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Sägewerk

Sägewerke (regional auch Säge, Sägemühle, Sägerei (CH), Sagi (CH), Schneidmühle, Bordmühle, Brettmühle oder Brettsäge genannt) sind Wirtschaftsbetriebe, die der Aufarbeitung des von der Forstwirtschaft angelieferten Rundholzes zu Brettern, Kanthölzern und Balken dienen.

Inhaltsverzeichnis

Produkte und Prozesseinheiten


Die Produkte werden auch Schnittholz (Schnittware) genannt. Der Einschnitt erfolgt überwiegend an Gattersägen, aber auch an Band- und Kreissägen. Heutzutage werden auch vermehrt Profilzerspaner eingesetzt.

Angetrieben wurden sie früher meist durch ein Wasserrad, später durch Dampfmaschinen (siehe: Dampfsägewerk) oder Dieselmotoren und heute üblicherweise mit Elektromotoren.

Ein Sägewerk besteht im Wesentlichen aus folgenden Prozesseinheiten:

Die anfallenden Sägenebenprodukte werden ebenfalls weiterverwertet:

Grundsätzlich wird zwischen Laub- und Nadelholzsägewerken unterschieden.

Die größten Laubholzsägewerke Deutschlands betreibt die Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG. Ihren Hauptsitz hat das Unternehmen in Creuzburg und betreibt zwei weitere Sägewerke in Malchow und Aschaffenburg. Jährlich werden an den drei Standorten weit mehr als 600.000 Festmeter Buchenrundholz eingeschnitten.

Über das größte Nadelholzsägewerk Europas verfügt die Ilim Nordic Timber in Wismar. Auf zwei Profilierlinien von LINCK HVT werden jährlich 2,2 Millionen Festmeter Rundholz im Mehrschichtbetrieb verarbeitet. Die Vorschubgeschwindigkeit der Linie I beträgt maximal 150 Meter pro Minute, die der Linie II maximal 160 Meter pro Minute.

Gemessen an der Produktionskapazität ist der finnisch-schwedische Konzern Stora Enso Timber das zweitgrößte Forstunternehmen der Welt. Das Unternehmen betreibt 25 Sägewerke in elf Ländern, in denen 7,5 Millionen Kubikmeter Schnittholzprodukte verarbeitet werden. Stora Enso ist mit über 700 Jahren die älteste Aktiengesellschaft der Welt.

Geschichte


Der Vorläufer der Sägemühle ist die Grubensäge, hier wurde der Stamm von zwei Personen mittels einer vertikal laufenden Säge zerteilt. Später wurden hierfür auch entsprechende Konstruktionen errichtet (siehe auch Underdog (Soziologie)).

Die Sägemühle von Hierapolis war eine römische wassergetriebene Steinsägemühle in Kleinasien (heutige Türkei) aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. Die Wassermühle ist die erste bekannte Maschine, bei der eine Drehbewegung mithilfe von Kurbelwelle und Pleuelstange in eine lineare Bewegung umgesetzt wurde.[1]

Ein schriftliches Zeugnis, aus dem der antike Betrieb von wassergetriebenen Marmorsägen in der Nähe von Trier hervorgeht, findet sich in Ausonius' Gedicht Mosella aus dem späten 4. Jahrhundert n. Chr. Eine etwa zur gleichen Zeit verfasste Textstelle im Werk des Heiligen Gregor von Nyssa deutet auf die Existenz von Marmorsägemühlen auch im anatolischen Raum hin, so dass eine weite Verbreitung solcher industriellen Mühlen im Spätrömischen Reich anzunehmen ist.[2] Eine weitere Sägemühle könnte im schweizerischen Augusta Raurica gestanden haben, wo man eine metallene Kurbelwelle aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. entdeckt hat.[3]

Weitere römische bzw. byzantinische Steinsägemühlen, die mit Kurbel und Pleuelstange, aber ohne Zahnradgetriebe arbeiteten, wurden in Gerasa (Jordanien) und Ephesus (Türkei) ausgegraben. Beide Mühlen stammen aus dem 6. Jahrhundert n. Chr.[4] Ob es in römischer und frühbyzantinischer Zeit neben Stein- auch Holzsägemühlen gegeben hat, ist nicht bekannt.

In Europa ging die Technologie für den Betrieb einer Sägemühle in nachrömischer Zeit für Jahrhunderte verloren und wurde vergessen. Erst für das Hochmittelalter sind in Europa wieder Sägemühlen urkundlich fassbar.[5] 1204 wird in Evreux (Normandie) eine Plankenmühle erwähnt, bei der es sich wohl um die älteste urkundliche Nennung einer Sägemühle handelt, über deren Funktionsweise jedoch nichts bekannt ist. Aus der Zeit zwischen 1220 und 1240 stammt eine Zeichnung des französischen Architekten Villard de Honnecourt, die den Mechanismus einer Sägemühle zeigt.[6] Für das Jahr 1267 ist eine Wasserkraftsäge im Schweizer Jura urkundlich belegt.[7] Die älteste bekannte Sägemühle im deutschsprachigen Raum ist eine 1279 erstmals erwähnte Holzmühle zwischen Riehen und Basel.[8] Die älteste nachantike Sägemühle in Deutschland ist die 1295 erwähnte Urtelmühle in Lenggries.[9] Weitere frühe Sägemühlen in Deutschland sind vor allem für den Südwesten bezeugt: 1298 in Freiburg im Breisgau, 1310 in Kirchheim unter Teck, 1311 in Pfaffenweiler in Südbaden, 1313 in Selbach und 1314 in Peterzell.[10] 1322 ist in einer Bauamtsrechnung die Hanrey-Sägemühle bei Augsburg belegt, die in der Literatur z. T. fälschlich als älteste Sägerei in Deutschland bezeichnet wird.[11] 1340 wird eine Sägemühle in Zürich genannt und 1361 eine in Graubünden.[12]

Literatur


Einzelnachweise


  1. a b Ritti, Grewe, Kessener (2007), S. 161.
  2. Wilson (2002), S. 16.
  3. Schiöler (2009), S. 66f.
  4. Ritti, Grewe, Kessener (2007), S. 149–153.
  5. Detaillierte Darstellung von Mechanik und Technik historischer Sägemühlen bei Peter Nikolaus Caspar Egen: Sägemühlen. In: ders.: Untersuchungen über den Effekt einiger in Rheinland-Westphalen bestehenden Wasserwerke, hrsg. vom Ministerium des Innern für Handel, Gewerbe und Bauwesen, Teil I-II. A. Petsch, Berlin 1831, S. 168–171 (Google-Books ).
  6. www.falkenmuehle.eu .
  7. www.historische-saegen.ch .
  8. Stefan Hess: Zwischen Hobelbank und Pflug, in: Jahrbuch z’Rieche 2012 (online ).
  9. Art. Wassermühlen, in: Mittelalter-Lexikon (Memento des Originals vom 16. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis..
  10. Hans Jänichen: Zur Geschichte der Sägemühlen im Mittelalter, in: Alemannisches Jahrbuch 1961, S. 317–329; Jürgen Gaebeler: Die Frühgeschichte der Sägemühlen als Folge der Mühlendiversifikation. 2. Aufl. Verlag Kessel, Remagen-Oberwinter 2006, S. 3 (Memento des Originals vom 9. Februar 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis..
  11. Art. Wassermühlen, in: Mittelalter-Lexikon (Memento des Originals vom 16. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis..
  12. www.historische-saegen.ch .

Weblinks


Commons: Sägewerke  – Sammlung von Bildern
Wiktionary: Sägewerk – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen



Kategorien: Holzbearbeitung | Sägen

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