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Schuldenuhr

Eine Schuldenuhr ist ein öffentlicher Zähler, der die aktuelle Staatsverschuldung einer öffentlichen Gebietskörperschaft (üblicherweise eines Staates) schätzt und durch sekundenweise Aktualisierung das Fortschreiten derselben visualisiert. Wegen des spiegelbildlichen Zusammenhanges von Verbindlichkeiten und Forderungen gibt es inzwischen auch Vermögensuhren, die das private und staatliche Vermögen visualisieren. Uhren zur Darstellung der sich aus der Staatsverschuldung ergebenden Zinsbelastung des Staates bezeichnet man als Zinsuhr.

Inhaltsverzeichnis

Zweck


Die Schuldenuhr zeigt plakativ die Dynamik des staatlichen Schuldenwachstums. Private Schulden und das Wachstum des Geldvermögens der Gläubiger bleiben hierbei unberücksichtigt. Die Schuldenuhr zeigt neben der eigentlichen Neuverschuldung des Staates durch Investitionskredite aus Staatsanleihen, auch die Wirkung von Zins und Zinseszins und das Anwachsen der Verschuldung des Staates durch die zu zahlenden Zinsen.

Bekannte Schuldenuhren


Die erste Schuldenuhr wurde 1989 in New York City an der Kreuzung von 42nd Street und Avenue of the Americas auf Initiative des Immobilienhändlers Seymour Durst installiert. Als im September 2008 die Staatsverschuldung der USA 14-stellig wurde, reichte die vorgesehene Anzahl der Stellen nicht aus, und es musste das Dollarzeichen in der ersten Position durch die Ziffer 1 ersetzt werden.[1][2]

Eine deutsche Schuldenuhr befindet sich seit dem 16. Juni 2004 am Eingang der Zentrale des Bundes der Steuerzahler in Berlin. Neben der vom Verein prognostizierten Staatsverschuldung Deutschlands wird auch die Zunahme pro Sekunde angezeigt.[3] Diese Werte werden vom Verein geschätzt, indem zur Staatsverschuldung des vergangenen Jahres eine geschätzte voraussichtliche Kreditaufnahme für das laufende Jahr addiert wird.[4] Die Schuldenuhr vermittelt auch Mitte der 2010er Jahre den Eindruck, dass die Staatsverschuldung von Deutschland steigt, obwohl sie seit dem Jahr 2012 sowohl relativ, wie auch absolut sinkt. Zum Beispiel betrugen 2013 die deutschen Staatsschulden 77,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, erreichten 2017 dagegen nur noch 66 Prozent.[5] Am 22. Dezember 2017 lief die Schuldenuhr erstmals seit ihrem Bestehen rückwärts – und zwar um 78 Euro pro Sekunde.[6]

Auch am vormaligen Sitz des Bundes der Steuerzahler in Wiesbaden (Adolfsallee) existiert seit dem 12. Juni 1995 eine Schuldenuhr, welche die gesamte Staatsverschuldung, die Schuldlast pro Kopf und den Schuldzuwachs pro Sekunde anzeigt. Zudem befindet sich eine Schuldenuhr im Fraktionssaal der CDU im niedersächsischen Landtag. Eine weitere Schuldenuhr befindet sich seit dem 29. Februar 2008 in München.[7] Im Haus der Geschichte in Bonn gibt es auch eine Schuldenuhr. Diese zeigt Gesamtverschuldung, Verschuldung pro Sekunde und Verschuldung pro Bundesbürger.

Eine weitere Uhr findet sich im Rathaus der, nach dem Verkauf eines RWE-Aktienpakets seit dem 12. September 2007 schuldenfreien, Stadt Düsseldorf. Dort wird die Zeit angezeigt, seit Düsseldorf keine Schulden mehr hat.[8] Des Weiteren befand sich auch am Rathaus in Langenfeld (Rheinland) eine Schuldenuhr. Nachdem Langenfeld 2008 schuldenfrei geworden war, wurde die Uhr abmontiert.[9]

Kritik


Die fehlende Gegenüberstellung der wachsenden Vermögen zu den steigenden Schulden wird u. a. von Gewerkschaftsseite kritisiert. In diesem Zusammenhang wird auch eine Vermögensuhr der steigenden Vermögen angeregt.[10] Der Chef-Volkswirt der UNCTAD, Heiner Flassbeck, kritisierte im Februar 2007 die Einseitigkeit und plakative Wirkung der Schuldenuhr. Er regte an, eine Uhr mit der Anzeige der privaten Vermögen und deren Zuwachs daneben zu stellen, damit die Schulden vor dem Hintergrund der vorhandenen Vermögenswerte bewertet werden können.[11] Inzwischen wurden bereits Vermögens- oder Reichtumsuhren in verschiedenen Varianten veröffentlicht, so z. B. am Gewerkschaftshaus in Frankfurt.[12]

Weblinks


Einzelnachweise


  1. Spiegel Online
  2. New York Post
  3. Bund der Steuerzahler Deutschland (Stand: 19. April 2011)
  4. Spiegel: "Die haben sich unglaubwürdig gemacht" , 28. Oktober 2010
  5. Hannes Koch: Merkwürdige Zeitansage - Schuldenuhr des Steuerzahlerbundes. In: TAZ. taz.de, 17. März 2017, abgerufen am 17. März 2017.
  6. Pressemeldung Bund der Steuerzahler
  7. Bund der Steuerzahler Bayern
  8. Manager-Magazin: Düsseldorf schuldenfrei , 2007
  9. WDR (Memento vom 6. Oktober 2008 im Internet Archive)
  10. Die Hamburger Vermögensuhr (Memento vom 1. Januar 2012 im Internet Archive)
  11. Artikel aus der Frankfurter Rundschau, 28. Februar 2007 (PDF; 45 kB)
  12. Vermögensuhr Hamburg auf radiohamburg.de abgerufen am 2. Mai 2011

Koordinaten: 52° 30′ 52″ N, 13° 23′ 14″ O




Kategorien: Wirtschaftspolitik (Deutschland) | Zähler | Staatsverschuldung


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