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Otto Müller (Maler)



Dieser Artikel befasst sich mit dem Maler Otto Müller. Zum deutschen Expressionisten siehe Otto Mueller.

Otto Müller (* 21. November 1898 in Cröllwitz; † 9. Dezember 1979 in Merseburg) war ein deutscher Maler und Graphiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Schaffen


Elternhaus

Otto Müller wurde am 21. November 1898 in Cröllwitz, das seit 1900 zu Halle (Saale) gehört, als ältestes Kind des Lokomotivführers Karl Christoph Friedrich Otto Müller (1874–1951) und seiner Frau Anna Müller, geb. Schmidt (1876–1923), geboren. Er hatte drei Geschwister. In seiner Kindheit war Otto Müller oft in Trotha bei seiner Großmutter väterlicherseits.

Ausbildung

Nach dem Besuch der achtjährigen Volksschule in Halle hatte sein Vater für ihn eine Ausbildung zum Elektriker vorgesehen; doch wegen seiner nicht ausreichenden Körpergröße wurde er abgelehnt. Danach erlernte er auf eigenen Wunsch von 1913 bis 1917 den Beruf des Lithographen. Bereits in dieser Zeit besuchte er Abendkurse im Zeichnen und Malen an der Staatlichen Städtischen Handwerkerschule, der späteren Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle.

1918 wurde Otto Müller zum Militärdienst im Ersten Weltkrieg in das 18. Fußartillerie-Regiment Kirchenhain an die Westfront nach Frankreich einberufen. Die Kriegserlebnisse prägten seine zeitlebens pazifistische Einstellung. Durch sein mitunter Schwejksches Verhalten erreichte es Otto Müller, dass er auch während des Dienstes zeichnen durfte und ihm die Pflege der Militärpferde als seine Hauptaufgabe anvertraut wurde.

Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst 1919 nahm er das Studium der Malerei an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein auf. Er war von 1919 an in der neu errichteten Klasse für Malerei Schüler von Professor Erwin Hahs. Seit diesen frühen Studienjahren verband Otto Müller eine enge Freundschaft mit seinen Studienkollegen Paul Zilling (1900–1953) und Helmut Schröder (1910–1974). 1927 wechselte er zusammen mit Schröder in die Klasse des neu an die Burg berufenen Professors für Malerei und Graphik Charles Crodel. In den Jahren seiner Ausbildung bei Crodel war Müller mit Kurt Bunge befreundet.

Beide Lehrer, Erwin Hahs und Charles Crodel, haben Müllers künstlerische Entwicklung beeinflusst: Von beiden Lehrern angeregt, war für ihn das genaue Naturstudium zeitlebens die Grundlage jeglichen künstlerischen Schaffens. Seinem Lehrer Hahs verdankte Müller weiterhin die Schulung seiner formalen Ausdrucksmöglichkeiten in Hinsicht auf eine konstruktive Bildkomposition bis hin zur Abstraktion. Hahs’ kunsttheoretischen Erörterungen zog er allerdings die Art von Charles Crodel vor, der seine Schüler bei der praktischen Arbeit am Motiv zur Entwicklung eines eigenen Malstils ermutigte. Die locker komponierten, oft auch farbig heiteren Crodelschen Bilder gaben Müller neue malerische Anregungen.

Neben seiner Begeisterung für die Malerei fand Otto Müller auch Freude an musikalischen Improvisationen: Schon in jungen Jahren spielte er Geige, in der Burgkapelle Banjo und später mit seinem Künstlerkollegen Helmut Schröder Mundharmonika.

Um sich das Geld für seine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein zu verdienen, musste Otto Müller das Studium mehrmals und für längere Zeit unterbrechen. 1920 bis 1922 und 1924 bis 1925 arbeitete er als Dekorationsmaler in den Leunawerken. Dort erlebte er 1921 auch die Märzkämpfe aus eigener Anschauung mit. In den wirtschaftlich schwierigen Jahren 1923 bis 1924 ging er auf „Walze“. In Göttingen arbeitete er als Bühnenmaler am Deutschen Theater. Seine Reise führte ihn bis nach Süddeutschland, wo er in Kochel am See Arbeit beim Aufbau des Kraftwerks Walchensee fand. In München besuchte er die Kunstsammlungen der großen Galerien (Alte und Neue Pinakothek). 1929 legte er bei dem Dekorationsmaler O. Möllhoff in Halle die Prüfung als Malergeselle ab.

Berufs- und Familienleben bis 1945

Nach dem Abschluss seines Studiums bewarb sich Otto Müller vergeblich als Porzellanmaler bei der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen. Außerdem interessierte er sich wie sein Freund Kurt Bunge für Restauration. Als dieser jedoch die Restauratorenstelle am Landesmuseum für Vorgeschichte erhielt, nahm Otto Müller 1930 die Arbeit in der Farbenfabrik „Technische Chemikalien- und Compagnie GmbH Halle“ auf. Er war dort bis 1941 als Laborant und Abteilungsleiter tätig.

1936 heiratete Otto Müller Senta-Luise Demmer; noch im selben Jahr wurde die Tochter Thekla geboren, 1937 wurde der Sohn Otto geboren. Im Zweiten Weltkrieg wurde Müller 1938–1940 zum Westwall eingezogen. 1941 bis 1945 arbeitete er als Technischer Zeichner bei den Siebel Flugzeugwerken in Halle und wurde daher nicht mehr zum Kriegsdienst herangezogen.

Berufs- und Familienleben ab 1945

Ab dem 1. Juli 1945 arbeitete Otto Müller als freischaffender Maler und Graphiker in Halle. 1946 wurde er in den „Verband Bildender Künstler“ (VBK) aufgenommen, der von Richard Horn und Karl Völker aufgebaut wurde. Seinen Unterhalt verdiente er in dieser Zeit vor allem mit Sichtwerbung (z. B. mit Kino-Plakaten).

1947 zog die Familie in die als Lazarett erbauten und nun zum Teil als Unterkunft für Künstlerfamilien genutzten Baracken in die Fischer-von-Erlach-Straße 14. In derselben Baracke wohnten folgende Künstlerkollegen mit ihren Familien: Meinolf Splett (1911–2009), Fritz Stehwien (1914–2008), Clemens Kindling (1916–1992), Frau Braun (auf Empfehlung des Architekten Hanns Hopp), Kurt Völker (Bruder von Karl Völker). In der Nachbarbaracke wohnten Richard Horn, Karl Erich Müller, Herbert Lange (1920–2001) und Helmut Schröder.

Wie seine Freunde Helmut Schröder, Fritz Freitag (1915–1977) und Karl Erich Müller war auch Otto Müller Mitglied der halleschen Künstlervereinigung Die Fähre (1947–1949), deren Leitung Fritz Baust (1912–1982) übernommen hatte. Otto Müller beteiligte sich an den von der Fähre angeregten Ausstellungen mit Landschaften, Tier- und Aktzeichnungen. Den von anderen „Fähre“-Künstlern wie Karl Erich Müller, Herbert Lange und Willi Sitte in dieser Zeit in programmatischer Weise intensiv bearbeiteten Themen aus den Produktionsbetrieben wandte sich Otto Müller allerdings erst später zu (ab 1950).

Im März 1948 stellte Otto Müller zusammen mit Charles Crodel, Kurt Bunge und Karl Rödel (1907–1982) in der Galerie Henning in Halle aus. Für seine künstlerischen Beiträge wurde er von Richard Horn in der Einleitung zum Ausstellungskatalog als „die interessanteste Persönlichkeit der vier ausstellenden Künstler“ bezeichnet. Mit drei graphischen Arbeiten von 1947 war Otto Müller als einziger hallescher Künstler (neben Willi Sitte) auf der 1956 vom Deutschen Kulturrat in München veranstalteten Gesamtdeutschen Graphik-Ausstellung in der Städtischen Galerie und Lenbach-Galerie vertreten. Einer der maßgeblichen Jury-Mitglieder war Charles Crodel, der seit 1952 an der Akademie der Bildenden Künste in München lehrte.

1954 zog Otto Müller mit seiner Familie in den ersten Wohnungsneubau in Halle seit 1945, in die damalige Stalinallee 57b (später Leninallee 179 und seit 1990 Merseburger Straße 127). Von 1951 bis etwa 1964 arbeitete er auf Wunsch verschiedener Auftraggeber oder im Rahmen von mehrwöchigen Arbeitsaufenthalten, die der Verband Bildender Künstler der DDR (VBK) organisierte, in Produktionsbetrieben der Landwirtschaft, des Bergbaus und der Industrie. 1951 und 1953 entstanden graphische Arbeiten von der Maschinen-Traktoren-Station (MTS) in Volkstedt bei Eisleben. 1955 arbeitete Müller an landwirtschaftlichen Motiven auf der LPG Eismannsdorf. 1957 fertigte er im Salz- und Kalischacht Gronau bei Bernburg Tempera-Arbeiten. 1958 schlossen sich Arbeitsaufenthalte in der Maschinenfabrik Halle an. In diesem Zusammenhang entstand das Ölbild Der Maschinenformer (heute im Besitz der Stiftung Moritzburg – Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt in Halle). 1959 arbeitete er im Zementwerk Karsdorf. Das 1962 gemalte Mais-Triptychon wurde vom Auftraggeber nicht angenommen. Es lässt sich vermuten, dass die dominierende Darstellung des Maises in seinen verschiedenen Reifestadien im Frühling, Sommer und Herbst der Darstellung der Landwirtschaft nicht den gewünschten Raum ließ. 1964 arbeitete Otto Müller für das FDGB-Auftragswerk „Junge Tierzüchterin“ auf der LPG Merbitz.

Otto Müller besuchte in den 1950er Jahren oft die in der Talstraße 23 (heute Galerie des Kunstvereins „Talstrasse“) wohnenden Künstlerehepaare Herbert Kitzel und Mareile Kitzel sowie Hilmar und Heidi Manthey. Dort traf er etwa 1957 auch Otto Möhwald; in den Jahren 1958 bis 1959 zeichneten sie gemeinsam zwischen Ammendorf und Buna sowie in Dobis bei Wettin oder nach Modell in der Möhwaldschen Wohnung. 1959 bis 1966 war Müller Mitglied der Sektionsleitung „Maler und Graphiker“ des VBK des Bezirkes Halle und initiierte in dieser Funktion Atelierbesuche bei Künstlerkollegen. Seit den 1960er Jahren traf sich er mit anderen Kollegen regelmäßig zum Aktzeichnen in der Moritzburg. 1963 führte ihn eine Studienreise mit Karl Erich Müller und Gerhard Geyer nach Prag.

Letzte Schaffensperiode, 1963–1979

Aus Anlass seines 65. Geburtstages wurde ihm 1963 für sein künstlerisches Gesamtwerk und die Fliesenmalerei im Schulgebäude an der Frohen Zukunft der Kunstpreis der Stadt Halle verliehen. In diesem Zusammenhang wurde sein Schaffen auch in einer Ausstellung in der Staatlichen Galerie Moritzburg, dem heutigen Kunstmuseum, gewürdigt. In seinem Geleitwort zum Katalog schrieb der damalige Direktor Heinz Schönemann: „Man könnte ihn, der selbst ein Schüler der Burg Giebichenstein war, einen stillen Lehrer der halleschen Maler nennen. Denn so vieles, was uns an deren Werken erfreut, ist letzten Endes von ihm ausgegangen. Seine reiche Phantasie, seine Gründlichkeit und sein technisches Wissen, sein offenes Auge für die Reize unseres Lebens, sind seinen Kollegen immer Vorbild gewesen.“

Obgleich Otto Müller nie ein Lehramt an der Kunsthochschule innehatte, wurde er aufgrund seiner künstlerischen Lebensleistung von seinen Kollegen und vielen Kunstfreunden als „Altmeister der halleschen Malerei“[1] hochgeschätzt. So zeigten z. B. die Professoren der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Karl Müller (1888–1972) und Willi Sitte ihren Studenten im Unterricht graphische Arbeiten von Otto Müller. Seit Ende der 50er Jahre suchten kunstbegeisterte junge Leute die Nähe zu ihm und entwickelten sich durch intensive Gespräche und gemeinsame Studien zu professionellen Künstlern. Dazu gehören Falko Warmt (bei Müller 1960–1963), Karl-Heinz Köhler und Wolfgang Grunwald. Ihnen war gemeinsam, dass sie kein Direktstudium an der Kunsthochschule absolviert hatten, sondern bereits als Chemiker, Kartograph und Lehrer im Arbeitsleben standen.

Mit Eintritt in das Rentenalter war Otto Müller dem Zwang enthoben, den Unterhalt für das tägliche Leben durch Auftragsarbeiten zu verdienen. Seit der zweiten Hälfte der 60er Jahre widmete sich Otto Müller neben der Darstellung von Pflanzen insbesondere der Porträtierung von Mädchen in Wachsmaltechnik. Nach der Geburt der Enkelin Claudia im Jahre 1967 entstanden zahlreiche Säuglingsporträts in Öl. In den 1970er Jahren ging Otto Müller mit seinem Künstlerfreund Karl Erich Müller in Halle, Merseburg und im Saalkreis skizzieren. Im Ergebnis dieser Studien entstanden mehrere Hundert Zeichnungen und Aquarelle, die die dem Abriss geweihten Altstadtbilder dokumentieren. Eine große Zahl graphischer Stadtlandschaften befindet sich heute im Halleschen Stadtarchiv.

Zum Kreis der mit Otto Müller befreundeten und von ihm geschätzten jüngeren halleschen Künstlerkollegen gehörten in dieser Zeit Wolfgang Barton (1932–2012), Bernhard Michel (geb. 1939), Bernt Wilke (geb. 1943) und Fotis Zaprasis (1940–2002). 1977 eröffnete die Galerie des Staatlichen Kunsthandels der DDR am Hansering in Halle mit einer Otto-Müller-Verkaufsausstellung. Das Interesse war so groß, dass fast alle Ausstellungsstücke verkauft wurden. Am 9. Dezember 1979 starb Otto Müller an einer schweren Lungenkrankheit im Carl-von-Basedow-Klinikum in Merseburg. Sein schriftlicher Nachlass liegt in der SLUB Dresden.[2]

Werke


Otto Müller beherrschte eine große Zahl graphischer und malerischer Techniken:

Von Jugend an legte er großen Wert auf die handwerkliche Qualität einer Arbeit. Kenntnisse auf diesem Gebiet sammelte er ein Leben lang, angefangen von der Lithographenlehre, anschließend im Studienfach „Materialkunde“ an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein, bei seiner Tätigkeit in der Farbenfabrik und in der praktischen Ausübung der Kunst.

Themen, die sich durch das ganze Schaffen Otto Müllers ziehen, sind Darstellungen von Menschen (insbesondere Porträts und Akte), von Pflanzen, Tieren und Landschaften. Bereits während seines Studiums an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein weckten seine Gräser- und Blumenbilder die Aufmerksamkeit und Bewunderung z. B. seines Lehrers Charles Crodel. Anerkennend und zur Abgrenzung gegen andere Künstler desselben Namens wurde Otto Müller daher oft „Blumen“- oder „Gräser-Müller“ genannt. Seit seiner freischaffenden Berufstätigkeit als Künstler ab 1945 hat er bestimmte Themen in einer Reihe von Jahren besonders intensiv bearbeitet:

Obgleich Otto Müller an beiden Weltkriegen teilnehmen musste, hat er die Grauen des Krieges und die Zerstörung durch Krieg nicht dargestellt. Ein aus finanziellen Gründen dringend benötigter Auftrag des Rates des Bezirkes Halle scheiterte daran, dass er Soldaten zwar porträtierte, aber ihre Waffen nicht darstellte.[3] Darin äußert sich seine Überzeugung, dass seine Kunst dem Menschen das Schöne zeigen und ihn dadurch besser machen solle. Er trat nicht in Wettstreit mit anderen Künstlern, die den Betrachter durch abstoßende Darstellungen in ihrer politischen Kunst aufzurütteln versuchten. Bezeichnend für Müllers Stil sind z. B. die Stadtlandschaften aus der Nachkriegszeit (z. B. 1947 Am Stadtrand) und diejenigen der Abrissviertel in den 70er Jahren.

Otto Müller hat sowohl gegenständlich als auch abstrakt gearbeitet. Abstrakte Arbeiten entstanden während seines Studiums bei Erwin Hahs und in der ersten Phase seiner freiberuflichen Tätigkeit nach 1945. Während Otto er seine in den 1920er Jahren entstandenen abstrakten Arbeiten als bloße Nachahmung anderer Künstler verwarf, sind die Arbeiten der Nachkriegsphase etwas Eigenes, indem sie Tier- und Personendarstellungen zu stark farbigen Flächen mit einigen gegenständlichen Details abstrahieren. Dessen ungeachtet gilt für Müllers Werk als Ganzes, was der Künstler im Interview mit Christine Mücklisch so formulierte: „…meine Absicht ist es aber, nach der Natur zu malen, weil es da mehr zu sehen gibt, als ich mir selbst ausdenken kann.“[4]

Ausstellungen (Auswahl)


postume Einzelausstellungen
postume Gruppenausstellungen

Literatur


Einzelnachweise


  1. Ingrid Schulze, 1969.
  2. Mscr. Dresd. App. 2391, 1–512.
  3. Otto Müller im Interview. Mücklisch S. 75.
  4. Mücklisch, S. 70.

Weblinks


Commons: Otto Müller  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien



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