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Schiffmühle

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Eine Schiffmühle oder Schiffsmühle ist eine auf einem im Wasser schwimmenden Schiffskörper errichtete Wassermühle. Im Deutschen werden die Wortformen Schiffs- und Schiffmühle (mit und ohne Fugen-s) nebeneinander verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Erste Erwähnung


Bezeugt sind Schiffmühlen bereits für das Jahr 540 n. Chr., als die Ostgoten unter Witichis bei der Belagerung Roms die vierzehn Aquädukte zur Versorgung der Stadt zerstörten. Damit wurde auch die Trajanische Wasserleitung zum Versiegen gebracht, die die Wassermühlen am Ianiculum in Trastevere antrieb. Um die lebenswichtige Versorgung der Stadt mit Mehl zu gewährleisten, ließ Belisar auf Barken schwimmende Mühlen im Tiber verankern, deren Räder von dessen Strömung angetrieben wurden.[1]

Technik


Die Mühlen- und Mahltechnik sowie der Antrieb (Wasserrad) sind bei diesem Mühlentyp auf einer schwimmenden Plattform errichtet. Zwischen Hausboot (zum Ufer hin gelegenes Hauptschiff) und Wellboot (Weitschiff) befindet sich das unterschlächtige Wasserrad, das durch Fließwasser angetrieben wird. Auf dem Hausboot stehen ein Holzhaus mit Bett, Tisch und Sessel für den Schiffsmüller und seine Gehilfen sowie das Mühlwerk. Es gibt Hinweise auf Schiffmühlen, die beidseitig ein schmaleres Wasserrad hatten, ähnlich wie es von alten Raddampfern bekannt ist. Die schwimmende Plattform wird an der strömungsintensivsten Stelle im Fluss verankert, an Brückenpfeilern (wegen des guten Zugangs zur Mühle) oder auch am Ufer vertäut.

Dadurch kann die Schiffmühle bei wechselnden Wasserständen aufschwimmen, es steht der Mühle stets die gleiche Wasserenergie zur Verfügung. Der Wirkungsgrad einer Schiffmühle entspricht im günstigsten Fall dem einer unterschlächtigen Wassermühle. Schiffmühlen hatten jedoch den Vorteil, dass ihre Energie im Gegensatz zu Wind- und herkömmlichen Wassermühlen immer zur Verfügung stand, so dass sie als Grundlastmaschine (d. h. nicht besonders stark, aber dafür ständig laufend) zur Verfügung stand. Bei Bedarf (Schiffsverkehr, Flößerei, Eisgang, niedrige Wasserstände) konnte eine Schiffmühle an das sichere Ufer gezogen werden. Flussaufwärts geschah dies mit Hilfe von Pferden.

Der Schiffsrumpf wurde roh zusammengefügt und mit Werg abgedichtet. Die permanente Wasserströmung belastete die Bordwände, führte zu Rissen. Die Lebensdauer überstieg selten 30 bis 40 Jahre. Wenn Bewirtschaftung und Pflege unterblieben, dann verschwand eine Schiffmühle rasch.[2] Daher und weil sie für die aufkommende Flussschifffahrt Hindernisse darstellten, hat sich in Mitteleuropa keine historische Schiffmühle erhalten.

Im Sommer 2010 wurde in Magdeburg in Sichtweite zur historischen Schiffmühle der Prototyp einer modernen stromerzeugenden Schiffmühle getestet. Er hatte eine Länge von 16 m, eine Breite von 6 m und eine Nennleistung von 4,5 kW.[3] Das Wasserrad hatte eine Eintauchtiefe von 1,2 m. Anfang 2015 wurde berichtet, dass eine größere Version unter dem Namen „Elb-Strom 2“ auf der Elbe in Betrieb ist. Zuvor waren nach den ersten Tests an dieser Anlage noch Verbesserungen vorgenommen worden. „Elb-Strom 2“ liefert je nach Wasserstand und Strömungsgeschwindigkeit der Elbe bis zu 14 kW.[4] Hinter dem Projekt steht der Hannoveraner Stromversorger EHG. Ein vergleichbares System ist die Strom-Boje.

Mühlenrecht


Die Schiffmühlen waren, wie auch die Wasser- und Windmühlen, im Besitz der Landesherren oder Klöster. Damit war auch die rechtliche Situation geregelt (Mühlenrecht).

Geografische Verbreitung


An nahezu allen Flüssen in Europa wurden Schiffmühlen betrieben.

Zu Zeiten Maria Theresias (um 1750/1780) gab es noch über 100 Schiffmühlen.[5]

Schaustücke


Es gibt einige funktionstüchtige Nachbauten von Schiffmühlen, die zu besichtigen sind:

auf der Elbe:

auf der Donau:

auf der Kleinen Donau in der Westslowakei

auf der Mulde

auf der Mur:

auf dem Rhein:

auf der Weser:

Schiffmühlen als Denkmal (nicht am ursprünglichen Ort und nicht in Betrieb):

Siehe auch


Literatur


Weblinks


 Commons: Shipmills  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter, Bd. I, Cotta, Stuttgart 1859, S. 356ff.
  2. Joachim Varchim (Text), Gerd Schröder (Zeichnungen) : Flügel, Wellen, Räder. Alte Mühlentechnik in Modellen. Heft zur Sonderausstellung im Museum für Verkehr und Technik 24. Mai – November 1996. Museum für Verkehr und Technik Berlin, Berlin 1996, DNB 949224723 , Schiffmühle, S. 10.
  3. Schwimmende Wasserkraftanlage auf der Elbe in Betrieb , Pressemitteilung IWR vom 28. Juli 2010, abgerufen am 8. Februar 2015.
  4. Elbstrom aus der Steckdose auf Volksstimme.de, abgerufen am 8. Januar 2015.
  5. Murecker Schiffsmühle steiermark.com, abgerufen 20. März 2019.
  6. Ernst Grohne: Die ehemaligen Schiffsmühlen und ihre Namen, in: Niederdeutsche Zeitschrift für Volkskunde 20, 1942, S. 68–75; Heinz Schecker Schiffsmüller und Teerbrenner, in: Niedersächsisches Jahrbuch 1938, S. 32–37.
  7. Entstehungsgeschichte der Schiffmühle Orth an der Donau Webseite der Mühlenbetreiber, abgerufen am 26. Mai 2015.
  8. Geschichte der Ráckever Schiffmühle Webseite des Bürgerprojekts, u. a. auch in Deutsch und Englisch, abgerufen am 26. Mai 2015, nur die ungarischsprachige Version enthält alle Informationen.
  9. Film des Bürgerprojekts über den Bau und den Betrieb , auf: Youtube, abgerufen am 26. Mai 2015.
  10. Vodný mlyn Kolárovo abgerufen am 14. Februar 2010 (engl.).
  11. Múzeum vodného mlynárstva, Vodný mlyn Kolárovo, Water Mill Museum Kolarovo auf: Muzeum.sk – Touristisches Internetprojekt der Firma DECUS s. r. o. in Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum Bratislava sowie den Städten und Gemeinden (slowakisch), abgerufen am 26. Mai 2015.
  12. Innovation und Historie. Technische Schau- und Forschungsanlage , auf: Webseite der Gemeinde Höfgen, abgerufen am 26. Mai 2015.
  13. Die Schiffsmühle „Mureck“ , Webseite des Mühleninhabers, abgerufen am 20. Dezember 2015.
  14. Bojana Karba: Babičev mlin v Veržeju – panonski plavajoči mlin na Muri Artikel vom 21. Juni 2013 auf: Nachrichtenportal der Region Pomurja (slowenisch), abgerufen am 26. Mai 2015.
  15. Standort Ižakovci , auf: Webseite des Ökomuseums Mura. Standorte der Attraktionen, ausführliche Informationen nur slowenisch und kroatisch, ausweichend in der englisch-deutschen Downloadbroschüre, abgerufen am 26. Mai 2015.
  16. Rijeka Mura , auf: Webseite der Gemeinde Mursko Središće (kroatisch), abgerufen am 26. Mai 2015.
  17. Standort Sveti Martin na Muri, Žabnik , auf: Webseite des Ökomuseums Mura. Standorte der Attraktionen, ausführliche Informationen nur slowenisch und kroatisch, ausweichend in der englisch-deutschen Downloadbroschüre, abgerufen am 26. Mai 2015.
  18. Projekt Rekonstruktion auf: Webseite des Vereins Historische Rheinschiffsmühle Ginsheim e. V., abgerufen am 26. Mai 2015.
  19. Sven Lüthje: Schiffmühlen – 1400 Jahre schwimmende Mühlen mit Wasserkraftantrieb, nun Wiedergeburt in Ginsheim am Rhein im Jahre 2011. In: DWhG – Zehn Jahre wasserhistorische Forschungen und Berichte, Schriften der DWhG, Band 20.2, Siegburg 2012, S. 587–592.
  20. Die Schiffmühle Minden auf: Webseite des Schiffmühle Minden e. V., abgerufen am 26. Mai 2015
  21. Winfried Hedrich: Faszination Westfälische Mühlenstraße, Erfurt 2011, S. 78.
  22. Internationales Wind- und Wassermühlen-Museum Gifhorn (Hg.): 25 Jahre. 1980–2005. Eine Festschrift, Gifhorn 2005, S. 8.
  23. Bergschiffmühle (Memento des Originals vom 2. Februar 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf: Webseite des Heimatvereins Bad Düben e. V., abgerufen am 26. Mai 2015.



Kategorien: Wassermühle | Wassermühlentechnik | Mühlentyp nach Antrieb | Hausboot



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