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Rust (Burgenland)

Statutarstadt
Rust
Wappen Österreichkarte
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Statutarstadt
Kfz-Kennzeichen: E
Fläche: 19,99 km²
Koordinaten: 47° 48′ N, 16° 41′ O
Höhe: 123 m ü. A.
Einwohner: 1.940 (1. Jän. 2019)
Postleitzahl: 7071
Vorwahl: 02685
Gemeindekennziffer: 1 02 01
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Conradplatz 1
7071 Rust
Website: Freistadt Rust
Politik
Bürgermeister: Gerold Stagl (SPÖ)
Gemeinderat: (2017)
(19 Mitglieder)
10
6
3
10 
Insgesamt 19 Sitze
Lage von Rust

Der Hauptplatz, im Hintergrund die Katholische Pfarrkirche
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Die Stadt Rust (ungarisch Ruszt, kroatisch Rušta), ehemals eine Königliche Freistadt im Königreich Ungarn, ist seit 1921 (oder 1926[1]) eine Statutarstadt im Burgenland in Österreich.

Rust ist mit nur 1940 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019) der kleinste Verwaltungsbezirk und auch die kleinste Statutarstadt Österreichs. Bekannt ist Rust vor allem als Stadt der Störche und als Weinbaugemeinde. Rust gehört seit 1921 zum österreichischen Burgenland und besitzt das Stadtrecht seit 1681, als es zur königlich ungarischen Freistadt erhoben wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geografie


Rust liegt am Westufer des Neusiedler Sees, nahe der ungarischen Grenze.

Gemeindegliederung

Rust besteht aus einer einzigen gleichnamigen Katastralgemeinde bzw. Ortschaft.

Nachbargemeinden

Oggau am Neusiedler See
Oslip

Sankt Margarethen im Burgenland
Illmitz
am gegenüberliegenden Ufer (gemeinsame Grenze im Neusiedler See)
Mörbisch am See

Geschichte


In der vorchristlichen Zeit war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Später, unter den Römern, lag das heutige Rust dann in der Provinz Pannonien.

Erstmals urkundlich erwähnt ist Rust im Jahre 1317 als Ceel (ungarisch szil Ulme, Rüster‘) in einer Schenkungsurkunde des ungarischen Königs Karl Robert I. von Anjou-Neapel für seinen Gefolgsmann Desiderius Hedevary als possessio Ceel vocatum circa stagnum Ferthew. Somit ist entweder der deutsche Ortsname Rust eine Übersetzung aus dem früheren ungarischen Ortsnamen Szil oder diese ursprüngliche ungarische Form stellt umgekehrt eine Übersetzung aus dem Deutschen dar. Der heutige ungarische Ortsname Ruszt ist später lautgetreu aus dem deutschen Rust übernommen worden.

Um 1470 erhielt Rust das Marktrecht und seit 1524 haben die Ruster das von Königin Maria von Ungarn verbriefte Recht, als Markenzeichen ein gekröntes «R» in ihre Fässer einzubrennen. Dieses «R» wird auch heute noch als Gütezeichen im Korkbrand der Flaschenweine verwendet. Ab den 1520er Jahren geriet Rust vom nahe gelegenen Ödenburg her, wo 1522 ein Franziskaner lutherisch predigte, unter evangelischen Einfluss. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts bekannte sich Rust nahezu vollständig zum evangelischen Glauben und erlebte einen politisch-wirtschaftlichen wie einen geistlich-religiösen Aufbruch. Zur Grundherrschaft Ungarisch-Altenburg gehörig, sah sich die evangelische Gemeinde gegenreformatorischen Kräften gegenüber. Dennoch gestattete der Landtag 1647 den Bau einer evangelischen Kirche (der heutigen römisch-katholischen Stadtpfarrkirche), hinzu kamen ein Pfarrhaus und eine evangelische Schule. Die Gemeinde erlebte unter evangelischen Pfarrern und Lehrern eine Blütezeit, bis ab 1674 durch die teilweise gewaltsam vorgehende Gegenreformation ein Jahrhundert ohne eigene Kirche und Prediger folgte. Hausväter sicherten mit Hausandachten und Bibellese die Weitergabe des evangelischen Glaubens, während zugleich für die Kasualien der Dienst der katholischen Pfarrer in Anspruch genommen wurde.[2]

Im Jahr 1512 erfolgte eine erste Befestigung der Stadt mit Mauern und Gräben, Rust wurde dennoch 1529 und 1532 während des Türkenkrieges zerstört. 1614 wurde dann eine Ringmauer als zweite Stadtbefestigung errichtet, welche heute noch in großen Teilen erhalten ist.

Im Jahre 1649 kaufte sich Rust von der Herrschaftsuntertänigkeit frei, die Stadt bezahlte dafür 60.000 Goldgulden und 500 Eimer besten Weines an die Habsburger: fast 30.000 Liter Ruster Ausbruch der Sorte Furmint. Am 3. Dezember 1681 erhielt Rust von Kaiser Leopold I. den Titel königliche Freistadt (Reichstag in Ödenburg) – gegen einen großenteils von der evangelischen Bevölkerung aufgebrachten Betrag, was ihr die evangelische Kirche zunächst nicht zurückbrachte[2].

1918 bestand der (unverwirklicht gebliebene) Plan, von der Station der Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn in Sopron (Ödenburg) eine über Mörbisch am See nach Rust führende normalspurige Eisenbahn zu errichten.[3]

Rust, bis 1921 zum Königreich Ungarn und danach zur Republik Österreich gehörend, übt seine Selbstverwaltung durch ein eigenes Stadtrecht aus. Da Rust bereits vor dem Anschluss des Burgenlandes an Österreich (ungarische) Freistadt war, wurde es nach 1921 Statutarstadt und stellt seitdem den kleinsten Verwaltungsbezirk Österreichs dar.[4]

Zum ersten Mal 1931 erwähnt, wurde 1932 die Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei gegründet.[5]:S. 157[6] Bei der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs im März 1938 wurden 862 Ja-Stimmen und 1 Nein-Stimme abgegeben, die auf einer Gedenktafel für (angeblich) 100 % Ja-Stimmen keine Erwähnung findet.[5]:S. 229 f. Drei Jüdische Familien wurden enteignet[5]:S. 221, 246 ff., teils vertrieben, teils in Lagern ermordet.[7] Roma und Romnija wurden diskriminiert, in Lager verschleppt und ermordet.[5]:S. 258–261 Vier Menschen mit Behinderung wurden im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms ermordet.[5]:S. 281 Im Zweiten Weltkrieg gab es 113 Gefallene bzw. Vermisste. Die Rote Armee beendete am 2. April 1945 die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. Nach dem Krieg wurden Funktionsträger der NSDAP und der Polizei in Entnazifizierungsprozessen zu Haftstrafen verurteilt.[5]:S. 293–323

2019 wurde Rust der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.[2]

Bevölkerungsentwicklung


Kultur und Sehenswürdigkeiten


Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Rust

Regelmäßige Veranstaltungen

Rust ist seit 1999 Schauplatz des International Guitar Festival Rust, das sich zu einem der bedeutendsten Gitarrenfestivals in Europa entwickelte, und dem britischen Komponisten John W. Duarte (1919–2004) gewidmet ist. Es wurde vom venezolanischen Gitarristen Gabriel Guillén gegründet, dem zusammen mit Jovan Pesec die künstlerische Leitung obliegt. Zahlreiche anerkannte Gitarristen aus Österreich und dem Ausland geben Meisterkurse und Konzerte. Weiters gibt es einen internationalen Gitarrenwettbewerb sowie Instrumenten- und Notenausstellungen.

Wirtschaft und Infrastruktur


Verkehr

Die Stadt ist über die Ruster Straße (B52) an die Landeshauptstadt Eisenstadt angebunden.

Der nächste Bahnhof der Pannoniabahn befindet sich in Eisenstadt, von Rust aus verkehren Busse nach Eisenstadt bzw. auch direkt nach Wien.

Weinbau

Die Rebflächen in der Stadtgemeinde umfassen rund 450 Hektar, welche zum Weinbaugebiet Neusiedlersee-Hügelland gehören und berühmt für den Ruster Ausbruch sind. Zu den bekanntesten Weingütern zählen Feiler-Artinger und Triebaumer.

Öffentliche Einrichtungen

Als Sicherheitsbehörde I. Instanz für die Stadt fungiert die Landespolizeidirektion Burgenland in Eisenstadt; deshalb werden für Rust wie für Eisenstadt Kfz-Kennzeichen mit dem Unterscheidungszeichen E vergeben. In der Stadt ist eine Polizeiinspektion eingerichtet, die dem Stadtpolizeikommando Eisenstadt untersteht.

Die Stadt Rust liegt im Sprengel des Bezirksgerichtes Eisenstadt.

Bildung

Neben einem Kindergarten existieren eine Volks- und Neue Mittelschule sowie die Volkshochschule. Außerdem hat die österreichische Weinakademie ihren Sitz in Rust.

Politik


Gemeinderat

Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Einwohnerzahl insgesamt 19 Sitze.

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997
Partei 2017[10] 2012[11] 2007[12] 2002[13] 1997[13]
Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M.
SPÖ 677 53,10 10 654 50,97 10 689 52,12 10 696 50,36 10 512 42,99 8
ÖVP 386 30,27 6 439 34,22 6 532 40,24 8 nicht kandidiert nicht kandidiert
ARTINGER nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 545 39,44 8 516 43,32 9
FPÖ 212 16,63 3 190 14,81 3 92 6,96 1 106 7,67 1 163 13,69 2
FRUST nicht kandidiert nicht kandidiert 9 0,68 0 nicht kandidiert nicht kandidiert
AUG nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 35 2,53 0 nicht kandidiert
Wahlberechtigte 1653 1649 1583 1540 1405
Wahlbeteiligung 83,06 % 85,45 % 88,50 % 92,86 % 91,74 %

Bürgermeister

Bürgermeister der Freistadt Rust ist seit 2012 Gerold Stagl (SPÖ)[14]

Seine Vorgänger waren unter anderen:

Stadtsenat

Neben dem Bürgermeister Gerold Stagl gehören weiters die Vizebürgermeisterinen Luzia Drawitsch und Andrea Kargl-Wartha sowie die Stadträte Georg Seiler und Johann Reinprecht dem Stadtsenat an.[15]

Magistratsdirektor der Freistadt Rust ist Mathias Szöke.[16]

Gemeindepartnerschaften

Persönlichkeiten


Söhne und Töchter der Stadtgemeinde

Ehrenbürger

Auf Beschluss des Gemeinderates wurden bisher die folgenden Persönlichkeiten zu Ehrenbürgern ernannt:[17]

Literatur


Filme


Weblinks


Commons: Rust  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Siehe Artikel Königliche Freistadt.
  2. a b c Siehe das Stadtporträt Reformationsstadt Rust. Österreich. In: reformation-cities.org, abgerufen am 1. Juni 2019 (gemeinsame Bewerbung um den Titel seitens der evangelischen und katholischen Pfarrgemeinde sowie der Stadtregierung; zur Geschichte der Reformation und Gegenreformation in Rust).
  3. Eisenbahn-Baunachrichten. (…) Bahnbau in Sopron (Oedenburg) . In: Der Bauinteressent, Jahrgang 1918, Nr. 28/1918 (XXXV. Jahrgang), S. 221 (Online bei ANNO).
  4. Freistadt Rust: Geschichte. In: freistadt-rust.at, abgerufen am 12. Juni 2019.
  5. a b c d e f Heribert Artinger: Chronik der Freistadt Rust 1850–1950. Tagebuch der kleinsten Stadt Österreichs mit eigenem Statut. Vinothek-Verlag, Graz 2002, ISBN 3-900582-18-1.
  6. Rust in der NS-Zeit. In: regiowiki.at, abgerufen am 3. Juni 2019.
  7. Heribert Artinger: Chronik der Freistadt Rust 1850–1950. Tagebuch der kleinsten Stadt Österreichs mit eigenem Statut. Vinothek-Verlag, Graz 2002, ISBN 3-900582-18-1, Kap.: Die jüdischen Familien in Rust (Teil 1: Die jüdischen Familien in Rust (Memento vom 21. August 2003 im Internet Archive); Teil 2: Die „Arisierung“ des jüdischen Vermögens (Memento vom 7. August 2003 im Internet Archive). In: david.juden.at, David. Jüdische Kulturzeitschrift [abgerufen am 3. Juni 2019]).
  8. Wehrkirche Fischerkirche in Rust / Burgenland. In: burgenkunde.at, abgerufen am 3. Juni 2019.
  9. Stadtmuseum Rust. In: neusiedlersee.com, abgerufen am 27. Februar 2018.
  10. Land Burgenland: Wahlergebnis Rust 2017. In: wahl.bgld.gv.at, abgerufen am 3. Juni 2019.
  11. Land Burgenland: Wahlergebnis Rust 2012. In: wahl.bgld.gv.at, abgerufen am 22. November 2017.
  12. Land Burgenland: Wahlergebnis Rust 2007. In: wahl.bgld.gv.at, abgerufen am 22. November 2017.
  13. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Rust 2002. In: wahl.bgld.gv.at, abgerufen am 22. November 2017.
  14. Stadtgemeinde Rust: Bürgermeister. In: freistadt-rust.at, abgerufen am 12. Juni 2019.
  15. Stadtgemeinde Rust: Stadtsenat. In: freistadt-rust.at, abgerufen am 12. Juni 2019.
  16. Stadtgemeinde Rust: Magistrat. In: freistadt-rust.at, abgerufen am 12. Juni 2019.
  17. Stadt Rust: Ehrenbürger. In: freistadt-rust.at, abgerufen am 12. Juni 2019.
  18. Hannelore Elsner in „Sommer im Burgenland“ – Burgenland heute. In: burgenland.orf.at. Abgerufen am 25. Mai 2017.



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Stand der Informationen: 29.02.2020 11:37:52 CET - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
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