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Roland Berger




Roland Berger (* 22. November 1937 in Berlin) ist ein deutscher Unternehmer sowie Unternehmens- und Politikberater. Er ist Gründer der Unternehmensberatung Roland Berger und Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates. Berger ist außerdem Honorarprofessor der BTU Cottbus.

Inhaltsverzeichnis

Leben und beruflicher Werdegang


Roland Berger wurde 1937 als Roland Altmann in Berlin geboren. Sein Vater Georg Berger, Mitglied der NSDAP von 1931 bis zum Parteiausschluss im Sommer 1944[1], war von 1936 bis 1939 Finanzchef der Hitler-Jugend.[2] 1937 wurde er von Hitler zum Ministerialrat ernannt. 1939/40 war er Prokurist der Magdeburger Knäckebrotfabrik.[3] Von Januar 1941 bis Juli 1942 war er Generaldirektor des arisierten Nahrungsmittelkonzerns Ankerbrot.[4] Entgegen früheren Angaben von Roland Berger war sein Vater kein aktiver Gegner der Judenverfolgung, wurde aber von Juli bis September 1944 – offenbar aufgrund einer Intrige des NS-Machtapparats – von der Gestapo in München inhaftiert.[5][6][7] Seine Mutter, Thilde Altmann, arbeitete als Geschäftsführerin im Gemischtwarenladen ihrer Eltern, später in einer Möbelfirma.[6] Nach der Heirat mit Georg Berger wurde der Familienname geändert.[5]

Nach dem Grundschulbesuch in Wien und Egglkofen folgte der Gymnasiumsbesuch in Landshut, München und Nürnberg, wo er 1956 das Abitur am humanistischen Neuen Gymnasium Nürnberg ablegte.[8] Er studierte in Hamburg und München Betriebswirtschaftslehre; neben dem Studium betrieb er eine Wäscherei mit zuletzt 15 Mitarbeitern. 1962 schloss er sein Studium als Diplom-Kaufmann an der Ludwig-Maximilians-Universität München als Jahrgangsbester ab.[9] Seine Wäscherei konnte er 1962 für 600.000 DM verkaufen.

Von 1962 bis 1967 arbeitete Berger als Berater bei der Boston Consulting Group, zuerst in Boston, später in Mailand,[9][10] dann machte er sich 1967 als Unternehmensberater in München selbständig und gründete das Vorgängerunternehmen der heutigen Roland Berger Strategy Consultants.

Ein großer Erfolg war für ihn 1968 die Empfehlung, aufgrund seiner Prognose einer außerordentlichen Zunahme der Charterflüge aus den Firmen Touropa, Scharnow, Hummel und Dr. Tigges das Reiseunternehmen TUI zu gründen. Mit der Eröffnung einer Mailänder Niederlassung 1969 setzte Berger nun auf eine Internationalisierung seiner Beratungstätigkeiten; mittlerweile ist das Unternehmen weltweit aktiv. Zunehmend gewann er auch staatliche Institutionen als Kunden.

Die Deutsche Bank erwarb 1988 für knapp 100 Millionen Mark 75,1 Prozent der Anteile bei „Roland Berger & Partner GmbH International Management Consulting“. 1997 erhöhte die Bank ihren Anteil dann auf 95 Prozent. Ein Jahr später kaufte Berger sich mit seinen Mitarbeitern die Firma wieder zurück.

Seit 1996 hat Roland Berger einen Lehrauftrag als Gastprofessor an der TU München und seit 2000 eine Honorarprofessur für Betriebswirtschaft und Unternehmensberatung an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus.[11]

2019 beauftragte er den Historiker Michael Wolffsohn mit der Aufarbeitung der Vergangenheit seines Vaters Georg Berger.[12] Die Ergebnisse wurden am 31. Mai 2020 veröffentlicht.[13]

Stiftungen und Unternehmen


RiverRock European Capital Partners LLP

Roland Berger ist Chairman der RiverRock European Capital Partners LLP, einer Investmentgesellschaft, die Kapitallösungen für vornehmlich kleine und mittelständische europäische Unternehmen in unterschiedlichen Branchen anbietet. Derzeitige alleinige Gesellschafter von RiverRock sind neben Roland Berger, Florian Lahnstein und Jason Carley, zum 1. Dezember 2012 kam Michel Péretié, Ex-CEO der Société Générale SGCIB, als gleichbeteiligter Partner und Co-CEO dazu.[14] Dem Aufsichtsrat gehören unter anderem Wolfgang Clement, Manfred Lahnstein und Mark Wössner an. RiverRock ging aus der 2009 gegründeten Berger Lahnstein Middelhoff & Partners LLP. hervor, die im Jahr 2010 in zwei rechtlich und wirtschaftlich eigenständige Gesellschaften aufgespalten wurde. Roland Berger blieb Chairman von BLM, die die Produktlinien „SPAC“ (Special Purpose Acquisition Company) und Investmentfonds fortführt. Die Hedge-Fonds-Aktivitäten wurden in eine neue Gesellschaft mit Namen „Pulse Capital Partners“ mit Thomas Middelhoff als Chairman und Gesellschafter ausgegliedert.[15]

Roland Berger Stiftung

2008 gründete Berger die Roland Berger Stiftung mit Hauptsitz in München.[16] Die Stiftung ist mit einem Stiftungskapital von zunächst 50 Millionen Euro aus dem Privatvermögen des Stifters ausgestattet und verfolgt zwei Zwecke:

Ministerpräsident Günther Beckstein überreichte Roland Berger die Stiftungsurkunde. Bundespräsident Horst Köhler übernahm die Schirmherrschaft über den mit einer Million Euro dotierten Preis. Das Kuratorium unter dem Vorsitz Roland Bergers bestand aus Staatssekretär Gert Haller, Chef des Bundespräsidialamtes, Frau Barbara Lochbihler, Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International, dem Erziehungswissenschaftler Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität Berlin, sowie Frau Karin Berger. In seiner Rede erklärte Roland Berger zum Stiftungszweck:

„Wie kommt man als Stifter auf derartige Stiftungszwecke? Es sind persönliche Erlebnisse: Geboren im nationalsozialistischen Deutschland musste ich bereits als kleines Kind den menschenverachtenden Terror der Gestapo miterleben. Unser Zuhause wurde regelmäßig unangekündigt von Schergen dieses Unrechtsstaates durchsucht. 1944 schließlich wurde mein Vater von den Nazis inhaftiert. Diese Jahre waren der dunkelste Abschnitt deutscher Geschichte. Die Würde des Menschen galt nichts. Vielen wurde sie genommen. (…) Fakt ist allerdings, dass Würde und Rechte des Menschen auch heute noch in vielen Teilen der Welt missachtet werden. Schauen wir nur nach Somalia, in den Tschad oder den Sudan. Zwei Weltkriege und der Holocaust in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts verpflichten uns Deutsche meiner Meinung nach besonders, uns für diese Werte einzusetzen. (…) Auch der Stiftungszweck Bildungsförderung gründet auf persönlichen Erfahrungen. Letztlich konnte ich nur deswegen im Leben etwas erreichen, weil ich Zugang zu erstklassiger Bildung hatte. Sie ermöglichte es mir, meine Fähigkeiten zu entwickeln und dadurch, so hoffe ich jedenfalls, persönlich und beruflich zum Fortschritt der Gesellschaft beizutragen. Daher habe ich mich entschieden, mit meiner Stiftung Bildung zu fördern, vor allem die Ausbildung junger Menschen aus bildungsfernen Schichten.“

Berger distanzierte sich 2019 nach Recherchen des Handelsblatts von seiner Praxis, seinen Vater als als Gegner und Opfer des Nationalsozialismus darzustellen. In Wahrheit habe Bergers Vater, so das Handelsblatt, von Arisierungen profitiert und die NSDAP gefördert. Roland Berger relativierte die Bedeutung der Aussagen seiner Rede zur Begründung der Stiftung, da der Bezug zu seinem Vater nicht in den Statuten der Stiftung enthalten sei.[12] Die Roland Berger Stiftung sagte die Vergabe des Menschenrechtspreises 2019 ab.[18]

Roland Berger Strategy Consultants

Von 2003 bis 2010 wurde die Gesellschaft Roland Berger Strategy Consultants von Burkhard Schwenker geleitet, seit 2010 von Martin C. Wittig. Roland Berger selbst war von 2003 bis 2010 Vorsitzender des Aufsichtsrats des Unternehmens. 2010 übernahm Schwenker dieses Amt und Berger wurde zum Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt, der damalige Finanzvorstand Martin Wittig übernahm den Vorstandsvorsitz.

Roland Berger Art Collection

Seit den frühen Jahren der Beratung treiben Roland und Karin Berger den Aufbau einer Kunstsammlung – The Roland Berger Art Collection – voran.[19] Karin Berger sorgt, fest vernetzt mit Museen, Galerien und Künstlern, für die kontinuierliche Erweiterung. Die Sammlung umfasst mittlerweile rund 1000 Werke. Sie setzt sich mit den zeitgenössischen geistigen und ästhetischen Strömungen auseinander.

Zusammenarbeit mit der Bundesregierung


Er galt als enger Berater Gerhard Schröders, schon zu dessen Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen, vor allem aber während seiner Kanzlerschaft. Angeblich lehnte Berger 1998 das Angebot ab, Wirtschaftsminister zu werden, weil er unabhängig bleiben wollte. Zur gleichen Zeit beriet er auch den Kanzlerkandidaten der Union Edmund Stoiber: „Ich sage beiden das Gleiche zum gleichen Problem. Und ich betreibe keine Wahlkampfberatung. Ich berate weder Herrn Stoiber, wie er Kanzler werden, noch Herrn Schröder, wie er’s bleiben kann.“"[20][21][22][23]

Roland Berger engagierte sich im Jahr 2009 als unbezahlter Unterhändler für das Bundeswirtschaftsministerium, um private Investoren für die Rettung der angeschlagenen Adam Opel GmbH zu finden.[24]

Dieses Engagement stieß auf Kritik, da Berger seit Mai 2006 Mitglied des fünfzehnköpfigen Führungsgremiums Board of Directors (Aufsichtsrat) des italienischen Autokonzerns Fiat ist.[25] Er bestritt einen Interessenkonflikt oder eine Parteilichkeit zugunsten von Fiat mit dem Hinweis, keine Bezahlung von einer der beteiligten Parteien zu erhalten und auch offen für eine Zusammenarbeit von Opel mit dem österreichischen Automobilzulieferer Magna zu sein.[26]

Mitgliedschaften und Funktionen


Auszeichnungen


Privates


Roland Berger ist in zweiter Ehe mit der Journalistin Karin Berger, geb. Gottschalk, verheiratet. Er hat zwei Söhne, Markus und Oliver; beide sind unternehmerisch tätig. Berger lebt mit seiner Frau in München-Bogenhausen; beide engagieren sich im kulturellen Leben der Hauptstadt des Freistaates. Seine Frau engagiert sich in den Kuratorien der Fördervereine etwa der Münchner Opernfestspiele, der Alten und Neuen Pinakothek sowie in Kultureinrichtungen in Berlin, Wien und Luzern.

Das Privatvermögen Roland Bergers wird auf „einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag“ geschätzt.[32]

Schriften


Literatur


Weblinks


Commons: Roland Berger  – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise


  1. Gutachten: Aufklärung oder Rufmord? Roland Berger, sein Vater und das Handelsblatt - S.21f Veröffentlicht auf www.walther-rathenau-akademie.de am 31. Mai 2020, abgerufen am 17. Juni 2020
  2. Gutachten: Aufklärung oder Rufmord? Roland Berger, sein Vater und das Handelsblatt - S.49 Veröffentlicht auf www.walther-rathenau-akademie.de am 31. Mai 2020, abgerufen am 17. Juni 2020
  3. Gutachten: Aufklärung oder Rufmord? Roland Berger, sein Vater und das Handelsblatt - S.49 Veröffentlicht auf www.walther-rathenau-akademie.de am 31. Mai 2020, abgerufen am 17. Juni 2020
  4. Gutachten: Aufklärung oder Rufmord? Roland Berger, sein Vater und das Handelsblatt - S.12 und 52 Veröffentlicht auf www.walther-rathenau-akademie.de am 31. Mai 2020, abgerufen am 17. Juni 2020
  5. a b Interview: Schönfärberei oder Selbstbetrug? Roland Berger stellt sich der Wahrheit über seinen Vater Georg. Abgerufen am 19. Oktober 2019.
  6. a b Roland Berger im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  7. Gutachten: Aufklärung oder Rufmord? Roland Berger, sein Vater und das Handelsblatt - S.7 Veröffentlicht auf www.walther-rathenau-akademie.de am 31. Mai 2020, abgerufen am 17. Juni 2020
  8. Rainer Frenkel: Die Reizfigur. In: Die Zeit, Nr. 7,/2004.
  9. a b Karrierefragen an … Roland Berger. In: Die Zeit, Nr. 44/2004.
  10. Vom Wäscher zum Berater. In: Die Welt, 24. Januar 2004.
  11. Julia Löhr, Henning Peitsmeier: faz.net , FAZ, 8. Juni 2010.
  12. a b Der Selbstbetrug: Roland Berger, sein Nazivater und die Schuld der deutschen Wirtschaft. Abgerufen am 19. Oktober 2019.
  13. Michael Wolffsohn: Gutachten: Aufklärung oder Rufmord? Roland Berger, sein Vater und das Handelsblatt. In: Walther Rathenau Akademie. 31. Mai 2020, abgerufen am 1. Juni 2020.
  14. Roland Berger gewinnt Michel Péretié – ex-CEO der Société Générale SGCIB – als Partner und Co-CEO für seinen Londoner Asset Manager RiverRock European Capital Partners LLP. (Memento vom 26. September 2015 im Internet Archive) (PDF) Riverrock, 1 S.
  15. Introducing Berger, Lahnstein, Middelhoff (Memento vom 18. April 2011 im Internet Archive) (PDF) Riverrock, 3 S.
  16. Roland Berger Stiftung – Stiftungsgründung.
  17. Roland Berger Stiftung
  18. Mathias Brüggmann, Andrea Rexer: Roland Berger Stiftung sagt Vergabe des Menschenrechtspreises ab. In: Handelsblatt. 19. Oktober 2019, abgerufen am 17. Februar 2020.
  19. artcollection.rolandberger.com
  20. Schattenkabinett: Roland Berger als Stoibers Wirtschaftsminister im Gespräch. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 17. August 2019]).
  21. DIE ZEIT: Die aktuelle ZEIT vom 8. April 1998. In: Die Zeit. 8. April 1998, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 17. August 2019]).
  22. Werner A. Perger: Einer für Schröder. In: Die Zeit. 8. April 1998, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 17. August 2019]).
  23. Rainer Frenkel: Die Macht hat ein Gesicht. In: Die Zeit. 4. April 2002, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 17. August 2019]).
  24. Melanie Ahlemeier: Die vielen Gesichter des Roland B. In: Süddeutsche Zeitung, 20. März 2009.
  25. Roland Berger berät Regierung und GM gleichzeitig. Spiegel Online, 19. März 2009.
  26. Timo Pache, Sven Clausen, Peter Ehrlich, Kristina Spiller: Opel-Rettung. Wie Roland Berger Fiat berät. (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv archive.today) In: Financial Times Deutschland, 7. Mai 2009.
  27. rolandberger.com , Roland Berger Strategy Consultants
  28. fcbayern.de
  29. Oxford Martin School
  30. Internetseite der compamedia GmbH – Mentor der besten Mittelständler Die „Top 100“-Jury
  31. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  32. Kopf des Tages. Unverhofftes Comeback für Roland Berger. (Memento vom 30. Juli 2012 im Webarchiv archive.today) Financial Times Deutschland, 19. März 2009








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