Pass (Fußballtaktik)


Unter einem Pass (von englisch pass = Durchgang, Übergang und französisch passer = überschreiten, Durchgang, Durchlass[1]) versteht man im Fußball das Zuspiel des Balls (auch „Vorlage“ genannt) an einen Spieler der eigenen Mannschaft.

Pässe werden gespielt, um die ballführende Mannschaft dem Ziel des Spiels, ein Tor zu erzielen, näher zu bringen. Die Absicht kann zum Beispiel sein, in eine günstige Torschuss-Position zu kommen, dem gegnerischen Tor näher zu kommen („Raumgewinn“), mit der eigenen Mannschaft im Ballbesitz zu bleiben („Ballsicherung“), Zweikämpfe mit gegnerischen Spielern zu vermeiden (Pass als Alternative zum Dribbling), den Gegner müde zu spielen usw.

In einer abweichenden Bedeutung (und in Kurzform) wird als ‚Pass‘ auch der Spielerpass bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Grundlegendes zum Passspiel


Das Passspiel ist ein wesentliches Element der Taktik im Fußballspiel. „Vom rechtzeitigen [Timing], genauen [Präzision] und richtig temperierten [scharf/dezent] Zuspiel hängt der Erfolg einer Fußballmannschaft ganz entscheidend ab. Mit der Vielfalt von Möglichkeiten [flach/hoch, scharf/weich, mit/ohne Effet, überraschend/ansignalisiert] kann der […] versierte Spieler nahezu jede Spielsituation lösen.“[2]

Erfolgskriterien für das Passspiel

Zu einem erfolgreichen Passspiel gehören u. a.:[2]

Als statistische Kennzahl für die Spielstärke von Spielern oder Mannschaften wurde im Jahr 2016 das Packing vorgestellt, eine Methode, mit der im Wesentlichen die Effektivität von Pässen gemessen wird.

Timing beim Passspiel

Für das Passspiel ist neben der Passgenauigkeit das Timing von höchster Bedeutung. Besonders der Passgeber muss dazu mehrere Faktoren berücksichtigen: Aus seiner und der aktuellen Position des Anzuspielenden und etwaiger Gegenspieler sowie deren potenziellem Laufweg muss er den richtigen Abspielzeitpunkt und -winkel (inkl. evtl. Kurveneffekt) wählen und den Ball mit der geeigneten Schusstechnik und -stärke (bestimmt die Ballgeschwindigkeit) so spielen, dass dieser den eigenen Mitspieler zum richtigen Zeitpunkt erreicht (bzw. umgekehrt). Weitere Faktoren sind z. B. die Bodenbeschaffenheit[2] (Nässe, Ebenheit und Tiefe, Rasenhöhe, …), die Windverhältnisse, die Schnelligkeit der beteiligten Spieler und Gegner, etwaige Abseitspositionen etc. Erfahrene Spieler beherrschen dies intuitiv und erkennen sich ergebende Passmöglichkeiten frühzeitig.

Beispiele, siehe Grafik:

Schusstechniken für das Passspiel

Im Fußball gibt es für das Passspiel im Wesentlichen die folgenden Schuss-Varianten:[4]

Der Kopfstoß (Kopfball) ist kein Passspiel im engeren Sinne, aber eine im Fußball erlaubte Möglichkeit, den Ball mit dem Kopf zu einem Mitspieler weiterzuleiten oder für einen Torabschluss zu nutzen.

Varianten von Pässen


Die allgemeine Form des Zuspiels, ohne besondere Technik oder Situationen, wird in der Regel einfach nur „Pass“ genannt; der Ausdruck „einfacher Pass“ wird selten benutzt.

Spezielle Bezeichnungen für Passvarianten leiten sich aus Kriterien/Sachverhalten ab, die hauptsächlich die Situation und die Ausführung des Passes betreffen. Deshalb sind die nachfolgend beschriebenen Passbezeichnungen nicht disjunkt bzw. nicht als Alternativen zu verstehen, sondern lediglich Typisierungen. So kann z. B. ein Pass gleichzeitig ein Diagonalpass und ein Langpass sein, Doppelpässe werden häufig als direkter Pass und Kurzpass gespielt.

Art der Weiterleitung:

Mit dem Pass überwundene Distanz:

Richtung des Abspiels:

Höhe des Zuspiels:

Ende des Passwegs:

Spezielle Ausführungstechnik:

Sonstige Pass-Begriffe


Neben den klassischen Pass-Begriffen (siehe oben) sind in erweitertem Sinn alle Varianten von „Zuspiel“ des Balles ein Pass. Dazu gehören zum Beispiel Schüsse wie der Anstoß, der Abstoß und der Abschlag, Eckstöße und Freistöße. Auch nicht mit dem Fuß ausgeführte Einwürfe und Kopfbälle[2] sind „Zuspiel“ und somit Pässe.

Keine Pässe (weil kein Zuspiel vorliegt) sind zum Beispiel Strafstoß, direkter Torschuss oder bewusstes Spiel ins „Seitenaus“ oder „Toraus“.

Passkombination:
… oder auch kurz „Kombination“ bezeichnet ein mehrfach wiederholtes Passspiel, bei dem die Gegenspieler keine Ballkontrolle bekommen. Siehe auch Tiki-Taka, das von spanischen Mannschaften erfolgreich praktizierte, offensive Kurzpassspiel.

Traumpass:
Ein mit höchster Präzision und bestmöglichem Timing gespielter Pass, häufig durch die gegnerische Abwehrreihe.

"tödlicher" Pass:

Ähnlich dem Traumpass. Ein Steilpass, möglichst im letzten Moment gespielt, bevor sich der Passnehmer im Abseits befindet. Somit befinden sich zwischen diesem Spieler und dem Torwart keine Gegenspieler mehr. Dadurch erhöhte Erfolgschance bei Torschüssen. Das Zuspiel ist somit gefährlich (tödlich).

Fehlpass:
Bei einem Fehlpass misslingt das Anspiel. Der Ball ist für den Mitspieler nicht erreichbar, geht z. B. ins Aus oder führt für die gegnerische Mannschaft zum Ballbesitz.

Letzter Pass:
Nicht erfolgreich abgeschlossene Spielzüge werden häufig mit „der ‚letzte Pass‘ kam nicht an“ oder ähnlich kommentiert. Bedeutung: Er wurde nicht gespielt oder war ein Fehlpass.

No-Look-Pass:
Pässe, bei denen sich der angespielte Mitspieler nicht im Sichtfeld des Passgebers befindet, bezeichnet man im Neudeutschen als No-Look-Pässe.

Bandenspiel:
Im Hallenfußball kann der ballführende Spieler sich den Ball selbst zupassen, indem er die Seiten- oder die Kopfbande in einem geeigneten Winkel anspielt und der Ball dadurch in seinen eigenen Laufweg springt, in der Regel unter Umgehung eines gegnerischen Spielers.

Stanglpass:
In Österreich werden flache Querpässe in der Offensive nicht als Flanken, sondern als Stanglpässe bezeichnet.

Schalker Kreisel
In den 1920er Jahren vom FC Schalke 04 praktiziertes Kurzpassspiel.

Beschränkende Regeln


Die Fußballregeln beschreiben Situationen, in denen das Zuspiel Beschränkungen unterworfen ist:

Statistisches zum Passspiel


Eine Analyse eines Sportwissenschaftlers ergab, dass 50 % aller Tore im Fußball nach einem Passspiel (Vorlage) zu einem in der Nähe des gegnerischen Tores postierten Mitspielers erzielt werden (30 % aus Standardsituationen und 20 % nach Flanken).

Siehe auch


Einzelnachweise


  1. Duden Herkunftswörterbuch Etymologie der deutschen Sprache ISBN 3-411-20907-0
  2. a b c d Gerhard Bauer Fußball perfekt … BLV Verlagsgemeinschaft München 1978
  3. „Geflügeltes Wort“ in Sportreportagen, z. B. beim EM-Finalspiel 2012 (Spanien : Italien)
  4. Endre Benedek: Fußballtraining mit Kindern. 1. Auflage. Sportverlag Berlin, Berlin 1987, ISBN 3-328-00199-9, S. 72–75.









Kategorien: Technik (Fußball) | Taktik (Fußball)




Stand der Informationen: 23.11.2020 01:44:08 CET

Quelle: Wikipedia (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Veränderungen: Alle Bilder und die meisten Designelemente, die mit ihnen in Verbindung stehen, wurden entfernt. Icons wurden teilweise durch FontAwesome-Icons ersetzt. Einige Vorlagen wurden entfernt (wie „Lesenswerter Artikel“, „Exzellenter Artikel“) oder umgeschrieben. CSS-Klassen wurden zum Großteil entfernt oder vereinheitlicht.
Wikipedia spezifische Links, die nicht zu Artikeln oder Kategorien führen (wie „Redlink“, „Bearbeiten-Links“, „Portal-Links“) wurden entfernt. Alle externen Links haben ein zusätzliches FontAwesome Icon erhalten. Neben weiteren kleinen Designanpassungen wurden Media-Container, Karten, Navigationsboxen, gesprochene Versionen & Geo-Mikroformate entfernt.

Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
Beachten Sie auch : Impressum & Datenschutzerklärung.