Rancířov - de.LinkFang.org

Rancířov

Rancířov
Rancířov führt kein Wappen
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: Jindřichův Hradec
Gemeinde: Dešná u Dačic
Fläche: 785[1] ha
Geographische Lage: 48° 56′ N, 15° 32′ O Koordinaten: 48° 56′ 2″ N, 15° 31′ 42″ O
Höhe: 475 m n.m.
Einwohner: 136 (1. März 2001)
Postleitzahl: 378 81
Kfz-Kennzeichen: C
Verkehr
Straße: Slavonice -Uherčice

Rancířov (deutsch Ranzern) ist ein Ortsteil der Gemeinde Dešná (Döschen) in Tschechien. Er liegt 15 Kilometer südlich von Slavonice (Zlabings) in Südmähren und gehört zum Okres Jindřichův Hradec (Bezirk Neuhaus). Der Ort ist als ein Längsangerdorf angelegt.

Inhaltsverzeichnis

Geografie


Rancířov befindet sich nahe der Grenze zu Österreich. Nördlich erhebt sich der Dešenský Šibeník (Galgenberg, 511 m).

Nachbarorte sind Dešná u Dačic (Döschen) im Norden, Dančovice (Dantschowitz) im Nordosten, Lubnice (Hafnerluden) und Mešovice (Nespitz) im Osten, Vratěnín (Fratting) im Südosten, Hluboká (Tiefenbach) und Schaditz im Süden, Wilhelmshof im Südwesten, Ziernreith im Westen sowie Písečné (Piesling) und Županovice (Zoppanz) im Nordwesten.

Geschichte


Rancířov gehört zu den ältesten Pfarrdörfern in Südmähren. Im Jahre 1257 wurde die Pfarre „ad Ronzer“ dem Stift Geras übergeben, dem sie bis nach dem Zweiten Weltkrieg inkorporiert bleibt. In einer Stiftsurkunde vom 13. Dezember 1450 wurden die Abgaben von „Ranzer“ geregelt und diese von Robot und Abgaben in eine Geldzahlung umgewandelt. Die Mundart des Nordbairischen, welche bis 1945 gesprochen wurde, lässt darauf schließen, dass die Einwohner des Ortes aus der Oberpfalz stammten, worin sie sich von den weiter östlichen gelegenen Gebieten von Znaim und Nikolsburg unterschieden.[2] Im Jahre 1645, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde der Ort von schwedischen Truppen unter dem Feldmarschall Lennart Torstensson geplündert und gebrandschatzt. Aus demselben Jahr ist ein „Waisenbuch“ erhalten geblieben. Matriken werden in dem Ort seit dem Jahre 1724 geführt.[3] Die Einwohner des Ortes lebten von der Landwirtschaft, wobei der sonst in Südmähren so wichtige Weinbau nicht praktiziert wurde. Der Kirtag wurde bis 1945 immer am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt (15. August) abgehalten.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam der Ort, dessen Bewohner 1910 zu 97 % deutschsprachig waren, zur neu gegründeten Tschechoslowakischen Republik. Nach dem Münchner Abkommen 1938, rückten im Oktober deutsche Truppen im Ort ein, der bis 1945 zum Gau Niederdonau gehörte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1945), der sieben Opfer unter den Bewohnern von Ranzern forderte, kam die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. Anfang Juni 1945 wurde der Ort, zeit- und systemgleich wie die umliegenden Gemeinden, von einer motorisierten Gruppe von Tschechen besetzt. Sie nahmen einige Geiseln und vertrieben die deutschen Bewohner und zuletzt die Geiseln über die Grenze nach Österreich.[4] In Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen des Potsdamer Kommuniqués verlangte die UdSSR im Jänner 1946 den Transfer aller in Österreich befindlichen Volksdeutschen nach Deutschland.[5] Vorrangig wurden die aus Ranzern stammenden Bewohner in den Bundesländern Baden-Württemberg und Hessen ansässig.

Im Jahre 2001 bestand das Dorf aus 35 Wohnhäusern, in denen 136 Menschen lebten.

Wappen und Siegel


Es ist nicht eindeutig, ob Ranzern ein eigenes Siegel besaß. Tschechische Fachliteratur nennt hier entweder ein Herz mit drei hervorsprießenden Blüten oder ein Pflugeisen. Hierbei muss beachtet werden, dass es bei Iglau ebenfalls ein Ranzern gab, welches zur selben Herrschaft wie Ranzern in Südmähren gehörte.[6]

Bevölkerungsentwicklung[7][8]


Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 279 250 29
1890 278 250 27 1
1900 264 249 15
1910 256 249 7
1921 297 246 49 2
1930 304 223 81
1991 128
2001 136

Sehenswürdigkeiten


Örtliche Sage


Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi/739278/Rancirov
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens. Beiträge zur Volkskunde Südmährens. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 1989, ISBN 3-927498-09-2, S. 10.
  3. Anton Boczek: Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae. Band 3: Ab annis 1241 – 1267. Skarnitz, Olmütz 1841, S. 260.
  4. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart (= Geschichte Südmährens. Bd. 3). Verlag des Südmährischen Landschaftsrates Geislingen/Steige, Geislingen/Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 327, 329, 331.
  5. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46. Unter besonderer Berücksichtigung der Bundesländer Wien und Niederösterreich. Wien 1995, (Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995; maschinenschriftlich).
  6. Zemske desky Brno. Brünn 1856, Band XIII, S. 5
  7. Josef Bartoš, Jindřich Schulz, Miloš Trapl: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960. Band 9: Okresy Znojmo, Moravský Krumlov, Hustopeče, Mikulov. Profil, Ostrava 1984.
  8. czso.cz (PDF)
  9. Südmährisches Jahrbuch. 1978, S. 166



Kategorien: Ort im Okres Jindřichův Hradec | Ortsteil in Tschechien | Dešná u Dačic


Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Rancířov (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Veränderungen: Alle Bilder und die meisten Designelemente, die mit ihnen in Verbindung stehen, wurden entfernt. Icons wurden teilweise durch FontAwesome-Icons ersetzt. Einige Vorlagen wurden entfernt (wie „Lesenswerter Artikel“, „Exzellenter Artikel“) oder umgeschrieben. CSS-Klassen wurden zum Großteil entfernt oder vereinheitlicht.
Wikipedia spezifische Links, die nicht zu Artikeln oder Kategorien führen (wie „Redlink“, „Bearbeiten-Links“, „Portal-Links“) wurden entfernt. Alle externen Links haben ein zusätzliches FontAwesome Icon erhalten. Neben weiteren kleinen Designanpassungen wurden Media-Container, Karten, Navigationsboxen, gesprochene Versionen & Geo-Mikroformate entfernt.


Stand der Informationen: 04.11.2019 10:51:35 CET - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
Beachten Sie auch : Impressum & Datenschutzerklärung.