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Normalspur

Als Normalspur, Regelspur oder Vollspur bezeichnet man bei Eisenbahnen eine Spurweite mit einem Nennmaß von 1435 Millimetern (4′ 8,5″) zwischen den Innenkanten der Schienenköpfe. In der Anfangszeit des Eisenbahnverkehrs wurde diese Spurweite auch als Stephenson-Spur bezeichnet.

Kleinere Spurweiten werden generell als Schmalspur, größere als Breitspur bezeichnet.

Die Normalspur ist in Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten sowie in Nordamerika und der Volksrepublik China die Standardspurweite. Außerdem findet man diese Spurweite in Australien, bei japanischen Hochgeschwindigkeitsstrecken, im Nordosten von Argentinien (Ferrocarril General Urquiza), in Uruguay, Paraguay und Peru.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Als 1822 der Bau der ersten öffentlichen Eisenbahn der Welt von Stockton nach Darlington begann, wurden deren Gleise mit der Spurweite von 1435 mm (4 FußZoll) ausgelegt, was in der Folge von vielen Ländern als Regelspurweite übernommen wurde.

Zur Herkunft dieses Maßes wird angegeben:
Der Ursprung der Regelspur von 4 Fuß und 8½ Zoll = 1435 mm ist nicht völlig klar (Haarmann, Das Eisenbahngleis).[1] Die erste mit einer ähnlichen Spurweite ausgeführte Bahn war die den Plymouth Iron Works in Merthyr Tydfil gehörige, 1800 eröffnete Strecke Merthyr-Tydfil-Aberdeen-Junction. Die hier angewandten gusseisernen Winkelschienen, deren senkrechte, aufwärtsstehende und nach der Gleismitte zu liegende Schenkel als Spurränder dienten, hatten ein Lichtmaß von 1294 und ein Außenmaß von 1524 mm, paßten demnach für die damaligen englischen Straßenfuhrwerke, deren Räder 4 Fuß und 6 Zoll = 1372 mm lichten Abstand besaßen. Gibt man solchen Rädern unter Belassung des lichten Abstandes Spurkränze von 1 Zoll Stärke und nach jeder Seite ein Spiel von ¼ Zoll, so ergibt sich eine Spurweite von 4 Fuß und 8½ Zoll. George Stephenson hat die 1825 eröffnete Stockton and Darlington Railway mit dieser Spurweite ausgeführt.[2]

Eine andere Deutung besagt:
Als 1822 von Stockton nach Darlington der Bau der ersten öffentlichen Eisenbahn der Welt begann, wurden deren Gleise mit der Spurweite von 1422 mm (4 Fuß 8 Zoll) ausgelegt. Dieses Maß entstand daraus, dass es bereits bei den „Tramroad“-Schienenwegen der Kohleminen der englischen Grafschaft Durham sehr verbreitet war, und damit die Gleise der neuen Eisenbahn auch die Benutzung durch die bereits existierenden Fuhrwerke zuließen.[3] Bei der 1830 eröffneten Eisenbahn von Liverpool nach Manchester wurde von George Stephenson zur Verbesserung der Laufeigenschaften eine um ½ Zoll weitere Spurweite, also die heutige Normalspur von 1435 mm (4 Fuß 8½ Zoll), vorgesehen. Auf diesem Weg vergrößerte Stephenson das Spurspiel, ohne das Spurmaß an den Fahrzeugen ändern zu müssen. Später wurde auch die Eisenbahn von Stockton nach Darlington auf diese Spurweite umgebaut.

Anzumerken ist hierzu, dass George Stephenson ab 1812 Maschinenmeister ("enginewright") bei der im County Durham gelegenen Kohlenmine Killingworth war, deren Grubenbahngleise ebendiese Spurweite von 4 Fuß und 8 Zoll hatten.

Verbreitung

2013 wurde bei archäologischen Arbeiten am Fluss Tyne in England eine „Tramroad“ mit noch erhaltenen Holzschienen ausgegraben, die ebenfalls eine Spurweite von 4 Fuß 8,5 Zoll (1435 mm) aufwies, und schon Anfang des 19. Jahrhunderts betrieben worden war. Diese Bahn gilt nun als die älteste nachgewiesene Bahnstrecke in Normalspur.[4]

1846 wurde die Spurweite 1435 mm für Großbritannien (in Fuß und Zoll) als Standard-Spurweite gesetzlich vorgeschrieben.[5] Zusammen mit der Technik der Lokomotiv-Eisenbahn wurde auch die Spurweite von Großbritannien aus in viele Teile der Welt exportiert.

In den USA wurde im „Pacific Railroad Act“ von 1863 die Normalspur als Spurweite für die erste transkontinentale Eisenbahn festgelegt.[6] 1886 wurden die Eisenbahnstrecken der Südstaaten, wo bis dahin 1524-mm-Breitspur vorherrschend war, in einer der größten Umspuraktionen der Eisenbahngeschichte auf annähernd Normalspur, das heißt 4 Fuß 9 Zoll (1448 mm), umgebaut.[7] Der Grund für die Abweichung war, dass sich zuvor die Pennsylvania Railroad als größte und bedeutsamste Eisenbahngesellschaft auf diese Spurweite festgelegt hatte.[8] Erst im darauffolgenden Jahrzehnt wurde die Spurweite nach und nach auf allen Strecken auch noch um das letzte halbe Zoll verkleinert, sodass auch in den Südstaaten die Normalspur vorherrschend war.[8]

1886 wurde in Bern von Vertretern aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Italien, Österreich und Ungarn die Technische Einheit im Eisenbahnwesen ausgearbeitet. Dabei wurden die bereits vorherrschende Spurweite von 1435 mm sowie Spurweiten, Toleranzen und viele weitere Details für den internationalen Verkehr festgelegt. Weltweit sind heute ca. 60 % aller Eisenbahnstrecken normalspurig. Auf keiner anderen Spurweite verkehren längere, schwerere oder schnellere Züge.

Trivia


Eine populäre moderne Sage sieht den Grund für dieses ungerade Spurweitenmaß in der angeblich zwei Pferdehinterteile umfassenden Fahrspur-Breite der Straßen des Römischen Reiches, die bis nach England reichten. Im Wesentlichen wird dabei der Ursprung des Spurmaßes englischer Bergwerkgleise auf die Breite römischer Straßen zurückgeführt.[9]

Tatsächlich waren die Römerstraßen unterschiedlich breit, wenn es auch eine Richtlinie, die latitudo legitima, für 8 römische Fuß, entsprechend 2,4 Meter gab. Dies lässt sich nicht mit den 1422 Millimetern der Bergwerkgleise in Einklang bringen. Die Spurbreite von Kutschen und Karren bewegte sich aber schon in der Römerzeit um 1,5 Meter, mit Abweichungen im Dezimeterbereich. Es gab zu keiner Zeit eine einheitliche Breite, da anders als bei Gleisen dazu keine Notwendigkeit bestand. Die moderne Sage berichtet zudem oft von „römischen Streitwagen“, welche aber für das römische Militär nicht belegt sind. Folglich wurden die Römerstraßen auch nicht für Streitwagen ausgelegt.

Siehe auch


Weblinks


Einzelnachweise


  1. A. Haarmann: Das Eisenbahngleis. 2 Bände. Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig 1899/1902.
  2. Spur. In: Frh. v. Röll: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. Band 9, Berlin/ Wien 1921, S. 121–126.
  3. The Great Western World Heritage Site. 2010, S. 6: The S&DRs track gauge was required to accommodate the horse-drawn wagons used in the older wagonways serving coal mines. This influence appears to be the main reason that 4ft 8 ½ was subsequently adopted as standard gauge.
  4. 200-year-old railway discovered along banks of River Tyne. (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive) 26. Juli 2013.
  5. Britisches Gesetz zur Regulierung der Spurweiten von 1846 (engl. pdf; 452 kB)
  6. "Pacific Railroad Act" von 1863
  7. The Days They Changed the Gauge. In: Southern Railfan. Abgerufen am 29. Februar 2020 (dt. Der Tag, an dem sie die Spurweite änderten.).
  8. a b Moritz Förster: Missing Link: Vom Management eines Mammutprojekts, das klappte und deshalb vergessen wurde. In: heise.de. 23. Februar 2020, abgerufen am 29. Februar 2020.
  9. Roman chariots, railroad tracks, milspecs, and urban legends. (Memento vom 22. Februar 2015 im Internet Archive) (englisch).



Kategorien: Spurweite | Spurweite 1435 mm

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