Rezess - de.LinkFang.org

Rezess

Rezess (früher auch Receß, Rezeß von lat. recedere = auseinandergehen, zurückweichen, lat. recessus = Rücktritt) ist ein obsoleter Ausdruck für einen landes- oder ortsrechtlichen Vergleich.

Inhaltsverzeichnis

Inhalte


Ein Rezess ist ein rechtlicher Begriff für Auseinandersetzung oder Vergleich über strittige Verhältnisse.[1][2] Rezesse sind im Verwaltungsrecht rechtsetzende Vereinbarungen, die unter Mithilfe des Staates geschlossene und objektive Rechtsnormen bildende Verträge darstellen. Sie gelten für alle Beteiligten verbindlich. Beispiele sind:

  1. Schulrezess: Vereinbarung von Gemeinden über die Finanzierung und/oder die Unterhaltung von Schulen
  2. Wegebaurezess: Vereinbarung über die verbindliche Verteilung der Wegebaulasten[3]
  3. Bergbaurezesse
  4. Grenzrezesse

In einem Rezess konnten etwa ortsrechtliche Regelungen über die Allmende oder das Huderecht getroffen werden. Die Einordnung der alten Regelungen in das heutige Rechtssystem bereitet häufig Schwierigkeiten.

Der Rezess wird unter anderem im Preußischen Edikt von 1811 bezüglich der Auseinandersetzung zwischen Bauern und Gutsherren um das Besitzrecht der Bauern am für den Gutsherrn bewirtschafteten Stellen als eine der Einigungsmöglichkeiten (durch Vertrag oder Rezess) genannt.

Der Rezess stellt auch (historisch) den Abschluss eines Vertrages dar. So wurde beispielsweise die Altranstädter Konvention vom 1. September 1707 mit dem sogenannten Breslauer Exekutionsrezess vom 8. Februar 1709 zu Ende gebracht. In dieser Konvention wurde den Evangelischen (nur der Augsburgischen Konfession) in Schlesien die Ausübung der Religion eingeräumt. Im Breslauer Exekutionsrezess stellten beide Parteien – die Kaiserlichen (Katholiken) sowie Schweden (Protestanten) – fest, dass die Konvention ausgeführt (exekutiert) worden war. Beide Seiten unterzeichneten eine entsprechende Urkunde.[4]

Gemeinderezess / Beispiel von 1851


Der handschriftliche Rezess eines Ortes in Niedersachsen „über die Specialtheilung der Gemeinheiten“ befasst sich mit der „Aufhebung der Behütung der Wiesen und Ackerländereien sowie Austausch, rsp. Zusammenlegung der Grundstücke in verschiedenen Feld- und Wiesenfluren vor“ (Ortsangabe). Der Antrag zu diesem Rezess ging von der Klosterkammer aus und bezweckte:
„1. die Theilung der Gemeinheiten vor“ (Ortsangabe)
„2. die Purification (Bereinigung) der dortigen Klosterforst“
„3. die Verkoppelung, beziehungsweise Zusammenlegung der klösterlichen Grundstücke“.
Hierüber wurde eine Teilungsurkunde ausgestellt „zur Vermeidung künftiger Irrungen und Streitigkeiten und zur Sicherstellung der Gerechtsame und Verpflichtungen eines jeden Interessenten“.

Erbrezess


Der Erbrezess war eine besondere Form eines Rezesses, in dem die Erben über die Verteilung des Nachlasses nach Eintritt des Erbfalles einen Vergleich abschlossen. Auch die Urkunde des Gerichtes, welche diese Vereinbarung bekundet, wurde als Erbrezess bezeichnet. Waren Minderjährige am Vergleich beteiligt, musste in bestimmten Rechtsordnungen ein Vormundschaftsgericht den abgeschlossenen Erbrezess bestätigen.[5] Der Begriff ist heute nicht mehr gebräuchlich.

Liturgie


Der Rezess oder Rezeß (lat. recessus, „Zurückgehen“, „Rückweg“) ist hier der Auszug der Geistlichen und Ministranten nach dem Ende des Gottesdienstes in die Sakristei. Im weiteren Sinne bezeichnet Rezess in der außerordentlichen Form des römischen Ritus auch die Danksagung, die der Priester auf dem Weg in die Sakristei oder dortselbst verrichtet: den Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen (Dan 3,57–90 EU ) als Canticum mit Antiphon, den Psalm 150, einige Versikel und drei Orationen. Häufig wurden dem eigentlichen Rezess noch weitere Gebete angefügt. Papst Johannes XXIII. fügte 1960 noch das Danksagungsgebet Credo Domine an. Die Neuordnung der Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1970 hat die Dankgebete in Form des Kommuniongesangs und des Dankliedes in die Messfeier einbezogen.[6]

Literatur


Siehe auch


Einzelnachweise


  1. Lexikon A–Z in zwei Bänden, Zweiter Band L–Z. Enzyklopädie Volkseigener Verlag, Leipzig 1957, S. 473.
  2. Der Volks-Brockhaus. Zehnte Auflage. F. A. Brockhaus, Leipzig 1943, S. 579.
  3. Jedermanns Lexikon in zehn Bänden, Achter Band. Hermann Klemm A.G., Berlin-Grunewald 1930, S. 125.
  4. Norbert Conrads: Die Durchführung der Altranstädter Konvention in Schlesien 1707–1709. In: Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands 8. Böhlau, Köln/Wien 1971.
  5. Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Magdeburg. Magdeburg 1847, S. 239.
  6. Andreas Heinz: Rezeß. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 8. Herder, Freiburg im Breisgau 1999, Sp. 1154.



Kategorien: Rechtsgeschichte (Deutschland)

Werbung:


Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Rezess (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Veränderungen: Alle Bilder und die meisten Designelemente, die mit ihnen in Verbindung stehen, wurden entfernt. Icons wurden teilweise durch FontAwesome-Icons ersetzt. Einige Vorlagen wurden entfernt (wie „Lesenswerter Artikel“, „Exzellenter Artikel“) oder umgeschrieben. CSS-Klassen wurden zum Großteil entfernt oder vereinheitlicht.
Wikipedia spezifische Links, die nicht zu Artikeln oder Kategorien führen (wie „Redlink“, „Bearbeiten-Links“, „Portal-Links“) wurden entfernt. Alle externen Links haben ein zusätzliches FontAwesome Icon erhalten. Neben weiteren kleinen Designanpassungen wurden Media-Container, Karten, Navigationsboxen, gesprochene Versionen & Geo-Mikroformate entfernt.


Stand der Informationen: 04.03.2020 02:26:52 CET - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
Beachten Sie auch : Impressum & Datenschutzerklärung.