubau am Neumarkt bezogen. Seit 1984 ist das Sozialarchiv beim Bahnhof Zürich Stadelhofen domiziliert. Zusätzliche Magazine befinden sich seit 2005 im Verwaltungszentrum «Werd» der Stadt Zürich.

In den Anfängen des Sozialarchivs trafen sich im Lesesaal Emigranten aus Russland und Deutschland. Zu ihnen zählte auch Lenin.[3] In der Zwischenkriegszeit wurde das Archiv stark durch Intellektuelle genutzt, die vor den faschistischen Diktaturen in Deutschland und Italien geflüchtet waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren osteuropäische Flüchtlinge häufig im Sozialarchiv anzutreffen.

Leiter des Sozialarchivs

1906–1909 Gustav Büscher
1909–1929 Sigfried Bloch
1929–1941 Paul Kägi
1942–1966 Eugen Steinemann
1966–1968 Jakob Ragaz
1968–1987 Miroslav Tuček
1988–2014 Anita Ulrich
seit 2014 Christian Koller

Siehe auch


Literatur


Weblinks


Commons: Schweizerisches Sozialarchiv  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Schweizerisches Sozialarchiv Jahresbericht 2018. (PDF) Abgerufen am 29. Oktober 2019.
  2. Schweizerisches Sozialarchiv Jahresbericht 2017. (PDF) Abgerufen am 29. Oktober 2019.
  3. Christian Koller: Vor 100 Jahren: Lenin im Sozialarchiv , in: Sozialarchiv Info 1 (2016). S. 4–10.




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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizerisches Sozialarchiv (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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