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Schruns

Marktgemeinde
Schruns
Wappen Österreichkarte
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Vorarlberg
Politischer Bezirk: Bludenz
Kfz-Kennzeichen: BZ
Fläche: 18,06 km²
Koordinaten: 47° 5′ N, 9° 55′ O
Höhe: 700 m ü. A.
Einwohner: 3.893 (1. Jän. 2020)
Bevölkerungsdichte: 216 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6780
Vorwahl: 05556
Gemeindekennziffer: 8 01 22
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchplatz 2
6780 Schruns
Website: www.schruns.at
Politik
Bürgermeister: Jürgen Kuster (ÖVP)
Gemeindevertretung: (2015)
(24 Mitglieder)

ÖVP 12
FPÖ 10
SPÖ 2

Lage von Schruns im Bezirk Bludenz

Gemeindeamt am Kirchplatz
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Schruns ( Anhören?/i) ist eine Marktgemeinde mit 3893 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2020) im österreichischen Bundesland Vorarlberg im Bezirk Bludenz. Schruns gilt als Hauptort des Montafons.

Inhaltsverzeichnis

Geografie


Schruns liegt in Vorarlberg, dem westlichsten Bundesland Österreichs, im Bezirk Bludenz auf 690 Metern Höhe im Alpental Montafon an der Litz, einem Nebenfluss der Ill. Von Schruns aus erstreckt sich ein Seitental des Montafons namens Silbertal. Zu Schruns gehört das Hochjoch-Bergmassiv der Verwallgruppe, welches durch Bergbahnen und Lifte erschlossen ist.

45,2 Prozent der Fläche sind bewaldet und weitere 18,1 Prozent sind Alpen. Es existieren in Schruns keine weiteren Katastralgemeinden.

Nachbargemeinden


Nachbargemeinden von Schruns sind im Norden Bartholomäberg, im Osten Silbertal, im Süden Sankt Gallenkirch und im Westen Tschagguns. Die nächste Stadt ist Bludenz, etwa 12 Kilometer nordwestlich gelegen.

Geschichte


Name

Früher wurde das Dorf auch Sankt Jossen (zu Jodocus) genannt und 1317 finden wir „Schirun“, 1400 „Scherun“, 1410 „St. Josen in Schiruns“ und ab 1430 immer „Schruns“[1].

Für die Herkunft des Namens „Schruns“ gibt es verschiedene Theorien:

15. Jahrhundert

Um 1420 kam Schruns mit dem übrigen Montafon zu Österreich. Lange Zeit unterstand es der Pfarrgemeinde Bartholomäberg. Die Litz bildete die Grenze gegen diese flächenmäßig weit größere Gemeinde. Die Ill, die vor der Hochwasserkatastrophe von 1762 einen wesentlich anderen Verlauf genommen hatte, grenzte Schruns gegen Tschagguns ab. In Urkunden von 1482 und 1484 wurde erstmals die Kirche „St. Josen zu Schruns“ genannt.

16. und 17. Jahrhundert

1579 trennte sich die Kirche Schruns von der Mutterpfarre Sankt Bartholomäberg und Schruns wurde eigene Pfarrei. Das ganze Gebiet der Außerlitz blieb aber noch länger bei Bartholomäberg.

Im Jahre 1622 wurde Schruns im Dreißigjährigen Krieg von Truppen aus dem Prättigau geplündert, die über das Schlappiner Joch kamen. Zuvor war bereits der umgekehrte Fall eingetreten, als 1621 habsburgische Truppen den Prättigau plünderten.

Die Pest raffte 1591 sowie 1629 viele Menschenleben dahin. Im schweren Lawinenwinter 1689 gab es vier Tote auf dem Stiefen. 1682 brannte die Pfarrkirche ab. Da das mitten am Tage geschah, konnten die umliegenden Häuser gerettet werden. 1696 wurde in Schruns die Handwerkerzunft des Tales gegründet und als erster Zunftmeister wurde Ulrich Marent bestellt.

18. Jahrhundert

Am 1. März 1752 verlieh Kaiserin Maria Theresia den Montafonern das Privileg, jährlich zwei Viehmärkte in Schruns abzuhalten (2. April und 22. September). Auf diesen Märkten wurde das Montafoner Braunvieh gehandelt, bis sie im Jahr 1999 eingestellt wurden. Im Jahre 1754 zählte Schruns bereits 1230 Einwohner.

1762 verwüsteten die Flüsse Ill und Litz bei einer großen Überschwemmung die Felder des Ortes. Zwanzig Häuser fielen den Fluten zum Opfer. Nach langen Bemühungen erhielt Schruns im Jahre 1775 ein eigenes Gericht und gleichzeitig das Recht, allgemeine Märkte abzuhalten.

Zwischen 1796 und 1799 herrschte in Schruns Kriegsnot. Einheimische Schützen unter Landammann Batlogg nahmen an Kämpfen gegen Napoleons Truppen bei Feldkirch und am Schlappiner Joch teil. 1800 wurde der Ort besetzt.

19. Jahrhundert

In den Jahren 1805 bis 1814 gehörte das Montafon zu Bayern. Zu dieser Zeit wurde die Talstraße durch Schruns gebaut. Die Habsburger regierten die Orte in Vorarlberg abwechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus. Zum österreichischen Bundesland Vorarlberg gehört Schruns seit dessen Gründung 1861.

20. Jahrhundert

Am 14. und 15. Juni 1910 verursachte ein Hochwasser der Ill großen Schaden im Gemeindegebiet. Als Folge wurde 1911 mit dem Bau des Litzdamms begonnen.[2]

1925/1926 weilte der wohl bekannteste Langzeitgast in Schruns: Ernest Hemingway. Er vollendete in dieser Zeit sein Buch „Fiesta“, mit welchem er seinen literarischen Durchbruch erzielte. Seine Schrunser Zeit fand zudem Niederschlag in den Romanen „Schnee auf dem Kilimandscharo“ und „Paris – Ein Fest fürs Leben“. Während seines Aufenthalts im Montafon wohnte er im Hotel Taube in Schruns und auch im Madlenerhaus auf der Bielerhöhe (in der Silvretta).

1924 beantragte Schruns die Markterhebung und ein Wappen. Am 1. Juli 1928 fand in Schruns eine große Feier statt, nachdem die Gemeinde bereits am 21. Oktober 1927 vom Landtag unter Ferdinand Redler offiziell zur Marktgemeinde erhoben wurde.[3][4]

Von 1938 bis 1945 gehörte Schruns zum Deutschen Reich. Als französische Truppen am 4. Mai 1945 ins Montafon einrückten, blieb das Tal von Kampfhandlungen verschont. Lokale Widerstandsgruppen hatten bereits die Aufsicht übernommen und die Soldaten der Wehrmacht entwaffnet. Schruns war danach 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich.

Seit dem Zweiten Weltkrieg erlebte Schruns ein gewaltiges Anwachsen der Wirtschaft und des Fremdenverkehrs. 1946 brannte in Schruns erstmals nach dem Krieg wieder ein Funken – der Funkenmeister war Otto Borger.

Im November 1949 wurde der Skiclub Montafon gegründet. Er bildete einen Zusammenschluss aller Wintersportvereine des Tales und die organisatorischen Voraussetzungen für große, internationale Sportveranstaltungen. Schruns wurde mit den Goldschlüsselrennen in den Jahren von 1963 bis 1983 als Austragungsort von Weltcuprennen im alpinen Skiweltcup bekannt.

Im Jänner 1954 lösten sich in diesem schneereichen Winter innerhalb von nur drei Tagen einige hundert Schneebretter, Lawinen und Schneerutsche und forderten in Vorarlberg 112 Tote. Am 11. Jänner 1954 donnerte eine Staublawine vom Monteneu (oberhalb Bartholomäberg) bis hinunter ins Litztobel und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Zusammen mit einer zweiten Lawine am selben Tag starben in den beiden Gemeinden Bartholomäberg und Schruns 23 Personen unter den Schneemassen.[5] Im Herbst 2004 wurde den Opfern auf der Montjola ein Gedenkstein gesetzt.

Bevölkerungsentwicklung


In den Jahren von 1981 bis 1991 war die Wanderungsbilanz bereits negativ, konnte aber durch die Geburtenbilanz ausgeglichen werden. Von 1991 bis 2001 nahm die Abwanderung so stark zu, dass es zu einem Rückgang der Bevölkerungszahl kam. In den nächsten zehn Jahren war die Wanderungsbilanz beinahe ausgeglichen, die Geburtenbilanz jedoch erstmals negativ.[6]

Wappen


Die Verleihung des Wappens an die Marktgemeinde Schruns erfolgte mit Übergabe der Wappenurkunde am 10. Dezember 1927 durch die Vorarlberger Landesregierung.[7]

Das Wappen stellt einen von Gold über Blau erhöht geteilten Schild dar: Oben auf Gold ist ein springender schwarzer Stier dargestellt. Unten auf Blau sind zwei gekreuzte goldene Schlüssel vor einem grünen Dreiberg mit dahinter aufgehender Sonne zu sehen.

Der Stier erinnert an den Aufschwung durch Viehzucht und Viehmärkte. Der Berg mit der aufgehenden Sonne weist auf den Fremdenverkehr hin. Die Schlüssel bekunden die Zugehörigkeit zur Talschaft Montafon: Das Montafoner Wappen mit dem Symbol der gekreuzten Schlüssel ist dem päpstlichen Wappen entnommen, wird seit dem frühen 15. Jahrhundert eingesetzt und beruht auf einer kuriosen Geschichte:

Während des Appenzellerkriegs (1405–1408) organisierten sich die Montafoner zu einem „Land“ und verwendeten als Zeichen im Wappen zwei vom Hof St. Peter (bei Bludenz) abgeleitete gekreuzte Schlüssel. Dieses Wappen wurde später eigenmächtig zum päpstlichen Wappen umgestaltet, indem dem Wappenschild noch eine dreifache Papstkrone hinzugefügt wurde. Begründet wurde dies damit, dass Papst Johannes XXIII. auf dem Weg zum Konzil von Konstanz in einer Sänfte vom Klostertal über den Kristberg ins Montafon getragen wurde, um der Pest zu entgehen und ihnen dann das Recht verliehen habe. 1700 gestattete Papst Innozenz XII. den Montafonern offiziell die Führung dieses Wappens.[8]

Politik


Die Gemeindevertretung hat 24 Mitglieder.

Bürgermeister

Kultur und Sehenswürdigkeiten


Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Schruns

Wirtschaft


Die Schrunser Bevölkerung lebte bis zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hauptsächlich von Ackerbau, Viehzucht, Handel oder Gewerbe. Und viele verdienten damals ihr Brot als Krautschneider, Maurer oder Stuckateure in der Fremde, während Frauen und Mütter die Daheimgebliebenen versorgten.

Um 1900 hatte Schruns bereits rund 350 bewohnte Häuser und bis zum Ersten Weltkrieg erhöhte sich diese Zahl bedeutend. 1910 erreichte Schruns die Zahl von rund 1600 Einwohnern, die es um 1850 schon einmal aufgewiesen hatte.

Am Ort gab es im Jahr 2003 139 Betriebe der gewerblichen Wirtschaft mit 1523 Beschäftigten und 196 Lehrlingen. Lohnsteuerpflichtige Erwerbstätige gab es 1861. Tourismus und Fremdenverkehr spielen dabei eine wichtige Rolle.

Unternehmen
Tourismus

Um 1870 kamen die ersten Feriengäste mit dem beginnenden Sommertourismus nach Schruns und damit begann seine Entwicklung als Fremdenverkehrsort. Der 1898 gegründete Verkehrs- und Verschönerungsverein übernahm fortan die Förderung dieses neuen Erwerbszweiges. Allmählich wurden eine Vielzahl gemütlicher Gasthöfe sowie die ersten Hotels erbaut.

Die Umgebung von Schruns bietet heute Skigebiete von 700 bis 2400 Meter, 62 Lift- und Seilbahnanlagen in Schruns-Tschagguns und in der näheren Umgebung mit 200 km präparierten Pisten.

Im Jahr 2001/2002 gab es insgesamt 359.463 Übernachtungen.

Verkehr


Bildung


Am Ort gab es 578 Schüler im Schuljahr 2007/2008, davon waren 130 Volksschüler und 448 Hauptschüler. Es gibt eine Spielgruppe und vier Kindergärten, zwei Volksschulen, zwei Hauptschulen (eine davon die Skimittelschule[23]) sowie die Musikschule Montafon. Eine Polytechnische Schule besteht im benachbarten Bartholomäberg.

Persönlichkeiten


Söhne und Töchter der Gemeinde
Personen mit Bezug zur Gemeinde
Ehrenbürger der Gemeinde

Kurioses


Weblinks


Commons: Schruns  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. a b Montafoner Heimatbuch (Herausgeber Stand Montafon)
  2. montafon. 1906–2006 (Memento des Originals vom 3. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 5,74 MB)
  3. Onlineauftritt Marktgemeinde Schruns Geschichte von Schruns
  4. 96 Gemeindewappen (Ausstellungskatalog des Vorarlberger Landesarchivs), 2008
  5. Helga Nesensohn-Vallaster: Der Lawinenwinter 1954. Heimatschutzverein Montafon, Schruns 2004, ISBN 3-902225-10-6
  6. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Schruns, Bevölkerungsentwicklung. Abgerufen am 31. März 2019.
  7. Ulrich Nachbaur: Zur Entstehung der Montafoner Gemeindewappen 1927 bis 1967. In: Alois Niederstätter, Ulrich Nachbaur (Hrsg.): 200 Jahre Gemeindeorganisation. Almanach zum Vorarlberger Gemeindejahr 2008. Bregenz 2009, ISBN 978-3-902622-10-5, S. 301–312 (Volltext als PDF auf den Webseiten des Vorarlberger Landesarchivs).
  8. Die Sage von den Petrusschlüsseln , kristberg.at
  9. Onlineauftritt sagen.at Entstehung der Litz-Kapelle
  10. sagen.at zu Litzkapelle Konrad Honold hat Werk von Jacob Bertle festgestellt
  11. Pater Edilbert Geiger, Kapuzinerkloster Gauenstein 140: Pater Stanislaus Saurbeck (1595–1647), ein Kapuziner aus Wutöschingen. Schruns/Vorarlberg (ohne exakte Zeitangabe, 1980er Jahre), S. 13. Als Quelle bezieht sich Geiger auf: Geschichte der Tiroler Kapuziner-Ordensprovinz (1593–1893), von Agapit Hohenegger und P. Peter Baptist Zierler, 2. Band, Innsbruck 1915, S. 431–438. Geiger schreibt, dass die Einsiedelei schon „in den Tagen des P. Stanislaus“ bestand.
  12. Kapuziner Österreich-Südtirol: Kloster Gauenstein .
  13. Kapuziner Österreich-Südtirol: Kloster Gauenstein (Memento vom 16. Februar 2015 im Internet Archive)
  14. Bevölkerung lehnt modernen Museumsbau ab
  15. Hermann Sander: Johann Josef Batlogg, der Landammann von Montafon. Ein Lebensbild. (Innsbruck 1900, S. 4.53)
  16. Johann Peter Düringer: Johann Josef Batlogg, der Landammann von Montafon (Festrede bei der Denkmalfeier in Vandans am 26. Mai 1927)
  17. Schruns erhält Ernest-Hemingway-Denkmal (26. März 2008)
  18. Hemingway-Denkmal feierlich eingeweiht (29. März 2008)
  19. Hubert Borger: Erstes modernes Jugendstil-Dampf- und Brausebad in Schruns. In: Bludenzer Geschichtsblätter. 39, 1997, S. 29–39
  20. „Gletscherloden“ – Stoffmuster der Lodenfabrik Schruns
  21. Kuranstalt in Schruns wird abgerissen (30. November 2010)
  22. Onlineauftritt Architekturzentrum Wien Bahnhofsareal Schruns
  23. SMS Schruns öffnet ihre Türen (12. Januar 2012)



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Stand der Informationen: 01.03.2020 06:43:25 CET - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
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