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Rainer Grießhammer




Rainer Ulrich Grießhammer (* 14. Juli 1953) ist ein deutscher Chemiker, Senior Advisor am Öko-Institut[1] und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zukunftserbe[2], Honorarprofessor für Nachhaltige Produkte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.[3] Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten und Bestsellerautor.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang und Wirken


Grießhammer studierte Chemie an der Universität Basel und an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Nach seinem Studium begann Rainer Grießhammer als Wissenschaftler beim Öko-Institut, dessen Entwicklung er bis zu seinem Ruhestand 2018 mehr als 30 Jahren mitgeprägt hat – u. a. als Vorstandsmitglied und Mitglied der Geschäftsführung. Sein Werdegang spiegelt die Entwicklung der Umweltbewegung wider: vom thematischen Stiefkind zum zentralen gesellschaftlichen und politischen Thema der heutigen Zeit.

Parallel zur Arbeit im Öko-Institut war er Herausgeber des Informationsdiensts Chemie und Umwelt (1984–1997) und schrieb mehrere populärwissenschaftliche Bücher, u. a. den Bestseller „Der Öko-Knigge“. Seit 2000 ist Grießhammer außerdem Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Zukunftserbe, seit 2012 Honorarprofessor für Nachhaltige Produkte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. und Mitglied im Forschungsbeirat des Forschungszentrums „Verbraucher, Markt und Politik“ an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Seit dem 13. März 2020 ist Grießhammer Mitglied des Nationalen Begleitgremiums, welches die staatliche Suche nach einem Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle begleitet.[4]

Arbeitsfelder und Projekte (Auswahl)


Arbeitsschwerpunkte von Grießhammer waren bzw. sind „Chemie und Umwelt“ (etwa 1982–1992), Produktbewertung und Ökobilanzen (etwa 1989–1995), Nachhaltige Entwicklung und Stoffstrommanagement (etwa 1992–2000), Nachhaltige Produkte und Konsum (etwa 1996 bis heute) sowie Transformationen (seit 2010). Mit seinen produktbezogenen Arbeiten prägte er wesentlich die internationale Methodenentwicklung im Bereich Ökobilanzen (Life-Cycle-Management, Stoffstromanalysen und Produktlinienanalyse). Entsprechende Projekte und Critical Reviews wurden auf EU-Ebene und in den Ländern Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Schweden und Schweiz durchgeführt.

Die Forschungsprojekte im Schwerpunkt „Chemie und Umwelt“ (etwa 1982–1992) konzentrierten sich einerseits auf Problemanalysen und Umweltauswirkungen durch Chemikalien, andererseits auf die Chemikaliengesetzgebung, die Altstoffverordnung und die Konzeption einer neuen Chemiepolitik. Höhepunkt und Abschluss waren die Arbeiten in und für die Enquête-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ des Deutschen Bundestags. Das Konzept eines gesellschaftlich veränderten Umgangs mit Chemikalien und die Ergebnisse der Enquete-Kommission im Deutschen Bundestag wurden von Grießhammer wesentlich beeinflusst.

Der Schwerpunkt „Produktbewertung und Ökobilanzen“ (etwa 1989–1995) war vor allem durch die maßgebliche Mitentwicklung der Ökobilanz-Methode (auch international im Rahmen der SETAC) und durch praxisorientierte Ökobilanzen und Produktbewertungen unterschiedlichster Produkte (Waschmittel, Haushaltsgeräte, TV-Gerät, Computer, FCKW-haltige Produkte, Recyclingpapier, Verpackungen, OP-Abdeck-Materialien, Kunststoffe, Textilien, Kaffee) gekennzeichnet. Im Rahmen der ISO-Norm 14040 ist für veröffentlichte Ökobilanzen die Durchführung von aufwändigen „Critical reviews“ vorgeschrieben – hier zählt Grießhammer international zu den am häufigsten nachgefragten Gutachtern.

Die Forschungsarbeiten im Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung und Stoffstrommanagement (etwa 1992–2000) konzentrierten sich auf übergeordnete Umweltziele und Nachhaltigkeitsindikatoren, auf die Konkretisierung und Umsetzung des Leitbilds der Nachhaltigen Entwicklung im Bereich von Produkten und Stoffen allgemein und speziell auf einzelne Branchen und Bedürfnisfelder (Information und Kommunikation, Bauen und Wohnen, Kleidung und Waschen), sowie auf die Gestaltung von Akteurskooperationen.

Etwa 1996 begannen die Forschungsarbeiten zum Thema Nachhaltige Produkte und Konsum. Eine große Rolle auf diesem Arbeitsfeld spielt die Methoden-Entwicklung der Produkt-Nachhaltigkeits-Analyse PROSA. Besondere Schwerpunkte liegen bei PROSA und gegenüber der Ökobilanz auf der Analyse sozialer und ökonomischer Aspekte, sowie auf dem Einbezug von Nutzenaspekten und Konsumforschung. Bei der Entwicklung der zugehörigen Einzeltools wurde auf eine internationale Harmonisierung und Erfahrungsaustausch geachtet, beispielsweise mit der SETAC zur Lebenszykluskostenrechnung (Life Cycle Costing), mit der UNEP-SETAC – Life Cycle Initiative zur Sozialbilanz (Social LCA) und mit Großunternehmen zur Anwendung in der Praxis.

Grießhammers Arbeitsschwerpunkte kommen bei der EcoTopTen-Initiative zum Tragen, einer produktübergreifenden Kampagne für nachhaltige Produkte. Die Initiative wurde mit einem von Grießhammer konzipierten und geleiteten Projekt im Auftrag des BMBF und mehrerer Unternehmen vorbereitet und wird seit März 2005 mit einer großen Infokampagne an die Öffentlichkeit kommuniziert. Seit 2010 forscht er zu den Themenkomplexen Transformationen, Nachhaltige Industriepolitik und Produktpolitik. Von 2014 bis 2018 leitete Grießhammer zusammen mit Prof. Matthias Bergman (isoe – Institut für sozial-ökologische Forschung) die Wissenschaftliche Koordination des BMBF-Programms „Umwelt- und sozialverträgliche Transformation des Energiesystems“.[5]

Nach 39 Jahren Arbeit im Öko-Institut zog sich Grießhammer im Jahr 2018 aus der Geschäftsführung des Öko-Instituts zurück. Er arbeitet seitdem als Senior Advisor des Öko-Instituts und weiterhin als Vorstandssprecher der Stiftung Zukunftserbe sowie Honorarprofessor an der Universität Freiburg. 2018 begann seine Mitarbeit als Principal Investigator im Exzellenzcluster LivMatS, das von der Universität Freiburg, dem Öko-Institut und Fraunhofer-Instituten getragen wird.

Mitgliedschaften


Sachverständiges Mitglied in der Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ des Deutschen Bundestags (1992–1994), Wissenschaftlicher Beirat für Verbraucher- und Ernährungspolitik beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (2002–2007); Stv. Mitglied beim Kuratorium der Stiftung Warentest (seit 2003), Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) (2004–2009), Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von terre des hommes[6] (2012–2017), Mitglied im Kuratorium der Utopia-Stiftung[7] (2008–2015) und im wissenschaftlichen Beirat der Zeitschrift für Technikfolgenabschätzung in Theorie und Praxis (TATuP).[8]

Auszeichnungen


Im Jahr 2010 wurde Grießhammer mit dem Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ausgezeichnet.[9] Im Januar 2020 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.[10]

Schriften (Auswahl)


Weblinks


Einzelnachweise


  1. oeko.de: Öko-Institut: Prof. Dr. Rainer Grießhammer
  2. Die Stiftung – Stiftungsgremien – Vorstand und MitarbeiterInnen. Stiftung Zukunftserbe, abgerufen am 15. Januar 2020.
  3. Universität Freiburg: Universität Freiburg bestellt neue Honorarprofessoren.
  4. Bundesrat.de: Wahl von Mitgliedern des Nationalen Begleitgremiums gemäß § 8 Absatz 3 des Standortauswahlgesetzes
  5. „Umwelt- und sozialverträgliche Transformation des Energiesystems“
  6. terre des hommes
  7. Rainer Grießhammer erhält Deutschen Umweltpreis 2010. Öko-Institut, 29. Oktober 2010, abgerufen am 13. März 2020.
  8. Impressum. In: Karlsruher Institut für Technologie und Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (Hrsg.): TATuP. Band 27, Nr. 1, 2018.
  9. Deutscher Umweltpreis 2010: Einzelwürdigung Dr. Rainer Grießhammer. Deutsche Bundesstiftung Umwelt, abgerufen am 10. Februar 2020.
  10. Bundesverdienstkreuz für Rainer Grießhammer. 17. Januar 2020, abgerufen am 10. Februar 2020.



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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer Grießhammer (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0


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