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Parmenides

Parmenides von Elea (griechisch Παρμενίδης Parmenídēs; * um 520/515 v. Chr.; † um 460/455 v. Chr.) war einer der bedeutendsten griechischen Philosophen. Er wird zu den Vorsokratikern gezählt und lebte in Elea, einer von Griechen gegründeten Stadt in Süditalien, und gilt als ein Hauptvertreter der eleatischen Schule.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Die oben genannten Geburts- und Sterbedaten des Parmenides sind ungesichert. Auch dass er, Plutarch zufolge, in Elea als Gesetzgeber aufgetreten sein soll, kann nicht belegt werden. Antike Quellen geben an, dass Parmenides ein Schüler des Xenophanes sowie der Lehrer des Zenon von Elea und des Melissos war. Auch dafür existieren keine Beweise. Laut Diogenes Laertios soll Parmenides zwar Vorträge des Xenophanes gehört haben, doch dürften eher die Ergebnisse der kritischen Reflexion von dessen Lehre Eingang in das Werk des Parmenides gefunden haben, als dass er dessen Gedanken darin fortführte. Die Meinung, es sei unmöglich, sicheres Wissen zu erlangen, wie sie Xenophanes vertrat, ist für diese Annahme das Hauptargument. Dagegen bezeichnet Diogenes Laërtius den Parmenides als Schüler des Pythagoräers Ameinias, Sohn des Diochaites.

Ein Hinweis auf die Lehrer-Schüler-Verbindung zwischen Parmenides und Zenon wird in Platons Dialog Parmenides gegeben, in welchem Platon Parmenides und Zenon gemeinsam auftreten lässt. Der Verlauf des Dialogs jedoch, in dem Parmenides die Untersuchung seiner Lehre auf dieselbe Art durchführt, die in anderen platonischen Dialogen Sokrates anwendet, sowie der Umstand, dass der Dialog zu Aporien führt, die ungelöst bleiben, lässt die tatsächliche Teilnahme des Parmenides zweifelhaft erscheinen, was auch den Hinweis Platons auf die Verbindung zwischen Parmenides und Zenon zur Spekulation macht.

Gemäß zeitgenössischer Forschung gilt Parmenides ebenfalls als Lehrer von Leukipp.

Werk


Parmenides hat ein einziges, sehr kurzes Werk verfasst. Die Kenntnis dieses Werkes verdanken wir dessen Überlieferung durch den griechischen neuplatonischen Philosophen Simplikios.

In der Rezeption wird das Werk als Lehrgedicht bezeichnet und mit dem Titel Über die Natur (Περὶ φύσεως) versehen. Diesbezügliche Autorisationen durch den Verfasser existieren ebenso wenig wie für die von verschiedenen Interpreten vorgenommene Gliederung der parmenideischen Schrift in die drei Teile: Proömium, Aletheia und Doxa.

Des Weiteren herrscht in der Rezeption die Meinung vor, das Werk des Parmenides sei lediglich in Fragmenten erhalten geblieben, was mit einiger Sicherheit jedoch nur von dem Teil gesagt werden kann, der von verschiedenen Interpreten als Doxa bezeichnet wird.

Inhalt

Das Werk beginnt mit dem Bericht des Erzählers von einer Reise, die ihn bis vor das Tor führt, durch welches die Pfade von Tag und Nacht verlaufen und das von Dike, der Göttin der Gerechtigkeit, bewacht wird. Nachdem Dike dem Erzähler Einlass gewährt hat, wird er von einer namenlosen Göttin begrüßt, die von nun an allein das Wort führt. Sie erklärt ihm zunächst, dass ihn sein Wandeln fernab von den üblichen Pfaden der Menschen an diesen Ort geführt habe, weshalb sie ihm nunmehr offenbaren werde, was es einerseits über die Wahrheit an Sicherem zu sagen gibt und was andererseits den Sterblichen wahr zu sein scheint. Mit Sicherheit, so fährt die Göttin fort, muss gesagt werden, dass das Seiende (t’eon, ta eonta) ist, das Nicht-Seiende (mê eonta) hingegen nicht. Das Seiende, so die Göttin, sei vollendet und gänzlich unveränderbar. Die Möglichkeit einer Veränderung oder Zerstörung sei undenkbar und somit sei die Annahme irgendeiner Form der Veränderung des Seienden bloße Meinung (doxa) und somit purer Schein, was sie in den Gegensatz einer Erfassung des Seienden durch die Vernunft setzt.

Mit verschiedenen Ansätzen wiederholt die Göttin im Weiteren diese Einsicht und entwirft dabei ein Bild des Seienden als eines unentstandenen, unteilbaren in sich gleichartigen Ganzen, dessen Vollkommenheit mit der einer Kugel verglichen wird. Nachdem die Göttin ihre Rede über die Wahrheit des Seins abgeschlossen hat, folgen einige Sätze zu dem, was in den Meinungen der Menschen wahr zu sein scheint. Aufgrund der Aneinanderreihung dieser Sätze entsteht in der Tat der Eindruck, dass es sich bei ihnen um erhalten gebliebene Bruchstücke einer ursprünglich umfangreicheren Aufzeichnung handelt.

Die Auffassung, dass eine Veränderung oder Zerstörung des Seienden undenkbar ist, bzw. dass aus Nichtseiendem nichts anderes als eben Nichtseiendes hervorgehen kann, wird oft mit der Formel Ex nihilo nihil („Aus Nichts wird Nichts“) zusammengefasst.[1]

Nichtsein und Sein

Die auf dem Ausschluss des Nichtseins beruhende Beschreibung des Seins bei Parmenides lässt keine Deutungen dieses Seins innerhalb der klassischen Ontologie zu. Das Sein des Parmenides ist nicht Eines und es ist nicht Einheit. Dieses Sein ist Eins im Sinne von Allein, im Sinne von ausschließlich vorhanden. Es gibt außer diesem Sein nichts anderes. Nicht nur der Nachweis der Unmöglichkeit eines Nichtseins als natürlich vorhandenes, auch die Beschreibung des Begriffs Nichtsein als bloße Abstraktion – im Sinne einer Ableitung aus dem Begriff Sein – weisen Sein als einziges, als alleiniges natürliches Gebilde nach. Sein ist Eins (= 1).

Nichtsein ist nicht, und der Begriff Nichtsein ist bloße Abstraktion aus dem Begriff Sein. Aber auch als Abstraktion bleibt der Begriff Nichtsein leer. Ihm kann keinerlei Beschreibung beigefügt werden, da er keinerlei Ableitung aus der Natur erfährt. Wie auch immer jemand Nichtsein beschreiben wollte, sämtliche Komponenten dieser Beschreibung müssten zwangsläufig seiend sein und somit zu einem Widerspruch führen. Denn eine Aneinanderreihung seiender Attribute kann nicht Nichtsein beschreiben. Beschreibbar ist einzig und allein Sein.

Ausschließlich als Eins (= 1) treffen auf dieses Sein sämtliche Attribute zu, die von der Göttin aufgezählt werden: „Unentstanden“, „Unvergänglich“, „Unteilbar“, „Unörtlich“, „Unzeitlich“, „Jetzt, hier und zugleich“. Dieses Sein ist ein Präsens, von dem es sinnlos wäre, zu behaupten, er wäre immerwährend oder ewig, da ein durch obige Attribute beschriebenes Sein chronologische Kategorien ausschließt.

Was die Göttin dem Jüngling erklärt, ist, dass dieses Sein weder vorstellbar, noch beobachtbar oder sonst wie sinnlich wahrnehmbar ist. Es ist nur denkbar. Aber eben diese Denkbarkeit des Seins als Eins (= 1) ist es, die es als allein zutreffende Beschreibung der Natur auszeichnet.

Medizinische Bedeutung

Von Parmenides, der auch als bedeutender Vertreter der Westgriechischen Medizin[2] gilt, stammt der Satz: „Gib mir die Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile jede Krankheit!“ Während die Seinslehre des Parmenides die abendländische Metaphysik prägte, waren seine kosmologischen Vorstellungen von der Welt als Mischung zweier gegensätzlicher Elementarprinzipien (Licht, Feuer und Wärme gegenüber Nacht, Erde und Kälte) die Grundlage naturphilosophischer Konzepte späterer Philosophen wie Empedokles und in Folge der antiken und mittelalterlichen Humoralpathologie bis hin zur Krasenlehre.[3]

Rezeption


Mit Blick auf den religiösen Kontext von Parmenides’ Werk haben einige Forscher, darunter Alexander P. D. Mourelatos, Charles H. Kahn und Peter Kingsley, in Deutschland Klaus Heinrich und zuerst Martin Heidegger, die rein philosophische Deutung des Parmenides in Zweifel gezogen. Sie meinen, man habe bislang dem apokalyptischen Kontext zu wenig Beachtung geschenkt, in den Parmenides seine Darlegungen gestellt habe. Daher sei seine Lehre auf eine Weise gedeutet worden, die dem ursprünglichen Werk nicht gerecht werde.

Unbestritten ist der Einfluss des Parmenides auf Platon, über den Parmenides maßgeblich die abendländische Philosophie beeinflusst hat. Platon selbst nennt ihn „unseren Vater Parmenides“ und lässt ihn in seinem Parmenides-Dialog auftreten, wo er sich dialektisch mit Sokrates auseinandersetzt. Im Dialog Theaitetos erklärt Sokrates, Parmenides sei unter allen Weisen der Einzige gewesen, der bestritten habe, dass alles Bewegung und Veränderung sei.

1995 wurde der Asteroid (6039) Parmenides nach ihm benannt.[4]

Textausgaben und Übersetzungen


Literatur


Übersichtsdarstellungen in Handbüchern

Einführungen und Untersuchungen

Weblinks


 Commons: Parmenides von Elea  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Textstellen
Literatur

Einzelnachweise


  1. Christoph Helferich: Geschichte der Philosophie: Von den Anfängen bis zur Gegenwart und Östliches Denken. 4., erweiterte Auflage. J.B. Metzler, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-476-02426-8, S. 9.
  2. Markwart Michler: Westgriechische Medizin. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1476–1482, insbesondere S. 1476 und 1478 f. (zu Elea).
  3. Hans Georg von Manz: Parmenides von Elea. In: Werner E. Gerabek u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 1109.
  4. Minor Planet Circ. 24919



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