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Rinteln

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Rinteln
Deutschlandkarte, Position der Stadt Rinteln hervorgehoben

Koordinaten: 52° 11′ N, 9° 5′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Schaumburg
Höhe: 56 m ü. NHN
Fläche: 109,06 km2
Einwohner: 25.484 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 234 Einwohner je km2
Postleitzahl: 31737
Vorwahlen: 05751, 05152, 05262, 05754Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: SHG, RI
Gemeindeschlüssel: 03 2 57 031
Stadtgliederung: 19 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Klosterstr. 19
31737 Rinteln
Website: www.rinteln.de
Bürgermeister: Thomas Priemer (SPD)
Lage der Stadt Rinteln im Landkreis Schaumburg

Rinteln ist eine Stadt und selbständige Gemeinde im Weserbergland an der Weser im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen. Ihre Altstadt ist auch heute noch von zahlreichen Fachwerkhäusern geprägt. Im Mittelalter umschloss eine Stadtmauer die Stadt, deren Ausbau in der Neuzeit die Stadt zur Festung Rinteln machte. Von 1619 bis 1810 war Rinteln zudem Universitätsstadt. Rinteln war bis zum Jahr 1977 Kreisstadt, zunächst bis 1904 des Landkreises Rinteln, seit 1904 des Landkreises Grafschaft Schaumburg.

Inhaltsverzeichnis

Geographie


Lage

Rinteln wird im Süden von den Höhen des Lippischen Berglandes, im Norden vom Wesergebirge und im Osten vom Süntel sowie den Fischbecker Bergen eingebettet. Die Stadt gehört landschaftlich zum Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln. Das „Rintelner Becken“ wird landschaftlich prägend und weithin sichtbar von der Burg Schaumburg auf dem etwa 225 m hohen Nesselberg (südlicher Sporn des Wesergebirges) beherrscht. Rund 12,5 km (Luftlinie) nordwestlich der Weserbrücke von Rinteln durchbricht die Weser, weiter flussabwärts, bei Porta Westfalica die Westfälische Pforte und tritt in das Norddeutsche Tiefland ein. Dieser markante Einschnitt zwischen östlichem Weser- und westlichem Wiehengebirges ist von der Rintelner Weserbrücke aus ebenso zu sehen wie die Schaumburg und die gesamte Wesergebirgskette bis zum Süntel. Etwa zwei Kilometer westlich der Altstadt liegt der Doktorsee.

Stadtgliederung

Die Stadt umfasst neben der Kernstadt 18 weitere Ortsteile:

Diese sind in zehn Ortsräten gruppiert: Ahe-Engern-Kohlenstädt, Deckbergen-Schaumburg-Westendorf, Exten, Hohenrode-Strücken, Krankenhagen-Volksen, Möllenbeck, Rinteln, Steinbergen, Taubenberg (Friedrichswald, Goldbeck, Uchtdorf, Wennenkamp), Todenmann.

Geschichte


Mittelalter

Die Anfänge der Stadt Rinteln lassen sich zurückverfolgen bis in das späte 11. Jahrhundert. Bereits im Jahre 896 wurde ein Benediktinerinnen-Stift, das Kloster Möllenbeck, am Rand der Weseraue angesiedelt. Auf dem rechten, nördlichen Weserufer hatte sich in Höhe einer Überfahrt das kleine Dorf Rentene (später: Alt-Rinteln) entwickelt. Im Jahre 1223 bestanden bereits eine feste Brücke und ein gräfliches Gericht. Um 1230 gründete Graf Adolf IV. von Holstein und Schaumburg Neu-Rinteln auf dem gegenüber liegenden, südlichen Weserufer. Im Jahre 1239 wurden die Stadtrechte verliehen.[2] Durch das Recht, Wegezoll zu erheben (1391), und das Messeprivileg (1392) gewann Rinteln an Bedeutung auch für das Umland. Die günstige Verkehrslage an der Weserbrücke unterstützte den Aufschwung. Bald nach Gründung der Stadt wurde mit dem Bau einer Stadtmauer begonnen, die anfangs aus Palisaden bestand und 1257 erstmals erwähnt wurde. Während der Wüstungsphase des 14. Jahrhunderts wurden zahlreiche Siedlungen im Umfeld der Stadt aufgegeben. Die Bewohner zogen in den Schutz der Rintelner Stadtbefestigung und bewirtschafteten von hier aus als Ackerbürger ihre Felder. Rinteln blieb jedoch in erster Linie eine Handwerker- und Handelsstadt. Um 1450 war Rinteln mit einem umfangreichen Landwehrsystem und drei Warttürmen umgeben. Zum städtischen Besitz gehörte seit dem 15. Jahrhundert auch ein Stadtwald im Norden Lippes, der „Rintelsche Hagen“.

Vor allem die Lage an der Weser war dem Handel förderlich. So genannte „Bremer Waren“ kamen mit den Schiffen flussaufwärts: Tabak, Butter, Stockfisch, Kolonial- und Haushaltswaren. Für Frachten mit dem Ziel Rinteln richtete die Stadt einen Zollschuppen ein. Stromab befördert wurden Holz, Steinkohle und Getreide, ebenso wie der in der Nähe abgebaute Obernkirchener Sandstein. Auch das Handwerk mit seinen verschiedenen Zünften, insbesondere das Schuhmacherhandwerk, hatte seinen Anteil am Aufschwung der Stadt, die bis ins 17. Jahrhundert hinein eine wirtschaftliche Blütezeit erlebte. Wohlhabende Bürger und die zahlreichen in der Stadt ansässigen Adelsfamilien errichteten in dieser Zeit stattliche Bauten im Stil der Weserrenaissance. Diese Epoche endete mit dem Dreißigjährigen Krieg, der 1623 die Grafschaft erreichte. Allein in den Jahren 1624 und 1625 starb rund ein Drittel der ca. 2500 Einwohner an der von Soldaten eingeschleppten Pest, es folgten Drangsale durch Einquartierung, Plünderung und Kriegskontributionen.

Neuzeit

Dass sich Rinteln nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs ab 1648 recht zügig erholte, lag unter anderem an der Universität, die von 1619 bis 1810 bestand. An ihr lehrten rund zwölf bis 15 Professoren in vier Fakultäten (Theologie, Jura, Medizin und Philosophie). Im Mittel waren etwa 100 bis 130 Studenten eingeschrieben. Der Hochschulbetrieb mit Sitz im Kollegiengebäude, dem früheren Jakobskloster, verfügte über zwei Hörsäle, eine „Kommunität“ (Studentenwohnheim), ein „Konviktorium“ (Mensa), eine Bibliothek, ein Instrumentenzimmer, eine Buchdruckerei, eine Apotheke, einen botanischen Garten, eine Propstei (Güterverwaltung), ein „Anatomicum“ sowie ab 1762 eine regelmäßig erscheinende Zeitung. Zu den so genannten „Universitätsverwandten“ gehörten Tanz- und Fechtmeister, Reit- und Französischlehrer. Die Universitätskommisse war Herberge und Schanklokal der Akademie: Hier konnten Professoren und Studenten unbehelligt vom städtischen Schankmonopol zu niedrigen Preisen Bier und Wein trinken.

Während des Dreißigjährigen Kriegs und anschließend, um 1654, war Rinteln Schauplatz intensiver Hexenverfolgungen. Die Professoren der Juristenfakultät der Universität Rinteln verstärkten durch ihre Beratung von Stadt- und Amtsgerichten im ganzen Nordwesten die Hexenprozesse. Zwischen 1621 und 1675 sind rund 400 Gutachten überliefert, die durchweg die rücksichtslose Verfolgung von vermeintlichen Hexen und Hexenmeistern anordneten.[3] In Rinteln wurden von 1560 bis 1669 mindestens 88 Menschen in Hexenprozessen angeklagt, von denen viele mit der Hinrichtung endeten. Höhepunkte waren die Jahre 1635 bis 1655.[4]

Von 1652 bis 1689 war Daniel Wilhelmi Prediger an der St. Nicolai Kirche in Rinteln. Er war auch Beichtvater von Angeklagten in Hexenprozessen, z. B. im Prozess gegen Lucie Kunschopper. Gegen Lucie Kunschopper, geb. Hagemann, Witwe des Kunschoppers,[5] erhob der Peinliche Amtsankläger in Rinteln am 4. September 1668 die Anklage wegen Zauberei.[6]

Ab 1680 sorgten junge, von der Frühaufklärung geprägte Professoren wie Heinrich Bodinus und Henrich Ernst Kestner für eine Abschaffung der Prozesse und stellten sich an die Spitze der Gegner.

Im Jahre 1640 wurde die alte Grafschaft Schaumburg zwischen den Grafen zur Lippe (nun Grafschaft Schaumburg-Lippe) und den Landgrafen von Hessen-Kassel (nun Grafschaft Schaumburg) aufgeteilt. Rinteln erhielt 1651 wegen seiner entfernten Lage zur Residenzstadt Kassel eine eigene Regierung mit Obergericht. Im selben Jahr wurde es hessische Garnisonsstadt und in den Jahren 1665 bis 1680 zu einer Festung ausgebaut.

Ab 1665 wurde die Stadt Rinteln auf Geheiß der vormundschaftlich regierenden Landgräfin Hedwig Sophie von Hessen-Kassel zur Festung Rinteln nach altniederländischer Manier ausgebaut. Die Erdwerke mit Haupt- und Vorwall sowie einem rund 30 m breiten Graben umfassten sieben Bastionen zwei Redouten und zwei Ravelins. Rund 200 Mann ständige Garnison bildeten die standardmäßige Besatzung, die im Belagerungsfall einer erheblichen Aufstockung bedurft hätte. In Ermangelung dieser ausreichenden Besatzung ergab sich die Festung während des Siebenjährigen Krieges und in den napoleonischen Kriegen (1806) kampflos einer französischen Übermacht und wurde jeweils für mehrere Jahre besetzt. Am 13. November 1806 befahl Napoleon, die Festungsanlagen zu schleifen. Ein weiterer Rückschlag war die Schließung der Rintelner Universität Ostern 1810 durch Jérôme, den jüngsten Bruder Napoléons und König des neu gegründeten Königreichs Westphalen.[7]

Für wenige Jahre war Rinteln Distriktshauptort innerhalb des Weserdepartements. Nach dem Ende der napoleonischen Besetzung wurde die Grafschaft Schaumburg wieder Exklave des Kurfürstentums Hessen-Kassel und Rinteln Sitz einer Regierung, ab 1848 herabgestuft zu einer Regierungsdeputation. Im Jahre 1866 wurden die Stadt und die Grafschaft Schaumburg mit der Annexion Hessens durch Preußen Teil der Provinz Hessen-Nassau. Rinteln blieb noch der Sitz des Kreises Rinteln, ab 1904 umbenannt in Landkreis Grafschaft Schaumburg.

In den Jahren 1848 und 1849 machte sich ein Klima oppositioneller Bewegung in der hessischen Exklave Schaumburg besonders bemerkbar. Albrecht von Bardeleben und Karl Wilhelm Wippermann spielten dabei bedeutende Rollen in der hessischen Politik dieser Jahre. Wippermann gehörte zudem als Abgeordneter der liberalen Casino-Fraktion dem verfassungsgebenden 17er-Ausschuss im Frankfurter Paulskirchenparlament an.

Im Jahre 1863 wurde in Rinteln eine der ältesten Freiwilligen Feuerwehren Norddeutschlands gegründet. Sie ging aus einer zwei Jahre zuvor gegründeten Freiwilligen Turner-Feuerwehr hervor. 1865 stellte man einen Organisationsplan auf und richtete an die Stadt ein Gesuch, Gelder für die Geräte zur Verfügung zu stellen. Die Feuerwehr bestand aus einem Hauptmann, dem ein Adjutant beigegeben war, zwölf Steigern, 15 Rettungsmannschaften und 24 Mann für die Bedienung der Spritzen; sie war also 53 Mann stark. Am 26. November 1865 wurden die Statuten, die nach dem Muster der Hamelner Feuerwehr aufgestellt waren, dem Rat zur Genehmigung vorgelegt.[8]

Mitte des 19. Jahrhunderts ging es mit der Stadt wieder aufwärts. Vor allem förderte die Eröffnung der Löhne–Vienenburger Eisenbahn durch die Hannover-Altenbekener Eisenbahngesellschaft (1875) und die dadurch günstige Verbindung in die großen Wirtschaftszentren Berlin und Köln die Ansiedlung von Industriebetrieben. So entstand unter anderem eine Glashütte. Weitere Bahnstrecken verbanden die Stadt mit Stadthagen (Rinteln-Stadthagener Eisenbahn) und ab Ende der 1920er Jahre mit Barntrup (Extertalbahn). Die noch bis in die 1970er Jahre zweigleisige Strecke Bünde/LöhneHamelnHildesheim/Bodenburg wird heute eingleisig vornehmlich im Personenverkehr als Weserbahn im Stundentakt (an Wochenenden im Zwei-Stundentakt) durch die NordWestBahn befahren.

1933 bis 1945

Im Jahre 1918, nach der Kapitulation und der Thronentsagung Kaiser Wilhelms II, übernahm ein sogenannter Arbeiter- und Soldatenrat die Macht in Rinteln, später, mit der Stabilisierung der Weimarer Demokratie, konnte sich die SPD auf eine stabile Mehrheit im Stadtrat stützen. Die Kommunisten blieben ohne besondere Bedeutung. Im Jahre 1924 gründete sich in Rinteln die erste Ortsgruppe der NSDAP. Immer wieder kam es ab diesem Zeitpunkt zu Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten, die zwischen 1930 und 1933 massiver wurden. Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erreichte die NSDAP in Rinteln 1991 Stimmen, die SPD 959 Stimmen und die KPD 294 Stimmen. Die Stadt Rinteln verlieh schon am 12. April 1933 Adolf Hitler das Ehrenbürgerrecht. Es wurde am 28. März 1946 formell widerrufen. Wie überall dienten die Jahre nach 1933 der Machtfestigung der Nationalsozialisten, die auch in Rinteln einen immer stärker werdenden Druck und eine immer umfassendere Überwachung der Bevölkerung ausübten. Sozialdemokraten und Kommunisten wurden vielfach verhaftet und teilweise in Konzentrationslager verbracht (hauptsächlich KZ Moringen). Die 700-Jahr-Feier der Verleihung der Stadtrechte im Sommer 1939 wurde von den Nationalsozialisten zur Inszenierung einer großen Propagandafeier genutzt.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erhielt die Stadt den Status einer Lazarettstadt, in der rund 1000 Verwundete untergebracht waren. Am Nordufer der Weser entstand im Rahmen der Aktion Brandt aus dem Rohbau einer Kaserne ein großes Militärhospital, das nach Kriegsende von den Briten übernommen und als British Military Hospital Rinteln bis 1998 weitergeführt wurde.

Judenverfolgungen 1933–1945

Im Jahre 1933 waren in Rinteln 73 jüdische Bürger gemeldet, von denen den meisten die Auswanderung oder die Flucht noch rechtzeitig gelang. Mehrere verübten unter dem wachsenden seelischen Druck Selbstmord. Im Jahre 1940 wurden noch 29 Rintelner Juden gezählt, von denen 25 zwischen März und Juli 1942 in die Gartenbauschule Ahlem (Sammelstelle für Juden aus den Regierungsbezirken Hannover und Hildesheim) verbracht und später in Konzentrationslager deportiert wurden. Insgesamt sind 34 jüdische Bürger Rintelns während der nationalsozialistischen Herrschaft ermordet worden. Heute erinnern der jüdische Friedhof in der Ostertorstraße, eine Tafel am Haus Bäckerstraße 1 sowie einige Stolpersteine an die jüdischen Mitbewohner und ihre Gemeinde in Rinteln.

Kriegsende 1945

Anfang April 1945 entging Rinteln knapp der Zerstörung. Am 4. April, bei der Annäherung der Amerikaner aus Richtung Möllenbeck, wurde zunächst die Südstadt kampflos geräumt. Die deutschen Truppen unter dem Kommando des Majors Alfred Picht zogen sich auf das Nordufer der Weser zurück. Amerikanische Unterhändler, die die Übergabe der Rintelner Weserbrücke verhandeln wollten, wurden am Nordufer der Weser festgehalten und die Brücke gesprengt. Ein amerikanisches Ultimatum forderte daraufhin die sofortige Freigabe der Unterhändler bei Androhung der Zerstörung der gesamten Stadt, deren Bewohner daraufhin zusammen mit mehr als tausend Verwundeten aus den Lazaretten eilig in die benachbarten Dörfer evakuiert wurden. Erst nach zweimaliger Verlängerung des Ultimatums und unter Vermittlung des Rintelner Gymnasialdirektors und damaligen Standortkommandanten der Rintelner Sanitätskompanie Friedrich-Wilhelm Ande sowie mehrerer Rintelner Bürger gelang es, eine Freilassung der amerikanischen Parlamentäre in letzter Minute zu erwirken und so die Zerstörung Rintelns zu verhindern. Am Nordufer der Weser, im sogenannten Wesergebirgskessel, kämpften deutsche Truppen noch bis zum 11. April 1945.

1945 bis heute

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges verdoppelte sich die Einwohnerzahl Rintelns durch die Aufnahme von Vertriebenen vor allem aus Ostpreußen und Schlesien. Zunächst südlich der Stadt, im Bereich Bruchwiesenweg und Kleines Löök, dann am Nordufer der Weser, in der Mönchsbreite, entstanden um 1950 neue Wohngebiete. Bis in die 1970er Jahre wuchs die Stadt rapide und erreichte den Südhang des Wesergebirges.

Der Kreis Grafschaft Schaumburg wurde 1946 Bestandteil des Landes Niedersachsen. Durch die Eingliederung von 18 benachbarten Gemeinden in die Stadt am 1. März 1974 wurde Rinteln zur größten Kommune des 1977 gebildeten Landkreises Schaumburg, dessen Sitz seither Stadthagen ist. Nach der Aufnahme Rintelns in das Städtesanierungsprogramm des Landes Niedersachsen 1979 konnte mit einer umfangreichen Sanierung der Altstadt begonnen werden, die mit der Einrichtung einer Fußgängerzone im Jahr 2003 beendet war.

Nachdem die seit 1929 durch die Innenstadt geführte, elektrisch betriebene Extertalbahn ihren Betrieb 1970 endgültig eingestellt hatte, konnte dann durch den 1980 vollendeten Bau einer Umgehungsstraße östlich der Stadt die bis dahin noch durch den Verkehr auf der Bundesstraße völlig überforderte Innenstadt nachhaltig entlastet werden. Bis Ende 2010 war Rinteln zudem staatlich anerkannter Erholungsort.

Einwohnerzahlentwicklung

Jahr Einwohnerzahl[9]
1987 26.023
1990 26.979
1995 28.380
2000 28.392
2005 27.806
2010 26.879
2011 26.733
2013 25.945
2015 25.187
2016 26.155
2017 26.191
2018 26.118

(Einwohnerzahlen jeweils zum 31. Dezember)

Religion


Rinteln ist Sitz der Superintendentur des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg im Sprengel Hannover. Zu ihm gehören in Rinteln die historische Kirche St. Nikolai am Kirchplatz und das Johannis-Kirchzentrum von 1976 am Wilhelm-Raabe-Weg. Die evangelische Stadtmission hat ihr Gemeindehaus an der Waldkaterallee. Die evangelisch-reformierte Kirche St. Jacobi aus dem 13. Jahrhundert, ursprünglich die Kirche eines Zisterzienserinnenklosters, befindet sich an der Klosterstraße. Die evangelisch-freikirchliche Christuskirche der Baptisten befindet sich am Blumenwall, ihr Bau wurde 1957 begonnen. Ihre seit 1946 in Rinteln bestehende Gemeinde gehört zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Weitere evangelische Kirchen befinden sich in Ortsteilen von Rinteln.

Die katholische Kirche St. Sturmius von 1888 befindet sich am Kapellenwall, ihre gleichnamige Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Weserbergland im Bistum Hildesheim.

Eine Neuapostolische Kirche befindet sich im Ortsteil Krankenhagen, ihre Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Hildesheim. In Rinteln befand sich im Eichendorffweg 3 eine weitere neuapostolische Kirche, sie wurde um 1980 erbaut und 2010 geschlossen.

Eine Moschee befindet sich an der Straße Im Emerten, das 2000 bis 2002 erbaute Haus der Weltreligionen im Park Erlebniswelt steinzeichen.

Politik


Kommunalwahl 2016[10]
Wahlbeteiligung: 51,92 % (2011: 44,55 %)
 %
40
30
20
10
0
37,17 %
31,02 %
19,74 %
8,47 %
n. k.
3,57 %
WGS
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2011
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
-3,03 %p
-2,18 %p
+6,14 %p
-0,53 %p
-1,9 %p
+2,07 %p
WGS
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Die Stadt Rinteln besitzt den Status einer selbstständigen Gemeinde.

Stadtrat

Der Stadtrat von Rinteln setzt sich aus 36 Ratsfrauen und Ratsherren (2011: 34) und dem Bürgermeister zusammen. Bei den vergangenen drei Ratswahlen ergab sich jeweils folgende Sitzverteilung:

SPD CDU WG Schaumburg GRÜNE LINKE FDP Gesamt
2016 14 11 7 3 0 1 36 Sitze
2011 14 11 5 3 0 1 34 Sitze
2006 17 12 4 2 1 0 36 Sitze

Bürgermeister

Von 1981 bis 1996 war Friedrich Wilhelm Hoppe (CDU) der letzte ehrenamtliche Bürgermeister. Er wurde wegen seiner Verdienste zum Ehrenbürgermeister ernannt. Mit Einführung der Eingleisigkeit 1997 wurde Karl-Heinz Buchholz (SPD) erstmals direkt gewählt. Bei der Kommunalwahl am 10. September 2006 fielen 67,5 % der Stimmen auf ihn. Seit November 2014 ist Thomas Priemer Bürgermeister.[11]

Wappen

Das Rintelner Stadtwappen zeigt seit dem 15. Jahrhundert ein von zwei Türmen flankiertes Torgebäude mit dem Wappen des Schaumburger Nesselblattes im Torbogen. Bei seiner letzten Novellierung 1939 erhielt es im Sinne der NS-Ideologie ein klassizistisch-imperiales Gepräge. Blasonierung; „Über einem blau-silbernen Fluss im Schildfuß eine dreitürmige silberne Burg im roten Felde, im Tor auf Rot ein silbernes Nesselblatt.“[12]

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten


Die Stadt liegt landschaftlich reizvoll und besitzt eine sehenswerte Fachwerk-Altstadt. ist der in den 1980er Jahren sanierte Marktplatz mit der evangelisch-lutherischen Stadtkirche St. Nikolai und dem Ratskeller, einem Bau aus der Zeit der Weserrenaissance.

Musik

In Rinteln wird die traditionelle sowie konzertante Blasmusik seit vielen Jahren durch ein städtisches Orchester, das bei der Freiwilligen Feuerwehr beheimatet ist (Blasorchester Feuerwehr Rinteln), gepflegt. Nachdem am 31. Dezember 1998 die Auflösung des alten Musikzuges gemeldet werden musste, wurde bereits im Jahre 2003 ein neues Orchester ins Leben gerufen und ein regelmäßiger Probenbetrieb eingeleitet.[13] Es ist damit auch das einzige Blasorchester einer Feuerwehr im Landkreis Schaumburg, da sich alle anderen musikalischen Formationen als Musikzug betiteln.

Das Orchester ist bereits überregional so bekannt, dass es zu Auftritten bis nach Büsum eingeladen wurde, um dort die Rückkehr der Feuerland musikalisch zu untermalen.

Des Weiteren gibt es seit 1986 das Jugendblasorchester Rinteln, kurz JBO Rinteln. Nur wenige Jahre später wurde eine Bläserklasse an der Hauptschule in Rinteln eingerichtet, die zusammen mit der Kreisjugendmusikschule betreut wird. Seit 2005 existiert zudem eine Bläserklasse am Gymnasium Ernestinum. Dieses unterstreicht die Wichtigkeit der musikalischen Tätigkeiten in der Stadt Rinteln. Auch in Rinteln geboren wurde Graham Coxon, Leadgitarrist und Mitbegründer der britischen Rockband Blur.

Bauwerke

Grünflächen und Naherholung

Sport

Der Verein VTT Rinteln hatte in den 1970er und 1980er Jahren eine erfolgreiche Tischtennis-Damenmannschaft. Nach fünfjähriger Zugehörigkeit zur 1. Bundesliga erfolgte 1983 der Abstieg in die 2. Bundesliga. Ein Jahr später gelang der sofortige Wiederaufstieg.[21]

Der Fußballverein SC Rinteln spielt aktuell (Stand 2017) in der Kreisliga Schaumburg.

Wirtschaft und Infrastruktur


Auf Rintelner Stadtgebiet wird seit vielen Jahrzehnten an mehreren Stellen großflächig Sand, Kies und Gestein abgebaut. Bereits ausgebeutete Flächen werden renaturiert und teilweise zu Freizeit- und Erholungsflächen ausgebaut. Ein Beispiel dafür ist der Doktorsee, der heute eine wichtige Rolle im Campingtourismus des Weserberglandes spielt. Die Ausweisung weiterer Abbauflächen ist ökologisch und politisch umstritten, da mit ihr ursprüngliche Natur- und Kulturflächen verschwinden und damit wichtige Grundlagen für Landwirtschaft und Tourismus dauerhaft zerstört werden.

Unternehmen

Öffentliche Einrichtungen

Bildung

Verkehr

Rinteln lag lange an dem einzigen Übergang über die Weser in der Region, die nächsten Brücken waren stromauf in Hameln und stromab in Porta Westfalica bzw. Minden zu finden.

Straßenverkehr

Rinteln liegt nahe der Bundesautobahn 2 (Europastraße 30) mit der Anschlussstelle Bad Eilsen. Sie ist nach Norden über das Wesergebirge zu erreichen. Durch das Wesertal führen die Bundesstraßen 83 und 238 – letztere auf einer Umgehungsstrecke. Sie führen um das Zentrum der Stadt herum. Sie ermöglichen, den Verkehr aus der Stadt herauszubekommen und die Stadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

In Rinteln endet auch die von Barntrup kommende Extertalstraße.

Eisenbahnverkehr

Die Stadt liegt an der Bahnstrecke BündeLöhneHamelnHildesheimBodenburg (Weserbahn), die im Stundentakt von der NordWestBahn betrieben wird. Bei Fahrten in Richtung NRW gilt der Westfalentarif (Netz „TeutoOWL“ OWL Verkehr GmbH); Tickets des NRW-Tarifs werden jedoch nicht anerkannt (die Tarifgrenze ist hier Vlotho).

Am Bahnhof Rinteln Süd endet die mittlerweile stillgelegte Extertalbahn, die früher durch die Altstadt und über die Weserbrücke bis zum Bahnhof Rinteln führte. Außerdem mündet die Rinteln-Stadthagener Eisenbahn, auf der Museumsfahrten angeboten werden, in den Bahnhof der Deutschen Bahn.

Schiffsverkehr

Die Weser ist auf ganzer Länge eine Bundeswasserstraße. Dennoch findet auf der oberen Weser kaum Frachtschifffahrt statt. Rinteln ist Ziel für die touristische Fahrgastschifffahrt zwischen Minden, Vlotho und Hameln. Zudem finden auf der Weser viel Freizeitverkehr aufgrund des nahe gelegenen Doktorsees statt.

Flugverkehr

In Rinteln gibt es einen Flugplatz (EDVR) für kleine Sportflugzeuge. Nächster Großflughafen ist Hannover.

Sagen: Die Zwerge im Erbsenfelde


Ein Bauer bei Rinteln hatte ein schönes Erbsenfeld. Als es aber zur Ernte ging, wurden die Schoten leer und leerer. Wenn sich der Bauer heimlich am Erbsenfelde aufstellte, um den Dieb zu fangen, hörte er es zwar rascheln, sah aber niemand.

Da dachte er, dass wohl Zwerge die Erbsen holten. Nun nahm er seinen Knecht mit aufs Feld. Er ließ ihn das eine Ende eines Strickes anfassen und nahm selbst das andere Ende in die Hand. So liefen sie das Feld hinauf und hinunter und rissen mit dem Strick den Zwergen die Nebelkappen ab.

Da waren die Zwerge gefangen. Sie wollten ihre Nebelkappen wieder haben und mussten dafür dem Bauern die Erbsen teuer bezahlen. Dann verschwanden sie eilig und kamen nicht wieder.[22]

Persönlichkeiten


Ehrenbürger

Reinhold Tüxen (1899–1980) ist der bisher einzige Ehrenbürger der Stadt Rinteln. Er wurde weltweit durch seine Vegetationskartierungen bekannt, organisierte in Rinteln internationale Symposien und holte Wissenschaftler aus aller Welt in die Weserstadt. Die Stadt Rinteln verleiht seit 1987 den Tüxen-Preis an verdiente Wissenschaftler. Der erste Preisträger war der Pole Władysław Matuszkiewicz.

Söhne und Töchter der Stadt

Nach Geburtsdatum sortiert:

Bedeutende Personen, die in Rinteln gewirkt haben

Literatur


Weblinks


 Commons: Rinteln  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Rinteln – Quellen und Volltexte
 Wikivoyage: Rinteln – Reiseführer

Einzelnachweise


  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2018  (Hilfe dazu).
  2. Die Urkunde ist abgebildet bei: Matthias Blazek: Die Grafschaft Schaumburg 1647–1977. ibidem, Stuttgart 2011, S. 12, ISBN 978-3-8382-0257-0.
  3. Die Eulenburg. Universitäts- und Stadtmuseum Rinteln: Hexenverfolgung in Schaumburg, abgerufen am 24. Juni 2017.
  4. Namen der Opfer der Hexenprozesse/ Hexenverfolgung Rinteln (PDF; 111 KB), abgerufen am 19. Juli 2017.
  5. Hans-Jürgen Wolf, Geschichte der Hexenprozesse, Nikol Verlagsgesellschaft Hamburg, 1995, S. 722
  6. Cornelia Kurth, Die Hexenverfolgung in Rinteln Aufruf 22. September 2017
  7. Friedrich Arnold Brockhaus (Hrsg.): Literarisches Conversations-Blatt für das Jahr 1823, Bd. 2, Brockhaus, Leipzig 1823, S. 1021
  8. Ausführlich: Matthias Blazek: Feuerwehrwesen im Landkreis Schaumburg im 19. Jahrhundert. 2. Auflage, Adelheidsdorf 2002, S. 6 ff.
  9. Regionalstatistische Datenbank, Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen LSKN-Online
  10. Stadt Rinteln, Gemeindewahl 11. September 2016 , abgerufen am 4. November 2017
  11. Rintelns neuer Bürgermeister heißt Thomas Priemer. Abgerufen am 13. Januar 2015.
  12. § 2 Abs. 1 der Hauptsatzung .
  13. Die Geschichte des Blasorchesters. 25. September 2007, abgerufen am 26. August 2013. Blasorchester Feuerwehr Rinteln
  14. Altes Museum
  15. Archivhäuschen
  16. Burghof-Klinik
  17. Bürgerhaus Rinteln
  18. Unterer Eisenhammer Exten (Memento vom 25. November 2015 im Internet Archive)
  19. Neues Wasserrad für Eisenhammer
  20. Jakobi-Kirche
  21. Zeitschrift DTS, 1984/6, S. 32.
  22. Heimatsagen aus der Grafschaft Schaumburg, ausgewählt und bearbeitet von einem Arbeitsausschuss des Kreislehrervereins, für den Schulgebrauch genehmigt durch das Niedersächsische Kultusministerium vom 15. Februar 1951, C. Bösendahl, Rinteln, S. 9; „dass“ und „mussten“ in der Vorlage mit Eszett.
  23. Niedersächsisches Ministerialblatt Nr. 12/2006. (PDF; 42 kB) In: rechtsvorschriften-niedersachsen.de. 29. März 2006, abgerufen am 22. Juni 2017: „Bek. 3. März 2006, Anerkennung der Monte Cassino Stiftung in Gedenken an Richard Hartinger (18.9.1900–21.5.1944)“



Kategorien: Rinteln | Gemeinde in Niedersachsen | Ort im Landkreis Schaumburg | Wesergebirge | Ort an der Weser | Staatlich anerkannter Ausflugsort in Niedersachsen | Ehemalige Kreisstadt in Niedersachsen | Deutsche Universitätsstadt | Stadt in Niedersachsen | Stadtrechtsverleihung 1239


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