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Paul Göhre

Paul Göhre (* 18. April 1864 in Wurzen; † 6. Juni 1928 in Buchholz) war ein deutscher evangelischer Theologe und Politiker, der als einer der ersten von der evangelischen Kirche sozialpolitische Mitverantwortung einforderte, den kirchlichen Dienst quittieren musste und Sozialdemokrat wurde. Göhre war außerdem Herausgeber von Arbeiterbiographien.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Göhre stammte aus einfachsten Verhältnissen, konnte aber auf Grund eines Stipendiums die Fürsten- und Landesschule St. Afra in Meißen besuchen. Er studierte Theologie und Nationalökonomie an den Universitäten Leipzig und Berlin. Um den Arbeitern den christlichen Glauben zu verkündigen, arbeitete er für ein Vierteljahr in der Fabrik, musste jedoch feststellen, „dass die Arbeiterschaft in einer psychologischen Situation war, die es verhinderte, ihnen zuerst religiös zu kommen. Die elementarste Erfahrung, die ich machte, war, dass man zunächst ihre soziale Lage gründlich heben müsse, ehe man sie wieder religiös packen könnte.“ Er publizierte seine Erfahrungen 1891 in der Studie „Drei Monate Fabrikarbeiter und Handwerksbursche“, die als Angriff auf die weitgehend bürgerlich beherrschte evangelische Kirche aufgenommen wurde und eine erbitterte öffentliche Debatte über sein Vorgehen auslöste, in der er durch Friedrich Naumann und Max Weber aber auch Unterstützung erhielt. Als er sich in Frankfurt (Oder), wo er 1894 eine Pfarrstelle übernommen hatte, sozial zu stark engagierte, wurde er von der Kirchenleitung beurlaubt. 1896 gründete er zusammen mit Naumann den Nationalsozialen Verein, und trat im Jahr 1900 der Sozialdemokratischen Partei bei.

Göhre war Mitglied des Konsumvereins Leipzig-Plagwitz, über dessen erste Zeit er auch aus eigener Erfahrung ausführlich in seinem Buch Die deutschen Arbeiter-Konsumvereine 1910 berichtete. Göhre betätigte sich intensiv als Herausgeber von Arbeiterbiographien im Verlag Eugen Diederichs. Aus dem Nachlass gab er 1911 die Autobiographie Das Leben eines Landarbeiters von Franz Rehbein heraus.

Als er zwischen alle Stühle zu geraten drohte – die Sozialdemokraten wollten sich nicht christlich missionieren lassen, die Kirche hatte Angst vor „Sozialdemokratisierung“ – brach Göhre 1906 vollständig mit der Kirche, die ihn tief enttäuscht hatte. Ein erstes Mandat für den Wahlkreis Mittweida gab er zurück, von 1910 bis 1918 vertrat er jedoch den Wahlkreis Zschopau-Marienberg für die SPD im Reichstag. Im Ersten Weltkrieg trat Göhre freiwillig in die Armee ein und war ab 1915 an der Ostfront. Nach Kriegsende wurde er 1918 zum Unterstaatssekretär im preußischen Kriegsministerium, 1919 zum Staatssekretär im preußischen Staatsministerium berufen. 1923 trat er aus gesundheitlichen Gründen von allen Ämtern zurück.

Werke (Auswahl)


Als Autor:

Als Herausgeber:

Literatur


Weblinks


Wikisource: Paul Göhre – Quellen und Volltexte



Kategorien: Mitglied des Nationalsozialen Vereins | SPD-Mitglied | Staatssekretär (Preußen) | Reichstagsabgeordneter (Deutsches Kaiserreich) | Evangelischer Theologe (19. Jahrhundert) | Evangelischer Theologe (20. Jahrhundert) | Evangelischer Geistlicher (19. Jahrhundert) | Evangelischer Geistlicher (20. Jahrhundert) | Person (Konsumgenossenschaftswesen) | Autor | Deutscher | Geboren 1864 | Gestorben 1928 | Mann

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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Paul Göhre (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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