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Niki de Saint Phalle


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Niki de Saint Phalle (də sɛ̃ ˈfal, eigentlich Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle * 29. Oktober 1930 in Neuilly-sur-Seine b. Paris; † 21. Mai 2002 in San Diego;[1]) war eine französisch-schweizerische Malerin und Bildhauerin der Moderne. In Deutschland wurde sie als Künstlerin vor allem durch ihre „Nana“ Figuren bekannt, die 1974 in Hannover am Leibnizufer, heute Teil der Skulpturen Meile, aufgestellt wurden.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Niki de Saint Phalle wurde im Pariser Nobelvorort Neuilly-sur-Seine als Tochter von André Marie Fal de Saint Phalle und Jeanne Jacqueline (geb. Harper) geboren. Der Vater, ein Bankier aus einem alten französischen Adelsgeschlecht, war ein Börsenmakler, der während des Börsenkrachs von 1929 verarmte. Die Mutter war Amerikanerin. Niki wuchs hauptsächlich in den USA auf und wurde infolge ihrer Heirat mit dem aus Basel stammenden Jean Tinguely im Jahr 1971 in der Schweiz eingebürgert (heimatberechtigt in Basel). Sie war ebenso wie Tinguely eng mit der Familie des ebenfalls in der Schweiz lebenden Kunstmäzens und Sammlers Theodor Ahrenberg befreundet.

Von 1936 bis 1945 besuchte Niki de Saint Phalle die Klosterschule Sacré-Cœur in New York. Mit elf Jahren wurde sie von ihrem Vater sexuell missbraucht[2][3] – ein Schock, der sie über eine spätere Therapie zur Kunst führte.

Ihr Künstlerfreund Pontus Hultén schrieb über sie:

„Mehr oder weniger bewusst verstand sie ganz allmählich, dass Kunst ein Lebensprinzip ist, für manche Menschen vielleicht das Lebensprinzip überhaupt, das aber mitsamt seinen Kräften leider domestiziert und kultiviert worden war. Gleichzeitig erkannte sie, dass man sich dieses Prinzips nach Gutdünken bedienen konnte, um dunkle Mächte zu rufen und sie für sich in den Dienst zu nehmen. Hierfür gab es weder Regeln noch Einschränkungen, sie konnte tun und lassen, was sie wollte. Dieser Weg, zwischen der Welt in ihrem Innern und der Außenwelt eine Beziehung herzustellen und damit eine Identität zu finden, bot sich ihr in einer Krisensituation. Ihre ersten Bilder zeigen sehr genau, wie sie Gewalt und Erregung auf diese Weise freisetzen konnte.“[4]

Sie selbst sagte dazu:

„Ich war eine zornige junge Frau, doch gibt es ja viele zornige junge Männer und Frauen, die trotzdem keine Künstler werden. Ich wurde Künstler, weil es für mich keine Alternative gab – infolgedessen brauchte ich auch keine Entscheidung zu treffen. Es war mein Schicksal. Zu anderen Zeiten wäre ich für immer in eine Irrenanstalt eingesperrt worden – so aber befand ich mich nur kurze Zeit unter strenger psychiatrischer Aufsicht, mit zehn Elektroschocks usw. Ich umarmte die Kunst als Erlösung und Notwendigkeit.“[4]

Mit 18 Jahren heiratete sie heimlich ihren Jugendfreund Harry Mathews, 1951 und 1955 bekamen sie ihre Kinder Laura und Philip.[3] 1952 kehrte sie nach Paris zurück. 1953 entstanden ihre ersten Gemälde. Zunächst arbeitete sie als Aktionskünstlerin und machte ab 1956 mit ihren Schießbildern auf sich aufmerksam, dies waren Gipsreliefs mit eingearbeiteten Farbbeuteln, auf die sie während der Vernissage schoss. 1960 erfolgte die Scheidung von Mathews.[5]

Sie starb am 21. Mai 2002 im Alter von 71 Jahren im Süden des US-Bundesstaates Kalifornien in San Diego, das für sein mildes pazifisches Klima bekannt ist. Die Ärzte hatten ihr den Aufenthalt dort aus gesundheitlichen Gründen empfohlen. Sie selbst war der Meinung, dass sie nach jahrzehntelanger Arbeit mit den giftigen Dämpfen, die bei der Verarbeitung des Kunststoffes entstehen, schwere Gesundheitsschäden der Atemwege davongetragen hatte. Ihre Grunderkrankung war aber selektiver Immunglobulin-A-Mangel. Ihre chronische Bronchitis, die extrem schmerzhafte rheumatische Arthritis, ihre Schilddrüsenerkrankung, das Asthma und die Lungenentzündungen sind durch den starken Immunglobulinmangel zu erklären. Atemnot und wiederholte Lungenentzündungen traten schon lange vor ihrer Arbeit mit Kunststoffen auf. Später verstärkten die giftigen Kunststoffdämpfe, das Einatmen von Pigmenten und das Passivrauchen wahrscheinlich das Lungenleiden. In ihrem letzten Lebensjahrzehnt war der Immunglobulin Mangel bei ihr plötzlich nicht mehr nachweisbar.[6]

Künstlerische Entwicklung


Im Juni 1961 nahmen Saint Phalle und Tinguely zusammen mit Jasper Johns und Robert Rauschenberg[7] an einem Happening und Konzert mit dem Titel Variations II teil, das von dem amerikanischen Komponisten John Cage orchestriert und in der amerikanischen Botschaft in Paris durchgeführt wurde. Während David Tudor die Kompositionen von Cage am Klavier spielte, schufen die Künstler ihre Kunstwerke während der Kunst-Aktion vor Publikum auf der Bühne.[8]

Ab 1962 wurde sie von Alexander Iolas finanziell unterstützt, er organisierte ihr Ausstellungen und führte sie in den Kreis prominenter Künstler ein. 1962 nahm sie gemeinsam mit Jean Tinguely an der Ausstellung Dylaby in Amsterdam teil. Ab 1965 entstanden die ersten „Nanas“ – Frauenfiguren mit betont üppigen und runden Formen –, anfangs noch aus Draht und Textilien gefertigt. Schon bald wechselte sie jedoch ihre Technik und arbeitete vorwiegend mit Polyester, einem Material, das unter anderem bevorzugt im Bootsbau verwendet wird. 1965 entstand für die Peter-Stuyvesant-Zigarettenfabrik in Zevenaar die 2 Meter hohe Lili ou Tony.

1966 installierte sie auf Veranlassung des Direktors Pontus Hultén (unter Mitarbeit ihres späteren zweiten Ehemanns Jean Tinguely, den sie 1955 kennengelernt hatte) und des Schweden Per Olof Ultvedt im Stockholmer Moderna Museet eine 29 Meter lange liegende Skulptur mit dem Namen Hon (schwedisch: „sie“), die durch die Vagina betreten werden konnte und in deren Innerem sich unter anderem eine Bar und ein Kino befanden. Die Nanas sind mit reinbunten Farben gemalt worden.

1968 nahm Niki de Saint Phalle erstmals an einer Ausstellung des Museum of Modern Art in New York teil. Weitere Ausstellungen folgten 1969 in München und in Hannover sowie 1970 in Paris, 1971 in Amsterdam, Stockholm, Rom und New York. 1979 begann sie in der Toskana in Capalbio, südlich von Grosseto, mit dem Bau des Giardino dei Tarocchi. Dieser Garten des Tarot wurde 1998 für die Öffentlichkeit freigegeben. Noch bekannter ist der 1982 begonnene Bau des Strawinski-Brunnens vor dem Centre Pompidou in Paris, der von ihr zusammen mit Jean Tinguely gestaltet wurde.

Niki de Saint Phalle gehörte zu den Gründungsausstellerinnen der Bundeskunsthalle in Bonn. Von Juni bis November 1992 stellte sie unter anderem auf dem dortigen Dachgarten über 20 zum Teil begehbare Großplastiken aus.[9] 1999 übernahm Niki de Saint Phalle den Auftrag zur Ausgestaltung der Grotten im Großen Garten in Hannover-Herrenhausen, die seit 2003 für Besucher offen stehen. Ihr Werk „L’ange protecteur“ („Schutzengel“, schwebende Frauenfigur) befindet sich in der Halle des Zürcher Hauptbahnhofes.[10]

Ihr siegreicher Entwurf für die Neugestaltung des Hamburger Spielbudenplatzes konnte wegen ihres Todes nicht mehr verwirklicht werden.

Ehrungen


Filmografie


Hörspiele


Die Hörspielautorin und -regisseurin Barbara Meerkötter entwickelte das Hörspiel Big Girl Now! Klappe 1–16 für Niki de Saint Phalle, welches assoziativ und impulsiv Nikis Leben mit dem Film Un rêve plus long que la nuit (dt. Ein Traum – länger als die Nacht oder Camélia und der Drachen) verbindet. Die Ursendung fand am 15. März 2013 beim RBB Kulturradio statt.

Ausstellungen


Literatur


Weblinks


Commons: Niki de Saint Phalle  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Delia Gaze: Concise Dictionary of Women Artists. Hrsg.: Taylor & Francis. Fitzroy Dearborn Publ, 2001, ISBN 978-1-57958-335-4, S. 596 (englisch, books.google.de [abgerufen am 13. Dezember 2016]).
  2. Niki de Saint Phalle: Mon secret. Editions de La Différence, 2010, ISBN 978-2-7291-1903-4 (französisch, books.google.de [abgerufen am 13. Dezember 2016]).
  3. a b Berühmte Gäste in Bern. Niki de Saint Phalle 1930 - 2001 Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle (Memento vom 16. Januar 2003 im Internet Archive)
  4. a b Katalog zur Ausstellung Niki de Saint Phalle, Bilder – Figuren – Phantastische Gärten in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München von 26. März bis 21. Juni 1987, Hrsg. Carla Schulz–Hoffmann mit Beiträgen von Pierre Descargues, Pontus Hulten, Pierre Restany, Danie Spoerri, Jean Tinguely sowie Niki de Saint Phalle.
  5. Biography. nikidesaintphalle.org, abgerufen am 21. März 2016 (englisch).
  6. Quelle: Johanna Di Blasi: "Sie hatte keinen Schutzengel". Niki de Saint Phalle nährte den Mythos, sie habe der Kunst ihre Gesundheit geopfert – ihre Ärzte sahen das anders. In Hannoversche Allgemeine Zeitung Nr. 23 vom 27. Januar 2012. Diagnose von dem Rheumatologen Henning Zeidler, emeritierter Professor der Medizinischen Hochschule Hannover.
  7. Siehe den Artikel zu den Combine Paintings von Rauschenberg.
  8. Nicole L. Woods: Pop Gun Art: Niki de Saint Phalle and the Operatic Multiple. Living Collections Catalogue. Walker Art Center, Minneapolis 2015. [1]
  9. Niki de Saint Phalle (Memento vom 13. Oktober 2007 im Internet Archive)
  10. Kunst im Hauptbahnhof Zürich , abgerufen 15. April 2014
  11. Archivierte Kopie (Memento vom 5. März 2013 im Internet Archive) Angaben zur Schenkung auf Museumswebseite
  12. Niki de Saint Phalle und die roten Feigenblätter. In: sueddeutsche.de. 29. Oktober 2014, abgerufen am 14. März 2018.
  13. Niki de Saint Phalle auf der Homepage von Peter Schamoni



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