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Peter und der Wolf



Peter und der Wolf op. 67 (russisch Петя и волк) ist ein Musikmärchen für Kinder von Sergei Prokofjew aus dem Jahre 1936. Ein Hörspielsprecher erzählt das Märchen des Komponisten und ein Sinfonieorchester verklanglicht es mit der Programmmusik des Komponisten. Das Werk hat das Ziel, Kinder mit den Instrumenten eines Sinfonieorchesters vertraut zu machen. Heute ist es Prokofjews bekanntestes Werk und weltweit eines der am meisten gespielten Werke klassischer Musik.

Inhaltsverzeichnis

Handlung


Peter, ein kleiner Junge, lebt mit seinem Großvater im ländlichen Russland. Ein langer Winter ist vorbei. Am ersten Frühlingsmorgen öffnet Peter vergnügt das Gartentor und geht hinaus auf die große Wiese vor dem Haus. Dort begrüßt ihn sein kleiner, freudig aufgeregt zwitschernder Freund, der Vogel. Beide setzen sich auf einen Baum und der Vogel zeigt ihm dort den Grund für seine Freude, sein Nest, in dem sechs frisch gelegte Vogeleier liegen. Während Peter und der Vogel sich auf dem Baum vergnügen, ist noch eine Freundin von Peter mit heftigem Frühlingsfieber aufgewacht: eine leicht verwirrte Ente. Die Ente weiß, dass sie im Garten bleiben soll, aber der Winter war auch ihr sehr lang geworden, und sie will so gerne wieder einmal richtig schwimmen. „Na ja, der kühle, blaue Teich ist doch nur ein paar Watschelschritte entfernt“, denkt sich die Ente und watschelt heran. Sie stürzt sich ins Wasser. Als der Vogel die Ente sieht, fliegt er zu ihr und meint hämisch: „Was bist du für ein Vogel, wenn du nicht fliegen kannst?!“ Da erwidert die Ente: „Und was bist du für ein Vogel, wenn du nicht schwimmen kannst?!“ So gibt ein Wort das andere, bis ein anderes Wesen auf leisen Pfoten durch das Schilf geschlichen kommt: Peters Kater. Er hört den Vogel. „Der Vogel ist damit beschäftigt, sich mit der Ente zu beschäftigen“, denkt der Kater, „wenn ich mich näher heranschleiche, dann kann ich ihn vielleicht erwischen.“ Der Kater stürzt sich auf den Vogel, aber der ist blitzschnell in der Luft. „Na ja, da ist ja auch noch die Ente“, denkt sich der Kater. Aber damit hat er auch nicht mehr Glück. Da kommt Peters Großvater über die Wiese gestampft und schimpft, weil Peter alleine auf der Wiese ist und vergessen hat, das Gartentor zu schließen. Es sei sehr gefährlich auf der Wiese. Der Wald beginnt gleich hinter der Wiese und darin versteckt leben alle möglichen, wilden Tiere. Was wäre, wenn mit einem Male ein böser Wolf aus dem Wald käme und würde Peter fressen? „Du wärst dann in seinem Bauch!“, warnt er seinen Enkel. Mit Nachdruck warnt der Großvater Peter nochmals, dass die Sache mit dem Wolf nicht zum Lachen, sondern eine sehr ernste Sache sei. Aber ein Junge wie Peter hat keine Angst vor Wölfen. Der Großvater nimmt den Jungen, schließt das Gartentor und kommt mit Peter wieder ins Haus.

Ganz plötzlich wird es auf der Wiese sehr still. Und dann, kaum hörbar, raschelt es im Laub am Ende der Wiese unter ein paar Bäumen, die am Rande des tiefen dunklen Waldes stehen. Der Wolf wittert die Ente. Er hört die Ente. Als erster sieht der Kater den Wolf. Dann sieht auch der Vogel den Wolf und versucht die Ente zu warnen. Aber es ist zu spät! Der Wolf packt die Ente und schluckt sie herunter.

Nun beginnt Peters großes Abenteuer.

Der Kater sitzt auf einem Ast, der Vogel auf einem anderen. Inzwischen läuft der Wolf um den Baum herum und beäugt den Kater und den Vogel mit gierigem Blick. Die Ente ist offenbar nur die Vorspeise gewesen. Peter ist wachsam und tapfer: „Ich muss etwas unternehmen“, denkt er sich und will den Wolf überlisten: Er holt ein Seil und klettert über die Gartenmauer und rennt schnell über die Wiese. Er muss den Wolf ablenken. Dann klettert er zu seinem Kater und dem Vogel in den Baum hinauf. „Nun sei doch nicht so ein Angsthase“, mahnt Peter seinen Kater. Er trägt dem Vogel auf, dem Wolf um den Kopf herumzufliegen, um ihn abzulenken. Sein Freund, der Vogel, macht dies, und das ärgert den Wolf sehr, denn er kann den Vogel nicht fangen. Nun schickt Peter seinen Kater mit einer Seilschlinge hinab, mit der sie den Wolf am Schwanz fangen. Peter fängt den Wolf, indem er sich am anderen Ende des Seils vom Baum lässt und den Wolf in der Seilschlinge an den Baum hängt. Der Wolf ist in die Falle getappt! Das ärgert ihn noch viel mehr.

Da kommen die Jäger aus dem Wald und schießen auf den Wolf. Doch das will Peter nicht! Er hat eine viel bessere Idee: Der Wolf wird in den Zoo gebracht. Alle gehen hintereinander her: Peter, sein Großvater, sein Kater, die Jäger und eingesperrt der böse Wolf. Am Schluss hört man noch die Ente im Bauch des Wolfs quaken, „denn der Wolf hatte sie in der Eile lebendig hinuntergeschluckt.“

Gestaltung


Libretto

Sergei Prokofjew schrieb das Libretto für einen Hörspielsprecher, der das Märchen von Peter und der Wolf erzählend vorträgt.

Verschiedene Deutungen der Komposition reichen von einer „naiven Geschichte“ über das erfolgreiche Aufbegehren (Peter) gegen das Establishment (Großvater, Eltern, Partei?) bis zur Parabel über die junge Sowjetunion und das gierige kapitalistische Europa und Hitler-Deutschland.[1]

Musik

Die Musik ist für ein Sinfonieorchester konzipiert, besetzt mit Streichinstrumenten (Violinen, Bratsche, Cello, Kontrabass), Blechblasinstrumenten (3 Hörner in F, 1 Trompete in B♭ und 1 Posaune), Holzblasinstrumenten (1 Querflöte, 1 Oboe, 1 Klarinette in A und 1 Fagott) und Schlaginstrumente (1 Paar Pauken, 1 Triangel, 1 Tamburin, 1 Becken, 1 Kastagnetten, 1 kleine Trommel, 1 große Trommel).

Jede Figur in der Geschichte ist einem bestimmten Instrument zugeordnet und hat ein eigenes musikalisches Leitmotiv:

Die Musik ist leicht verständlich und eingängig. Obwohl der Untertitel „Ein sinfonisches Märchen für Kinder“ lautet, folgt die Musik der Handlung hauptsächlich beschreibend und untermalend; der Begriff „sinfonisch“ bezieht sich auf die Instrumentation und nicht auf die strukturelle und formale Anlage des Werkes. Die Themen werden zwar scheinbar kaum entwickelt und verarbeitet, doch gibt es zahlreiche Transformationen der Motive. So verschränken sich, der Geschichte entsprechend, die Themen der einzelnen Charaktere immer wieder, mit verschiedenartiger Färbung. Besonders auffällig sind hier die zahlreichen Variationen und Verschachtelungen des Vogel- und Peter-Motivs.

Geschichte


Entstehung

Sergei Prokofjew besuchte nach seiner Rückkehr in die Sowjetunion mit seinen Söhnen einige Male das Moskauer Theater für Kinder. Die künstlerische Theaterleiterin Natalija Saz sprach ihn eines Tages einmal an[2] und beauftragte ihn im Jahre 1936, ein Musikmärchen für Kinder zu schreiben. Sie wünschte ein Werk, das Kinder mit den Instrumenten des Sinfonieorchesters vertraut macht.

Die (später in der Sowjetunion bekannt gewordene) russische Kinderbuchautorin Antonia Sakonskaja präsentierte im ersten Entwurf zum Libretto einen Jungpionier namens Peter, der sehr tugendhaft ist: Er liebt seine Heimat, achtet seine Eltern, liebt den Frieden, hält Freundschaft (mit Tieren), lernt fleißig, ist ordentlich und diszipliniert, achtet alle arbeitenden Menschen und hilft überall tüchtig mit, ist anderen ein guter Freund, singt, tanzt und bastelt gern, treibt Sport und hält seinen Körper sauber und gesund. Vor allem aber macht er einen Fehler wieder gut, indem er auch einmal die Haltung eines älteren Erwachsenen (seines Großvaters) in Frage stellt, um ein ganzer Jungpionier zu sein. Dies war um 1936 in der Sowjetunion ein allgemein anerkanntes Ziel in der Kindererziehung. Das Libretto hob so Tugenden wie Wachsamkeit, Tapferkeit und Ideenreichtum gegenüber einer Sturheit der nichtbolschewistischen älteren Generation (der Großvater) besonders hervor.

Doch Prokofjew war unzufrieden mit dem sich reimenden Text und schrieb eine neue Version des Librettos, bei der Peter einen Wolf fängt. Mit einigen Orchesterinstrumenten verklanglichte er seine Geschichte untermalend oder beschreibend in Form einer Programmmusik.

Die Uraufführung fand am 2. Mai 1936 mit Natalija Saz als Hörspielsprecherin statt.

Rezeption

Prokofjews Musikmärchen ist weltweit bei Jung und Alt so beliebt, dass es Peter und der Wolf inzwischen in zahlreichen Bearbeitungen gibt, so etwa für gemischten Chor, ein Blockflötenensemble, Akkordeonorchester und Hörspielsprecher oder für Bläserquintett und Hörspielsprecher. Das Musikmärchen bietet eine ganze Reihe von Ansatzpunkten für den Musikunterricht an. Über die reizvolle Geschichte können einige Orchesterinstrumente eingeführt werden. Die Geschichte kann auch durch die Schülerinnen und Schüler szenisch dargestellt werden. Oft wird mit Peter und der Wolf auch als exemplarisches Werk aus der Programmmusik im Unterricht höherer Klassenstufen erneut bearbeitet.

Walt Disney produzierte 1946 im Episodenfilm Make Mine Music eine Zeichentrickadaption mit Sterling Holloway als Hörspielsprecher.

1958 ging von der American Broadcasting Company ein auf Video aufgezeichnetes TV Special mit dem Titel Art Carney Meets Peter and the Wolf, Art Carney als Hörspielsprecher und den Bil Baird Marionetten auf Sendung. Es war so erfolgreich, dass das TV-Special ein zweites Mal ausgestrahlt wurde. Die Show hatte einen originellen Handlungsstrang, bei dem Carney mit einigen sprechenden Tiermarionetten interagierte, insbesondere mit dem Wolf, dem Unruhestifter der Gruppe. Diese erste Hälfte der Show wurde als ein Musical präsentiert, das Musik aus Leutnant Kishe und anderen Werken Prokofjews adaptierte. Dann ging das Programm in eine vollständige und urtextgetreue Aufführung des Musikmärchens Peter und der Wolf über, veranschaulicht vom Spiel der Marionetten.

Um 1960 nahm Hans Conried das Musikmärchen mit einer Dixieland-Musicalband auf. Da es in einer Dixieland-Band keine Oboen gibt, wurde das Leitmotiv der Ente von einem Saxophon übernommen.[3] Die Clyde Valley Stompers nahmen im Jahre 1962 für Parlophone Records (45-R 4928) eine Jazzversion auf, die es seinerzeit in die US Popmusik-Charts schaffte.[4] Allan Sherman parodierte das Musikmärchen auf seinem Album Peter and the Commissar (1964), das er mit Arthur Fiedler und dem Boston Pops Orchestra produzierte.[5] 1966 arrangierte und dirigierte Oliver Nelson eine Jazzversion für Big Band und Hammond-Orgel. Die Orgel wurde von Jimmy Smith gespielt. Die von Creed Taylor produzierte und bei Verve erschienene Platte gilt bei Kritikern und Jazzfans als eine der besten Aufnahmen von Jimmy Smith. Hervorzuheben sind die präzisen Bläsersätze, die Rhythmusgruppe mit dem Bassisten Richard Davis und dem Schlagzeuger Grady Tate und fantasievollen und leidenschaftlichen Soli von Jimmy Smith. Schließlich verwendete die US-amerikanisch-kanadische Filmemacherin Caroline Leaf Sandanimation, um das Musikmärchen in Sand or Peter and the Wolf zu adaptieren. Dies war ihr erster Film.

The Rock Peter and the Wolf ist ein Album von Jack Lancaster und Robin Lumley aus dem Jahre 1975, das Prokofjews Werk adaptiert. Das Album wurde für RSO Records in fünf Sprachen veröffentlicht, die Hörspielsprecher waren Vivian Stanshall (engl.), Wilken F. Dincklage (dt.), Pierre Clémenti (frz.), Maurizio Arcieri (it.) und Luis Del Olmo (sp.). Die instrumentale Besetzung war prominent (u. a. Gary Moore, Manfred Mann, Phil Collins, Stéphane Grappelli, Alvin Lee, Cozy Powell, Brian Eno, Jon Hiseman, Bill Bruford, Chris Spedding, Gary Brooker, Julie Driscoll, Keith Tippett und der English Chorale), die Musik sehr heterogen – von psychedelischem Rock bis zum Jazz (Grappellis Violinsolo in Bluesform über das Thema der Katze mit Alvin Lee an der Rhythmusgitarre). 1976 verwirklichte Anatoli Karanowitsch kurz vor seinem Tod den Sojusmult-Trickfilm Пéтя и Волк („Peter und der Wolf“) mit einem Jungpionier als Hörspielsprecher und dem Jungpionierorchester der Musikschule am Moskauer Konservatorium.

Der Film Fröhliche Weihnachten (1984) enthält Musik des Musikmärchens, besonders während der Charakterszenen, bei denen Scott Farkurs andere Charaktere schikaniert. Der Nachname Farkus ist eine Variation von farkas, was Ungarisch ist und Wolf heißt. Justin Locke veröffentlichte 1985 eine Fortsetzung des Musikmärchens, bei der er Prokofjews Originalpartitur verwendete. Peter VS. the Wolf zeigt des Wolfs Strafprozess, bei dem der Wolf sich gegen die Anklage der „Dukizid im ersten Grad mit einem Schluck“ selbst verteidigt. Die Musik wird als Beweismittel verwendet, doch dann ruft der Wolf Musiker in den Zeugenstand und nimmt sie ins Kreuzverhör.[6] Arnie Zane choreografierte 1985 eine Punkmusik Ballettversion des Musikmärchens.[7] 1988 produzierten Weird Al Yankovic und Wendy Carlos eine Comedian-Version des Musikmärchens und verwendeten ein Synthesizer-Orchester und viele librettistische und musikalische Hinzudichtungen. 1989 erschien schließlich Skeeter and the Wolf, eine Episode der Muppet Babies, mit Skeeter (Peter), Gonzo (der Vogel), Scooter (der Kater), Fozzie (die Ente), Nanny (vertritt den Großvater) bzw. Kermit und Piggy (die Jäger).

Am 19. Oktober 1990 sendete der US-amerikanische TV-Sender FOX erstmals Buster und der böse Wolf, die 24. Episode der 1. Staffel der Tiny Toon Abenteuer (die deutsche Erstausstrahlung der Zeichentrickserie erfolgte erst 1992 auf Pro7), in der die Tiny Toons immer wieder vom bösen Wolf gestört werden (und dies ausgerechnet bei ihren Musikproben), also sagen sie dem Wolf den Kampf an. In dieser Episode werden die Tiny Toons durch Orchesterinstrumente repräsentiert: Buster Bunny (eine Trompete); Babs Bunny (eine Harfe); Furrball, (eine Violine); Sweetie (eine Querflöte); Hamton J. Pig (eine Tuba); Plucky Duck (eine Fahrradhupe, später ein Dudelsack, dann eine Orgel, und schließlich ein Synthesizer); und der Wolf (das Schlagzeug).[8] 1991 veröffentlichte die Deutsche Grammophon das Musikmärchen mit dem Rockstar Sting als Hörspielsprecher und dem Chamber Orchestra of Europe unter der Leitung von Claudio Abbado. Am 13. Mai 1993 sendete das US-Fernsehen erstmals die Schlussepisode von Die Simpsons/Staffel 4 Krusty, der TV-Star (die deutsche Erstausstrahlung der Episode erfolgte erst am 31. Juli 1994 auf Pro7), in der Gaststar Hugh Hefner auf Weingläsern ein Leitmotiv aus Peter und der Wolf spielt. Eine Textvariante von Loriot aus dem Jahre 1993 behält die Handlung im Wesentlichen bei, erweitert den Prokofjew’schen Text aber um viele humorvolle Details im typischen Stil des Autors. Hier kann auch der Wolf sprechen; am Ende bittet er seine Fänger darum, ihn statt in den Zoo zurück in den Wald zu bringen. Auch Peter Schickele schrieb und veröffentlichte eine alternative, komödiante Version des Musikmärchens mit dem Titel Sneaky Pete and the Wolf, die eher ein Western ist.[9] 1995 adaptierte BMG Entertainment International die Geschichte von Peter und der Wolf in einem Film mit Kirstie Alley (als Mutter und Märchenerzählerin), Lloyd Bridges (als Großvater), Ross Malinger (als Peter) sowie einer Reihe Zeichentrickfiguren geschaffen von Chuck Jones. Prokofjews Musik wird darin lebendig, als Peter am ersten Frühlingstag erwacht. In mit der Animation verwobenen Spielfilmszenen entdeckt ein anderer Junge namens Peter gleichzeitig die Magie von Phantasie und Abenteuergeist. Der Film gewann 1996 einen Emmy in der Kategorie Herausragende Primetime-Kindersendung. George Daugherty (einer der Autoren) und Janis Diamond erhielten im selben Jahr auch eine Nominierung für den Writers Guild of America Award. Die Produktion erhielt einen Gold Hugo und Silver Hugo beim Chicago International Film Festival. Im September 1996 veröffentlichte das britische Musikproduzentenduo Coldcut in ihrem Song „More Beats and Pieces“ die Scratch-Version eines Leitmotivs aus dem Musikmärchen.[10] Schließlich kreierte 1997 der Choreograph Matthew Hart mit Tänzern der Royal Ballet School und Sir Anthony Dowell als Erzähler (der die Rolle des Großvaters auch tanzte) eine Ballettversion des Musikmärchens.[11]

Im Jahr 2000 produzierte die US-amerikanische gemeinnützige Organisation Sesame Workshop eine Version des Musikmärchens mit Charakteren der Sesamstraße. Tituliert als Elmo’s Musical Adventure, enthüllt die Geschichte mit Elmo (Peter), Oscar the Crouch (der Kater), Telly Monster (die Ente), Zoe (der Vogel), Bibo (der Großvater) und das zweiköpfige Monster (die Jäger) in der Vorstellung von Baby-Bär, wie er mit Papa-Bär an einer Aufführung teilnimmt, die Keith Lockhart dirigiert. Ein Jahr später produzierte das National Public Radio Peter and the Wolf: A Special Report. Dieser Report behandelt Peters Familiengeschichte, als wäre sie die Entdeckung einer neuen Geschichte. Robert Siegel, Linda Wertheimer, Ann Taylor, und Steve Inskeep des All Things Considered Report des National Public Radios berichten von dem Ereignis gegen eine Aufführung des Virginia Symphony Orchestra unter der Leitung von JoAnn Falletta. Im Jahr 2003 veröffentlichten die Sikorski Musikverlage auf Grundlage des Loriot’schen Librettos als Tonträger eine Version für gemischen Chor (SATB) von und mit Carsten Gerlitz. Auch Ex-Präsident Bill Clinton, Michael Gorbatschow und Sophia Loren erzählten für eine Musikproduktion mit dem Russischen Nationalorchester das Märchen von Peter und der Wolf und erhielten im Februar 2004 dafür den Grammy Award for Best Spoken Word Album for Children. Während ihrer USA Tour 2004 mit dem Russischen Nationalorchester brachte das russische und US-amerikanische Model Tatiana Sorokko das Märchen zur Aufführung.[12] Im selben Jahr produzierte das Shirim Klezmer Orchestra auch eine Klezmer Version des Musikmärchens mit dem Titel Pincus and the Pig: A Klezmer Tale. und Maurice Sendak als Hörspielsprecher. 2005 veröffentlichte Jelani Eddington (mit George Woods als Hörspielsprecher) die bislang einzige Adaption für Theaterorgel als Live-Konzertmitschnitt. Psytrance-Künstlerin Eliad Grundland veröffentlichte ein Jahr später ihre musikalische Interpretation des Werkes mit dem Titel Land of the Wolves und Neil Tobin mit dem Melbourne Symphony Orchestra ein Halloween thematisierendes Narrativ mit dem Titel Peter and the Werewolf. 2007 folgte A Prokofiev Fantasy – Peter And The Wolf auf DVD. In dieser filmischen Fassung wird das Märchen auf ungewöhnliche Weise unter Verwendung von Spitting-Image-Puppen dargestellt. Zusätzlich zur englischen Erzählung durch Sting beinhaltet die DVD die Erzählung in italienischer Sprache vom mehrfach ausgezeichneten Oscar-Preisträger und Schauspieler Roberto Benigni.

Im Jahr 2012 nutzte der britische Fernsehsender ITV Peters Leitmotiv als Titelmusik für seine Berichterstattung der Fußball-Europameisterschaft 2012, weil Prokofjew in der heutigen Ukraine geboren wurde, eines der Austragungsorte der Europameisterschaft. 2013 feierte Wes Hurley’s Film Peter and the Wolf Premiere – ein graphische Erwachsenenversion des Musikmärchens mit Peter als schwulen Werwolfsjäger und einer von Tom of Finland inspirierten Bildsprache.[13]

Deutschsprachige Aufnahmen/Diskographie


Datum Erzähler Orchester Dirigent Label Bemerkungen
2015 Campino Bundesjugendorchester Alexander Shelley Deutsche Grammophon Echo Klassik 2016 für die deutsche Ausgabe.[14]
1975 Karlheinz Böhm Wiener Philharmoniker Karl Böhm Deutsche Grammophon
1972 Rolf Ludwig Staatskapelle Dresden Herbert Kegel Eterna (VEB Deutsche Schallplatten Berlin) Die B-Seite dieser in der DDR verbreiteten LP enthielt den "Orchesterführer für junge Leute" von Benjamin Britten
1956 Romy Schneider Philharmonia Orchestra Herbert von Karajan Angel Records

Kinderbuch mit Hör-CD auf Deutsch


Verfilmungen


Walt Disney (1946)

Walt Disney produzierte 1946 im Episodenfilm Make Mine Music eine Zeichentrickversion mit Sterling Holloway als Erzähler. Hier gibt es zahlreiche Änderungen gegenüber der ursprünglichen Geschichte: so tragen etwa Jäger wie Tiere Namen (der Vogel „Sascha“, die Ente „Sonja“ und die Katze „Iwan“), Peter und seine Freunde wollen schon von Anfang an den Wolf fangen, und am Ende enthüllt der Erzähler, um die Geschichte kinderfreundlicher erscheinen zu lassen, dass die Ente Sonja gar nicht vom Wolf gefressen worden ist. Der Film erhielt bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1946 den Grand Prix für Beste Animation.

Anatoli Karanowitsch (1976)

Der russische Regisseur Anatoli Karanowitsch verwirklichte 1976 kurz vor seinem Tod noch den Sojusmult-Trickfilm Пéтя и Волк („Peter und der Wolf“) mit einem Jungpionier als Hörspielsprecher und dem Jungpionierorchester der Musikschule am Moskauer Konservatorium.

Chuck Jones (1995)

Im Dezember 1995 erweckte BMG Entertainment International die zeitlose Geschichte von Peter und der Wolf in einem wunderbaren Film (Emmy-Gewinner 1996, Herausragende Primetime-Kindersendung) mit Kirstie Alley (als Mutter und Märchenerzählerin), Lloyd Bridges (als Großvater), Ross Malinger (als Peter) sowie einer Reihe liebenswerter Zeichentrickfiguren aus der Feder des legendären Chuck Jones zum neuen Leben. Prokofjews Musik wird darin lebendig, als Peter am ersten Frühlingstag erwacht. In bezaubernden, mit der Animation verwobenen Spielfilmszenen entdeckt ein anderer Junge namens Peter die Magie von Phantasie und Abenteuergeist. Der Film war auch für den Emmy 1996 Herausragende Musikdirektion nominiert. George Daugherty (also einer der Autoren) und Janis Diamond erhielten in dem Jahr auch die Nominierung für den Writers Guild of America Award. Die Produktion erhielt einen Gold Hugo und Silver Hugo beim Chicago International Film Festival.[16]

Britisch-polnische Koproduktion (2006)

Hauptartikel: Peter und der Wolf (2006)

Die freie Bearbeitung der britischen Regisseurin Suzie Templeton gewann den Oscar 2008 für den besten animierten Kurzfilm. Die Charaktere wurden stark verändert, ebenso die zu Grunde liegende Fabel: So sind die Jäger gefährliche Jugendliche und Peter lässt am Ende den Wolf wieder frei. Insgesamt nahmen die Arbeiten des in Stop-Motion-Technik gedrehten Puppentrickfilms fünf Jahre in Anspruch, Prokofjews Originalmusik wurde vom Philharmonia Orchestra unter Leitung von Mark Stephenson eingespielt.[17][18]

Weitere Produktionen

Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Thomas Schipperges: Sergej Prokofjew. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1995, ISBN 3-499-50516-9.
  2. Harlow Robinson: Prokofiev’s ‘Peter and the Wolf’ is 50 Years Old. In: The New York Times. 10. November 1985 (nytimes.com ).
  3. Obiturary: Kenny Davern, 71, Leading Jazz Clarinet Player. In: The New York Sun; abgerufen am 12. Mai 2018.
  4. The Geoff Boxell Home Page. Geoffboxell.tripod.com; abgerufen am 12. Mai 2018.
  5. Peter and the Commissar. (Memento vom 12. Juni 2008 im Internet Archive) Der Künstler direkt. Archiviert vom Künstler am 12. Juni 2008.
  6. Peter VS. the Wolf. Justin Locke Productions; abgerufen am 12. Mai 2018.
  7. Sally Banes: Terpsichore in Sneakers: Post-Modern Dance. Wesleyan University Press, Middletown, Conn. 1987, ISBN 0-585-37111-3.
  8. Tiny Toon Adventures episode guide. Mindspring.com; abgerufen am 12. Mai 2018.
  9. Sneaky Peter and the Wolf. Offizielle Website von Peter Schickele; abgerufen am 12. Mai 2018.
  10. Chris Tweney: Cheese doodlers – The slice ’n’ dice beatnology of Coldcut. (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive) In: The Boston Phoenix. 5. Januar 1998.
  11. Peter and the Wolf (TV 1997) in der Internet Movie Database (englisch)
  12. Russian Wind Quintet 2004 US Tour. (Memento vom 9. Mai 2008 im Internet Archive) Russianarts.org. Archiviert vom Künstler am 9. Mai 2008; abgerufen am 12. Mai 2018.
  13. Peter and the Wolf in der Internet Movie Database (englisch)
  14. Bundesverband Musikindustrie: „Klassik für Kinder“: Campino erhält ECHO KLASSIK 2016 gemeinsam mit dem Bundesjugendorchester und Dirigent Alexander Shelley. (echoklassik.de [abgerufen am 2. August 2018]).
  15. Erstausgabe: Sauerländer, Aargau 1985, ISBN 3-7941-2724-2 mit einer Langspielplatte
  16. Peter and the Wolf. In: IMDb
  17. „And the Oscar goes to… Peter & the Wolf“ (arthaus-musik.com) (Memento des Originals vom 3. November 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. angesehen am 19. November 2010
  18. Making of Peter und der Wolf. Mitschnitt einer Ausstrahlung auf 3sat am 3. Oktober 2010
  19. Sergei Prokofjew Peter und der Wolf 1981 – Deutsche Fassung. Abgerufen am 31. Oktober 2019.
  20. Gilby 1385: Peter und der Wolf (1996) (German/Deutsch). 3. März 2018, abgerufen am 23. Juni 2019.
  21. Peter und der Wolf – Images. Abgerufen am 23. Juni 2019 (englisch).



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