Parlevliet & Van der Plas - de.LinkFang.org

Parlevliet & Van der Plas

Parlevliet & Van der Plas B.V.
Rechtsform B.V.
Gründung 1949
Sitz Katwijk,  Niederlande
Branche Fischfang
Website www.pp-group.nl

Parlevliet & Van der Plas, oft kurz P & P, ist ein niederländisches Familienunternehmen der Fischereiwirtschaft, das weltweit im Hochsee-Fischfang und in der Fischvermarktung tätig ist. Es gehört zu den größten Hochseefischereikonzernen Europas und fängt nach eigenen Angaben über 90 Prozent der deutschen Heringsquote, im Jahr 2012 20.000 Tonnen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Porträt


P & P verfügt derzeit (2013) über eine Flotte von 13,[2] nach anderen Quellen[3] 15 Fang- und Verarbeitungsschiffen, darunter die größten der Welt, beispielsweise die Margiris,[4] die Annelies Ilena oder die Jan Maria, das derzeit größte unter deutscher Flagge fahrende Fabrikschiff. Die Schiffe fahren außerdem unter niederländischer, norwegischer, aber auch anderen Flaggen. Die Fanggebiete liegen in der Nordsee, der Biskaya, rund um die britische Insel und Irland, Island, vor Westafrika und im Südpazifik. Jährlich werden bis zu 250.000 Tonnen Fisch gefangen, in mehreren eigenen Tiefkühlhäusern (u. a. im Hafen IJmuiden und Bremerhaven) gelagert, in eigenen Fabriken (u. a. in Harderwijk, Sassnitz-Mukran und auf den Färöern) verarbeitet und mit eigenen Lkw transportiert. Das Unternehmen beschäftigt rund 800 Mitarbeiter (2013). 2002 erzielte P & P 200 Millionen Euro Umsatz. Es ist Mitglied des Lobby-Unternehmensverbundes Pelagic Freezer Association.

Geschichte


Das bis heute in Familienbesitz befindliche Unternehmen wurde 1949 in Katwijk aan Zee von Dirk Parlevliet und den Brüdern Dirk und Jan van der Plas gegründet und entwickelte sich von einem kleinen Herings-Handel zum global operierende Fischfang-Imperium. Ende der 1950er- und zu Beginn der 1960er-Jahre expandierte das Unternehmen nach Deutschland, da der heimische Absatzmarkt zu klein geworden war. In dieser Zeit stieg es auch in die Hochseefischerei ein. 1959 schaffte man sich das erste Fabrikschiff an, die Jan Maria. Das Spektrum der gefangenen Fischarten wurde allmählich über den Hering hinaus erweitert. 1967 stellte P & P seinen ersten Tiefkühltrawler, die Annie Hillina, in Dienst. 1986 wurde in Bremerhaven die Tochterfirma Doggerbank Seefischerei GmbH gegründet, die Hering- und Makrelenfang betreibt, 1993 in Rostock-Warnemünde die Oderbank Hochseefischerei GmbH, 1998 die Mecklenburgische Hochseefischerei GmbH in Sassnitz. Eine für den Vertrieb zuständige Tochterfirma der Mecklenburger Hochseefischerei GmbH ist die 1999 gegründete German Seafrozen Fish Handelsgesellschaft mbH (GSF) mit Sitz in Bremerhaven.

2002 entstand im Katwijker Vorort Valkenburg die neue Hauptverwaltung des Konzerns. Im Februar 2009 wurde mit der Ocean Food GmbH, Bremerhaven, das bis dahin letzte in deutscher Hand befindliche Hochseefischereiunternehmen übernommen.

Im Oktober 2009 vereinbarte Parlevliet & Van der Plas mit dem Zugdrachen-Hersteller SkySails, den 141 m langen Trawler ROS-171 Maartje Theadora mit einem 160 m² großen SkySails-Segel auszustatten und weitere Erprobungen und ggf. Anpassungen vorzunehmen.[5]

Anfang 2011 erwarb P & P die zuvor schon geleaste Fischfabrik Kollafjord Pelagic in Kollafjørður auf den Färöer-Inseln.[6]

Im Juni 2012 wurde von Parlevliet & Van der Plas auf der Ostseeinsel Rügen im Sassnitzer Ortsteil Mukran das EuroBaltic-Fischverarbeitungszentrum in Betrieb genommen. Das zu diesem Zeitpunkt größte und modernste Fischverarbeitungswerk Europas kostete 80 Millionen Euro, wovon über 61 Millionen durch Subventionen von EU, Bund und Land aufgebracht wurden.[7] Dort werden jährlich über 30.000 Tonnen Hering, Dorsche, Flundern und Sprotten zu Fischlappen, Filets und Tiefkühlkost stark automatisiert verarbeitet (die Verarbeitungskapazität liegt bei bis zu 50.000 Tonnen, die Lagerkapazität bei 20.000 Tonnen). Einen großen Anteil liefern Fischer aus Sassnitz und Mecklenburg-Vorpommern, die ihre Fänge zu vereinbarten Festpreisen mit eigenen Kuttern, mit angemieteten Fischtankern oder per Lkw an der Pier des Verarbeitungszentrums anliefern. Der Rest kommt aus Schleswig-Holstein, Dänemark, Schweden und den Niederlanden.

Eine ebenfalls in Sassnitz ansässige Tochterfirma von P & P ist die Westbank Hochseefischerei GmbH. Weitere Tochterunternehmen von P & P befinden sich im Vereinigten Königreich (UK Fisheries Ltd, Kingston upon Hull, ein 50/50-Joint Venture mit der zum isländischen Fischereikonzern Samherji gehörenden Onward Fishing Co.) und in Litauen (Atlantic High Sea Fishing Company, Klaipėda).

Bis Ende 2013 leitete Mark Parlevliet, einer der Enkel des Gründers, als Direktor die deutsche Niederlassung von P & P, die Doggerbank Seefischerei. 2012 war er bei der Entwicklung der Fischereiaktivitäten von P&P in Namibia aktiv.[8] Im Jahr 2014 kaufte P & P den größten Garnelenverarbeiter Europas, die niederländische Heiploeg, nachdem diese Insolvenz angemeldet hatte.[9] Deren belgische Tiefkühltochter Morubel wurde abgetrennt und blieb Eigentum der Rabobank, später ging sie an Bencis Capital Partners. 2018 übernahm P & P die Deutsche See.[10]

Kritik


Die Westbank Hochseefischerei GmbH wurde 2012 in Frankreich wegen illegaler Fischerei mit der Maartje Theadora zu einer Strafe von 580.000 Euro verurteilt.[11]

Die Umweltorganisation Greenpeace wirft Parlevliet & Van der Plas vor, mit ihren Supertrawlern wiederholt gegen Bestimmungen zum Schutz vor Überfischung verstoßen zu haben.

Im März 2013 berichtete das ZDF-Magazin Frontal 21 und die niederländische Sendung Zembla, die Besatzung der Jan Maria habe 2012 den Fangwert illegal erhöht, indem sie bereits gefischte, verwertbare und eingelagerte Fische tot wieder über Bord gekippt hat, um Platz für andere oder größere Fische, die mehr finanziellen Ertrag versprechen, zu schaffen.[12] Diese Praxis nennt sich „High-grading“ und wurde schon Jahre zuvor unter Strafe gestellt, um den Raubbau an der knappen Ressource Fisch zu begrenzen.[13]

Ein nautischer Offizier, der auf der Jan Maria mitgefahren war, konnte anhand zweier Dokumente, des offiziellen Fangtagebuchs für die Behörden sowie einer geheimen Fangkladde, diese Praxis der Fischvernichtung auf See belegen. Memecke erstattete Anzeige und überreichte die Dokumente der zuständigen Behörde, die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Demnach waren allein bei einer der vier dokumentierten Fangreisen mehr als 1,6 Millionen Kilogramm Hering vernichtet worden.[14] Nach einer zehnmonatigen Untersuchung erhielt der Kapitän eine geringe Strafe. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung teilte mit, „zweifelsfreie Verstöße der Reederei konnten nicht festgestellt werden“.

Ende November 2013 brachte die irische Küstenwache ein Fangschiff der Unternehmensgruppe wegen des Verdachts auf „High-Grading“ auf.[15]

Die Tatsache, dass die Fischerei nach dem Standard der Nachhaltigkeitsorganisation Marine Stewardship Council als nachhaltig arbeitend zertifiziert wurde, die das Gütesiegel trotz des Aufdeckens des illegalen High-Grading nicht aberkannte, wird von Greenpeace und anderen Organisationen zusätzlich kritisiert.[16]

Flotte


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Pelagische Flotte[17]
Schiffsname Fischereikennzeichen IMO-Nummer Flagge, Heimathafen
Annelies Ilena KW 174 9204556  Niederlande
Annie Hillina ROS 170 8028412 Deutschland Deutschland, Rostock
Dirk Dirk KW 172 8209171  Niederlande
Helen Mary ROS 785 9126364 Deutschland Deutschland, Rostock
Jan Maria BX 791 8707446 Deutschland Deutschland, Bremerhaven
Maartje Theadora ROS 171 9182801 Deutschland Deutschland, Rostock
Margiris KL 855 8301187 Litauen Litauen
Naeraberg KG 14 8918318  Färöer
Grundschleppnetz-Flotte (Demersal Fleet)[18]
Schiffsname Fischereikennzeichen IMO-Nummer Flagge, Heimathafen
Andre Leduc BL 924680 9294915  Frankreich
Arosa Catorce 3 CO-2-3846  Angola
Arosa Doce 3 CO-2-3845 8617457  Angola
Artic Warrior H 176
Bressay Bank BL 900470 9261499  Frankreich
Cap Nord BL 734 690 8714334  Frankreich
Cap Saint Georges BL 924675 9293014  Frankreich
Dorado LVL 2133 8802571 Lettland Lettland, Liepaja
Farnella H 135 9211808 Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Grande Hermine SM 640670 8407175  Frankreich
Joseph Roty SM 199078  Frankreich
Klondyke 8714322  Frankreich
Mark ROS 777 9690688 Deutschland Deutschland, Rostock
Nordic 2 BL 341160  Frankreich
Ocean Tiger R 38 9136383 Danemark Dänemark
Kirkella 9690676 Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Haltenbank II BL 931410  Frankreich
Nuevo Virgen de Lodairo 59973
Nuevo Barca 3aVI-5-1-14 8609357 Spanien Spanien
Brites A-2130-N 7107431  Portugal
Joana Princesa A-2053-N 7004744  Portugal
Praia de Santa Cruz 7-12-M 7385203  Portugal
Dorado ROS 804 Deutschland Deutschland, Rostock
Nida KL 759 8707745 Litauen Litauen, Klaipėda
Gerda Maria ROS 783 8716928 Deutschland Deutschland, Rostock
Joseph Roty II SM 199078 7362500  Frankreich

Dokumentation


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Steffen Judzikowski, Christian Rohde: Vergeudete Fische – Was taugen die Fangquoten. (Memento des Originals vom 11. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Frontal 21. 19. März 2013, abgerufen am 14. Januar 2014.
  2. Quelle: Vessels (Memento des Originals vom 21. Oktober 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Website von P & P, abgerufen am 23. Oktober 2013.
  3. z. B. Supertrawler im Kreuzfeuer (Memento des Originals vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Deutschlandfunk, Sendung vom 7. Juni 2013; Neue EU-Regeln für Fischerei , sueddeutsche.de, 14. Februar 2013.
  4. siehe auch en:FV Margiris
  5. http://www.skysails.info: Erster Fischtrawler wird mit SkySails ausgerüstet (Memento vom 16. Oktober 2010 im Internet Archive), Mitteilung der SkySails GmbH
  6. Färöer: Parlevliet & van der Plas kauft Kollafjord Pelagic. auf: fischmagazin.de, 13. Januar 2011.
  7. Hoffnung für die Ostseefischer. In: Hamburger Abendblatt. 22. Juni 2012.
  8. Mark Parlevliet mit 33 Jahren gestorben. auf: fischmagazin.de, 6. Januar 2014, abgerufen am 14. Januar 2014.
  9. http://www.fischmagazin.de/newsartikel-seriennummer-3099-Holland+Parlevliet+kauft+Heiploeg+aus+der+Insolvenz.htm
  10. Trauer um Egbert Miebach Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung, 27. Februar 2018, abgerufen am 18. März 2018.
  11. Deutsche Fischereigesellschaft wegen illegaler Fischerei verurteilt. 19. Dezember 2012.
  12. Skandal-Reederei Parlevliet & van der Plas. (Memento des Originals vom 24. Oktober 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 93 kB), greenpeace.de, März 2013.
  13. Illegale Fischfangmethoden - EU will Raubbau an den Fischbeständen begrenzen. (Memento des Originals vom 13. April 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Nordwestradio Journal. 2. Dezember 2013, abgerufen am 14. Januar 2014.
  14. Jan Maria: Zweifelsfreie Verstöße nicht festgestellt. Abgerufen am 14. Januar 2014.
  15. Illegale Fischfangmethoden – EU will Raubbau an den Fischbeständen begrenzen. (Memento des Originals vom 13. April 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Nordwestradio Journal, 2. Dezember 2013, abgerufen am 14. Januar 2014.
  16. Fischereiskandal – deutscher Supertrawler wirft tausende Tonnen Speisefisch weg. (Memento des Originals vom 30. September 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Greenpeace Blog, 20. März 2013, abgerufen am 28. April 2014.
  17. Pelagic fishing. Parlevliet & van der Plas, abgerufen am 27. Dezember 2017.
  18. Demersal fishing. Parlevliet & van der Plas, abgerufen am 27. Dezember 2017.



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