Rückpassregel


Die sogenannte Rückpassregel im Fußball wurde 1992 von der FIFA in den Abschnitt XII des Fußball-Regelwerks eingefügt:

„Ein indirekter Freistoß wird gegeben, wenn ein Torhüter innerhalb des eigenen Strafraums den Ball: […]

  •  mit der Hand/dem Arm berührt, es sei denn, er hat den Ball bei einem Klärungsversuch eindeutig mit dem Fuß gespielt oder zu spielen versucht, nach:
    • einem absichtlichen Zuspiel eines Mitspielers mit dem Fuß zum Torhüter,
    • einem direkt zugespielten Einwurf eines Mitspielers.“
IFAB: Spielregeln 20/21[1]

Inhaltsverzeichnis

Inhalt


Diese Bestimmung besagt, dass es dem Torwart nicht gestattet ist, den Ball mit seinen Händen zu berühren, wenn das Zuspiel durch einen Mitspieler der eigenen Mannschaft kontrolliert per Fuß oder Einwurf erfolgt ist. Weiterhin ist zu beachten:

Der Torwart darf den Ball mit der Hand berühren, wenn

Um die Wirksamkeit der Regel sicherzustellen, wurden denkbare Umgehungsmöglichkeiten ausgeschlossen:

Verstoß


Eine Missachtung der Rückpassregel sowie der anderen genannten Regeln führt zu einem indirekten Freistoß für die gegnerische Mannschaft an jener Stelle, an der der Torwart den Ball regelwidrig berührt hat. Sollte dies innerhalb des Torraums geschehen sein, wird der Freistoß auf die parallel zur Torlinie verlaufende Torraumlinie zurückverlegt, und zwar so nah wie möglich dahin, wo das Vergehen stattgefunden hat. Es wird jedoch keine Disziplinarstrafe verhängt.

Wird versucht, die Rückpassregel zu umgehen (s. o.), stellt dies eine Unsportlichkeit dar. Mit einer Verwarnung wird der Spieler bestraft, der die Umgehung versucht hat, nicht jedoch der Torwart. Daher kommt es in diesem Fall auch nicht darauf an, ob der Torwart den Ball tatsächlich mit der Hand berührt.

Verwandte Regeln


Im Zusammenhang mit der Rückpass-Regel existieren weitere den Torwart betreffende Regeln, die das Spiel attraktiver machen sollen:

Entstehung der Regel


Die Rückpassregel war eine Reaktion der FIFA auf die häufig angewendete Zeitvergeudungstaktik (sogenanntes „Zeitspiel“, siehe WM-Finale 1990 und WM-Spiel von Gijón 1982), bei der man den Ball dem Torwart in die Hände spielte und dieser ihn die damals erlaubten vier Schritte weit in seinen Händen hielt. Als weitere Reaktion gegen das „Auf-Zeit-Spielen“ wurde 1997 die Regel auch auf Einwürfe erweitert und die Begrenzung der erlaubten Schritte für den Torwart durch die Regel über maximal sechs Sekunden mit Ball in der Hand ersetzt.

Sonstiges


Der Begriff Rückpassregel findet sich zwar nirgends in den offiziellen FIFA-Statuten, hat sich aber in vielen anderen Publikationen eingebürgert. Und obwohl die landläufige Bezeichnung der Regel suggeriert, dass das Zuspiel „rückwärts“ erfolgen muss, spielt die Richtung der Ballabgabe für das Vergehen keine Rolle.

Die Rückpassregel war maßgeblich an der Entscheidung der deutschen Meisterschaft 2000/01 beteiligt. Als der FC Bayern München am letzten Spieltag der Saison in Hamburg im Fernduell mit dem FC Schalke 04 um die Meisterschaft kämpfte, spielte der Hamburger Spieler Tomáš Ujfaluši in der Nachspielzeit den Ball beim Stand von 1:0 für den HSV dem eigenen Torwart Mathias Schober zu, welcher ihn mit den Händen aufnahm. Den von Schiedsrichter Markus Merk anschließend zugesprochenen indirekten Freistoß verwandelte der Schwede Patrik Andersson zum 1:1-Ausgleich. Somit war der FC Bayern München Deutscher Meister.[2]

Einzelnachweise


  1. International Football Association Board (Hrsg.): Spielregeln 20/21. Zürich 2020, Regel 12: Fouls und unsportliches Betragen, S. 115 (kxcdn.com [PDF; abgerufen am 21. April 2021]).
  2. Zweifel am Meister-Tor. In: SPIEGEL ONLINE. Abgerufen am 26. Dezember 2010.

Weblinks


Wikibooks: „Auf Zeit“-Taktik – Lern- und Lehrmaterialien









Kategorien: Fußballregel | Fachbegriff (Fußball)




Stand der Informationen: 01.05.2021 03:18:39 CEST

Quelle: Wikipedia (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Veränderungen: Alle Bilder und die meisten Designelemente, die mit ihnen in Verbindung stehen, wurden entfernt. Icons wurden teilweise durch FontAwesome-Icons ersetzt. Einige Vorlagen wurden entfernt (wie „Lesenswerter Artikel“, „Exzellenter Artikel“) oder umgeschrieben. CSS-Klassen wurden zum Großteil entfernt oder vereinheitlicht.
Wikipedia spezifische Links, die nicht zu Artikeln oder Kategorien führen (wie „Redlink“, „Bearbeiten-Links“, „Portal-Links“) wurden entfernt. Alle externen Links haben ein zusätzliches FontAwesome Icon erhalten. Neben weiteren kleinen Designanpassungen wurden Media-Container, Karten, Navigationsboxen, gesprochene Versionen & Geo-Mikroformate entfernt.

Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
Beachten Sie auch : Impressum & Datenschutzerklärung.