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Peter Altenberg

Peter Altenberg (* 9. März 1859 in Wien; † 8. Jänner 1919 ebenda; eigentlich Richard Engländer) war ein österreichischer Schriftsteller. Sein Pseudonym wählte er nach dem Rufnamen „Peter“ seiner Jugendliebe Berta Lecher, die in Altenberg an der Donau (heute Ortsteil der Gemeinde St. Andrä-Wördern) wohnte.[1][2]

Inhaltsverzeichnis

Leben


Richard Engländer war Sohn von Moritz Engländer, einem jüdischen Kaufmann, und seiner Gattin Pauline, geb. Schweinburg.[3] Er studierte erst Jus,[4] dann Medizin, brach die Studien aber ab und nahm eine Buchhändlerlehre bei der Hofbuchhandlung Julius Weise in Stuttgart auf. Diese brach er ebenso ab wie einen erneuten Versuch des Jus-Studiums. 1895 verfasste er erste literarische Arbeiten, durch den Kontakt mit Karl Kraus kam es ab 1896 zu Veröffentlichungen (Skizzenband Wie ich es sehe). Im März bzw. April 1900 trat er „aus der israelitischen Religionsgemeinschaft“ aus, blieb dann zehn Jahre konfessionslos und ließ sich schließlich im Jahr 1910 in der Karlskirche taufen. Sein Taufpate war der Architekt Adolf Loos. Altenberg, der nach einer kurzen Zeit in München wieder nach Wien zurückgekehrt war, war dort schon zu Lebzeiten eine stadtbekannte Figur, um die sich die Legenden rankten. 1904 riet er dem achtzehnjährigen Sohn Heinz von Marie Lang, der sich an ihn gewandt hatte, weil Lina Loos die Affäre beendet hatte, er solle sich umbringen, was dieser dann tat. Schnitzler verarbeitete das in dem unvollendeten „P.A.-Stück“ "Das Wort".

Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen, ein normales Berufsleben zu beginnen, attestierte ihm ein Arzt wegen einer „Überempfindlichkeit des Nervensystems“ die Unfähigkeit, einen Beruf auszuüben. Seither führte er das Leben eines Bohemiens und verbrachte die meiste Zeit in Kaffeehäusern.

Trotz Erfolges blieb Altenberg von Spenden abhängig, zu denen seine Freunde – darunter Karl Kraus und Adolf Loos – aufriefen. Seine letzten sechs Lebensjahre wohnte er in einem Zimmer im Graben-Hotel in der Dorotheergasse im Stadtzentrum. Nachdem er in den letzten zehn Lebensjahren häufig in Alkoholentzugs- und Nervenheilanstalten gewesen war,[Anm. 1] starb er am Vormittag des 8. Jänners 1919 an der III. Medizinischen Klinik (siehe: Franz Chvostek junior) des Wiener Allgemeinen Krankenhauses.[5] Er wurde am 11. Jänner 1919 auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem später von der Stadtverwaltung ehrenhalber gewidmeten Grab bestattet (Gruppe 0, Reihe 1, Nummer 84).[1] Karl Kraus schloss seine Grabrede mit den Worten: „Wehe der Nachkommenschaft, die Dich verkennt!“

Werk


Das Werk Peter Altenbergs besteht ausschließlich aus kurzen Prosatexten, die meistens als Prosaskizzen oder Prosagedichte kategorisiert werden. Es handelt sich dabei um Momentaufnahmen eines Gelegenheitskünstlers – flüchtigen Eindrücken und Begegnungen sowie zufällig mitgehörten Gesprächen, die das gesellschaftliche Leben der Wiener Moderne als sogenannte Kaffeehausliteratur skizzieren.

Altenberg selbst beschrieb den Prozess der Entstehung dieser Texte in einem Brief an Arthur Schnitzler folgendermaßen:

„Wie schreibe ich denn?!
Ganz frei, ganz ohne Bedenken. Nie weiß ich mein Thema vorher, nie denke ich nach. Ich nehme Papier und schreibe. Sogar den Titel schreibe ich so hin und hoffe, es wird sich schon etwas machen, was mit dem Titel im Zusammenhang steht. Man muss sich auf sich verlassen, sich nicht Gewalt antun, sich entsetzlich frei ausleben lassen, hinfliegen –. Was dabei herauskommt, ist sicher das, was wirklich und tief in mir war. Kommt nichts heraus, so war eben nichts wirklich und tief darin und das macht dann auch nichts.“[6]

Die Kunst Peter Altenbergs besteht darin, mit wenigen „literarischen Pinselstrichen“ und teilweise „zwischen den Zeilen“ ein ganzes Netz von Beziehungen anzudeuten. Dabei versucht er nicht, das Leben auf einen ideologischen Nenner zu bringen, sondern zeigt es in seiner oft widersprüchlichen Vielfalt. Eine wichtige Rolle in den Skizzen spielen sinnliche Eindrücke wie Farben und Gerüche. Altenberg gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Impressionismus.

Manche der kurzen Texte sind für die Bühne geeignet. Die nur zwei Buchseiten umfassende Szene „Masken“ für neun Sprecherinnen und deren Chor[7] widmete Altenberg dem Architekten Josef Hoffmann; sie wurde 1907 im Kabarett Fledermaus aufgeführt, die Entwürfe für Bühnenbild und Kostüme stammten von Carl Otto Czeschka.[8] Der mit Altenberg befreundete Schriftsteller Egon Friedell, der sich auch als Kabarettist und Conférencier betätigte, trug immer wieder auch Texte von Altenberg vor. Teile aus Friedells Gesprächen mit Altenberg erschienen später als Anekdoten, wobei Friedell die alleinige Autorenschaft beanspruchte. Friedell gab auch Das Altenbergbuch mit Texten von Altenberg, Hugo von Hofmannsthal, Alfred Polgar u. a. sowie Korrespondenzen von, an und über Altenberg heraus.[9]

Einige von Altenbergs Texten wurden von Alban Berg und Hanns Eisler vertont.

Wirkung


Im Jahr 1929 wurde in Wien in Döbling (19. Gemeindebezirk) die Peter-Altenberg-Gasse nach ihm benannt.

Im Wiener Café Central wurde er als lebensgroße, an einem Kaffeehaustisch sitzende Figur aufgestellt. (Die Figur wurde einst für die Wiener Festwochen angefertigt.) Im Büro des Wiener Bürgermeisters befindet sich eine ähnliche Figur: Peter Altenberg liest Zeitung.[10]

Werke


Vertonungen


Literatur


Weblinks


 Commons: Peter Altenberg  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Peter Altenberg – Quellen und Volltexte

Anmerkungen


  1. Unter anderem von Dezember 1910 bis September 1911 im Sanatorium Dr. E(mil) Fries für Nerven- und Gemüthskranke in (siehe:) Inzersdorf bei Wien.

Einzelnachweise


  1. a b Hedwig Abraham (Red.): Peter Altenberg. In: viennatouristguide.at, abgerufen am 23. Juli 2014.
  2. Informationen zum Pseudonym auf viennatouristguide.at
  3. Geburtsbuch. Abgerufen am 19. Oktober 2016.
  4. juridicum.univie.ac.at Jus-Studium Wien; abgerufen am 25. November 2016.
  5. L. U.: Peter Altenberg – gestorben . In: Wiener Allgemeine Zeitung, 6 Uhr-Blatt, Nr. 12213/1919, 8. Jänner 1919, S. 2, oben rechts (Online bei ANNO).
  6. Peter Altenberg: Brief an Arthur Schnitzler (1894). In: Gotthart Wunberg (Hrsg.): Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910. Reclam, Stuttgart 2000, ISBN 3-15-007742-7.
  7. Peter Altenberg: Märchen des Lebens, S. 197 ff.
  8. M. Buhrs, B. Lesák, Th. Trabisch: Fledermaus Kaberett 1907 bis 1913. Das Gesamtkunstwerk der Wiener Werkstätte. Österreichisches Theatermuseum 1907, S. 175 (Abbildungen)
  9. Das Altenbergbuch. Herausgegeben von Egon Friedell. Verlag der Graphischen Wiener Werkstätte, Leipzig / Wien 1922, siehe Inhaltsverzeichnis, S. 419 ff., Textarchiv – Internet Archive .
  10. Diese Kunst hängt in den Politikerbüros orf.at, 17. März 2018, abgerufen 18. März 2018.



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