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Owsei Temkin

Owsei Temkin (auch: Ovsej Temkin; * 6. Oktober 1902 in Minsk; † 18. Juli 2002 in Baltimore, Maryland, USA) war ein deutsch-amerikanischer Arzt und Medizinhistoriker russischer Abstammung.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Nach den Judenpogromen 1904 floh die Familie aus Minsk nach Leipzig, wo Owsei Temkin aufwuchs. Nach der Oktoberrevolution von 1917 verlor er die russische Staatsbürgerschaft und wurde staatenlos. 1922 immatrikulierte er sich an der Leipziger Medizinischen Fakultät und besuchte gleichzeitig philosophische Vorlesungen, ab 1925 auch Vorlesungen und Seminare im Leipziger Medizinhistorischen Institut bei Henry E. Sigerist. Hier schrieb er 1927 eine Dissertation mit dem Titel Der systematische Zusammenhang im Corpus Hippocraticum. Nachdem er 1927 das medizinische Staatsexamen bestanden hatte, bewarb er sich vergeblich um eine Stelle in der Klinik. Als Volontärassistent trat er in das Medizinhistorische Institut ein, in dem neben Sigerist auch der emeritierte Karl Sudhoff noch aktiv war. Außerdem waren Johann Daniel Achelis, Ernst Hirschfeld, Walter Pagel, Stephen d’Irsay und Erwin H. Ackerknecht mit dem Institut verbunden. 1928 erhielt Temkin dort die erste Assistentenstelle und im selben Jahr auch die deutsche Staatsbürgerschaft. 1931 verfasste er seine Habilitationsschrift mit dem Titel Geschichte des Hippokratismus im ausgehenden Altertum. Als Sigerist 1930/31 einen Forschungsaufenthalt in den USA antrat, bestimmte er Temkin zum interimistischen Leiter des Instituts.[1][2]

Nachdem Sigerist 1932 auf den Johns Hopkins-Lehrstuhl in Baltimore berufen wurde, leitete er den Nachzug von Temkin in die Wege. Zusammen mit seiner Ehefrau, der englischen Germanistin C. Lilian Shelly folgte Temkin Sigerist in die USA. Dazu Marcel H. Bickel: „Beide, der Nazifeind Sigerist und der Jude Temkin, hätten in Deutschland schon ein Jahr später keine Zukunft mehr gehabt.“[3] Schon bald wurden Temkin von den deutschen Nationalsozialisten der Titel eines Privatdozenten und die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Von seinen Leipziger Kollegen emigrierten auch Erwin H. Ackerknecht und Walter Pagel. 1935 wurde Temkin in Baltimore zum außerordentlichen Professor ernannt, 1938 erlangte er die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Nachdem Sigerist 1947 nach Europa zurückgekehrt war, verwaltete Temkin den Johns Hopkins-Lehrstuhl zwei Jahre lang kommissarisch. Von 1949 bis zu seiner Emeritierung 1958 stand Richard Harrison Shryock dem Institut vor, gefolgt von Temkin 1958-1968.

Die Schwerpunkte von Temkins Arbeiten lagen unter anderem in Forschungen zur Geschichte der Byzantinischen Medizin, Epilepsie und Gynäkologie. Er veröffentlichte Kindslagenhandschriften mit Signaturen von Barberinus und Vossanius. Owsei Temkin verstarb kurz vor seinem 100. Geburtstag. Die Festschrift für die mehrtägigen Jubiläumsfeierlichkeiten, die unter anderem mit seinen beiden Töchtern geplant waren, war von der Universität Baltimore bereits gedruckt.[1]

Auszeichnungen


Schriften (Auswahl)


Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. a b G. Wiemers: Großer Medizinhistoriker, Zum Tode von Owsei Temkin. S. 33.
  2. Marcel H. Bickel. Owsei Temkin (1902-2002): ein Medizinhistoriker des 20. Jahrhunderts S. 224–225
  3. Marcel H. Bickel. Owsei Temkin (1902-2002): ein Medizinhistoriker des 20. Jahrhunderts. In: Gesnerus. Swiss Journal of the history of medicine and sciences. 59 (3-4) (2002), S. 226
  4. Member History: Owsei Temkin. American Philosophical Society, abgerufen am 29. Januar 2019.
  5. Rezension durch Erwin H. Ackerknecht in Gesnerus. Swiss Journal of the history of medicine and sciences. 34 (1977), S. 421–424 (Digitalisat)



Kategorien: Medizinhistoriker | Hochschullehrer (Universität Leipzig) | Mediziner (20. Jahrhundert) | Hochschullehrer (Johns Hopkins University) | Mitglied der American Academy of Arts and Sciences | Mitglied der National Academy of Sciences | Mitglied der American Philosophical Society | Deutscher | US-Amerikaner | Geboren 1902 | Gestorben 2002 | Mann

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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Owsei Temkin (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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