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Präposition




Präpositionen (von lateinisch praepositio ‚Voranstellung‘), in der Schulgrammatik auch Verhältniswörter oder Vorwörter und in der germanistischen Literatur auch Fallfügteile oder Lagewörter genannt, sind eine Wortart, die eine geschlossene Klasse bildet und somit zwischen Inhaltswort und grammatischer Markierung angesiedelt ist. Präpositionen verlangen in der Regel eine Substantivgruppe oder ein Pronomen als syntaktische Ergänzung und weisen dieser/diesem einen Kasus zu (in Sprachen, die Kasus sichtbar markieren); im Deutschen können Präpositionen aber auch mit Adverbien verwendet werden. Zusammen mit ihrer Ergänzung und ggf. weiteren Modifikatoren bilden sie Präpositionalphrasen. Präpositionen können mit Konjunktionen als Relatoren zusammengefasst werden, also Wörtern, die ein Verhältnis angeben. Sie können lokale, temporale, kausale, konzessive, modale u. a. Bedeutungen tragen oder zur Markierung grammatischer Verhältnisse dienen. Präpositionen selbst sind in den meisten Sprachen, so auch im Deutschen, nicht flektierbar; Beispiele für Flexion von Präpositionen finden sich aber z. B. in den modernen keltischen Sprachen.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsabgrenzungen


Der Bezeichnung nach sind Präpositionen Elemente, die vor dem durch sie regierten Ausdruck stehen. Es gibt aber auch nachgestellte Wörter, die genau gleichartige Funktionen haben (nachgestellte Präpositionen oder Postpositionen genannt, z. B. im Deutschen: der Einfachheit halber). Ebenso gibt es Konstruktionen, die den regierten Ausdruck umschließen (umklammernde Präpositionen oder Zirkumpositionen – Beispiel: um des Friedens willen). Einige Verhältniswörter des Deutschen, sogenannte Ambipositionen, können wahlweise als Prä- oder Postposition verwendet werden: entgegen, entlang (mit unterschiedlichem Kasus), gegenüber, wegen. Präpositionen, Postpositionen und Zirkumpositionen werden durch den Oberbegriff Adposition zusammengefasst. In weiterem Sinne werden aber häufig auch sämtliche Adpositionen, also auch Post- und Zirkumpositionen, als „Präpositionen“ bezeichnet.[1]

In formalen Modellen der Syntax ist für alle Arten von Adpositionen das Kategoriesymbol P üblich.

Herkunft von Präpositionen


Es wird gemeinhin angenommen, dass sich Präpositionen durch einen Prozess der Lexikalisierung[2] aus anderen Wortarten entwickeln können, so aus Substantiven, Adjektiven, Lokaladverbien und Verben. Dabei wandeln sich oft auch vorherige konkrete, räumliche Bedeutungen zu zeitlichen und/oder abstrakten übertragenen Bedeutungen. Hier einige Beispiele für solche Entwicklungen aus der jüngeren Geschichte des Deutschen:

Herkunft Präpositionen
Substantiv angesichts, anhand, aufgrund, dank, infolge, kraft, laut, mithilfe, statt, trotz, wegen, zeit, zugunsten
Adjektiv ausschließlich, ausweislich, bezüglich, einschließlich, fern, nahe, unweit, gemäß
ursprüngliche Partizip­form als Adjektiv unbeschadet, unerachtet, ungeachtet, während, entsprechend

Grammatische Eigenschaften von Präpositionen: Rektion


Im Gegensatz zu Adverbien und Konjunktionen verfügen Präpositionen über die Eigenschaft der Rektion, d. h., sie bestimmen den Kasus ihrer Ergänzungen.[3]

Präpositionen treten mit einem bestimmten Kasus (Fall) auf:

Kasus Präpositionen Erläuterungen
Genitiv abzüglich, angesichts, (an)statt, außerhalb, bar, behufs, bezüglich, diesseits, einschließlich, entlang, infolge, innerhalb, inmitten, jenseits, kraft, längs, mittels, ob, oberhalb, seitens, trotz, unbeschadet, ungeachtet, unterhalb, unweit, während, wegen, zugunsten Viele Präpositionen, die den Genitiv regieren, gehören der Schrift- und Verwaltungssprache an. Einige Präpositionen, die in der Schriftsprache den Genitiv regieren, werden umgangssprachlich oft mit dem Dativ verwendet.
Genitiv oder Dativ dank, laut Die Präpositionen laut und dank werden – ohne Einfluss auf die Bedeutung – sowohl mit dem Genitiv als auch mit dem Dativ verwendet. Bei dank wird der ursprüngliche Dativ zunehmend vom Genitiv verdrängt.
Dativ aus, außer, bei, entgegen, entsprechend, gegenüber, gemäß, mit, (mit)samt, nach, nächst, nahe, nebst, seit, von, zu Auch hier zeigen sich vereinzelt Übergänge zu einer Genitivrektion (entsprechend, gemäß u. a.) als Hyperkorrektheit oder als Reflex des Wortklassenübergangs bei neuentstehenden Präpositionen.[4]
Dativ oder Akkusativ an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor, zwischen Bei diesen lokalen Präpositionen (den sogenannten Wechselpräpositionen) muss zwischen Dativ und Akkusativ gewählt werden. Der Dativ steht, wenn Präposition und Nomengruppe einen Ort angeben (Beispiel: Er sitzt im Wohnzimmer am Fenster und beobachtet die Leute auf der Straße). Der Akkusativ steht, wenn eine Zielrichtung oder ein Zielort bezeichnet wird (Beispiel: Er geht ins Wohnzimmer, setzt sich ans Fenster und schaut auf die Straße).
Akkusativ bis, durch, für, gegen, je, ohne, um, wider

Bei relativ festen Verbindungen von Verben mit bestimmten Präpositionen aus der Gruppe der Wechselpräpositionen kann der zu verwendende Kasus nicht logisch erschlossen werden und hängt von der jeweiligen Verbindung ab. Verbindungen aus Präposition und bestimmtem Artikel (zur, fürs, im) nennt man Kontraktionen.

Bedeutungseigenschaften


Die durch Präpositionen bezeichneten Verhältnisse umfassen unter anderem folgende Typen:

Anmerkung: Viele Präpositionen bezeichnen mehrere Verhältnisse!

Einige Präpositionen lassen sich nicht in eine dieser vier Gruppen einordnen.

Präpositionen und Konjunktionen


Verhältnisse, die durch Präpositionen mit Nomengruppen bezeichnet werden, können manchmal auch durch Konjunktionen und einen Nebensatz ausgedrückt werden. Beispiel: Bei Nässe bitte langsam fahren! Wenn es nass ist, bitte langsam fahren!

Verhältnis Präposition Konjunktion
final zu damit
kausal wegen weil, da
konditional bei wenn, falls
konzessiv trotz obwohl
temporal nachzeitig vor bevor
gleichzeitig während, bei während, als, wenn
vorzeitig nach nachdem

Verbpräfixe


Präpositionen können auch als Verbpräfixe auftreten.

Beispiele: abstellen, übersetzen, unterstellen, einlegen, durchsetzen, zuhängen, umwickeln, aufkleben, umhüllen.

Es sind zwei Typen zu unterscheiden:

(I) das abtrennbare Präfix (oft auch als Partikel bezeichnet):

(II) das nicht abtrennbare Präfix:

Die beiden Typen von Verbpräfix unterscheiden sich durch ihre Betonung im Wort: Abtrennbare Präfixe sind betont (ein Etikett aufzukleben), nicht abtrennbare Präfixe sind nicht betont (den Reichstag zu umhüllen).

Siehe auch


Literatur


Weblinks


Wiktionary: Präposition – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Deutsch/Verzeichnis der Präpositionen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Verhältniswort – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise


  1. Hadumod Bußmann (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0 (Adposition m.w.N.).
  2. zur Abgrenzung von Grammatikalisierung und der Entstehung komplexer Präpositionen vgl. auch Christian Lehmann: New reflections on grammaticalization and lexicalization,  (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. 2005
  3. Hadumod Bußmann (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0 (Präposition).
  4. Claudio Di Meola: The rise of the prepositional genitive in German — a grammaticalization phenomenon. In: Lingua. Band 114, 2004, S. 165–182.








Kategorien: Linguistische Morphologie | Wortart








Stand der Informationen: 22.11.2020 03:32:57 CET

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