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Schweidnitzer Straße (Breslau)

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Die Schweidnitzer Straße (polnisch: ulica Świdnicka, breslauisch: Schwo) ist eine der Hauptstraßen von Breslau, die von der südöstlichen Ecke des Großen Ringes nach Süden führt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Entwicklung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

Die während der mittelalterlichen Stadtgründung entstandene Straße gehört zum orthogonalen Straßenraster der Breslauer Altstadt. Bereits 1303 wurde die Straße als platea swidnicensis erwähnt und 1345 als swidnische gassin. Später wurde die Straße Schweidnitzer Gasse und schließlich Schweidnitzer Straße benannt, da sie in Richtung Schweidnitz (Świdnica) führt.

Nach der Schleifung der Wallanlagen ab 1807 wurde die Straße ca. 1820 nach Süden als Neue Schweidnitzer Straße verlängert. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind entlang der Schweidnitzer Straße das Stadttheater, zahlreiche Hotels (wovon allerdings nur zwei bis heute verblieben sind) und ab Ende des 19. Jahrhunderts Waren- und Geschäftshäuser entstanden. Die letzten Bürgerhäuser der Spätgotik und auch zahlreiche Renaissancehäuser sind neuen Geschäfts- und Mietwohnbauten gewichen. So musste beispielsweise ein gotisches Bürgerhaus der Erweiterung des Stadtpalais von Heinrich von Korn weichen.

1877 wurde die zweite Breslauer Pferdestraßenbahnlinie durch den gesamten Verlauf der Straße gebaut – 1901 wurde die Straßenbahn elektrisch. 1896 wurde auf dem Standort des ehemaligen Schweidnitzer Stadttores das Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmal erbaut.

Hauptgeschäftsstraße der Stadt

Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Schweidnitzer Straße zur Hauptgeschäftsstraße der Stadt. Vor dem Zweiten Weltkrieg galt sie als die eleganteste Straße der Innenstadt und wurde salopp-liebevoll als Schwo bezeichnet. Um 1930 entstanden an der Straße drei Warenhäuser der Klassischen Moderne (Bielschowsky, Wertheim und Wilhelm Knittel), ein viertes (Leonhard Tietz nach den Plänen von Hans Poelzig) wurde aufgrund der Weltwirtschaftskrise nicht umgesetzt. Nach 1933 wurden keine weiteren Geschäftsgebäude gebaut. Ende der 1930er Jahre wurden ferner die meisten Warenhäuser in der Schweidnitzer Straße im Zuge der Judenverfolgung enteignet oder ihre jüdischen Eigentümer zum Verkauf zu einem Bruchteil des tatsächlichen Wertes gezwungen. Die meisten enteigneten Gebäuden wurde bereits vor dem Krieg zu Büro- oder Produktionsbauten umfunktioniert, wobei nur im Erdgeschoss die Geschäftsfläche beibehalten wurde.

In den letzten Kriegstagen wurden zahlreiche vor allem gründerzeitliche und ältere Wohnhäuser mit hölzernen Dachstühlen und Decken zerstört, während die Geschäftsbauten mit ummantelten Stahlkonstruktion oder aus Stahlbeton den Krieg – zumindest als Rohbauten – gut überstanden. Grundstücke einiger ausgebrannten Häuser wurden bis in die 1990er Jahre nicht neu bebaut. Weiterhin unbebaut liegen das Grundstück südlich des Opernhauses, wo bis 1945 die Generalkommandantur stand sowie das Grundstück an der Südostecke der Kreuzung mit der ulica Marszałka Józefa Piłsudskiego.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute

Nach dem Krieg wurde der Name der Schweidnitzer Straße in ulica Świdnicka wortgetreu übersetzt, der südliche Abschnitt (Neue Schweidnitzer Straße) wurde zur ulica Aleksandra Fredry (Aleksander-Fredro-Straße). 1951 wurde der ganze Straßenverlauf in ulica Stalingradzka (Stalingrader Straße) umbenannt (in diesem Zuge die historische Grundstücksnummerierung verändert und für die beiden Straßenabschnitte vereinheitlicht) und 1956 (Entstalinisierung) zurück in ulica Świdnicka.

In den 1960er Jahren wurde die Straßenbahn aus dem Abschnitt nördlich des Zwingerplatzes (heute plac Teatralny) herausgenommen und die Straßenbahnlinien in den parallel verlaufenden Straßenzug Siehdichfür/Schuhbrücke verlegt. In den 1970er Jahren wurde die Schweidnitzer Straße durch die Ost-West-Straße im Verlauf des ehemaligen Inneren Stadtgrabens durchtrennt. Eine Fußgängerunterführung verbindet seitdem die beiden Straßenabschnitte – wegen der unergonomisch gestalteten Treppenstufen ist sie als schody śmiesznych kroków (oder sinngemäß übersetzt Treppe der seltsamen Schritte oder Treppe der albernen Gänge) bekannt. Die Treppe wurde zudem als Ort der politischen Proteste der Orangen Alternative der 1980er Jahre berühmt. Daran erinnert heute ein Zwergendenkmal am Nordeingang der Unterführung (ein oranger Zwerg war das Symbol der Orangen Alternative). Die nördlichen Abschnitte zwischen dem Großen Ring und dem Zwingerplatz wurden 1997 bis 2004 in eine Fußgängerzone umgewandelt. Einige historische Warenhäuser wurden wieder zu solchen umgebaut, wobei keine Restitution des Eigentums stattfand.

Die Straße ist heutzutage eine Großstadtstraße mit gemischter Funktion – sie dient sowohl dem Einzelhandel als auch der Kultur. Zwei große ehemalige Klosterkirchen, die im mittleren Abschnitt der Straße örtliche Dominanten darstellen, gelten als besonders interessant in ihrem Kontext.

Straßenverlauf und wichtige Bauwerke


Die Straße verläuft annähernd in der Richtung Nord-Süd und weist eine Gesamtlänge von ca. 1050 m auf. Sie teilt sich hinsichtlich ihrer Entstehungsgeschichten sowie der gegenwärtigen Raumformen in drei Abschnitte, wobei der Innere und Äußere Stadtgraben bzw. die entsprechenden ehemaligen Stadttore die Grenzen markieren.

Nordabschnitt

In früher Neuzeit als Innere oder Innerste, im 18. Jahrhundert Große Schweidnitzer Straße bezeichnet, führt der Nordabschnitt vom Großen Ring zum ehemaligen inneren Stadtgraben (Schwarzen Ohle) und zum Inneren Schweidnitzer Tor (heutzutage Fußgängerunterführung der Ost-West-Straße). Dieser ursprünglich sehr schmale Straßenabschnitt wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erheblich verbreitert, die östliche Straßenflucht wurde um etwa 20 Meter verschoben und ist seit 1997 Fußgängerzone.

Mittelabschnitt

Bis zum äußeren Schweidnitzer Tor und äußeren Stadtgraben führt die Straße durch das wahrscheinlich bereits 1261 eingemeindete Gelände. Dieser Abschnitt ist von der Nutzung und Gestaltung her sehr inhomogen. Bis Theaterplatz wurde die Straße in eine Fußgängerzone umgewandelt; südlich vom Theaterplatz, wo sich die gleichnamige Straßenbahnhaltestelle befindet, liegen in der Straßenmitte zwei Straßenbahngleise, wobei nur das Gleis Richtung Norden im regulären Betrieb befahren wird.

Südabschnitt

Nach der französischen Eroberung Breslaus 1806, ließ sie die Stadtbefestigung schleifen. Ab 1810 gestaltete der Magistrat die Vorstädte um und in diesem Zuge wurde die Schweidnitzer Straße Richtung Süden verlängert, indem ein früherer Feldweg begradigt wurde. Zuerst war der in den 1820er Jahren vom Stadtgraben bis zur damaligen Stadtgrenze bzw. dem heutigen Stadtbahnviadukt angelegte Abschnitt als Neue Schweidnitzer Straße bekannt, nach dem Krieg für kurze Zeit als Aleksander-Fredro-Straße bezeichnet. An der Kreuzung mit der Marschall-J.-Piłsudski-Straße gibt es den einzigen Knick im Verlauf der Schweidnitzer Straße, die sich hier an die Ausfallrichtung der früheren Landstraße nach Schweidnitz anpasst.

Das Gebäude wurde aus einem Wohnhaus, dessen Ursprünge in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts liegen, 1896 umgebaut, wobei nur das Erd- und 1. Obergeschoss als Handelsfläche dienten. Eine Erweiterung entlang der Querstraße Podwale Nr. 37–38 (früher Schweidnitzer Stadtgraben Nr. 11, Standort des früheren Liebich’schen Garten- und Saal-Etablissements[3]), diesmal mit vier Geschäftsetagen, erfuhr das Gebäude 1908.

An der Bahnüberführung geht die ulica Świdnicka in die ulica Powstańców Śląskich (vormals Straße der SA, davor Kaiser-Wilhelm-Straße und noch früher Kleinburger Chaussee) über.

Literatur


Weblinks


 Commons: Schweidnitzer Straße (Breslau)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Die Architektur des XX. Jahrhunderts. Jahrgang 1913, Tafel 90.
  2. Werbung Baugeschäft Simon & Halfpaap, Ratsmaurermeister (fotopolska.eu ).
  3. Beiblatt zu Nr. 31 des Kladderaddadatsch, Nr. 31 vom 7. Juli 1867 (books.google.fr ).

Koordinaten: 51° 6′ 16,4″ N, 17° 1′ 51,1″ O




Kategorien: Verkehrsbauwerk in Breslau | Straße in Polen | Straße in der Woiwodschaft Niederschlesien



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