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Ravenna

Ravenna
Wappen
Staat Italien
Region Emilia-Romagna
Provinz Ravenna (RA)
Lokale Bezeichnung Ravêna
Koordinaten 44° 25′ N, 12° 12′ O Koordinaten: 44° 25′ 0″ N, 12° 12′ 0″ O
Höhe m s.l.m.
Fläche 652 km²
Einwohner 159.115 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte 244 Einw./km²
Postleitzahl 48100
Vorwahl 0544
ISTAT-Nummer 039014
Volksbezeichnung Ravennati oder Ravegnani
Schutzpatron Sant'Apollinare
Website www.comune.ravenna.it

Ravenna (veraltet deutsch: Raben) ist eine Stadt in Italien mit 159.115 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2017). Sie ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Ravenna in der Region Emilia-Romagna. Die Stadt lag ursprünglich unmittelbar an der Adria. Infolge von Verlandung beträgt die Entfernung des Stadtkerns von der Küste heute etwa neun Kilometer. Der Hafen ist durch den Canale Candiano mit der Küste und dem Seebad Marina di Ravenna verbunden. Ravenna ist Erzbischofssitz.

Von 402 bis 476 war die Stadt Hauptresidenz der weströmischen Kaiser. In den folgenden Jahrzehnten residierten hier auch Odoaker, Theoderich der Große und dessen Nachfolger. Nach der Rückeroberung Italiens durch oströmische Truppen war Ravenna bis zur Einnahme durch die Langobarden im Jahre 751 Zentrum eines kaiserlichen Exarchats (Exarchat von Ravenna).

Seit 1974 richtet die Stadt jährlich im Frühjahr das Musikfestival Ravenna Jazz aus. 1990 kam das im Sommer abgehaltene Ravenna Festival hinzu, bei dem hauptsächlich Opern- und Klassische Musik, aber auch Dance, Jazz, Volksmusik, Musical, Ballett, Geistliche Musik, Elektronische Musik, Theater und Film dargeboten und ausgezeichnet werden, zusätzlich finden hier verschiedene Conventions und Ausstellungen statt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Historiker vermuten, dass die Siedlung während der gallischen Invasionen seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. allmählich entstanden war. Versprengte Angehörige der besiegten Umbrer und Etrusker pflegten damals zusammen auf den zahlreichen kleinen Laguneninseln am Südrand des Po-Mündungsdeltas Zuflucht zu suchen. Die Etrusker nannten die Siedlung Ravena.

Römische Kaiserzeit

In der frühen und hohen Kaiserzeit war Ravenna eine von Wasser umschlossene Lagunenstadt mit zeitweilig bis zu 50.000 Einwohnern. Im Jahr 88 v. Chr. erhielt die Stadt römisches Bürgerrecht. Jahrzehnte darauf, im Jahr 49 v. Chr., zog Caesar von hier zur Überschreitung des Rubikons aus, womit er den Bürgerkrieg begann. Sein Großneffe, Kaiser Augustus, machte den Militärhafen von Classe vor der Stadt zum zweitgrößten Flottenstützpunkt des Römischen Reichs (der größte Kriegshafen war Misenum). Der gestürzte markomannische König Marbod wurde hier im Jahr 19 n. Chr. bis zu seinem Tod im Jahr 37 interniert. Hier lebten auch die von Germanicus gefangengenommenen Cherusker Thusnelda und Thumelicus.

Spätantike und Völkerwanderung

Die große Zeit der Stadt waren das 5. und 6. Jahrhundert: Im Jahr 402 verlegte der weströmische Kaiser Honorius seinen Hof von Mailand nach Ravenna, da die Stadt sehr gut zu verteidigen war. Die Westgoten unter Alarich I. belagerten 408 vergeblich Ravenna. Im selben Jahr wurde der Feldherr Stilicho Opfer einer Intrige am Kaiserhof. Des Paktierens mit Alarich und damit des Hochverrats beschuldigt, wurde er in Ravenna hingerichtet.

Nach dem Tod des (Mit-)Kaisers Constantius III. 421 in Ravenna und dem Tod des Honorius regierte dessen Halbschwester Galla Placidia zunächst für ihren minderjährigen Sohn Valentinian III. Sie ließ die Stadt prächtig ausbauen. Eine spätere Legende besagt, dass sich im Jahre 410 der Neffe des Hunnenkönigs Rugila, Attila, am Hofe als Geisel befand.

Obwohl einige spätere Kaiser zeitweilig in Rom residierten, blieb Ravenna fortan der eindeutig bevorzugte Regierungssitz in Italien. Nach der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustus herrschte in der Stadt ab 476 der germanische rex Odoaker, der 493 von dem Ostgotenherrscher Theoderich nach der Niederlage in der „Rabenschlacht“ eigenhändig getötet wurde. Die Ostgoten unter Theoderich errichteten in Italien ein Reich, das bis zur endgültigen Niederlage gegen Ostrom (552) Bestand hatte. Sie herrschten nominell als Stellvertreter des Kaisers in Konstantinopel. Die Hauptstadt Ravenna erlebte unter ihnen bis etwa 535 erneut eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit.

Gegen seinen Protest wurde der gebrechliche Papst Johannes I. 525 von dem arianischen Theoderich nach Konstantinopel geschickt, um dort mit Kaiser Justin I. über sein Dekret gegen die Arianer zu verhandeln. Theoderich drohte dem Papst angeblich mit Repressalien gegen die Katholiken. Als Johannes unverrichteter Dinge zurückkehrte, ließ Theoderich den Papst unter der Anschuldigung verhaften, er habe sich mit dem Kaiser verschworen. Er wurde in Ravenna festgehalten und starb dort aufgrund der schlechten Behandlung 526. Theoderich starb kurz darauf am 30. August in Ravenna. Sein dortiges Grabmal ist heute leer; ob ein Sarkophag mit den sterblichen Überresten Theoderichs dort je gestanden hatte, ist umstritten.

535 begannen die oströmischen Truppen mit der Rückeroberung Italiens. Im Mai 540 fiel das von dem Heermeister Belisar im Auftrag des Kaisers Justinian I. belagerte Ravenna; wahrscheinlich hatten ostgotische Adlige dem Heermeister die Kaiserwürde des Westens angeboten. Belisar ging zunächst darauf ein und eroberte so ohne Blutvergießen die Stadt. Ob Belisar die Kaiserwürde nur zum Schein annahm, ist unklar; in jedem Fall ließ er sich nach der Einnahme Ravennas nicht zum Augustus ausrufen. Dennoch erweckte dieser Vorgang den Argwohn Justinians, der seinen Generälen ohnehin nie recht traute. 541/42 brach der Krieg in Italien erneut aus, 549 wurde Belisar abberufen und durch seinen Konkurrenten Narses ersetzt. Zeitweilig konnten die Oströmer nur Ravenna behaupten, während die Goten unter König Totila wieder fast ganz Italien kontrollierten; erst 552 unterlagen sie Narses. Nun erlangte Ravenna als Vorposten des Oströmischen Reiches in Italien erneut Bedeutung, die Stadt wurde bald nach dem Einfall der Langobarden (568) Hauptstadt des Exarchats von Ravenna.

Aus dieser Zeit des Umbruchs von der Antike zum Mittelalter (siehe vor allem Spätantike) findet man in Ravenna heute noch zahlreiche bedeutende Bauwerke, die oft noch den originalen Mosaikenschmuck des 5. bis 7. Jahrhunderts zeigen und die inzwischen von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Sie sind vor allem deshalb einzigartig, weil im Kerngebiet des Oströmischen Reiches fast alle derartigen Mosaiken später dem Bilderstreit zum Opfer fielen.

Mittelalter

751 eroberte der Langobardenkönig Aistulf die Stadt, womit das Exarchat von Ravenna endete. Im Vertrag von Quierzy (754) versprach Pippin der Jüngere, das ehemals byzantinische Exarchat von Ravenna dem Papst zu übergeben (Pippinische Schenkung); im Gegenzug legitimierte Papst Stephan II. die Karolinger als neues Königsgeschlecht des Frankenreichs. Schon 755 ereilte den fränkischen König die Bitte, dem Vertrag durch Taten zur Erfüllung zu verhelfen. Bis zu seinem Tode führte Pippin zwei erfolgreiche Feldzüge gegen die Langobarden und schenkte dem Papst die eroberten Gebiete. Er gilt so als Begründer des Kirchenstaates, zu dem auch Ravenna gehörte. Damit gelangte auch der Bischofssitz von Ravenna endgültig unter die päpstliche Oberhoheit. Denn zur Zeit des Papstes Vitalian entzog 666 der oströmische Kaiser Konstans II. die Kirche von Ravenna der Oberhoheit von Rom und machte sie zu einer in sich selbständigen Kirche. Das daraus folgende Schisma wurde unter Papst Donus und seinem Nachfolger Agatho wieder beseitigt, aber in der Folge hatten sich die ravennatischen Bischöfe als Patriarchen einer Hauptstadt immer wieder als weitgehend gleichberechtigt gesehen.

Um das Jahr 951 wurde in Ravenna der heilige Gründer der Kamaldulenser Romuald geboren, der später großen Einfluss auf Kaiser Otto III. gewinnen sollte.

967 hielt in Ravenna Kaiser Otto I. einen Reichstag ab. Auf Vorschlag des Kaisers genehmigte der gleichzeitig eine Synode versammelnde Papst Johannes XIII. die Errichtung der drei fortan zum Metropolitanverband des Erzbistums Magdeburg gehörenden Bistümer Meißen, Merseburg und Zeitz (später Naumburg (Saale)). 1231 hielt Kaiser Friedrich II. in Ravenna einen Reichstag ab, auf dem er die bereits von Friedrich I. vorgenommene Belehnung der brandenburgischen Askanier mit Pommern einschließlich Pommerellens erneuerte.

Später führte Ravenna den zu einer autonomen Republik wachsenden Städtebund, zu dem Ancona, Fano, Pesaro, Senigallia und Rimini gehörten und war bereits im 11. Jahrhundert Sitz einer bedeutenden Rechtsschule. Seit 1275 herrschte die Familie da Polenta in Ravenna.

Dante Alighieri vollendete in Ravenna die 1307 begonnene Göttliche Komödie, die wie kaum ein anderes Werk die europäische Literatur beeinflusste, und starb kurz darauf am 14. September 1321. Seine Gebeine ruhen seit ihrer Wiederauffindung im Jahr 1865 in einem für ihn bereits 1780/81 in Ravenna errichteten Grabmal.

Neuzeit

1441 bis 1509 war Ravenna in der Hand Venedigs, wonach es durch die Liga von Cambrai in die Hände des Papstes gelangte. Die Venezianer erbauten in der Stadt die Festungsanlage Brancaleone, deren Ruine heute eine geräumige Parkanlage und ein Freilicht-Theater beherbergt. Durch den Frieden von Tolentino 1797 kam Ravenna vorübergehend unter französische Herrschaft. Durch den Wiener Kongress 1815 kam es wieder zum Kirchenstaat, zu dem es dann bis 1860 gehörte. Seit 1861 gehört Ravenna zu Italien. 1951 erhielt die Stadt die Medaglia d’oro al valor militare für ihre Verdienste im Zweiten Weltkrieg. Ravenna ist heute durch Grundwasserversalzung und die Überflutung von Landflächen durch Meerwasser sowie durch Erdbeben (zuletzt im Mai 2012) gefährdet.

Partnerstädte


Ravenna ist durch Städtepartnerschaften verbunden mit:[2]

Gliederung


Das Zentrum der Stadt bildet die historische Altstadt, die sich zwischen der Circonvallazione S. Gaetanino im Norden, der Via Fiume Abbandonato im Westen, der Circonvallazione al Molino im Süden und den Bahngleisen im Osten erstreckt. Neuere Wohnviertel schließen sich in alle Richtungen an, wobei die Übergänge zum Teil noch durch Mauerreste und Stadttore gekennzeichnet sind.

Die Industrie konzentriert sich in einer Hafen- und Industriezone, die sich zu beiden Seiten des Canale Candiano im Nordosten der Stadt bis zu den Badeorten Marina di Ravenna und Porto Corsini ausdehnt.

Wirtschaft und Infrastruktur


Fremdenverkehr ist ein bedeutender Erwerbszweig. Die am Meer liegenden Badeorte Lido di Ravenna, Marina di Ravenna, Lido di Classe usw. verfügen über zahlreiche Campingplätze, Ferienhäuser und Hotels, aber auch weitläufige Naturschutzgebiete. Am Lido di Dante gibt es auch einen ausgedehnten FKK-Strand.

Bei Ravenna befindet sich aber auch eine Erdölraffinerie und ein bedeutendes Industriegebiet der Chemie- und Energiebranche sowie ein Stahlwerk der Marcegaglia SpA. Weitere wichtige Industriezweige sind die Schuh-, Bekleidungs- und Nahrungsmittelindustrie. Der Hafen von Ravenna gehört zu den wichtigsten Häfen an der Adria.

Kunsthandwerk


Mosaik-Erzeugnisse sind das Aushängeschild des heimischen Kunsthandwerks. Byzantinische Meister brachten die Ausdruckskraft der schillernden Mosaiken zur künstlerischen Vollendung. Die Tradition des Mosaiklegens lebt in der Stadt weiter und wird in zahlreichen Mosaik-Werkstätten gepflegt und in Ausbildungskursen an Schulen gelehrt. Im Sommer können Interessenten an Mosaik-Kursen im nahegelegenen Adriastrandbad Lido Adriano teilnehmen.

Eine weitere künstlerische Tätigkeit, die in Ravenna verbreitet ist, ist die byzantinische Stickerei (oder byzantinische Verzierung). Sie ist orientalischen Ursprungs und diente ursprünglich ausschließlich der Verzierung von Messgewändern. Die Muster der Stickereien werden den klassischen Mosaik-Ornamenten, den Basreliefs und den klassischen Marmor-Ornamenten der lokalen Kirchen entnommen. Es wird Stickereigarn verwendet, dessen Farbtöne den Mosaiken angepasst sind.

Sehenswürdigkeiten


Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung sind Ravennas frühchristliche Kirchen, Taufkapellen, Mausoleen und Mosaiken. Acht Gebäude aus dem 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. wurden 1996 in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen.

Die Kunsthistorikerin Anna Maria Cetto schreibt: "Ravenna ist der einzige Ort im Bereich der abendländischen Kirche, dessen frühchristliche Mosaiken mit denen Roms wetteifern können, ja sie in den Schatten stellen."

Bauwerke des UNESCO-Weltkulturerbes

Kirchen

Museen

Sonstige Sehenswürdigkeiten

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

Verkehr


Der Bahnhof von Ravenna liegt unmittelbar östlich des Stadtzentrums. Dort trifft sich die Bahnstrecke Ferrara–Rimini mit der Nebenstrecke nach Castel Bolognese. Zwischen 1883 und 1929 gab es eine direkte Verbindung mit einer Dampfstraßenbahn nach Forlì.

Hinter dem Bahnhof liegt das heute wenig genutzte innerstädtische Hafenbecken, welches über den Canale Candiano O Corsini Verbindung zur Adria und zum modernen Hafen Ravenna hat.

Der Flughafen von Forlì ist 27 Kilometer entfernt. Darüber hinaus besitzt Ravenna einen kleinen Lokalflughafen.

Persönlichkeiten


Ehrenbürger

In Ravenna geborene Persönlichkeiten

Siehe auch

Literatur


Weblinks


WiktionaryWiktionary: Ravenna – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Ravenna  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2017.
  2. Città gemellate , auf der Website der Stadt, abgerufen am 8. November 2018
  3. [1]
  4. Ravenna - Manutenzioni di Hera, ecco dove mancherà l’acqua . In: Il Resto Del Carlino. 14. Juli 2008. Abgerufen am 27. April 2012.
  5. Ravenna - Cittadinanza onoraria a Saviano Il Consiglio approva all'unanimità . In: Il Resto Del Carlino. 22. Dezember 2009. Abgerufen am 27. April 2012.
  6. [2].



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