Parkfriedhof Werl


Der Parkfriedhof in Werl wurde 1850 im Südosten des Stadtgebietes in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hefefabrik Wulf in Werl, Kreis Soest, (Nordrhein-Westfalen) angelegt. Er galt als Ort der Ruhe und zählte zu den schönsten Friedhöfen in Westfalen und er ist ein Beispiel für den Wandel der Begräbniskultur und der gartenkünstlerischen Gestaltung. Von den bei der Anlage gepflanzten Eschen, Lebensbäume, Ahorne, und diverse Tannenarten sind noch etliche erhalten, der größte Teil der ehemaligen Familiengräber, die mit kunstvollen Gittern umfasst waren, wurde abgebrochen.[1] Die Einweihung der Anlage nahm Pfarrer Alterauge am 30. Juli 1850 vor.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Beschreibung


Bedingt durch industrielles Wachstum stieg die Werler Bevölkerungszahl an, der ehemalige Friedhof am Steinertor, dem heutigen Standort des Kindergartens St. Walburga,[2] wurde zu klein. Etwa 200 Meter südöstlich der Stadt, an der Soester Straße, wurde ein neuer Begräbnisplatz angelegt. Den Plan fertigte der Stadtbaumeister Rudolf Wegener aus Werl, als Vier-Felder-Anlage an, das Wegesystem war rechtwinklig. Ein repräsentatives Kreuz der Erbsälzerfamilie von Mellin steht im Zentrum.[3] Der Korpus war verwittert, der Bildhauer L. Braun schnitzte einen neuen. In der Mitte des alten Friedhofes befand sich die Gruft der Familie von Mellin, die Gebeine des Joseph von Mellin wurden auf den neuen Friedhof verbracht.[4]

Die ersten Erweiterungen erfolgten 1869, 1886 und 1887. Die Stadt Werl beauftragte 1911 den Gartenarchitekten M. Reinhard aus Düsseldorf[5] mit der grundlegenden Überplanung und Erweiterung. Dem Trend der Zeit folgend, wurde eine Anlage in der Art eines Parks angelegt, es entstand eine Möglichkeit zur Nutzung als Friedhof und auch als Volksgarten. Die Wege wurden alleeartig von seltenen Baumarten gesäumt, die Grabfelder wurden von Lebensbaum- und Eibenhecken umrahmt.

Der in dieser Zeit angelegte, mit mächtigen Platanen umgebene Brunnen ist ebenso wie der Laubengang mit bogenförmig geführten Krim-Linden erhalten. Die Linden mussten regelmäßig geschnitten werden um das Dickenwachstum einzuschränken.[6] Das große Michaelisdenkmal wurde 1930 für die Gefallenen der vergangenen Kriege errichtet.

Die nächste große Friedhofserweiterung wurde 1969 vorgenommen, die Pläne erstellte Victor Calles, ein Gartenarchitekt aus Köln. Als gestalterisches Grundgerüst wurden im sogenannten neuen Teil des Friedhofes Japanische Kirschen, Blutpflanzen Kupfer-Felsenbirnen, Stech-Fichten und Schwarzkiefern gepflanzt. Karl Brodhun, ein Künstler aus Werl, schuf eine 70 Meter lange Reliefwand aus Beton, die an die Opfer der Kriege, Opfer der Vertreibung und Opfer der Gewalt erinnern soll.[7] Das sogenannte Marinedenkmal ist ein großer Anker, der früher vor der Gaststätte zum Anker etwa in dem Bereich gegenüber der denkmalgeschützten Villa Wulf an der Steinerstraße stand. Nach der baulichen Umgestaltung des Innenstadtbereiches wurde er auf den Friedhof versetzt.[8] Der zu Anfang etwa einen Hektar große Friedhof wurde im Laufe der Jahre auf zwölf Hektar erweitert.[9]

Friedhofskapelle


Die Friedhofskapelle steht auf dem ältesten Teil der Anlage, sie wurde 1953 im Stile der damaligen Zeit gebaut. Wegen städtebaulicher Neuplanungen in der nächsten Umgebung wurde 2012 die Neuanlage von PKW-Stellplätzen auf dem historischen Teil notwendig.[10]

Grabstätten (Auswahl)


Libanonzeder


Der bemerkenswerteste Baum der Anlage ist die über 200 Jahre alte Libanon-Zeder, die Wappenzeichen in der Flagge des Libanon ist. Der Baum hatte schon bei der Anlage eine beachtliche Größe, Baumeister Wegener bestimmte als Standort die Mittelachse des ältesten Teil des Friedhofes. Die Wegeführung wurde auf den Baum ausgerichtet. Der Überlieferung nach brachte ein Missionar den Baum als Pflänzchen nach Werl, im Schatten dieser mittlerweile mächtigen Zeder, steht die denkmalgeschützte Grabgrotte für den Probst und Ehrenbürger Alterauge Sie befindet sich in der Abteilung VII/-.[12]

Militär-Angehörigen-Teil des Friedhofs


In den 1950er und 1960er Jahren waren in Werl kanadische Soldaten mit ihren Angehörigen stationiert, sie lebten in einer eigens gebauten Wohnsiedlung. Für die Verstorbenen dieser Kanadier wurde auf dem Friedhof ein eigener Teil eingerichtet, der bis heute gepflegt wird.

Sonstiges


Eine Wallfahrerin aus dem Sauerland besuchte im frühen 20. Jahrhundert die Basilika und den Friedhof, sie äußerte sich begeistert: De Wiärlsken hiet guet stiärwen, dat is jo dat reinste Paradias! Amme jüngesten Dage well nümmes waier opstohn, säo schoin is dat huier. (Die Werler haben gut sterben, das ist ja das reinste Paradies! Am jüngsten Tag will niemand wieder aufstehen, so schön ist das hier)[13]

Weblinks


Commons: Parkfriedhof Werl  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Parkfriedhof Werl in LWL-GeodatenKultur
  2. Kindergarten St. Walburga
  3. Kreuz der Familie Mellin
  4. F. J. Mehler: Geschichte der Stadt Werl. A. Stein’sche Buchhandlung, Werl 1891 (Nachdruck von 1971), S. 439.
  5. M. Reinhard
  6. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Parkfriedhof Werl in LWL-GeodatenKultur Erste Erweiterungen
  7. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Parkfriedhof Werl in LWL-GeodatenKultur Erweiterung 1969
  8. Werl (Friedhof), Kreis Soest, Nordrhein-Westfalen
  9. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Parkfriedhof Werl in LWL-GeodatenKultur Planung und Anlage
  10. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Parkfriedhof Werl in LWL-GeodatenKultur Friedhofskapelle und neue Parkplätze
  11. Betkaspar
  12. Libanon-Zeder
  13. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Parkfriedhof Werl in LWL-GeodatenKultur Trivia










Kategorien: Friedhof in Werl | Christentum in Werl | Christlicher Friedhof | Erbaut in den 1850er Jahren




Stand der Informationen: 23.11.2020 08:06:23 CET

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